der HÖRSPIELer: Interview mit Jens Wawrczeck

Jens Wawrczeck wurde 1963 in Dänemark geboren. Er sammelte bereits mit elf Jahren erste
Hörspielerfahrungen in Astrid Lindgrens "Brüder Löwenherz". Seine Schauspielausbildung absolvierte er
in Hamburg, Wien und New York. Heute lebt er in London und Hamburg.




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Die 10 besten öffentlich-rechtlichen Kriminal-Hörspiele der letzten 3 Jahrzehnte nach Meinung des HÖRSPIELers | Ranking

TOP-10 des HÖRSPIELers
Kriminal-Hörspiele (Krimi-Ranking)
(chronologisch)

Lindauer Pietà
A: Martin Walser | P: WDR/SWF 1975
R: Günther Sauer | S: 78 Min.
D: Heinz Meier, Brigitte Horney, L. Carstens

Verteidigung von Friedrichshafen
A: Martin Walser | P: DDR 1976
R: Heinz-Wilhelm Schwarz | S: 54 Min.
D: Dietrich Körner, Hans-Joachim Hanisch

... trägt Anstaltskleidung
und ist bewaffnet
A: Irene Rodrian | P: BR 1982 | S: 54 Min.
R: Gert Westphal | B: Lilian Westphal
D: Robert Atzorn, Lisi Mangold, Rita Russek

Detective Andy
und der Transvestitenmord
A: Anthony J. Ingrassia | P: SFB/HR 1983
R: Bernd Lau | S: 52 Min. | B: Götz Naleppa
D: Manfred Krug, Tara O'Hara, Otto Sander

Brunx
A: Jens Hagen | P: WDR 1983
R: Werner Klein | S: 52 Min.
D: Achim Hammer, Karin Dieck, M. Ponnier

Detective Andy
und der Disco-Passion-Mord
A: Anthony J. Ingrassia | P: SFB 1987
R: Werner Klein | S: 57 Min.
D: Manfred Krug, Ursula Heyer, B. Primus

Potsdamer Ableben
A: Pieke Biermann | P: SFB 1989
R: Günther Sauer | S: 109 Min.
D: Renan Demirkan, Beate Hasenau

Panama oder
Die Details der Engel
A: Michael Batz | P: NDR 1990
R: Hans Rosenhauer | S: 60 Min.
D: Barbara Nüsse, Rainer Schmitt

Traumfabrik
A: Roger Hall | Ü: Hubert von Bechtolsheim
R: Renate Heitzmann | S: 45 Min.
P: DLR 1995
D: Rolf Ludwig, Michael Schenk, Th. Thieme

Anna Marx und die Mörderin
A: Christine Grän | P: SWR 1999
R: Walter Adler | S: 55 Min.
D: Hansi Jochmann, Hermann Lause

A=Autor | B=Bearbeitung | D=Darsteller (u.a.)
P=Produkt. | R=Regie | S=Dauer | Ü=Übersetz.




Lesung
Lesung von Leo Greller (1/2) - Mediensatire
TEIL1

Lesung
Lesung von Leo Greller (2/2)
TEIL2





Die besten öffentlich-rechtlichen Kriminal-Hörspiele außer Konkurrenz (etc.) der letzten Jahrzehnte nach Meinung des HÖRSPIELers | Ranking

TOP-2 des HÖRSPIELers
Kriminal-Hörspiel / außer Konkurrenz
(chronologisch)

Gestatten, mein Name ist Cox
A: Alexandra & Rolf Becker | P: NWDR 1959
R: Walter Netzsch | S: 180 Min.
D: Carl-Heinz Schroth, Siegfried Lowitz

Das Bouillabaisse-Komplott
A: Andreas Pflüger | P: DSK 1993
R: Albrecht Surkau | S: 45 Min.
D: Otto Sander, Angelika Waller

A=Autor | B=Bearbeitung | D=Darsteller (u.a.)
P=Produkt. | R=Regie | S=Dauer | Ü=Übersetz.





DREI ???

Drei Männer vor dem Mikro

Über 17 Millionen Tonträger verkaufte das Quickborner Label EUROPA mit den unverwüstlichen drei ???. Selbst unerfreuliche Lizenzstreitigkeiten um die Jahre 2006 und 2007 hielten die Macher nicht davon ab, vorübergehend unter dem geänderten Titel 'DiE DR3i' weitere Jugendkrimis zu veröffentlichen. Für viele Hörer Teil übriggebliebener Jugenderinnerungen wird inzwischen wieder die Originalserie weiter fortgesetzt, die sich nach wie vor konstanter Beliebtheit erfreut.

Seit 1993 werden die Folgen von deutschen Autoren geschrieben, nachdem die amerikanische Originalreihe "The Three Investigators" (nach Robert Arthur) ab 1989 eingestellt wurde. Die drei Hauptrollen der deutschen Vertonungen sprechen seit 1979 Oliver Rohrbeck (Justus Jonas, 1. Detektiv), Jens Wawrczeck (Peter Shaw, 2. Detektiv) und Andreas Fröhlich (Bob, Andrews, 3. Detektiv).
Wie lange uns der derzeitige Medien-Hype um die drei Fragezeichen, dem sich anzuschließen selbst der eine oder andere Feuilletonist offenbar nicht widerstehen konnte, noch erhalten bleibt, wird die nähere Zukunft zeigen. Nicht zu unterschätzen ist jedoch vermutlich die Zahl derjenigen Hörspielhörer, die über `harmlose´ Kinder- und Jugendhörspiele (quasi als `Einstiegs-Droge´) ihr Interesse an den `ausgereifteren´ Produktionen öffentlich-rechtlicher Natur entdeckt haben. Dies ist ein schöner Nebeneffekt.

Über die kommerziellen Produktionen hinaus scheint nachhaltig lediglich Jens Wawrczeck dem klassischen 'Radio-Hörspiel' verbunden zu sein. Während man Oliver Rohrbeck viel als Fernseh-Synchronsprecher und Sprecher kommerzieller Hörbücher (nicht zuletzt seiner eigenen bei der erfolgreichen 'Lauscherlounge') wahrnimmt und Andreas Fröhlich mit seinem jugendlich-kumpelhaften Timbre Fernsehwerbung bereichert und ebenfalls zahlreiche Charaktermimen synchronisiert, wirkt Wawrczeck seit über einem Jahrzehnt verstärkt in öffentlich-rechtlichen Hörspielproduktionen mit.


Jens Wawrczeck (Foto mit freundlicher Genehmigung durch ebendiesen) INTERVIEW

Jens Wawrczeck [im Winterhuder Fährhaus]

Wie sah Dein erster Kontakt mit dem Medium `Hörspiel´ aus ?

Ich wußte schon sehr früh, dass ich Schauspieler werden wollte. Darum war ich begeistert als in der fünften Klasse unser Deutschlehrer verkündete, dass der Norddeutsche  Rundfunk Kinder für den Schulfunk suchen würde. Ich spazierte, damals noch ohne das Wissen meiner Eltern, am Nachmittag zum Vorsprechen und wurde genommen. Da war ich ca. elf. Und die darauf folgenden Jahre habe ich mehr oder weniger hinter dem Mikrofon zugebracht, z.B. in Astrid Lindgrens `Brüder Löwenherz´ oder als Mogli im `Dschungelbuch´. Auf der Bühne stand ich das erste Mal 1976, an den Hamburger Kammerspielen. Und Theater ist auch heute noch meine ganz große Liebe, glaube ich. Ich  war ein merkwürdiges Kind, ich hörte weder die Musik der anderen, noch las ich deren Bücher oder sah die Filme, die den anderen gefielen. Es gab immer wieder Zeiten, in denen ich mich selber lieber angepaßter gesehen hätte. Später habe ich dann erfahren, dass das, was mich unterschieden hat, durchaus ein Vorteil sein kann. Zumindest als Sprecher und Schauspieler. Bis ich sechzehn war habe ich eine Unmenge Hörspiele gemacht. Dann kam der Stimmbruch und es wurde etwas ruhiger.

Wie ging es dann weiter ?

Nach dem Abitur war ich in Hamburg auf der Schauspielschule und eines Tages wurde ich einem Regisseur vor die Nase gesetzt, mit dem ich heute noch arbeite und den ich sehr verehre: Hans Gerd Krogmann. So landete ich mehr oder weniger zufällig in der Abteilung `das anspruchsvolle Hörspiel´. In den letzten zehn Jahren habe ich bei Krogmann fantastische Rollen gespielt. Aber in anderen Produktionen habe ich es manchmal auch erlebt, dass hinter den sogenannten anspruchsvollen Texten nichts weiter steckte als heiße Luft; dass ich im Studio saß und teilweise gar nicht verstanden habe, was ich da spreche und auch der Rest der Crew ziemlich ratlos blieb. Das hinterläßt dann einen fahlen Nachgeschmack, weil ich nicht nur das Gefühl habe, einem aufgeplusterten Nichts Leben einhauchen zu müssen, sondern außerdem befürchten muß, dass mir das nicht gelingt.

Kannst Du da Beispiele nennen ?

Es gab Texte, oft sogenannte `innere Monologe´ , die nicht besonders gut, d.h. in diesem Fall schauspielerfreundlich geschrieben waren. Vielleicht bin ich ja auch zu ungeduldig, zu oberflächlich, zu konventionell ...
Ich habe ein Hörspiel gemacht, vor Jahren, zu dem ich nur sehr schwer Zugang fand. Am Abend vor den Aufnahmen habe ich den Regisseur im Hotel getroffen und gesagt: `Ich habe den Text gelesen, aber ich weiß nicht,mit welcher Haltung ich den spielen soll.´ Daraufhin meinte der Regisseur: `Oh, um Himmels Willen !! Überhaupt keine Haltung ! Lassen Sie den Text irgendwie fließen.´. Am nächsten Morgen ging ich ins Studio mit dem Vorsatz, es `fließen´ zu lassen und mir nicht zu sehr den Kopf zu zerbrechen. Manchmal funktioniert so etwas auch sehr gut. Aber in diesem Fall war die Arbeit eine Qual und am Ende habe ich mich bei allen entschuldigt und gesagt, ich hätte das Gefühl, vollkommen versagt zu haben. Daraufhin habe ich vom Toningenieur erfahren, dass fast alle Schauspieler mit einem ähnlichen Gefühl aus der Produktion geschlichen sind.

Kommt so etwas öfter vor ?

Es ist nicht die Regel, aber natürlich frage ich mich ab und zu nach einer Produktion: `Was war das ?´. Es gibt Produktionen, die ein Riesenerfolg werden, wie z.B. 'Raumschiff Titanic' , bei denen es während der Aufnahmen aber extrem schwer ist, der Handlung zu folgen. Da hantiert man dann mit mehreren Manuskripten (Mehrteiler) und nimmt nicht chronologisch auf. Daher ist es schwer, den Überblick zu bewahren, zu wissen `was ist meiner Figur eigentlich in der Szene vorher widerfahren ?´ ... usw. In solchen Situationen ist ein starker Regisseur wichtig. Übrigens: Oft sind gerade die Produktionen ein großer Erfolg, in denen sehr viel weniger Herzblut und persönliches Engagement steckt - Wer weiß, warum? Das kann frustrierend sein.

Wie stehst Du zum Medium Hörspiel ?

Das Hörspiel ist eine Oase in der Medienlandschaft. Dort arbeitet man noch unter vergleichsweise sehr guten Bedingungen, zumindest bei den Öffentlich-Rechtlichen. Dort wird sich bei größeren Produktionen durchaus noch vier bis acht Wochen Zeit genommen. Die meiste Zeit wird allerdings nicht für die Schauspieler, sondern für die Mischung gebraucht. Da es den meisten Schauspielern sehr viel Spaß macht, in Hörspielen mitzuwirken, können auch oft kleinere Rollen mit tollen Leuten besetzt werden.

Fühlst Du Dich dem Medium Hörspiel eigentlich besonders verbunden ? Du hast ja immerhin Deine Karriere mit Hörspielen gestartet.

Genau. Ich habe mit Hörspielen angefangen und ich fühle mich dem Medium sehr verbunden. Das Spannende daran ist, dass es so intim ist.

Intim vom Konsum oder auch von der Mache her ?

Beides. Vom Konsum sicher. Wie oft haben mir Hörer erzählt, sie wären mit einem Hörspiel von mir eingeschlafen (!), besonders die drei ??? werden gerne unter der Bettdecke gehört. Das ist doch schon sehr intim ... . Aber auch die Mache ist intim, weil man so `nah´ am Darsteller ist.
Die Stimme: Es gibt kaum etwas Persönlicheres, finde ich. Auf der Bühne kann man ablenken, schummeln, mit Effekten blenden, sich verkleiden usw. Das Ohr nimmt aber wahr, ob ich wahrhaftig bin, das Mikrofon läßt sich nicht belügen. Auch wenn ich mir nach so vielen Jahren sicher eine gewisse Hörspieltechnik angeeignet habe. Es ist jedes Mal wieder eine Herausforderung. Das Mikrofon ist mein Partner. Es ist, als wäre ich mit einem Geliebten zusammen und würde ihm ins Ohr flüstern. Das Medium Hörspiel hat etwas absolut Erotisches. (lacht)

Hörst Du selbst privat auch Hörspiele ?

Selten. Wenn ich selber mitwirke, werde ich beim Hören sehr ungeduldig. Nach dem Motto: Das hättest Du doch besser machen können !

Wird denn nach wie vor aufwendig produziert ? Nimmst Du Veränderungen wahr ?

Es wird relativ aufwendig produziert. Aber auch in der Hörspielbranche ist Zeit Geld und alles muß schnell gehen. In Berlin habe ich kürzlich für Random House Audio/BMG den Roman `Die Sonne ist eine geniale Göttin´ gelesen, der jetzt als Doppel-CD erschienen ist. Das war ein Pensum von 120 Seiten, die ich in zwei Tagen gelesen habe. Das ist sehr viel. Da ging ich abends nach Hause und hatte einen fusseligen Mund. Und das, obwohl ich eigentlich hart im Nehmen bin. Mir wurde dann gesagt, dass man früher doppelt so viel Aufnahmezeit zur Verfügung gehabt hätte. In solchen Fällen hilft es, gut vorbereitet zu sein und einen Regisseur zu haben, der unterstützt.

Dann bist Du also ein Typ, der durchaus einen Regisseur für Rückmeldungen braucht ?

Irgendwie ja. Im Idealfall ist das jemand, der mir nicht vorschreibt, wie ich etwas gestalten soll, sondern mir zuhört und gemeinsam mit mir auf die Suche geht.

Wie nimmst Du die allgemeine Tendenz in Sachen Hörspiel wahr ? Ist die steigend oder fallend ?

Es wird immer mehr produziert. Besonders in Kooperation mit den Hörbuchverlagen. Alles wird kommerzieller. Leider teilweise auch die Besetzung. Die Verantwortlichen besetzen gerne Fernsehschauspieler, die nicht unbedingt ideal für die Rolle sind, weil sie hoffen, auf diese Weise mehr zu verkaufen. Schwierig ist es auch, dass ein Hörspiel, das zwar von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten produziert, aber anschließend von irgendwelchen Hörbuchverlagen ebenfalls veröffentlicht wird, nicht mehr uneingeschränkt Musiken verwenden darf. Das ist urheberrechtlich problematisch. Einer  meiner Lieblingsregisseure, Hans Gerd Krogmann, der Hörspiele mit vielen Musikzitaten inszeniert, fast wie Opern, ist zu Recht völlig frustriert, wenn ihm solche Handschellen angelegt werden. Das beschneidet die künstlerische Freiheit.

Wie sieht es eigentlich mit Rückmeldungen im Sinne von Publikumsreaktionen aus ?

Ich weiß nicht, was die Hörspielredaktionen tatsächlich an Kommentaren von Hörern bekommen. Wir, die Schauspieler, kriegen das wenig mit. Höchstens gibt es innerhalb der Branche Reaktionen, Komplimente oder auch das Gegenteil.

Ist es denn eigentlich eine Art Referenz, wenn man z.B. zum Fernsehen möchte und man hat vorher Hörspiele gemacht ?

Glaube ich nicht. Beim Fernsehen gilt es manchmal schon als ein Makel, wenn man zuviel Theater gespielt hat. Da heißt es, man sei zu theatralisch.

Wie nimmst Du eigentlich die Einschätzung von kommerziellen Hörspielproduzenten und öffentlich- rechtlichen Realisatoren wahr ? Gibt es da Berührungsängste, oder ignoriert man sich gegenseitig vielleicht sogar vollständig ?

Sicher gibt es auf beiden Seiten Scheuklappen. Die einen halten die anderen für oberflächlich, die anderen die einen für elitär. Als Schauspieler sehe ich das gelassener. Ich versuche, mein Bestes zu geben.

Bist Du eigentlich abonniert auf Krimis ?

Eigentlich nicht. Vielleicht entsteht der Eindruck, weil insgesamt so viele Krimis in den letzten Jahren produziert worden sind. Auch das ist sicher ein Zeichen dafür, dass auch bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten immer mehr danach geschielt wird: Was läßt sich verkaufen ? Was wollen die Hörer hören ?  Schade eigentlich.

Unterscheidet sich denn die Produktionsweise der Privaten und der Öffentlichen sehr voneinander ?

 Ja. Die Öffentlichen lassen sich sehr viel mehr Zeit für Aufnahme und Mischung. Und sie sind auch viel beharrlicher, wenn es darum geht, die Schauspieler zu engagieren, die sie für optimal halten. Letztes Jahr spielte ich abends in Hamburg Theater und stand tagsüber in Stuttgart für die Hörspielfassung von Grimmelshausens `Simplicissimus´ beim SWR vorm Mikrofon.
Das bedeutete, dass ich allein achtmal hin- und herfliegen musste. Diesen Aufwand, und letztlich auch Streß, können sich kleinere, private Firmen gar nicht leisten. Das war selbst für den SWR eine Ausnahme, weil es sich wirklich um eine sehr, sehr aufwendige und große Produktion handelte. Aber wenn ein Regisseur bei den Öffentlichen Dich haben möchte, gelingt es ihm für gewöhnlich, Dich zu bekommen, weil wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt werden. Der Regisseur bei den Öffentlichen ist im Vergleich zu den Privaten sowieso ein enorm wichtiger Mann. Ich würde soweit gehen, zu sagen, dass die Arbeit zwischen Schauspieler und Regisseur bei den Öffentlichen intensiver ist.

Sind die DREI ??? eigentlich die einzigen Hörspiele für Kinder und Jugendliche, bei denen Du mitwirkst ?

Zur Zeit schon, und in dieser Serienform auf jeden Fall. Die DREI ??? sind mit anderen Produktionen auch gar nicht zu vergleichen. Ich mache das jetzt seit über zwanzig Jahren und wenn ich -was tatsächlich häufiger vorkommt- an der Stimme oder am Lachen von DREI ???- Hörern erkannt und angesprochen werde, dann ausschließlich auf eine sehr persönliche, angenehme und liebevolle Art. Die DREI ??? scheinen für viele ein Teil der Jugend zu sein, der gute Teil. Und ohne dass Andreas, Oliver oder ich jemals so etwas geahnt hätten, haben wir eine sehr intime und dauerhafte Beziehung zu unseren Hörern aufgebaut. Das ist insofern überraschend, weil der reine Zeitaufwand, den die DREI ???-Aufnahmen im Jahr für uns bedeutet, relativ gering ist und im Vergleich zu anderen Jobs, Theater usw., kaum der Rede wert.
Ich fühle mich sehr privilegiert, über so viele Jahre dabei sein zu dürfen, aber die DREI ??? sind in meinem Leben als Schauspieler sicher nicht das Wichtigste.

Wie ist Dein Verhältnis zu den anderen beiden Sprechern der DREI ??? ?

Inzwischen kommen Oliver, Andreas und ich sehr gut miteinander aus. Am Anfang war das nicht immer so. Ich war vielleicht ein bißchen eingeschüchtert von den beiden. Heute bedauern wir, dass wir uns nicht häufiger sehen. Wir mögen uns wirklich sehr. Wenn man so viele Jahre zusammenarbeitet, entsteht ein enormes Vertrauen und auch Respekt. Die Aufnahmen sind so familiär, dass wir gerade unsere gemeinsamen Szenen, die in der Zentrale oder auf dem Schrottplatz, nicht als Arbeit empfinden, sondern als Fest. Im Ernst: Ich glaube, dass das die Qualität der DREI ??? ausmacht. Man glaubt uns, dass wir vertraut miteinander sind, dass wir uns mögen, durch dick und dünn füreinander gehen würden und uns wirklich gut kennen, weil es tatsächlich so ist. Nächstes Jahr (2002) wollen wir übrigens mit einer Art Live-Performance auf Tour gehen.

In letzter Zeit gab es ja Irritationen um die Rolle des Peter Shaw, dadurch dass verbreitet wurde, er sei schwul bzw. hätte einen Freund.

Ach herrjeh... ! Wir werden so oft gefragt: `Warum haben die DREI ??? keine Freundinnen ?´ usw.,  dass ich irgendwann mal gesagt habe: `Vielleicht haben die ja was miteinander, wer weiß ?´. Aber mal ehrlich: Ob Peter schwul ist oder nicht, spielt überhaupt keine Rolle, weil diese Thematik bei den DREI ??? auch keine Rolle spielt. Das Sexualleben von Justus, Peter und Bob ist weitgehend tabu bzw. nicht relevant. Wir lösen Kriminalfälle. Der Rest bleibt der Fantasie der Hörer überlassen. Die ist bunt genug, denke ich.




DREI ??? - KURZREZENSION

Zeitgeist-Test

'Die Drei Fragezeichen' waren und sind mit Abstand Deutschlands erfolgreichste Jugend-Hörspielserie. Nach über 3 Dekaden, in denen sie ermittelten, haben sich Moral und Werte nachhaltig verändert, was sich bisher noch viel zu wenig auf die Rezeption der einzelnen Geschichten niedergeschlagen hat. Die HÖRSPIELer wollen dies ändern. (Spoiler-Warnung!)


DREI ??? - KURZREZENSION [01+02]

Papageien und Phantome

Die drei toxischen Jungdetektive starten ihren ersten Fall 'Der Superpapagei' mit der für sie so typischen Spuren- um nicht zu sagen 'Schnitzel'jagd nach einem Schatz. Papageien geben in diesem Fall Hinweise auf den späteren Fundort eines wertvollen Bildes.
Der sicher sehr gute Schauspieler Gerlach Fiedler hat einen enormen Bass als Stimme, bei dem man denkt, dass bei jedem Atemzug ein paar Hundert Nasenhaare mitschwingen. Ein äußerst unästhetisches Timbre, das muss hier einmal gesagt werden. Die 'Telefonlawine' zur Recherche eines Verdächtigen richtet sich ausschließlich an junge männliche Kalifornier ('Jungen') - was mit den Vorgaben des Gender-Mainstreaming überhaupt nicht in Einklang zu bringen ist: Wir alle wissen, dass junge weibliche Menschen ('Mädchen') genauso abenteuerlustig sind, wie Angehörige des ungerechterweise leider immer noch bevorzugten Gechlechts. Auch der Hinweis gegen Ende des Hörspiels auf die 'ruhenden Gebeine' einer Gruppe von amerikanischen Ureinwohnern hingemetzelter weißer Siedler ist für den Gedanken der Völkerverständigung nicht hilfreich. Nicht zuletzt, weil inzwischen auch dem letzten Zweifler bekannt sein müsste, dass alles Leid der Welt von weißen, christlichen Amerikanern verursacht wird - woran Massenmedien und politische Organisationen zurecht regelmäßig erinnern.

Die drei Fragezeichen streiten sich mit Java-Jim um den Inhalt einer alten Seefahrerkiste, der möglichweise zu einem Seeräuberschatz führt. Professor Shy hilft ihnen dabei.
Der wunderbare Gottfried Kramer hat in der zweiten Folge 'Der Phantomsee' eine Doppelrolle zu bewältigen, was für einen exzellenten Sprecher wie ihn natürlich kein Problem ist. Aber die Regieanweisungen erfüllten leider alle Klischees, die zur Entstehungszeit der Vertonung noch äußerst virulent und unheilvoll waren: Kramer spricht den Ganoven Java-Jim rauhbeinig und aggressiv, während er Professor Shy als zart besaitet und 'tuntig' darstellt. Er macht das sehr überzeugend, aber warum muss eigentlich der virile Verbrecher als allem Anschein nach heterosexuell und der gutmütige und zivilisierte Professor als allem Anschein nach homosexuell dargestellt werden ? Es ist ungut, diese tradierten Rollenbilder in einem Jugendhörspiel fortzuschreiben. Ganoven können sehr wohl gewalttätig und schwul sein, Menschenfreunde durchaus auch mal heterosexuell.


DREI ??? - KURZREZENSION [03+04]

Hunde und Katzen

Bei einem netten älteren Herren, der einige seltene Kunstgegenstände besitzt, scheint es in der Wohnung zu spuken. Er berichtet den drei Fragezeichen von seltsamen Lichtblitzen in seinem Arbeitszimmer. Außerdem wurde 'der Karpartenhund', eine geheimnisvolle Glasskulptur, gestohlen. Die drei Fragezeichen ermitteln in dem Fall und befragen die Nachbarn in der Wohnanlage, von denen jeder sein eigenes Geheimnis zu verbergen scheint. Dann ereignen sich noch mehr seltsame Unfälle.
Die Folge 'Der Karpartenhund' ist die beste 'klassische' (Episoden 1-28) Hörspielvertonung der Fälle der drei Fragezeichen. Es wurde ein überzeugendes und rasantes Verwirrspiel um die schrulligen Mieter (Gernot Endemann, Katharina Brauren sowie Hans Hessling) einer Wohnanlage inszeniert, das bis heute nichts von seinem Charme eingebüßt hat. Lediglich die Tatsache, dass am Ende als Täter ein Gewohnheitsraucher entlarvt wird, stellt einen kleinen Wermutstropfen dar - wird diese Bevölkerungsgruppe doch bereits genug von aufdringlichen Gesundheitsaposteln drangsaliert.

In einem Wanderzirkus ereignen sich immer wieder brenzlige Zwischenfälle. Außerdem werden die drei Fragezeichen Zeuge, wie jemand versucht, eine scheinbar wertlose schwarze Stoffkatze zu stehlen. Besteht ein Zusammenhang zwischen beiden Auffälligkeiten ?
Die Folge 'Die schwarze Katze' gehört zu der bei den drei Fragezeichen beliebten aber leider auch etwas eintönigen Kategorie von 'in unscheinbaren Gegenständen ist etwas Wertvolles oder zumindest der Hinweis auf etwas Wertvolles versteckt'. Bemerkenswert ist die Beschreibung des gesuchten Täters als 'dunkelhäutig', welche später auch zu seiner Überführung beiträgt. Zur Entstehungszeit des Hörspiels 1979 hatte sich noch nicht wie heute die Erkenntnis durchgesetzt, dass Angehörige ethnischer Minderheiten oder gar Menschen aus 'Südland' grundsätzlich keine selbstverantworteten Verbrechen begehen. Die ursächlichen gesellschaftlichen Mißstände wurden in der ansonsten passablen Vertonung überhaupt nicht thematisiert. Es bleibt zu hoffen, dass die zuständigen Verlagsmitarbeiterinnen die entsprechenden politisch unkorrekten Details aus künftigen Neuabmischungen des Hörspiel-Oldies herausschneiden.


DREI ??? - KURZREZENSION [05+06]

Rubine und Totenköpfe

Der junge Gus (Stephan Chrzescinski) hat eine Erbschaft angenommen, mit der er nicht viel anfangen kann. Die drei Fragezeichen sollen bei der Entschlüsselung des Testament-Wortlauts helfen. Es steht ein Edelstein in Aussicht. Der Fluch des Rubins hat manchem seiner Vorbesitzer Unglück gebracht. Trotzdem sind noch andere hinter dem Stein her.
Die im Hörspiel ausgesprochene Warnung "Nimm dich in Acht vor einem dunkelhäutigen Mann !" lässt definitiv eine kultursensible Sprache im Sinne von Niedersachsens ehemaliger Sozialministerin mit Migrationsgeschichte Aygül Özkan vermissen. Lediglich das frühe Erscheinen der Vertonung bereits 1979 kann entschuldigen, dass Frau Özkan, die mit ihrer „Mediencharta für Niedersachsen“ sicher keine Zensur in Deutschland einführen wollte, das Werk vermutlich nicht gutheißen würde.
Noch ein Wort zu den Büsten großer Berühmtheiten, in denen die Fragezeichen einen Hinweis auf oder gar den Edelstein selbst vermuten: Es sind die Abbilder von George Washington, Benjamin Franklin, Ottavian, Homer, Otto von Bismarck sowie Francis Bacon. Darunter befindet sich nicht EINE Frau. Dabei waren Frauen für die Geschichte der westlichen Welt genauso wichtig, wie Männer. Warum ist keine Büste von Hildegard von Bingen oder Madame Curie dabei ? Hier wurde leider eine Chance vertan.
Aus Angst vor dem Fluch des Rubins äußert sich Gus in einer Art, die sämtliche wohlmeinende Vertreter des Sozialstaats - Pädagogen, Anwälte, Politiker - zur Verzweifelung treiben würde: "Dann bleibe ich lieber arm. Ich werde schon irgendwie durchkommen ..." Als wenn arme Menschen in dieser Gesellschaft auch nur irgendeine Chance auf wirtschaftlichen Aufstieg hätten ! Genau aus diesem Grunde haben wir schließlich den Umverteilungsstaat, der die Menschen motiviert und Initiative entwickeln lässt.

Der sprechende Totenkopf führt Justus Peter und Bob zu einem versteckten Schatz, hinter dem auch ein vorbestrafter Roma sowie ein Berufsverbrecher her sind.
Die Fährte zum Schatz führt über die Korrespondenz eines einsitzenden Verbrechers. Wegen der Gefängniszensur müssen die drei Detektive die Andeutungen in seinen Briefen enträtseln. Würde man die Geschichte heute neu und politisch korrekt vertonen, müsste man noch etwas deutlicher machen, dass die im Gefägnis Inhaftierten vor der Gesellschaft geschützt werden und nicht etwa umgekehrt.


DREI ??? - KURZREZENSION [07+08]

Drachen und Geister

Bei ihren von Alfred Hitchcock in Auftrag gegebenen Recherchen um einen geplanten Bankeinbruch geraten die drei Detektive an ein vermeintliches Meeresungeheuer, von dem sie sich allerdings nicht ins Bockshorn jagen lassen. Der unheimliche Drache entpuppt sich als harmlose Attrappe und auch einer der Bankräuber in spe kann von Justus noch rechtzeitig zur Vernunft gebracht werden.
Besonders die Wendung, dass Justus einen der mutmaßlichen Verbrecher noch rechtzeitig von seinen Raubplänen abbringen kann, ist aus heutiger kriminalpolitischer Perspektive sehr erfreulich. Während der junge Jonas ihm Fluchthilfe leistet, sagt er noch: 'Ich glaube, dass Sie im Grunde genommen ein Spaßvogel sind, der wieder einmal über´s Ziel hinaus geschossen ist'. Manch eine Hörerin oder ein Hörer mögen bei der überaus pädagogisch wertvollen Auflösung des Falls - ohne vielleicht genau zu wissen, warum - an moderne Kriminalpolitiker wie Ehrhart Körting, Sebastian Edathy oder Christian Pfeiffer denken. Das wäre jedenfalls naheliegender, als Namen wie Kirsten Heisig, Thilo Sarrazin oder Ronald Barnabas Schill mit einem Jugendhörspiel, wie dem 'Unheimliche Drachen', in Verbindung zu bringen.

Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews helfen in Der grüne Geist einer chinesischstämmigen Farmbesitzerin, ihre Ranch gegen Intrigen zu verteidigen. Ein chinesischer Millionär hat es auf besondere Perlen abgesehen, die angeblich unsterblich machen sollen. Um in ihren Besitz zu gelangen, entführt er sogar den Neffen der alten Dame.
Sehr heikel mutet aus heutiger Sicht die eher negative und klischeebeladene Darstellung des chinesischen Finsterlings durch Ernst von Klipstein mit rollendem 'l' sowie gekünstelt hoher Stimme an. Die europäische Politikelite übt sich seit Jahren in Lobpreisungen über das kommunistisch-kapitalistische Regime im Reich der Mitte - sowohl was wirtschaftliche als auch demokratrische Fortschritte anbelangt. Man sollte es sich mit diesem immer wichtiger werdenden Global Player also auf keinen Fall verscherzen - das wissen wir heute, damals konnte man noch altbundesrepublikanisch naiv agieren.


DREI ??? - KURZREZENSION [09+10]

Bilder und Mumien

Eine europäische Gräfin (Gisela Trowe) beauftragt die drei Fragezeichen, den Nachlass ihres verstorbenen Bruders zu recherchieren. Die rätselhaften Bilder des Malers, die allesamt verschiedene Ansichten ein und desselben Hauses zeigen, wollen jedoch auch noch andere aufspüren: Neben Skinny Norris ein rätselhafter Holländer.
Während einer Verfolgungsjagd per Fahrrad gibt Bob Andrews, der dritte Detektiv, im Straßenverkehr Bemerkungen von sich, wie 'Wir kümmern uns nicht um rotes Licht !' und 'Nicht um die Ampeln kümmern !'. Das ist aus medienpädagogischer Sicht nicht gut. Außerdem versuchten die Autoren dieses Jugendkrimis vor über 30 Jahren, die Hörer mit der Schilderung eines vermeintlich unsympathischen und gefährlichen Holländers auf eine falsche Fährte zu locken. Aus heutiger Sicht ist das ebenfalls unschön, werden Holländer doch gegenwärtig ohnehin international vom medialen sowie politischen Establishment stark angefeindet. Dies sogar zu Recht, da sie einige bedenkliche Persönlichkeiten, wie Geert Wilders und Ayaan Hirsi Ali hervorgebracht haben, die sich entgegen den Vorgaben einer sich weltweit steigender Beliebtheit erfreuenden friedlichen Ideologie für Frauen- und Homosexuellenrechte einsetzen. Bösewichter in Krimis sollten grundsätzlich nicht mit Akzent sprechen.

Ein Altertumsforscher bittet die drei Fragezeichen, ihm bei der Lösung des Geheimnisses um die flüsternde Mumie, die er aus Ägypten nach Kalifornien brachte, zu helfen.
Dass der Professor seine sieben philippinischen Gärtner nicht auseinanderhalten kann, liegt vielleicht nur daran, dass es sich bei ihnen um Brüder handelt und nicht weil er á la Thilo Sarrazin eigene Theorien über die weniger ausgeprägte genetische Vielfalt bei Asiaten pflegt. Gerade noch gerettet ... . Weniger nett ist die Behauptung des Professors (Karl Walter Diess), 'Aberglaube spreche aller Wissenschaft Hohn'. Dieser Aufklärungsfundamentalismus ist ein Schlag ins Gesicht vieler neuer Bürger dieses Landes, denen wir in den letzten Jahren einen starken Schub auf dem Weg zu einer Rekonfessionalisierung der Gesellschaft verdanken. Vor diesem Hintergrund wäre zudem ein Hinweis im Hörspiel oder wenigstens auf dem Cover begrüßenswert, dass in Ägypten die alten Pyramiden großzügigerweise nach wie vor als Zeugnisse der Vergangenheit und früherer Religionen geduldet werden und ihnen ein ähnlich drastisches Schicksal wie das der Buddha-Statuen von Bamiyan bisher erspart geblieben ist.


DREI ??? - KURZREZENSION [11+12]

Schlösser und Wecker

Der ehemalige Vampir- und Monsterdarsteller Stephen Terrill veranstaltet in einem schlossähnlichen Haus Gruseleinlagen, um mögliche Käufer für das Gemäuer abzuschrecken. Er kann das Gespensterschloß selbst nicht erwerben, denn er ist verarmt, weil er nach der Einführung des Tonfilms und dem damit verbundenen Bekanntwerden seiner Fistelstimme keine Engagements mehr erhielt. Die drei ??? kommen ihm natürlich auf die Schliche.
Die jugendlichen Detektive lassen in dieser Folge kurzweilig immerhin etwas Mitleid mit dem durch seine abnorme Stimme gestraften ehemaligen Schauspieler und Prominenten erkennen. Sie sind damit ihrer intoleranten Zeit ein gutes Stück voraus - das Hörspiel entstand im Jahr 1980 als man in den elektronischen Massenmedien noch übersteigerten Wert auf wohlklingende und ansprechende Timbres bei Schauspielern und Sprechern legte (Dagmar Berghoff, Wolf-Dieter Stubel, Marlen Diekhoff). Heute, im Jahr 2017, haben Medienanbieter und Publikum glücklicherweise derart oberflächliche Betrachtungsweisen im Bezug darauf, was man anderen Menschen zumuten kann und was nicht, überwunden und weisen kaum noch Berührungsängste mit penetranten Stimmen auf. Erfolgreiche zeitgenössische Prominente wie Gülcan Kamps, Stefan Raab oder Charlotte Roche profitieren verdientermaßen von diesem erfreulichen Einstellungswandel bezüglich der Überbetonung von Talent. Dagegen vermögen selbst Experten für Phoniatrie und Pädaudiologie, wie Niels Graf von Waldersee, der unter anderem den häufig ausbleibenden weiblichen Stimmbruch thematisiert, nichts auszurichten.

Die drei Detektive aus Rocky Beach helfen einem Jungen beim Beweis der Unschuld seines Vaters, der Opfer eines Justizirrtums wurde. Eine wichtige Rolle bei der sich anschließenden und für die drei Fragezeichen typischen Beweis-Schnitzeljagd spielen seltsame Wecker, die statt mit Alarmsignalen durch menschliche Schreie die Nachtruhe ihrer Besitzer beenden sollen.
Es gibt anmaßende Zeitgenossen, die behaupten, dass Regisseurin Heikedine Körting als Sprecherin in ihren eigenen Hörspielen nicht übertrieben geeignet sei. An dieser Stelle kann jedoch festgehalten werden, dass sie als schreiender Wecker einen ganz besonders nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen verstand.


DREI ??? - KURZREZENSION [13+14]

Schatten und Monster

In der äußerst belanglosen Folge um einen lachenden Schatten und entführte Indianerkinder wird unter anderem gegen Vegetarier gestichelt, was alles andere als nett ist: Justus, Bob und selbst den stets recht feminin klingenden Peter schüttelt es vor Abscheu als ihnen ein Hirsebratling angeboten wird. Schade.
Den besorgten Indianervater spricht der altbewährte Schauspieler Gernot Endemann, was vielleicht gut gemeint sein mag, aber in dieser Folge durch seine grotesk verstellte Stimme recht aufgesetzt und penetrant wirkt. Wenn in früheren Zeiten europäischen Schauspielern das Gesicht schwarz bemalt wurde als sie indigene Menschen zu spielen hatten, wirkte dies stets schon unangenehm. Wenn deutsche Sprecher ihre Stimmen unter schlechter Regieanleitung zu 'Indianisieren' versuchen, kann man sich als Hörer nur beschämt abwenden.

Die drei Fragezeichen Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews sind mit Patrick und Kenneth, den beiden irischstämmigen Handlangern der Schrott- und Antikhandels von Justus' Onkel, in den Bergen von Rocky Beach unterwegs, um deren Cousine in ihrer abgelegenen Natur-Pension zu besuchen. Aber erstens verhält sich Kathleen von Anfang an recht seltsam den unangekündigten Gästen gegenüber und zweitens scheint in den Bergen noch ein seltsames Wesen umzugehen, was die drei Jungdetektive erneut ermitteln lässt.
Es fällt außerordentlich schwer, an der Folge mit dem Bergmonster herumzumäkeln, da diese zu den besten der Serie gehört. Die Gäste der Wald-Pension sind interessant beschrieben und werden mitsamt ihrer untereinander ausgetragenen Konflikte sehr gut von den Sprechern verkörpert. Ähnlich wie bereits im Karpartenhund entwickelt sich hier unter ausgewogener Regie ein äußerst hörenswertes kleines Kammerspiel zwischen verschiedenen schrägen Kauzen.


DREI ??? - KURZREZENSION [15+16]

Löwen und Zauberspiegel

Eine als friedlich geltende Raubkatze macht dem Betreiber eines Tierparks das Leben schwer als er immer häufiger Anfälle von Raserei entwickelt. Um diesen rasenden Löwen sollen sich daher die drei Jungdetektive kümmern und herausfinden, warum sich sein Naturell verändert hat, so dass er plötzlich zu einer Gefahr für die Menschen werden kann.
Als über das Tier gesprochen wird, nennt ein Tierparkangestellter es 'George', worüber sich Peter Shaw sogleich mokiert, da früher Tieren speziellere Tiernamen gegeben wurden, z.B. 'Lucky', 'Balu', 'Pluto' etc. - und eben keine 'normalen' Menschennamen. In einer modernen und weitgehend individualisierten Gesellschaft, wo Tiere zunehmend als Ersatz für nichtexistente Familienangehörige fungieren, kann man darüber nur den Kopf schütteln und selbstverständlich den vermenschlichten Vierbeinern konventionelle Namen geben, wenn man schon immer weniger Menschen in der Familie um sich hat. Also - keine sehr sensible Einlassung vom zweiten Detektiv! Dass der Bösewicht dieses Kriminalfalls abwertend als Mann mit einem 'Nussknackergesicht' beschrieben wird, zeugt zudem nicht eben von viel Sensibilität gegenüber dem holzverarbeitenden Handwerk.

Hat der antike Spiegel einer netten alten Lady Zauberkräfte ? Jedenfalls weckt er Begehrlichkeiten - unter anderem bei einem zwielichtig wirkenden Herren aus Südeuropa...
Die ansonsten sehr nette erwähnte Lady äußert sich in einem Moment verwundert darüber, dass der aufdringlich um den Zauberspiegel bemühte Südeuropäer sich so hartnäckig verhalte, OBWOHL er doch Spanier sei. Dass durch solche unbedachten Aussagen in dem Hörspiel zwar positive aber eben auch ungerechte Stereotype über Südeuropäer bzw. Spanier zementiert werden, wonach diese also ansonsten besonnen, nüchtern und logisch agieren, ist nur schwer hinzunehmen, obwohl das Stück ansonsten durchaus unterhaltsam anzuhören ist.


DREI ??? - KURZREZENSION [17+19]

Erbschaften und Teufelsberge

Erneut begeben sich die drei jungen Ermittler auf eine mit mehr oder weniger kniffligen Hinweisen gespickte kriminalistische Schnitzeljagd, diesmal nach einer gefährlichen Erbschaft.
Einer der Fingerzeige setzt die Freundschaft eines Mannes mit einem Polizisten voraus ('die Polizei, dein Freund und Helfer'). Heutzutage ist in Städten wie Berlin oder Hamburg gefühlt jede zweite Häuserwand mit einem 'ACAB'-Graffiti (`welches für 'All Cops are bastards' - 'alle Polizisten sind Bastarde' steht) verziert - augenscheinlich von verantwortlichen Politikerinnen geduldet, wenn nicht sogar gutgeheißen, da kaum nennenswert geahndet. Somit wäre die Kumpanei mit einem 'Bastard' mit Sicherheit als nicht vorbildliches soziales Verhalten anzusehen - ganz anders als in den frühen 80er Jahren als viele Jungen noch desorientiert davon träumten, später einmal Polizist werden zu können.

Justus, Peter und Bob beobachten unheimliche Geräusche, die aus einem alten Bergwerk kommen. Als sie den Vorgängen auf die Schliche kommen wollen, werden sie in eine Schlucht gestürzt und geraten beinahe in die Fänge eines Urzeit-Ungetüms. .
Um unbemerkt in das alte Bergwerk zu gelangen, greifen sie zu einer bewährten alten List: Sie staffieren alte Kleider als Puppen-Doppelgänger ihrer selbst aus und platzieren sie vor dem Stolleneingang, so dass Beobachter denken sollen, dass die drei Jungen sich außerhalb des Teufelsberges aufhalten. So weit, so gut - aber als 'Krönung' verlangt Justus von seinen Mitstreitern, den Doubles noch typisch mexikanische Sombreros aufzusetzen, was zweifelsohne einen unappetitlichen Akt 'kultureller Aneignung' darstellt. Als Amerikaner dürften sie allenfalls auf Cowboyhüte zurückgreifen. Ansonsten ist die Folge spannend und reich an spannender Atmosphäre.


Die Hörspiel-Rezensionen auf dieser Seite beziehen sich ausschließlich auf die ungekürzten Erstausgaben als Musikkassette in den 1980er Jahren. Es gab danach zwar später noch andere Veröffentlichungsformen der gleichen Hörspiele vom selben Hersteller bzw. dessen Rechtsnachfolgern (CD's, mp3-Downloads u.ä.), aber auf diese beziehen sich die o.g. Rezensionen ausdrücklich nicht.