Science-Fiction-Hörspiele

Science-Fiction-Hörspiele (Utopien von Jan Gordon bis Flash Tenner) / Spoiler-Warnung !



Kommerzielle SF-Hörspiele
REZENSIONEN

Kommerzielle SF-Hörspiele

Zwar ist es erfreulich, dass neue SF-Vertonungen im kommerziellen Bereich anlaufen - wenn diese jedoch bar jeglicher Originalität ausfallen, fällt es schwer, in ihnen eine Bereicherung zu erkennen. Vielleicht riskiert es ja eines Tages irgendein mutiges Hörspiel-Label, eine SF-Reihe zu produzieren, die nicht im schützenden `Windschatten´ einer bereits erfolgreichen Roman- oder TV-Serie vor sich hinadaptiert wird.

#Flash Gordon#Die große Reise#Douglas Adams#Widerliche Zeiten




Öffentlich-rechtliche SF-Hörspiele
REZENSIONEN UND MEINUNGEN

Öffentlich-rechtliche SF-Hörspiele

In den letzten Jahren wird neben den vielen bewährten Science-Fiction-Radioproduktionen der vergangenen Jahrzehnte noch ein weiterer Vorteil neuerer öffentlich-rechtlicher Hörspiele deutlich: Deren Autorinnen, Produzentinnen und Redakteurinnen sorgen gegenüber kommerziellen Produktionen für geschlechtergerechte, vielfältige und kultursensible Unterhaltung. Hierfür kann man ihnen nur dankbar sein.

#Fiktionales Interview mit M. Gaida
#Interview mit M. Esser
#TOP-5 der Hörspiele
#Über 150 Radiohörspiel-Kurzrezensionen A-K
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Hörspiel
'Der Wächter der verbotenen Welt'
Realisiert von Hartmut Lühr
Einst waren sie die besten Freunde. Jetzt treffen sie über einer verlassenen Maschinenwelt als Rivalen aufeinander: Die Kommissarin, der Sektenführer und der Wächter: Artan will den Beneix-Planeten für seine Sekte okkupieren. Wächter Matt hat die Aufgabe, genau das zu verhindern. Und Kommissarin Mira möchte mit Artan noch eine offene Rechnung begleichen. Abgelenkt von ihrer Privatfehde vernachlässigen Mira und Artan die Gefahr, die von dem Planeten und seinem Mond ausgeht... Eine melancholische Ménage à trois im Weltraum.
mit Sascha Gluth (Artan),Branka
Hanisch (Mira),Uta V. Kohlenbrenner
(Adra) u.a.

55 Min. | 76 MB |DOWNLOAD / PLAY





Das Hörspiel eignet sich hervorragend für massenmedialen Eskapismus. Sollte man irrigerweise der Ansicht sein, hierzulande breite sich ignoriert oder sogar befördert von maßgeblichen Entscheidungsträgerinnen neuerdings eine erdrückende und freiheitsfeindliche 'Steinzeit'-Mentalität aus, so bleibt besorgten Menschen dank des Königsmediums die Flucht in moderne und modernste Fantasiewelten progressiv-utopisch inspirierter Autoren.




REZENSIONEN

Douglas Adams

In den Jahren 1981, 1991 und 1999 wurden die Serien "PER ANHALTER INS ALL" (Teil 1-6), "PER ANHALTER INS ALL" (Teil 7-15) sowie das Einzelhörspiel "RAUMSCHIFF TITANIC" zu jewels 300, 360 und 130 Minuten Länge mit Siemen Rühaak, Rolf & Markus Boysen, Felix von Manteuffel, Matthias Fuchs, Martin Seifert, Frank Stöckle, Nina Weniger, Frauke Poolman, Jens Wawrczeck und vielen anderen veröffentlicht.

Wohltuend ist dem `Anhalter´ anzumerken, dass seine Realisatoren keinem großen Druck ausgesetzt waren, die facettenreichen Handlungsstränge aus Adams Romanen in ein begrenztes Zeitformat zu pressen. Was die schauspielerischen Qualitäten der Sprecher anbelangt, sind die Darsteller aller Adams-Adaptionen gut ausgewählt. Lediglich die Stimmen von Dent und Prefect, den Hauptfiguren des Anhalters, klingen einander leider sehr ähnlich, was dazu führt, dass sie über weite Strecken der Serie kaum auseinanderzuhalten sind. Markus Boysen fällt mit seiner immer wieder recht selbstgefällig und klamaukhaft überzogen wirkenden Darstellung des `Ford Prefect´ leider negativ auf. Die Soundkulissen sämtlicher Adams-Vertonungen sind ab der ersten Produktion mit steigender Tendenz bedauerlicherweise recht bombastisch ausgefallen, was beim Hörer nach einiger Zeit durchaus zu einen Brummschädel führen kann:
In den ersten sechs Folgen von PER ANHALTER INS ALL reist Ford Prefect, menschenähnlicher Urbewohner von Ursa Minor, durch die Galaxie, um ein Handbuch für Billigreisen durch den Weltraum auf den neuesten Stand zu bringen. Hierbei landet er schließlich auch auf der Erde in England, wo er einige Zeit verweilt und sich sogar mit dem terrestrischen Eingeborenen Arthur Dent anfreundet. Doch die gemütliche Zeit ist schnell vorüber: Arthur und Ford gelingt es gerade noch rechtzeitig, per Anhalter in einem Raumschiff der Vogonen von der Erde zu fliehen, als diese sich daran machen, die Erde für den Bau einer galaktischen Umgehungsstraße zu sprengen. Originelle Einfälle in Folge sowie motivierte Sprecher und eine angemessene Umsetzung bescheren den Hörern eine gelungene Weltraumexpedition.
In den letzten acht Folgen von PER ANHALTER INS ALL werden Arthur Dent und Ford Prefect nach einem kurzen unfreiwilligen Zwischenstop in der Frühgeschichte der Menschheit wieder in die Gegenwart zurückgeholt. Hier gilt es nun, die Galaxis vor den Cricket-Kriegern zu schützen, die alle Lebewesen, die nicht vom Planeten Cricket stammen, auslöschen wollen. In dieser gegenüber dem ersten Abschnitt des `Anhalters´ sehr stark abfallenden Vertonung nach Douglas Adams werden neben dem Tohuwabohu einer chaotosch erscheinenden Handlung leider auch übertrieben moralisierende Töne über Krieg, Frieden und Gerechtigkeit angeschlagen, was dem Hörerlebnis starken Abbruch tut.
In RAUMSCHIFF TITANIC wird eine Gruppe von Erdenbürgern auf eben dieses pompöse Gefährt entführt, einer Art intergalaktischem Luxusliner. Fehlprogrammierte Roboter, die fremdartigen Sitten und Gebräuche der anderen Passagiere und vor allem eine aus Versehen aktivierte Selbstzerstörungsvorrichtung machen den Mitreisenden auf ihrem Flug schwer zu schaffen. Diese dem `Anhalter´ angelehnte Erzählung lässt nur noch wenig von dessen Originalität spüren. Eine handvoll mehr oder weniger (eher weniger) amüsanter Einfälle reicht nicht aus, 130 Minuten Hörspiel-Unterhaltung zu gewährleisten. Die Bemühungen der Darsteller sowie streckenweise infantil anmutende Sprachschöpfungen ("Smurf-Wumme" etc.) und eine gegenüber dem `Anhalter´ gesteigerte Portion Sex vermögen es nicht, die Hörer über die sich hinziehenden und mitunter nervtötenden Handlungsstränge hinüberzuretten.

Diese Hörspiel-Rezensionen beziehen sich ausschließlich auf die jeweiligen Erstausstrahlungen im öffentlichen Rundfunk und nicht auf spätere Veröffentlichungen auf Tonträgern oder Sounddateien.



REZENSIONEN

Flash Gordon

Als stilprägend für das SF/Fantasy-Genre scheint 'Flash Gordon' (Der Superstar im Reich der Sterne) nennenswert.

Im Zehnteiler FLASH GORDON ("DER SUPERSTAR IM REICH DER STERNE"; "MING´S RÜCKKEHR"; "DIE SKLAVENJÄGER DES MING"; "SIEG ÜBER TÖDLICHE GEFAHREN"; "DIE VERRÄTERIN AUS DEM EWIGEN EIS"; "BRUKKA, DER FEUERGOTT"; "DAS GRÜNE UNGEHEUER"; "RÜCKKEHR ZUR ERDE"; "DIE BESTIE AUS DEM WELTALL"; "DAS TOR DES UNHEILS"), dessen Folgen im Schnitt vierzig Minuten laufen und der Anfang der 80er Jahre bei Europa erschien, spielten neben Lutz Mackensy noch Heidi Schaffrath, Gottfried Keller, Jürgen Thormann und zahlreiche andere Mimen mit. Die erste Folge ist handlungsmäßig identisch mit der des gleichnamigen Kinofilms. Auf den Planeten Mongo, der unter der Herrschaft des Tyrannen Ming steht, haben die dorthin verschlagenen Erdenbürger Flash Gordon, dessen Freundin Dale Arden Gordon-Sprecher Mackensyund Professor Zarkov zahlreiche Abenteuer zu bestehen. Das Ergebnis ist ist eine Science Fiction-Serie mit starken Einschlag in Richtung Fantasy. Die `Kinofilm´-Folge 1 wurde adäquat in die Hörspielform transponiert. Ansonsten wird hauptsächlich auf die Vermittlung oberflächlicher und ziemlich belangloser Action gesetzt. Dies ist um so enttäuschender, als mit Gottfried Keller und Jürgen Thormann zwei ausgezeichnete Schauspieler zur Verfügung standen, deren Talent lediglich ansatzweise zur Geltung kommen konnte. In den Folgen 5-7 brilliert immerhin die unnachahmliche Marianne Kehlau als undurchsichtige und herrische Königin Freya. Auch überschreitet die Serie hin und wieder gekonnt Genregrenzen, etwa in Richtung Krimi ('Die Verräterin aus dem ewigen Eis'), Richtung Kammerspiel ('Das grüne Ungeheuer') oder Richtung Horror ('Die Bestie aus dem Weltall'). Autor H.G. Francis lieferte mit dieser Produktion, die viel eher als die sehr belanglose Mammut-Serie des selben Labels um die sogenannten 'Meister' des Universums weitere Fortsetzungen verdient hätte, insgesamt unterhaltsame Arbeit ab.
Die zweiteilige FLASH-GORDON-Vertonung ("DAS GEHEIMNIS DES SKLAVEN-PLANETEN"; "DIE RAUMFALLE") von Telefunken aus der Mitte der Siebziger Jahre muss leider trotz zum Teil gut beleumdeter Sprecher wie Konrad Halver und Franz-Josef Steffens als total misslungen angesehen werden, da es sich bei den Werken viel eher um Krach- und Kreischorgien handelt als um Hörspiele.


Diese Hörspiel-Rezensionen beziehen sich ausschließlich auf die jeweiligen Erstveröffentlichungen in den 1980er Jahren und nicht auf spätere Veröffentlichungen auf Tonträgern oder Sounddateien.



REZENSIONEN

Die große Reise

Im Jahr 1981 veröffentlichte Maritim vier Folgen ("EIN UFO MACHT ÄRGER"; "WIRBEL IM MONDLIFT"; "ROTE ELEFANTEN AUF DEM JUPITER"; "BEGEGNUNG IM ALL") zwischen 50 und 60 Minuten Dauer der Serie DIE GROßE REISE von Alfred Krink mit Manfred Steffen, Renate Pichler, Konrad Halver, Thiemo Krink, Stephan Chrzescinski, Rolf Jahnke, Katharina Matz, Wolf Dieter Stubel und einigen anderen. Was beim aktuellen Rolf-Zuckowski-Bashing unterzugehen droht: Der hanseatische Barde besorgte sehr gekonnt und passend die Musik für diesen Mehrteiler.

Die Reihe `Die große Reise´ ist für Kinder und Erwachsene konzipiert. Was auf den ersten Blick wie ein etwas platter Marketing-Spruch erscheint, erweist sich nach dem Hören als durchaus zutreffende Beschreibung der Stücke: Kinder werden spannend und humorvoll unterhalten und auch Erwachsene bekommen viel Stoff zum Schmunzeln geboten. Zu einer Zeit als den tonangebenden Medienhäusern im Hörspielbereich noch an niveauvoller Kinder- und Familien-Unterhaltung mit humanistischem Anspruch gelegen war -also Anfang der 80er Jahre- entstand unter dem Label Maritim ein Serien-Highlight. Für die damaligen Macher des Maritim-Labels typisch, wurden die Stücke hochkarätig besetzt und handwerklich vorbildlich realisiert.
EIN UFO MACHT ÄRGER: Die Familie Hermes ist auf dem Weg zum Mond, um von dort aus eine `große Reise´ zu den benachbarten Planeten zu unternehmen - Da wird Jelly von einem Ufo entführt und körperlich verändert. Ein etwas zäher Einstieg in das Weltraumabenteuer mit amüsanten Anspielungen auf die Fortschrittsgläubigkeit.
WIRBEL IM MONDLIFT: Im Mondlift angekommen gehen die Probleme weiter: Eine nicht frei im Handel erhältliche Tarnfarbe sorgt für Verwirrung und ein Passagier des Lifts verlässt die Fähre in einem fehlerhaften Raumanzug. Recht witzige Dialoge dank einiger skurriler Liftpassagiere begleitet von schrägen Wortschöpfungen futuristische kulinarische Leckerbissen betreffend.
'Die grosse Reise 4 - Begegnung im All' - mit freundlicher Genehmigung von Alfred KrinkROTE ELEFANTEN AUF DEM JUPITER: Endlich ist die Familie Hermes vollständig im Raumschiff auf dem Mond versammelt. Mit einem getarnten blinden Passagier an Bord startet die Reise zu den sonnenfernen Planeten. Ein Besatzungsmitglied ist kauziger als das andere. Professor Nös eigenwilliges Obst-Modell des Sonnensystems ist anschaulicher als mancher Himmelsatlas.
BEGEGNUNG IM ALL: Das Expeditionsschiff `Golden Pilgrim´ ist schon ziemlich weit von der Erde entfernt, da trifft es auf ein Oldtimer-Raumschiff. Die Stimme des Kommandanten kommt den Mitgliedern der Familie Hermes sehr bekannt vor. Ein erstaunlich lebensnahes Beispiel für die menschlichen Auswirkungen von Langzeit-Aufenthalten im Weltraum vermag die Hörer zum Schmunzeln zu bewegen - Die Schilderung von Jellys Geburtstagsfest geriet zwar originell aber auch etwas betulich. Serienende eben ...

Diese Hörspiel-Rezensionen beziehen sich ausschließlich auf die jeweiligen Erstveröffentlichungen in den 1980er Jahren und nicht auf spätere Veröffentlichungen auf Tonträgern oder Sounddateien.



REZENSIONEN

Widerliche Zeiten

Aus zehn turbulenten Folgen ("DAS DING AUS DEM SUMPF"; "LAWINE ÜBER SHITTNEY"; "FLUCHT VOR DEM MONSTER"; "EIN BUTLER SPIELT FALSCH"; "STREIT IM WELTALL"; "KRIEG DER SÄNGERINNEN"; "EIN GURU MISCHT MIT"; "PRÜFUNGEN DES WAHNSINNS"; "DIE ROBOT-KILLER"; "SCHLOSS IN TRÜMMERN") aus der Feder von Abraham Greenbaum mit jeweils ungefähr 40 Minuten Dauer bestand zwischen 1984 und 1986 die Serie Widerliche Zeiten, bei der Stars und Sprecher wie Priscilla Greenbaum, Miss Arry Laine, Friedrich Anvil und Abe Greenbaum mitwirkten.

Improvisierte stand-up-comedy eines Hamburger Piratensenders aus den 80ern, die ursprünglich als trashiges Spin-Off zu Loriots Ansagerinnensketch startete. Damals in der Kategorie Humor/Klamauk beheimatet würde man die für Kinder und Jugendliche konzipierte Serie heute neudeutsch wohl als Comedy/Trash einordnen. Teilweise recht amateurhafte Elemente stehen in dieser Serie zahlreichen sehr gelungenen Augenblicken gegenüber: Die schrägen Schwestern Mathilde und Doris Newton leben mit ihren Partnern Ottokar und Heinrich in wilder Ehe auf Schloss North Cothelstone Hole auf dem turbulenten Planeten Wega. Beide teilen sowohl ihre Liebe zu Buttermilch als auch die Neigung zu lautstarken Auseinandersetzungen:
Die vier Hauptfiguren auf der Spur des `kosmischen Rätsels´, welches Ihnen die Unsterblichkeit verschaffen soll. Eine eigenwillige Mischung aus `Schloss Mordabrunn´ und `Perry Rhodan´ (Folge 1-3).
`Heini´ und die anderen bauen ein Raumschiff, mit dessen Hilfe sie den Planeten `Barnard´ erreichen wollen. Auf dem Flug dorthin macht ihnen ein blinder Passagier zu schaffen. Ein heftiger und witziger Streit unter zickigen und irren Raumfahrern (Folge 4-5).
Mathilde und Doris haben die Raumfahrerei satt und starten beide jeweils konkurrierend eine Sangeskarriere. Ein früher Vorgriff auf 'Deutschland sucht den Superstar'. Durchaus ähnlich absurd. Und natürlich fliegen bei den Mädels die Fetzen (Folge 6-8).
Doris gerät in den Einfluss der weganischen Guru-Religion. Typisch für sie wird sie sogleich fanatisiert und steigt bis zum neuen `Großguru´ auf. Leider ist sie keine besonders friedliche Herrscherin ... Auch der letzte Abschnitt der Saga geriet an vielen Stellen erfreulich schräg und äußerst komisch (Folge 9-10).



EINZELREZENSION

Angst unter Bäumen

Nach einigen Jahren des Kälteschlafs gelangt die Besatzung eines irdischen Forschungsraumschiffes auf einen Planeten, auf dem außer Pflanzen scheinbar keinerlei anderes Leben existiert. Die Stimmung innerhalb der Besatzung ist stark angespannt. Der telepathisch begabte `Sensor´ des Teams schafft sich unter den anderen Besatzungsmitgliedern durch seine feindselige Art permanent neue Gegner. Es kommt zu unerklärlichen Ereignissen - Anscheinend ist der Planet doch nicht so leblos, wie er zunächst wirkte und ausgerechnet der `Sensor´ Osden scheint mit dessen Intelligenz in Kontakt treten zu können.

Das Stück von Ursula K. LeGuin behandelt das traditionelle SF-Thema der Telepathie. Alleine an der musikalischen Untermalung von Frank Duval ist erkennbar, daß das Stück in der Tradition von `Per Anhalter ins All´ produziert wurde. Cornelia Froboess als die süffisante Haito Tomiko gibt eine einfühlsame aber durchaus auch ihren menschlichen Schwächen nachgebende Expeditionsteilnehmerin ab. Die Feindseligkeiten unter den Crewmitgliedern werden in intelligenten und zugespitzten kammerspielartigen Dialogen sehr glaubwürdig dargestellt. Auch der sehr passend besetzte Felix von Manteuffel wirkt als notorisch auf Krawall gebürsteter autistischer Telepath derart unnahbar und gefühlskalt, dass man dankbar ist, mit ihm nicht an Bord eines Expeditionsgefährts in heikler Mission reisen zu müssen. An Bord des Raumschiffes sind weder eindeutige Heldinnen noch eindeutige Loser auszumachen, was ganz klar eine der Stärken dieses Stückes ausmacht. Auch dass einerseits ein äußerer Feind existiert, dieser aber andererseits eigentlich gar keine Rolle spielt, bzw. nicht wesentlich zu den Konflikten zwischen den Besatzungsmitgliedern beiträgt, macht mit den Charme dieser knapp einstündigen Produktion von 1985 aus.
Es reüssieren ein gute Story, sehr gute Dialoge und wenig Action - und das teilweise klaustrophobisch bedrückend und atmosphärisch dicht.

Diese Hörspiel-Rezensionen beziehen sich ausschließlich auf die jeweiligen Erstausstrahlungen im öffentlichen Rundfunk und nicht auf spätere Veröffentlichungen auf Tonträgern oder Sounddateien.




Vier besonders reizvolle Science-Fiction-Hörstücke liegen Freunden des Genres in doppelter Ausführung vor. Einige Fassungen erfolgten in großem zeitlichen Abstand zueinander, andere nahezu parallel. Das Hören der verschiedenen Ausführungen der gleichen Stoffe mit unterschiedlichen Sprechern unter alternativer Regie ist sehr reizvoll ...

DOPPEL-REZENSION

Daisy Day

Das reichlich degenerierte Ehepaar Green fliegt nicht ganz freiwillig mitsamt Tochter und Ausflugsrakete in nicht allzu ferner Zukunft vom hypermodernen New York II ins veraltete und daher verlassene New York I. Dort treffen sie auf eine handvoll Menschen, die dort dem allgegenwärtigen Konsumterror der neuen Stadt entflohen sind. Problematisch wird es, als Hubschrauber aus New York II, die davon ausgehen, dass die abgesperrte Stadt menschenleer ist, eine tödliche Fracht aus Reinigungschemikalien zur Demonstration kompromissloser Hygiene über New York I ablassen ...

Es existieren zwei Vertonungen dieser klassischen und etwas makaberen Science-Fiction-Groteske. Beide wurden entsprechend der Entstehungszeit adäquat inszeniert jeweils mit gelungener Besetzung, besonders was die Familienmutter anbelangt. In der Vertonung von 1968 wird diese von der Komödiantin Edda Seippel unter der Regie von Reinhard Zobel schön überbetulich und etwas bräsig gespielt. In der Version von 1984 überzeugt vor allem die aus 'Ein Herz und eine Seele' sehr gut bekannte Elisabeth Wiedemann als naiv-vertrottelte postmoderne Konsumentin in ihrer Rolle als Familienmutter, die sich in einer furchtbar veralteten Stadt ohne jeden Komfort zurechtfinden muss. Aber auch Willy Semmelrogge mimt unter der Regie von Andreas Weber-Schäfer sehr nachvollziehbar das verweichlichte treudoofe Familienoberhaupt.
Die Kritik an der Konsumgesellschaft wirkt überwiegend aus der Situation entstanden und erscheint daher glücklicherweise nicht aufgesetzt. Originelle Story, gute Sprecher, recht spannend mit einem fiesen Finale. Die Zweitvertonung von 1984 wirkt peppiger und spritziger als die 16 Jahre ältere aber dennoch ebenfalls hörenswerte Vorgängerin. Der 1935 in Essen geborene vielschreibende und bekannte SF-Autor Hermann Ebeling schuf mit 'Daisy Day' einen nahezu zeitlosen unterhaltsamen Klassiker des Genres, der ohne erhobenen moralischen Zeigefinger einen nachdenkenswerten konsumgesellschaftskritischen Inhalt transportiert.

Diese Hörspiel-Rezensionen beziehen sich ausschließlich auf die jeweiligen Erstausstrahlungen im öffentlichen Rundfunk und nicht auf spätere Veröffentlichungen auf Tonträgern oder Sounddateien.





DOPPEL-REZENSION

Andromeda

Außerirdische, deren Beweggründe wegen stark eingeschränkter Kommunikationsmöglichkeiten schwer einzuschätzen sind, funken genetische Baupläne für Übermenschen zur Erde. Wissenschaftler und Militärs sind unbedarft bzw. skrupellos genug, die Pläne umzusetzen. Der weibliche Übermensch, der daraufhin im Labor nach den Bauplänen der Aliens gezüchtet wird, überrascht sowohl die Feinde als auch die Verteidiger der Menschheit mit unerwarteten Emotionen und verfällt dem einzigen Wissenschaftler, der den Wahnsinn gegen viele Widerstände stoppen will. Die Handlung des Stücks von von Fred Hoyle und John Elliot ist für das Alter der Story (1962) erstaunlich aktuell.

Die gelungenere erste Vertonung von 1970 unter der Regie von Manfred Marchfelder kommt nahezu als Hippie-SF mit jeder Menge psychedelischer Musik daher, was in diesem Fall etwas ungewohnt aber trotzdem - oder gerade deshalb - ausgesprochen passend wirkt. Christoph Quest in der Hauptrolle als Wissenschaftler Dr. Fleming spielt den Helden grandios menschlich, nachdenklich sowie wunderbar ironisch und durfte als diese von ihm verkörperte Person sogar eine weibliche Kollegin sexuell unverbindlich etwas necken - das war Anfang der Siebziger Jahre kurz nach 'Flowerpower' noch problemlos möglich, heute wäre es natürlich zu recht unzulässig. Auch Henning Schlüter ist hervorzuheben, der derart passend besetzt wurde, dass man tatsächlich verwirrt sein könnte, ob es sich bei ihm um einen schauspielernden Militär-Oberst oder einen obermilitärischen Schauspieler handelt. Mit Sibylle Gilles ist als ehrgeizige Wissenschaftlerin ebenfalls sehr eindringlich nicht gut Kirschen essen.
Die Zweitvertonung aus Österreich unter der Regie von Ferry Bauer zehn Jahre später geriet akzeptabel. Engagierte und teilweise ebenfalls prominente und erfahrene, aber etwas blasse Sprecher und keine Hippie-Musik lassen diese Zweitvertonung des spannenden Stoffes immer noch über dem Durchschnitt der Science-Fiction-Hörspiele aus dieser Zeit rangieren.

Diese Hörspiel-Rezensionen beziehen sich ausschließlich auf die jeweiligen Erstausstrahlungen im öffentlichen Rundfunk und nicht auf spätere Veröffentlichungen auf Tonträgern oder Sounddateien.





DOPPEL-REZENSION

Sieg über bzw. zurück in die Tiefe

In 'Sieg über die Tiefe' bzw. 'Zurück in die Tiefe' nach einer Geschichte von William M. Lee arbeitet ein Forscherteam in einer künstlichen kleinen Stadt unter Wasser. Überwacht und beschützt wird es von einer Bohrplattform aus, von wo aus man sich bald Sorgen über seltsame Veränderungen macht, die mit der Wissenschaftlern in den Tiefen des Meeres vor sich gehen. Aber helfen lassen wollen sich die Unterwasser-Pioniere von den 'ausgebremsten' Landmenschen dennoch nicht gerne. Denn Veränderungen müssen nicht immer negativ sein - Es kommt zumindest auf die Perspektive, von der aus man sie betrachtet, an.

Die Handlung des Stückes ist kurzweilig und macht, obwohl etwas vorhersehbar, Spaß, da die zwei vorhandenen Vertonungen mit ihren jeweils eigenen Akzenten und auch einigen größeren inhaltlichen Abweichungen voneinander sehr gut geraten und beide auf jeden Fall uneingeschränkt zu empfehlen sind.

Die WDR-Produktion von 1978 in der Regie von Dieter Carls wartet mit einer bewährten Science-Fiction-Sprecherriege der Siebziger Jahre auf: Friedhelm Ptok, Hermann Ebeling und Harry Wüstenhagen sind Hörspielfreunden aus anderen Genre-Stücken gut vertraut und enttäuschen auch diesmal nicht. Diese Vertonung erscheint als die solidere und routiniertere der beiden vorliegenden Versionen.
Die Version des Süddeutschen Rundfunks von 1981 unter der Regie von Andreas Weber-Schäfer wirkt dagegen, obwohl drei Jahre später in den etwas gesetzteren Achtzigern realisiert, geringfügig frischer und 'kecker' als der Vorgänger aus der Zeit der letzten Ausläufer des 'Punk'. Besonders Manfred Schott - vielen auch bekannt als Synchronstimme von Dr. McCoy aus 'Raumschiff Enterprise' - darf hier oft eine recht kesse Lippe wagen, die man von dem Schauspieler auch bereits aus seinen Off-Kommentaren in den 'Schulmädchen-Reports' gewohnt war. Trotz dieser wenigen sexistischen Anwandlungen wirken die Darstellungen der Sprecher sehr glaubwürdig.

Diese Hörspiel-Rezensionen beziehen sich ausschließlich auf die jeweiligen Erstausstrahlungen im öffentlichen Rundfunk und nicht auf spätere Veröffentlichungen auf Tonträgern oder Sounddateien.





DOPPEL-REZENSION

Notlandung

Die Geschichte, die der 'DDR'-Autor Rolf Schneider um eine 'Notlandung' zweier Astronauten auf einem unwirtlichen Planeten entwirft, verwirrt und unterhält die Hörer auf unspektakuläre aber dennoch interessante Weise. Wie gehen der Techniker und sein Vorgesetzter mit der scheinbar aussichtslosen Situation auf dem fremden Himmelskörper, auf dem es keine Nahrung gibt, um - zumal einer von beiden dann noch Kontakt mit dort ansässigen entmaterialisierten Außerirdischen aufnimmt ? Von der Mission zurückgekehrt muss der Techniker einem Untersuchungsausschuss fragen bezüglich der von ihm auf dem Rückflug an seinem Vorgesetzten festgestellten Veränderungen beantworten und hat dabei keinen guten Stand. Hatten die Außerirdischen auf dem lebensfeindlichen aber dennoch auch ruhig und friedlich wirkenden Planeten auf irgendeine Art noch unerwartet nachhaltigen Einfluss auf die Astronauten ?

Die erste Realisation des Stoffes unter der Regie des Autors vom Radio der DDR aus 1973 gibt die Handlung gut wieder. Science-Fiction-Hörspiele waren damals - zumal im Ostblock, der ironischerweise eigentlich von sich meinte, die menschenfreundliche Utopie bereits in seinen Staaten ausreichend umgesetzt zu haben - noch recht ungewohnt in der Rezeption und wohl auch in der Produktion, so dass man hier über eine durchschnittliche Vertonung der bemerkenswerten Geschichte nicht weit hinauskam.

Die zweite Vertonung aus dem Jahr 1977 lebt unter der Regie von Bernd Lau von ihren zwei sehr charismatischen, markanten und vor allem gegensätzlichen Sprechern Ernst Jacobi sowie Christian Brückner: Jacobi mimt überzeugend den pflichterfüllten Ingenieur, Brückner den zweifelnden und träumenden Missionsleiter, der den Annäherungsversuchen der zwar körperlosen aber dennoch oder gerade deshalb verführerischen außerirdischen Sirene, elegant gesäuselt von Marianne Lochert, erliegt und mit dem Techniker in einen grundsätzlichen Disput darüber gerät. Die sehr ruhig und nüchtern inszenierte Version des Stückes überzeugt vollständig.

Diese Hörspiel-Rezensionen beziehen sich ausschließlich auf die jeweiligen Erstausstrahlungen im öffentlichen Rundfunk und nicht auf spätere Veröffentlichungen auf Tonträgern oder Sounddateien.





AUßER KONKURRENZ

Der Wächter der verbotenen Welt

Einst waren sie die besten Freunde. Jetzt treffen sie über einer verlassenen Maschinenwelt als Rivalen aufeinander: die Kommissarin, der Sektenführer und der Wächter. Artan will den Beneix-Planeten für seine Sekte okkupieren. Wächter Matt hat die Aufgabe, eben dies zu verhindern. Und Kommissarin Mira möchte mit Artan noch eine offene Rechnung begleichen. Abgelenkt von ihrer Privatfehde vernachlässigen Mira und Artan die Gefahr, die von dem Planeten und seinem Mond ausgeht. Vom Wächter haben sie indes keine Hilfe zu erwarten, ist dieser doch ausgerechnet jetzt dabei, Gefühle für sein virtuelles Bordfunktionssystem zu entwickeln. Eine düstere Ménage à trois im Weltraum von Hartmut Lühr ...

Bereits heutzutage finden immer weniger Bürgerinnen und Bürger der offenen Gesellschaft zum gemeinsamen Verweilen zusammen. Wie mag sich dies erst in 140 Jahren verhalten, immer vorausgesetzt, dass die den drittnächsten Planeten zur Sonne beglückende Menschheit bis dahin durchhält ohne sich selbst chemisch, bakteriell, atomar oder klimatisch auszulöschen ?
Fragen über Fragen wie geschaffen für einen utopischen Seelenstriptease-Thriller: In 140 Jahren messen wir Liebe in Bits und Bytes ... paradisische Aussichten oder Schreckensvision ?

Sind Frauen in digitaler Form ihren Vorgängerinnen aus Fleisch und Blut vorzuziehen ? Gehen Männer im gesetzten Alter leichter aus ideologischen Gründen über Leichen als frischverliebte Jungspunde vom Uni-Campus ? Bietet die bemannte Raumfahrt und die damit einhergehende Expansion der Menschheit nicht ideale Möglichkeiten für auf der Erde unbeliebt gewordene religiöse oder sexuelle Sekten, ungestört im Weltall Kolonien zu errichten und dabei engstirnige Menschenrechte zurückzulassen ? Ist die Ausbreitung der Spezies Homo Sapiens im Weltall eigentlich politisch korrekt ?
Kann einem durch das Auflisten enervierender Fragen durch Internet-Schreiberlinge die Neugier auf eine möglicherweise ungewöhnliche und spannende freie Autoren- Hörspielproduktion genommen werden ?






FIKTION

Fiktionales Interview mit M. Gaida

Der bezeichnenderweise in Hamburg geborene Michael Gaida studierte Philosophie und Soziologie, ist Schriftsteller und Graphiker. Seit 1980 verfasste er zahlreiche Science-Fiction-lastige Hörspiele, die in Kennerkreisen über großes Ansehen verfügen.

Ab den Neunziger Jahren wurde es jedoch ruhiger um ihn und er nicht mehr ausreichend von den Hörfunksendern mit Aufträgen bedacht, was rückblickend ein unverzeihliches Versäumnis ist. Er wurde ab diesem Zeitpunkt offen von den Hörspielabteilungen als der typische Repräsentant der 80er Jahre taxiert, weswegen er öfter zu hören bekam, seine Stücke seien nicht mehr zeitgemäß - eine schlimme Fehleinschätzung, die kaum nachzuvollziehen, denn Gaidas Texte waren seinerzeit stilistisch vergleichsweise singulär. Kaum ein anderer arbeitete auf diese dem Theater recht anverwandten Weise. Zwar gibt es im weitesten Sinne Ähnlichkeiten, Näherungen zu einigen wenigen anderen Autoren. Aber in letzter Konsequenz gebrauchte Gaida für seine Schreibweise eine äußerst fragmentarische und von den Anschlüssen her sehr offene Form. Die mangelnde Unterstützung oder gar Ablehnung sowie das offensichtliche Nichtvorhandensein einer kleinen Nische für seine Kunst führte vermutlich zu Frustration bei dem Hörspielmacher, die glücklicherweise aber irgendwann auch wieder überwunden war.

Demnach kommen unkonventionelle Inhalte kaum an den Gatekeepern der öffentlich-rechtlichen Hörfunkstationen vorbei, die einfach nicht aufgeschlossen, vielfältig und bunt genug sind. Zwar gebe man sich nach Gaida hier und dort immer wieder zwar auch experimentierfreudig, aber eben vorwiegend 'nur' bei der `Radio-Art´, wo es unverbindlich und somit risikofrei sei. Ansonsten gebe es eine ideologische Barriere, die der Science-Fiction-freundliche Autor mit seiner Arbeit leider nicht überwinden könne. In den Massenmedien herrsche dem Autoren großartiger Werke, wie 'Apocalypso - oder Äßerst besorgt, zutiefst befriedigt' ein enormer wissenschaftspositivistischer Konservatismus, der sich vor allem in der Unaufgeschlossenheit bezüglich gewisser wichtiger Themen manifestiere.





INTERVIEW

ALLtägliches im Astronautenleben

Sehr viele deutschsprachige Hörspielautoren, die sich dem Science-Fiction-Genre verschrieben haben, gibt es nicht. Michael Esser ist eine der rühmlichen Ausnahmen, die vom öffentlich-rechtlichen Hörfunk nicht ignoriert werden. Stefan Nickels, Wissenschaftsjournalist und früherer Aufbauhelfer des inzwischen eingestellten Hörbuchmagazins `HÖRWELT´, interviewte den in Hamburg lebenden Esser, Jahrgang 1955, vor zehn Jahren anlässlich des `Space Day´.

Interview mit Michael Esser Esser gibt unter anderem Auskunft über Weltallwetter, sogenanntes `Space Weather´, was im ersten Moment etwas seltsam klingt. Es handele sich allerdings um keinen Scherz, sondern um einen wissenschaftlich fundierten Wetterbericht über das Weltallwetter um die Erde herum, die sich schließlich in der Atmosphäre der Sonne befinde, die unser Wetter stark beeinflusse. Es ist gut zu wissen, dass Astronomen auch in Zukunft, wenn die Menschheit ins Weltall aufbrechen wird, immer noch genug zu tun haben und in ihrem Wirkungsbereich nicht auf die Erde beschränkt sein werden.
Weiter bemängelt Esser die Fokussierung neuerer Science Fiction auf zunehmend wissenschaftliche Aspekte und technische Spielereien. Hierbei kämen seiner Ansicht nach die menschlichen, um nicht zu sagen die sozialpsychologischen Aspekte zu kurz, die sich wesentlich interessanter gestalteten als effektbeladener Schnickschnack aus dem Computer. Zumindest in dieser Hinsicht besteht beim Medium `Hörspiel´ glücklicherweise keine allzu große Gefahr, dass man die Rezipienten zu sehr mit oberflächlichen Spielereien von einem schlechten Drehbuch ablenken könnte. Man kann nur hoffen, dass wenigstens beim Hörfunk noch recht viele Redakteurinnen Michael Essers Ansichten teilen. Aber vielleicht besteht ja auch für das kommerzielle SF-Hörspiel noch Hoffnung. Blicken wir einfach mit Zuversicht in die Zukunft und vermiesen wir uns nicht mit zweifelnden Gedanken diesen `Earth day´.




KURZREZENSIONEN

Die zweitbesten 5 SF-Hörspiele nach unserer Wertung

Die fünf zweitbestbewertesten (Plätze 6-10) öffentlich-rechtlich produzierten Science-Fiction-Hörspiele aus unserer Liste mit Kurzrezensionen sind in aufsteigender Folge:

In 'Die Ameise, die mit einer Fahne winkte oder Doktor Federbaums Universum' beschreibt der moralisch hochstehende Autor Richard Hey 1978 eine durchaus nicht unter globaler Erwärmung, sondern starker Abkühlung leidende Welt von Morgen, die nur mit Telepathie zu retten ist. Das Stück Verknüpft philosophische Fragen mit ökologischen und schildert darüber hinaus höchst menschliche Raumfahrerprobleme. Es entstand ein durchaus harmonisches Gesamtkunstwerk.
'In 5000 Jahren ... die 43 Minuten der Vernünftigen' von Hans Kaspar aus dem Jahre 1975 handelt von einer statistisch vorausgesagten Havarie: Eine Raumschiffladung voller Reisender, die ihr Ziel nicht erreichen werden. Wohl aber ein Höhepunkt deutschsprachiger Hörspielunterhaltung der 70er Jahre.
'Unter Kontrolle oder Ein amerikanisches Märchen' von Robert Sheckley ist eigentlich eher eine Spionagegroteske, in der ein Loser der sozialen Kontrolle einer utopischen Gesellschaft entfliehen will. Er startet ein Kolonieprojekt auf einem anderen Planeten, aber die irdischen Probleme holen ihn schnell wieder ein. Oder vielleicht auch nicht ? In leicht grotesker Manier menschelt dieses sehr gelungene Höspiel von 1975 mit Christoph Quest und dem jungen Martin Semmelrogge gekonnt mit Leichtigkeit und Optimismus.
Ursula Horwitz beschreibt 1980 in 'Affäre KRATER streng geheim' wie auch tote Gegenstände, wie z.B. Mondkrater, Intelligenz beherbergen können und liefert damit vermutlich eines der unaufgeregtesten und gemütlichsten SF-Hörspiele überhaupt. Die Handlung kann man getrost vernachlässigen, Sprecher und Regie sind großartig.
In 'Mondglas' von 1999 lässt Stefan Wilke eine Forschungs-Raumsonde nach langer Reise zur Erde zurückkehren und die Menschen verändern. Was oder wer steckt dahinter ? Eine unheimliche Begegnung der verschwiegenen Art: Unkonventionell und entlarvend auch für die heutige westliche Gesellschaft. (Als Bonbon gibt´s die Stimme von Peter Schiff dazu - `Hal´ aus `2001´).




BESSERE WELT?

Science-Fiction-Hörspiele

Das Hörspiel eignet sich hervorragend für ästhetischen Eskapismus. Sollte man irrigerweise der Ansicht sein, hierzulande breite sich ignoriert oder sogar befördert von maßgeblichen Entscheidungsträgerinnen neuerdings eine erdrückende und freiheitsfeindliche 'Steinzeit'-Mentalität aus, so bleibt besorgten Menschen dank des Königsmediums die Flucht in moderne und modernste Fantasiewelten progressiv-utopisch inspirierter Autoren.
Müssen sie Science-Fiction-Freunde beim Hörspielen zwischen kommerziellen und öffentlich-rechtlichen Produktionen entscheiden oder können sie nach dem 'Best of both worlds'-Prinzip leben ?

Kommerzielle SF-Hörspiele - Nicht alle denken darüber wie manche Vertreter der öffentlich-rechtlichen Hörfunkanstalten, beispielsweise Dieter Hasselblatt, der argwöhnt, dass die wenigen Science-Fiction-Hörspiele, die von der Schallplattenindustrie produziert wurden, ärgerlichste Musterbeispiele nicht nur für alle gängigen Science-Fiction- Klischees, sondern darüber hinaus auch dafür sein, wie man Ahnungslosigkeit in Ware umsetze. Diese Haltung wirkt einerseits vielfach berechtigt, andererseits aber auch arrogant: Solide recherchierende und mitunter äußerst unterhaltsam schreibende Autoren wie H.G. Francis kann er damit unmöglich gemeint haben. Zwar scheint es grundsätzlich erfreulich, dass neue SF-Vertonungen im kommerziellen Bereich anlaufen - wenn diese jedoch bar jeglicher Originalität ausfallen, fällt es schwer, in ihnen eine Bereicherung zu erkennen. Vielleicht riskiert es ja eines Tages irgendein mutiges Hörspiel-Label, eine SF-Reihe zu produzieren, die nicht im schützenden `Windschatten´ einer bereits erfolgreichen Roman- oder TV-Serie vor sich hinadaptiert wird.

Öffentlich-rechtliche SF-Hörspiele - Vorurteile gegenüber dieser Kategorie von Hörspielproduktionen lauten, sie seien häufig künstlerisch hochgradig ambitioniert, elitär und nur in den seltensten Fällen spannend. Wie bei fast allen Vorurteilen gibt es auch hier einen wahren Kern, aber dennoch: Gerade Science Fiction-Freunde werden mit Genre-Produktionen von den öffentlich-rechtlichen Hörfunkanstalten mehrheitlich ausgesprochen gut bedient. In den letzten Jahren wird neben den vielen bewährten, klassischen und manchmal sogar unvergänglichen Science-Fiction-Radioproduktionen der vergangenen Jahrzehnte noch ein weiterer Vorteil neuerer öffentlich-rechtlicher Hörspiele deutlich: Die Autorinnen, Produzentinnen und Redakteurinnen vom zwangsgebührenfinanzierten WDR, RBB etc. sorgen gegenüber kommerziellen oftmals männlich-'toxischen' Produktionen für geschlechtergerechte, vielfältige und kultursensible Unterhaltung. Hierfür kann man ihnen nur dankbar sein.

Die Punktevergabe für die nachfolgenden mittlerweile über 200 Kurzrezensionen erfolgte nach rein subjektiven Kriterien:

ZUSATZ: Diese Hörspielseite fühlt sich dem Streben nach Gleichstellung, Gleichberechtigung, Feminismus, Antidiskriminierung, Antirassismus, Antifaschismus, Klimarettung und vor allem der Geschlechtergerechtigkeit verpflichtet. Die Punktevergabe für die nachfolgenden mittlerweile über 100 Kurzrezensionen öffentlich-rechtlicher Science-Fiction-Hörspiele aus über fünf Jahrzehnten bitten wir unsere Besucherinnen und Besucher daher bei Werken von weiblichen Autoren selbständig jeweils um drei Bonuspunkte gegenüber der vorliegenden Bewertung zu erhöhen, womit ein Ausgleich für viele Jahre der patriarchalen und heteronormativen Unterdrückung von Frauen im vertonten Science-Fiction-Genre hergestellt werden soll.
Vielen Dank. (Stand 12/2021)



Titel Autor Jahr Min. Thematik Handlung / Kurzrezension Pkte.
Landgang Myra Çakan 2004 42 Abenteuer Gänzlich konfuses Hörspiel über Weltraumschmuggler.
Formal eine Zumutung. Was haben wir dem WDR Schlimmes angetan, dass er uns so straft ?
1
Lärmfresser Karlheinz Knuth 1991 50 Klonen Ein Mann entdeckt Duplikate von Prominenten. Und etwa auch von seiner Geliebten ?
Ein sehr schwaches Buch ohne roten Faden, das die Hörer keinesfalls mitnimmt ... nirgendwohin.
2
Die Landung auf dem Mars Peter Göhler, Andreas Kebelmann 2005 21 Raumfahrt Ein sowjetischer Mars-Kosmonaut hat Selbstzweifel obwohl er ein Held ist.
Das Thema erscheint nicht besonders spannend.
2
Die lautlose Invasion Lothar Streblow 1985 59 Invasion; ökologie Außerirdische Plasmawesen wollen die Erde besetzen, weil es sich in ihrer mit Umweltgiften verseuchten Atmosphäre für sie so gut dort lebt.
Versuch der Weltverbesserung durch Hörspiel mit erhobenem öko-Zeigefinger fehlgeschlagen ...
Mit erhobenem Zeigefinger ...
2
Die Letzten von Glumdalclitsch (Ein Fall für Weltraumdetektiv Q. Kuhlmann) Hermann Ebeling 1986 52 Machtkampf Eine darbende Planetenkolonie wird gerettet. Doch die Geretteten erweisen sich als undankbar.
Könnte ebensogut oder ebensoschlecht auf einer Pazifikinsel spielen: Sehr niedriger Science Fiction Faktor, aber immerhin mit brauchbaren Dialogen und bewährten Sprechern.
5
Leviathan '99 Ray Bradbury 1968 79 Weltraumfahrt Die Besatzung eines Raumschiffes leidet unter der Jagd ihres Kapitäns auf einen Kometen.
Variation des klassischen Moby-Dick-Themas für´s Weltall. Teilweise recht poetisch geschildert, mit einem beeindruckenden Sounddesign hinsichtlich des Alters des Stückes, jedoch aus heutiger Sicht leider in einem stark militaristisch fast schon faschistischen Stil.
3
Letzte Ermittlungenam Rande der Galaxis Julia Förster 2006 53 Astrophysik Der Investigator stellt Fragen nach dem Sein und dem Universum.
Wäre als Feature akzeptabel. Als (ausgewiesenes) Hörspiel fällt das Stück mit seiner minimalen Handlung jedoch durch; als ein weiterer fehlgeschlagener Versuch, sich bei der MTV-Generation dadurch anbiedern zu wollen, in dem man sich anzuhören versucht wie eine Chillout-Lounge. Immerhin sind die Sprecher gut gewählt.
2
Leute wie wir Donovan O`Malley 1983 47 Invasion Eine feindliche Invasion vom Krankenbett aus beobachtet.
Ausgezeichnete Sprecher (u.a. Katharina Thalbach) - witzig, spannend.
9
Leviathan 99 Ray Bradbury 1968 80 Moral Handelt wie viele alte Hörspiele von unbelehrbaren sturen alten Kriegern - eine Art Moby Dick im Weltall.
Altmodisch im unangenehmen Sinn.
2
Liebe Frau, die Menschheit ist müde Zvonimir Bajsic 1979 52 Utopie Schilderung einer von allen Leidenschaften befreiten Menschheit.
Es hat allerdings den Anschein, dass diese Utopie auch auf die vorliegende Hörspielproduktion übergegriffen hat ...
3
Die Lotus-Esser Stanley G. Weinbaum 1977 50 Darwinismus Intelligente Pflanzen auf der Venus besitzen nicht den geringsten Überlebenswillen und lassen sich ohne Gegenwehr auf(fr)essen.
Gut gemachtes kleines Drama.
5
Die Lüge Dirk Josczok 1982 17 Groteske Amüsantes Geplauder in einer futuristischen Bar. 5
Das Mädchen vom Mount Palomar Andreas Okopenko 1975 38 Liebe, Antimaterie Eine Frau und ein Mann aus zwei verschiedenen Galaxien lieben sich, obwohl sie nur per Funk miteinander kommunizieren können. Und außerdem gibt es noch ein weitaus gefährlicheres Problem ...
Nettes und kurzweiliges Rührstück mit einigen interessanten astronomischen Details.
4
Making Babies Bruce Thomson 1999 42 Genetik Ein Menschenkind kommt als Halbfisch zur Welt.
Tragikomödie - nicht zu tiefschürfend, nicht zu anteilnehmend. Mit Margit Bendokat (ausnahmsweise einmal nicht als Ulknudel).
6
Der Mann mit dem flüchtigen Körper Maurice Rennier 1979 49 Strahlentechnik Eine weitere, sehr antiquiert wirkende Variation vom `unsichtbaren Mann´. 3
Der Mann mit dem Schnurrbart Manuel van Loggin 1976 57 Darwinismus, Überwachungsstaat, Entfremdung Das Hausmeister-Ehepaar eines utopischen und anonymen Wohnblocks bekommt Besuch von einem seltsamen Mann: Handelt es sich um Charlie Chaplin oder um Adolf Hitler ?
Streckenweise groteskes Stück mit Tiefgang.
5
Der Mantel Vergissmeinnicht Reinhard Wegerth 1979 36 Emanzipation, Biologie Sensoren in der Kleidung simulieren den Kontakt zu anderen Menschen.
Interessanter Ansatz für einen SF. Ein soziologischer Blick auf die zukünftige Erlebnisgesellschaft.
6
Marionetten e.V. Ray Bradbury 1986 13 Doppelgänger Roboterimitate machen unser Leben einfacher.
Klischeelastiges Kurzhörspiel. Immerhin: Andere Autoren hätten dasselbe Thema sicher auf eine Stunde Spielzeit gedehnt. Daher Dank an Vera Kaltwasser (Bearbeitung)
4
Marsgeschichten Ray Bradbury, Olaf R. Spittel 1987 55 Besiedlung Über die psychischen Probleme der Besiedlung eines fremden Planeten.
Wirkt teilweise etwas antiquiert. Adaption und Umsetzung sind dem Rundfunk der `DDR´ jedoch unterhaltsam gelungen.
7
M.A.S.T.A. Michael Springer 1975 61 Extraterristen, Anthropologie Die einfühlsame Schilderung einer extrem fremdartigen Welt steht hier zwar im Vordergrund - Der irdische `kalte Krieg´ läßt dennoch grüßen ... 8
Menschen Göttern gleich Herbert George Wells 1983 82 Transdimensionalität Menschen aus dem frühen 19. Jahrhundert geraten in eine überlegene Parallelwelt. Spannend, jedoch leider tw. mit Feature-Charakter. Erinnert ein wenig an Franz Werfels `Stern der Ungeborenen´ (s.u.)Mit erhobenem Zeigefinger ... 4
Mensch, wir haben ein problem James Murdoch MacGregor 1980 53 Evolution, Degeneration Eine viktorianische Frau wird von entenähnlichen Außerirdischen aufgetaut.
Konsequente, verspielte Zukunftsvision. Mit dem kultigen Manfred Schott, DER Stimme der frühen 70er.
5
Meuterei auf der Venus Herbert W. Franke 1967 55 Psychologie Die Bergarbeiter auf der Venus sind unzufrieden und drohen mit Streik. Erst ein Psychologe von der Erde geht auf ihre Anliegen ein.
Aus heutiger Sicht belangloses konservativ angehauchtes Zaubermärchen im Weltall, das zumindest atmosphärisch überzeugt.
3
Mir - Frieden Sascha Arango 1996 55 politische SF- Groteske Politisches Intrigenspiel im All um einen Selbstjustiz übenden enttäuschten Kosmonauten.
Etwas makaber, witzig, ironisch. Mit bewährter Besetzung.
6
Der Minimalforscher Robert Sheckley 1972 55 Kybernetik Ein Mensch und ein Roboter sollen einen neuen Planeten erkunden. Um dem Menschen die Aufgabe zu erschweren, fängt der Roboter nach einiger Zeit an, den Menschen zu sabotieren. Später mischen sich noch intelligente Planetenbewohner in den Machtkampf ein.
Nach einem skurril-witzigen Start verliert die Vertonung mit dem Auftauchen der niedlichen Planeten-Urbewohner ihren eigentlich spannenden roten Faden.
4
Mission ARGO Richard Farber 2000 52 Kybernetik, Raumfahrt Eine Astronautin kämpft gegen ihren Bordcomputer ums überleben. Die Auseinandersetzung gestaltet sich für die Zuhörer jedoch leider recht zäh und langatmig. 2
Modelle Kirke, Kleistberg, Heisenberg usw. Dieter Hasselblatt 1974 85 Extraterristen Eher ein Utopie-theoretisches Hörspiel denn ein Science Fiction.
Mit Gerd Baltus .
3
Monopole Horst Zahlten 1976 54 Astronautik Zwei Großkonzerne bekämpfen sich im Weltraum.
Glaubwürdig und interessant gezeichnete Charaktere in einer gut gelungenen spannenden Inszenierung.
7
Der Mörder Ray Bradbury 1975 47 Degeneration Ausgedehnte prosaische Monologe, zäh und langatmig, stilistisch eine Zumutung. 1
Mondglas Stefan Wilke 1999 55 Extraterristen Eine Raumsonde kehrt nach langer Reise zur Erde zurück und verändert die Menschen. Was oder wer steckt dahinter ?
Eine unheimliche Begegnung der verschwiegenen Art: Unkonventionell. (Als Bonbon gibt´s die Stimme von Peter Schiff dazu - `Hal´ aus `2001´)
8
Mondgöttin 513 Myra Çakan 2003 21 Repliken Ein Dichter verschwindet. Wurde er durch eine Replik ersetzt ?
Das stück meint, CNN und MTV formal kopieren zu müssen - dies tut leider der Veträglichkeit Abbruch. Soll wohl eine Art Krimi darstellen ...
2
Die Mondnacht Stanislaw Lem 1976 48 Strategie Ein Klassiker mit recht simpler Handlung. 2
Das Monument der Harmonie Jörg von Liebenfelß 1978 48 überwachungsstaat `Big Brother´ in einer Unterwasserwelt. Intelligente Sprachschöpfungen. 7
Mühlheimers Experiment Bodo Traber 2003 43 ökologie, Darwinismus Unter dem Deckmantel eines moralisierenden ökologismus wird eine darwinistische und sadistische Endzeit-Szenerie beschrieben. Nicht ganz neu, aber immerhin glaubwürdig umgesetzt. 2
Mutmaßungen über New Topia Horst Zahlten 1974 54 Utopie, Ideologie Zwei Wissenschaftlern wird Zugang zu einer perfekten utopischen Gesellschaft gewährt. Aber diese ist mitnichten so perfekt, wie sie zunächst annahmen.
Die Erzählstruktur geriet leider etwas unübersichtlich.
5
Nach Manitoba Kenneth Brown 1993 57 überwachungsstaat Düstere Geschichte über einen Zwangstherapierten zu Zeiten einer pseudoreligiösen Diktatur. 2
Das Musterexemplar Frederic Brown 1972 38 Extraterristen Außerirdische entführen einen Alkoholiker als Musterexemplar für die Menschen.
Säuferphantasie einer unheimlichen Begegnung der dritten Art. Soll angeblich komisch sein ...
2
Nach Null Alfred Bester 1980 69 Atomkrieg, Endzeit Ein Menschenpaar hat den Atomkrieg als einzige in New York überlebt. Aber sind sie wirklich allein in der Stadt ?
Gute Dialoge, gute Sprecher, nachvollziehbare Handlung nicht ohne Humor - mit einem etwas simplen Finale.
7
Die Niederlassung Edgar Piel 1993 82 Apokalypse Unerträglich moralisierendes Endzeitszenario in einer vergifteten Umwelt.Mit erhobenem Zeigefinger ...
1
Notlandung Rolf Schneider 1977 56 Telepathie Zwei Raumfahrer müssen auf einem unbekannten Planeten notlanden. Dort begegnet einer von ihnen einer entstofftlichen Lebensform, die ihn in seinem Unmut über die durchtechnisierte Erde bestärkt.
Intrigen und Misstrauen unter Raumfahrern. Glaubwürdig mit einem unvorhersehbaren Finale. /Doppel-Rezension
6
Nummer 563.000, Planquadrat C Marcel Aymé 2001 58 Überwachung Eine Liebesgeschichte mit Intrige in einer Welt an der manche Menschen nur an geraden und andere nur an ungeraden Tagen leben dürfen.Nur formal ein Science Fiction, eher eine psychologische Dreiecksgeschichte.
4
Ein Oberst mit Zahnweh Max Rudolf 1980 59 Medienpropaganda Unsäglich platter Versuch einer zeitgenössischen Arturo Ui-Version .Mit erhobenem Zeigefinger ...
1
Offenbarungen Paul Thain 1988 58 Kybernetik Eine künstliche Intelligenz soll die Namen vermeintlicher Terroristen preisgeben, denen die Todesstrafe droht. Sie weigert sich. 4
Der Offund Eric F. Russell 1986 49 Bürokratie Als Satire angelegter 'Militär'-SF.
Gute Sprecher, gute Figurenzeichnung, gute konventionelle Inszenierung, extrem banale und enttäuschende Handlungsauflösung.
3
Okke Dillens letzter Bericht Jochen Ziem 1972 60 Anarchie Leben in einer zerstörtenWelt.
Originelle Einfälle ohne weiterführende Aussage.
7
Palisander und Melasse - Ein Mondhörspiel Raoul Hausmann 1975 70 Metaphysik, Mystik Fabel des Dadaisten Hausmann um Palisander und Melasse, die auf dem Mond landen und von den Russen bedrängt werden.
Trotz perfekter Besetzung (Ingrid van Bergen u.a.) wirkt das Stück heute eher 'gaga' als 'dada': sehr konfus und prätentiös.
2
Papa Joe Herbert W. Franke 1976 46 Totalitarismus Kommt trotz Starbesetzung mit Judy Winter und Uwe Friedrichsen über ein heilloses Stimmenwirrwarr leider nicht hinaus. 2
Das Penthaus- Protokoll Carl Amery 1987 42 multinationale Konzerne, Propaganda Geheimes Tonprotokoll einer Sitzung zynischer Industrieller und ihrer Helfershelfer.
Zeitkritisch und originell.
7
Per Anhalter ins All (1-8) Douglas Adams 1980 400 Extraterristen, Astrophysik Arthur Dent und sein Freund Ford Prefect recherchieren für den Reiseführer 'Per Anhalter ins All'.
Detailgetreue Umsetzung der exzellenten Romanvorlage. Mit glücklicher Hand inszeniert (ausführliche Kritik).

8
Per Anhalter ins All (9- 15) Douglas Adams 1990 350 Extraterristen, Astrophysik, Ethik Die Cricket-Krieger wollen das Leben, das Universum und den ganzen Rest vernichten.
Erreicht bzgl. Buch und Regie leider bei weitem nicht das Niveau der ersten Staffel (ausführliche Kritik). Ging es in der ersten Staffel humorvoll um Sinnfragen und die verrückte Galaxis, so geht es bei der zweiten moralinsauer um Krieg und Frieden.
2
Planziel Genie Ilja Warschawskij 1987 48 Genetik Sowjetische Wissenschaftler wollen einen genialen Wissenschaftler klonen.
Simple Geschichte mit überraschendem Schluss.
4
Der Posten Frederic Brown 1976 5 Krieg Kurzhörspiel über einen Sternenkrieger und mit überraschendem Schluss. (3)
Pralinen Donovan O`Malley 1984 69 Invasion aus dem All Extrem ähnlich dem `Leute wie wir´ (ebenfalls von O`Malley), nur dass jenes wesentlich mehr zu überzeugen vermag. Mit Uwe Friedrichsen. 3
President in Space Michael Esser 1997 55 politische Intrigen Amis gegen Russen im Weltraum. Erstklassige Besetzung, annehmbare Story.
Interview mit Autor
Michael Esser
5
Das Prinzip Beharrung Gregor Retti 1986 53 Apokalypse Menschliches Zusammenleben in einer vom Krieg verwüsteten Stadt. In seinem Pessimismus schon beinahe nekrophil.Mit erhobenem Zeigefinger ... Mit Gerd Baltus. 1
Prioritäten Hans Peter Buschmann 1973 51 Manipulation Eine Gesellschaft hat die Vergangenheit abgeschafft. Außerdem darf aus Sicherheitsgründen niemand mehr die Gebäude verlassen. Die Bürokratie ist fast Perfekt
Ein ruhiges und etwas zu gemächliches Stück. Immerhin mit der richtigen staatskritischen Grundstimmung.
4
Professor Mancinis Geheimnis Anders Bodelsen 1971 64 Forschung, Blindheit Agenten nutzen die Hilflosigkeit eines blinden Professors aus.
äußerst langatmig und gefühlsduselig.
Mit erhobenem Zeigefinger ...
2
Professor Tarantogas Sprechstunde Stanislaw Lem 1977 89 Futurologie Professor Tarantoga prüft die Erfindungen einer Reihe eingebildeter Erfinder.
Mit zahlreichen satirischen Anspielungen und hie und da überraschend aktuell, z.B. in Bezug auf Terrorismus oder Gruppensex. Ansonsten leider etwas behäbig.
4
Projekt Pandora - oder: Das große ABC Hermann Ebeling 1975 54 Massenvernichtung Computer berichten über die ABC-Katastrophen der Zukunft.
Garniert mit akzeptablen Spielszenen. Dennoch eher alarmistisch als unterhaltsam.
3
Die Propan-Bakterien Egmont R. Koch 1975 41 Chemieunfall Bei der Forschung an neuartigen Chemikalien passiert ein Unfall.
Das Stück hört sich an, wie die Vertonung einer (deutschen, will heißen `nicht sehr spannenden´) Feuerwehrübung.
3
Die Quadratur des Einhorns John G. Taylor 1972 39 Endzeit, Kybernetik Computer werten die letzten Tage einer Durchschnittsfamilie mit Hilfe von Tonaufzeichnungen aus.
Freche Satire aus den frühen Siebzigern. Zum Teil ein wenig bemüht bzw. veraltet.
5
Quantenmüll Andreas Eschbach 2004 30 Quantenphysik Frustrierte Wissenschaftler finden zufällig einen Miniquntentunnel und nutzen die Entdeckung, um im großen Maßstab Menschheitsmüll in die Zukunft zu schicken. Ob das gut geht ?
Nüchtern sachlich kurzweilig unterhaltendes Hörspiel.
3
Queen Mary 3 Thilo Reffert 2007 54 Zeitreise, Demographie Zwei Paare unternehmen eine Kreuzfahrt auf der Queen Mary 3. Das ältere möchte das junge gerne adoptieren, da es mit dem Kinderkriegen im Jahre 2040 eine heikle Sache ist.
Etwas behäbiges Stück mit gut gezeichneten Figuren, jedoch ohne spannende Handlung. Mit einem für öffentlich-rechtliche Verhältnisse recht schonungslosem Blick auf die demographische Katastrophe in Europa.
3
Rätsel im Andromeda-Nebel Theo Löbsack 1980 50 Extraterristen Radioteleskopforscher auf der Suche nach fremder Intelligenz im All.
Ein interessantes Thema. Das Stück hört sich nur leider etwa so aufregend an, wie die vertonte Mitschrift einer wissenschaftlichen Tagung zum Thema `Außerirdische´. Ansprechend vertont mit guten Schauspielern, jedoch nahezu ohne Handlung.
2
Raumschiff Titanic Terry Jones, Douglas Adams 1998 138 Extraterristen Turbulente Kreuzfahrt durchs Weltall.
Ein neuer, wenn auch leider sehr müder Aufguß des Klassikers `Per Anhalter ins All´: überforderte Sprecher, chaotisches Buch, Effekthascherei - akustisch strapaziös.

über Sprecher J. Wawrczek;
(ausführliche Hsp.-Kritik).
3
Raumstation I beherrscht die Erde Ernst von Khuon 1953 52 Raumfahrt Eine Art handlungsfreies Lehrstück über die bemannte Raumfahrt.
Für die damalige Zeit bemerkenswert, heute jedoch recht belanglos.
1
Reise ins Weltall Charles Chilton 1959 273 Weltraumfahrt Antiquarisch. Für sein Alter recht beachtlich in Dramaturgie und Sound, jedoch heute vermutlich nur noch für Historiker interessant. 2
Reise zu van Gogh Sewer Gansowski 1978 53 Zeitreise Moralisierendes Rührstück über die ökonomische Nutzung von Zeitreisen in die Vergangenheit.
Solide vom `DDR´-Hörfunk umgesetzt.
Mit erhobenem Zeigefinger ...
4
Das Restauratio- Projekt Marina Dietz 1999 160 religiöser Fundamentalismus In naher Zukunft ziehen auf Mittelalter getrimmte künstliche Stadtstaaten viele dekadente Touristen an. Eine Restauratorin macht sich dorthin auf den Weg, um eine alte Rechnung zu begleichen.
Ein SF-Politthriller mit einer gehörigen Portion Frauenpower. Spannend - ein wenig wie `Der Name der Rose´.
7
Revolte auf Luna Robert A. Heinlein 1972 195 Konspiration Eine Abenteuergeschichte, die zufällig auf dem Mond spielt.
Teilweise anheimelnd, tw. etwas brutal und platt.
3
Risse in einem gläsernen Netz Hans Bach 1979 27 Massenvernichtung Düsterer Old-School-SF aus der DDR. Sollte vermutlich eine Friedensbotschaft kommunizieren und meinte offenbar, hierbei ohne originelle Einfälle auskommen zu können. 2
Die Roboterfalle Bernd Ulbrich 1977 48 Kybernetik Netter philosophierender Antik-SF aus der DDR über die Standardfrage `Ist er ein Mensch oder ein Roboter ?´. Roboter `Made in GDR´ bestanden natürlich aus Plaste.
Mit Wortungetümen wie `entartetes Leben´ hatte man seinerzeit im sich als 'antifaschistisch' bezeichnenden sozialistischen Teil Deutschlands offenbar keine Probleme.
4
Roboter QT1 Horst Krautkrämer (nach Isaac Asimov) 1981 54 Kybernetik; Religion Ein intellektueller Roboteraufstand hält eine Weltraumstation in Atem.
Futuristische Philosophie-Light mit Gottfried John als Roboter-Revolutionär.
4
Rossums Universal Robots Karel Zcapek,
D.Hasselblatt
1978 57 Androiden Roboter gegen Menschen.
Stark moralisierend,eher historisch interessant .
Mit erhobenem Zeigefinger ...
2
Die roten Schuhe im Speicherring Karlheinz Knuth 1991 46 Kernphysik Eine Frau verschwindet in einem Kernforschungszentrum. Aber ganz weg ist sie nicht.
Poetisch und unaufgeregt in Szene gesetzte philosophische und physikalische Grundsatzfragen.
6
Roter Stern, Winterorbit William Gibson,
Bruce Sterling
2005 54 Ideologie, Hierarchie Ein Stammhalter der darbenden Sowjetunion muss im All gegen Vorgesetzte kämpfen.
Eine larmoyante und verworrene Geschichte, bei deren Umsetzung die Macherinnen (Antonia Rothe und Marie-Anne von Busse) ihre Hörer allem Anschein nach nicht mit einer schlüssigen Dramaturgie belasten wollten bzw. konnten. Die Handlung wirkt belanglos, die Charaktere bleiben ausgesprochen blass - großzügig eingesetzte akustische Soundkulissen können darüber nicht hinwegtrösten.
Wahrlich kein Ruhmesblatt für die HFF „Konrad Wolf“ Potsdam-Babelsberg, die das niveauschwerelose Machwerk produzierte, das insbesondere im Vergleich zu Sascha Arangos Hörspiel-Meisterwerk 'Mir' (mit vergleichbarem Handlungsplot) sehr, sehr bescheiden anmutet.
1
Routineuntersuchung eines unbekannten Planeten Jorn Bing, Thor O. Bringsfeld 1982 38 Exo-Anthropologie Eine Expedition untersucht das scheinbar rückständige Volk eines Planeten, auf dem vor langer Zeit ein irdisches Raumschiff verschollen ist.
Interessante Schilderung einer fremden Zivilisation. In klassisch-solider, etwas behäbiger Hörspielumsetzung.
5
Rückkehr aus dem Weltall George Robertson 1971 57 Zeitreise Eine Raumschiffbesatzung will mithilfe der Zeitreise die katastrophale Entwicklung auf der Erde verhindern.
Sehr gemächliches und gut strukturiertes Stück mit fähigen Sprechern. In der Grundstimmung jedoch etwas zu bierernst und melancholisch.
4
Science Fixion
(Schreibweise ausdrücklich mit 'x')
Peter Jacobi 1980 60 Drogen, Umweltzerstörung Eine futuristische Talkshow, die sich des Falls des freiwilligen Drogenabstinenzlers Harry Haller annimmt:
Bitterböse, humorvoll, bedrückend, sexy und glänzend besetzt.
Hörspiele wie dieses können noch den größten Muffel zum Science-Fiction-Fan machen.
10
Schirmspringer Carl Amery 1984 65 überwachungsstaat SF-Satire auf Schwäbisch. 5
Schmetterlinge mit Hakenkreuzen Philip K. Dick 1982 85 Faschismus Eine Welt, in der Hitler-Deutschland den Krieg gewonnen hat.
Jede Menge Geröchel und Gestöhne. Das Drehbuch zu Dicks scheinbar unvertonbarer Geschichte misslang völlig. Eine Zumutung für die Hörer, denen wohl so eine Art abschreckendes `Hörspiel noir´ präsentiert werden sollte.
1
Schöne Tage auf Marnova 3 Peter Striebl 1980 53 Tourismus Satire auf die Erlebnisgesellschaft.
Leider weitgehend ohne Biß. Immerhin geriet die Besetzung mit Vater & Sohn Semmelrogge originell. Hier hätte man mehr draus machen können ...
3
Die schwarze Wolke Fred Hoyle 1958
1966
132
85
Astronomie Solider Wissenschafts-SF. Zu langgezogen, die Handlung hätte auch in der Hälfte der Zeit erzähltwerden können.
In der Version von 1966 gibtHorst Frank den Erzähler.
3
Die sechs Streichhölzer Boris und Arkadi Strugatzkij 1972 54 Metaphysik In einem sowjetischen Labor wird mit Neutrinostrahlen experimentiert, worauf ein Professor übernatürliche Kräfte entwickelt.
Gute Sprecher, ruhige Vertonung, reichlich überholt wirkende Story, angereichert mit sowjetsozialistischer Tristess.
2
Sieg über die Tiefe
Zurück in die Tiefe
Hermann Ebeling 1978
1981
46 Metamorphose Forscher einer Unterwasserstation machen körperliche Veränderungen durch.
Durchdachte Charaktere, gut recherchierte Story, altbewährte Sprecher in beiden Versionen.
8
Simulation - Ausbruch Hans-Joachim Frank 1973 53 virtuelle Realität Wissenschaftler werden ermordet, ihre Hirne holografisch gespeichert und ausgebeutet.
Durchdachte Story, wenig spannend.
Mit
Gerd Baltus.
3
Solaris Stanislaw Lem 2006 127 Extraterristen, Halluzinationen Auf einer Raumstation, die über einem seltsamen Planeten steht, verfällt die Besatzung seltsamen Tagträumen.
Sehr konventionell umgesetzter SF-Klassiker, dem eine Straffung der Handlung auf ungefähr die Hälfte der Spieldauer sehr gut getan hätte.
4
Sonnenaufgang über Tharsis Myra Çakan 2003 30 Planet-Transforming Tagebuch einer Marsforscherin.
Solide aber leider recht eintönig, da beinahe eine Lesung. Mit etwas mehr Aufwand hätte hier leicht ein zweites `Angst unter Bäumen´ entstehen können. Chance verpasst ...
3
Space Azubis - Helden ohne Meisterbrief Stefan Wilke, Christoph Jacobi 2004 162 Abenteuer Gescheiterter Versuch, Douglas Adams für ein Publikum der deutschen Spaßgesellschaft neu aufzugießen. Viel Wirrwarr aus der Feder zweier Autoren ohne Meisterbrief. 2
Spaziergang in den Wolken Reinhard Schober 1987 39 Dekadenz Ermüdende Schilderung utopischer überflussgesellschaften, die sich per Zweitverwertung Frank Duvals Soundtrack für `Per Anhalter ins All´ bedient. 3
Stern der Ungeborenen Franz Werfel 1990 94 Utopie Ein Mann reist in die Zukunft in eine perfekte menschliche Gesellschaft.
Erinnert ein wenig an H.G. Wells `Menschen Göttern gleich´ (s.o.). Unaufgeregtes Plaudern über die Natur des Menschen.

6
Sternenglimmer und Hot Dog Jörg von Liebenfelß 1990 58 Seuchen Sechs Weltraum-Laborantinnen kämpfen gegen die Intrigen eines Pharmakonzerns.
Gute Dramaturgie und realistische Dialoge in einem kleinen Weltraum-Wirtschaftskrimi. Ähnlichkeiten mit Covid-Corona oder dem Pfizer-Konzern sind nicht beabsichtigt.
7
Der Sternenschmetterling Bernard Werber 2008 54 interstellare Weltraumfahrt Eine verwegene Gruppe von Menschen plant die Kolonisation eines fernen Planeten.
Gut beschriebene und dargestellte Charaktere in einer sehr episch angelegten SF-Erweckungsgeschichte.

5
Die Straße nach Ococingo Eva Maria Mudrich 1985 51 Human- Genetik Ein einfacher Geschäftsmann gerät durch Zufall in das Intrigenspiel telepathischer Kräfte, was ihm nicht gut bekommt.
Die vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk in den 70er und 80er Jahren aus unerfindlichen Gründen (damals gab es schließlich noch keine 'Frauenquote') vielbeschäftigte SF-Autorin Eva Maria Mudrich lässt ihre eigentlich sehr interessante Idee im handlungsarmen Lamentieren und Palavern ertrinken.
4
Streng geheim Alexander Dobrin 1986 76 Human- Genetik Die seichte Machart wird dem ernsten Thema nicht gerecht. 3
Sybillen im Herkules Nelson Bond 1984 55 Apokalypse, Zeitreise Der kalte Krieg läßt hier noch einmal grüßen. Ein metapherreiches Atomkriegsszenario.Leider nicht übermäßig originell. 4
Testflug zum Saturn Stanislaw Lem 1974 57 Androiden Wer ist Mensch, wer ist Android? 4
Der Tod des letzten Schriftstellers Christian Linder 1993 46 Verdummung, Massenmedien Ein fiktives Radiofeature über das Ende der Literatur; die Menschen verlieren ihr Sprachgefühl.
In der Form einigermaßen unkonventionell, inhaltlich unprätentiös; streckenweise unbeholfen wirkend und langatmig.

4
Total real Jens Hagen 1990 33 Sexualität, Holographie SF-Groteske um den Niedergang des Zwischenmenschlichen. Humorvoll. 8
Der Tote im Transmitter Hans-Joachim Alpers 1988 54 Teleportation SF-Krimi um einen Mord im Materie-Transmitter, der leider oft ins Triviale abgleitet. 3
Die Tränen der Sphinx Hermann Ebeling 1991 57 Klonen, Schimären Zwei Astronauten stranden auf einer vergessenen Raumstation, auf der Experimente mit Klonen und Kreuzungen stattfinden.
Unterhaltsam, wenn auch hinter den Möglichkeiten des Themas zurückbleibend.

5
Die Trank des Schweigens Eike Gallwitz 1993 50 Alchemie Eine sehr unaufgeregte Verschwörungsgeschichte, der es leider an Biss fehlt. 3
Die transplutonische Plage Christian Mähr 1986 56 Materietransmitter Menschen, die in Kontakt mit Personen kommen, die sich mit einem neuen Gerät zum `Beamen´ transportieren ließen, verlieren den Verstand. Durch die Transmission ergeben sich ungeahnte Chancen aber auch schreckliche Gefahren.
Dasjenige SF-Hörspiel mit dem wohl besten Titel ...
5
Träumen Androiden ?
(=Blade Runner)
Philip K. Dick 1999 55 Androiden Aufmüpfige Androiden müssen beseitigt werden.
Das Hörspiel setzt andere Akzente als der Kultfilm und ist daher interessant.
7
Traumgeschäfte Hermann Ebeling 1993 93 autoritäre Systeme Ein Mann widersetzt sich dem Willen staatlicher Institutionen, seine Träume, die im Gegensatz zudenen anderer noch nicht total verflacht sind, aufzeichnen zu lassen.
Sehr brave Umsetzung des SF-Standardthemas `Synthetisierung von Träumen´. Solide umgesetzt und leider sehr vorhersehbar dümpelt das Stück ohne originelle Ideen vor sich hin.
3
Die Triffids John Wyndham 1968 215 Darwinismus Gefährliche Pflanzen übernehmen die Herrschaft auf der Erde.
Typischerweise für die 60er Jahre sehr betulich. Hansjoerg Felmy agiert wieder einmal als Held mit einem netten Frauchen an seiner Seite. Streckenweise spannend, obwohl man die Story auch in einer Stunde hätte erzählen können. Das Stück gefällt sich offenbar mit der Aussage `Unter extremen Bedingungen werden Menschen zu Tieren´.
3
Der Turm der Winde Fritz Puhl 1960 52 Darwinismus Auf einer Wetterstation wird das Klima kontrolliert. Das interessiert auch Geheimagenten.
Die Perspektive des Stückes ist sehr technokratisch und seine Umsetzung leider langatmig.
2
Tylerton, 15. Juni Frederik Pohl 1986 52 überwachungsstaat Ein Mann erlebt jeden Tag dasselbe. Ist er manipuliert oder seine Umwelt ?
Etwas überzogen, nicht sehr anspruchs- dafür aber humorvoll.
6
Die Überführung Konrad Hansen 1987 56 Phantastik, Transdimensionalität Menschen verschwinden in eine andere Dimension.
Amüsant skurril und doch bemerkenswert schlüssig.
7
Uhrwerk Orange Anthony Burgess 1995 57 Gewalt Die ausgesprochen violente Schilderung einer dekadenten Gesellschaft gehört wohl seit einigen Dekaden zur Standardlektüre seelisch zurückgebliebener männlicher Jugendlicher. Das Hörspiel hätte hier Gegenakzente zur Buch- bzw. Filmvorlage (`Clockwork Orange´) setzen können. Es tat es nicht. 1
Der Unbesiegbare Stanislaw Lem 2018 77 Schwarmintelligenz Auf einer fremdem Welt greifen Insekten-Roboter Raumschiffbesatzungen der Erde an.
Oberflächlich, wirr und unentschlossen.
2
Der Unentbehrliche Horst Zahlten 1973 57 Organtransplantation Soll das Leben eines 'leichten Mädchens' für das eines intellektuellen Schwergewichts geopfert werden ?
Etwas langatmig, aber durchaus ethisch in die Tiefe gehend.
4
Uniflex 2000 Birgit Hummler 1990 57 Robotik In einem Forschungslabor intrigieren die Wissenschaftler mit Mordrobotern gegeneinander.
Ein zäher Uni-Bürokraten-Krimi.
3
Unter der Plexikuppel Wolfgang Oppenrieder 1986 69 Ökologie, Diktatur Alle Menschen über vierzig müssen in kleinen Gruppen unter Animationsplexikuppeln leben, die sie gegen die verseuchte Umwelt schützen.
Kurzweilige Vertonung mit viel Gruppendynamik und Spieltheorie.
7
N. O. A. H. - Studie in Himmelblau und Schwarz Hermann Ebeling 1977 56 Ökologie Menschen leben auf der verdreckten Welt unter Schutzkuppeln. Als sie für ein Arche-Unternehmen evakuiert werden sollen, wagen einige den Widerstand.
Realistisch und handlungsorientiert. Glaubwürdige Charaktere mit wenig Identifikationspotential.
4
Unheimliches Erwachen Chris Brohm 1987 57 Hirntransplantation Das Hirn eines Transplantations-Mediziners landet durch die Intrigen seiner Kollegen in einer Nährlösung.
Mit einem glaubwürdigen Vadim Glowna.
5
Unter Kontrolle
oder
Ein amerikanisches Märchen
Robert Sheckley 1975 59 Spionagegroteske Ein Loser will der sozialen Kontrolle einer utopischen Gesellschaft entfliehen. Er startet ein Kolonieprojekt auf einem anderen Planeten, aber die irdischen Probleme holen ihn schnell wieder ein. Oder vielleicht auch nicht ?
In leicht grotesker Manier menschelt dieses sehr gelungene Höspiel mit Christoph Quest und dem jungen Martin Semmelrogge gekonnt mit Leichtigkeit und Optimismus.
9
Das Unternehmen der Wega Friedrich Dürrenmatt 1955 64 Strategie Die Weltmächte wollen einen Stellvertreterkrieg auf der Venus führen.
Ermüdende Hahnenkämpfe alter Militärs um Macht und Einfluss.
2
Unternehmen N.E.R.O. Ekkes Frank 1986 52 Machterhalt Zynisches Moralisieren (hier offenbar kein Widerspruch) ohne Witz und Esprit.Mit erhobenem Zeigefinger ...
2
Unternehmen Stahlsprung Per Wahlöö 1984 54 Seuchen, Totalitarismus In Stockholm bricht ein Labor-Virus aus. Die Ärzte übernehmen die Macht und begehen Massaker.
Brutales, leider nicht ganz unrealistisches Spektakel.
3
Unternehmen Tick Tack Dieter Kühn nach Murray Leinster 1970 40 Zeitreise Ein Forscher erhält per Zeitreise die Chance, einen historischen Staudammbruch zu verhindern. Soll er in die Geschichte eingreifen ?
Solide aber unspektakuläre Variation der bekannten Zeitparadoxon-Thematik.
4
Utopia SR447
Zweitverwertung als SPACE RYDER SR447
Nevil Yd 1967 75 Jugend-SF Ein Einsatzteam des solaren Sicherheitsdienstes wird zu einer Gruppe von Versuchskaninchen ausgestorbener aber dennoch immer noch mächtiger Außerirdischer.
Ein triviales Weltraum-Abenteuer - antiquarisch und hörbar mit Spaß an der Sache produziert sowie ein wenig bei Perry Rhodan abgekupfert.
7
Die verbotenen Erfindung Isaac Asimov 1967 58 Zeitreise Ein Ehepaar beauftragt einen Forscher mit dem Bau einer verbotenen Zeimaschine, eines Chronoskops, um in der Vergangenheit auf die verstorbene Tochter zu treffen.
Unglückliche Verquickung einer erzählten persönlichen Tragödie mit einer SF-Handlung der alten Schule und angerissenen philosophischen Fragen über die Wissenschaftsethik.Mit erhobenem Zeigefinger ...
2
Die vergangene Zukunft Jiri Ort 1990 50 Telepathie Tragische und zugleich packende, wenngleich deprimierende, Weiterführung (Auftakt: `Gedankenraum´) zur `Gedankenraum´-Trilogie von Jiri Ort. Abschluss: `Die Welt im Schatten´ 4
Verhindern sie den ersten Weltkrieg ! Hans-Peter von Peschke 1984 51 Zeitreise, Zeitparadox Wissenschaftler wollen mit einer Zeitmaschine den ersten Weltkrieg, den Anfang vom Ende des Abendlandes, ungeschehen machen. Das ist schwieriger als erwartet.
Fundiertes Buch, gute Sprecher, anregendes Thema.
5
Das verlorene Jahrtausend Horst Zahlten 1970 46 Zeitreise Raumfahrer treffen nach einem missglückten Zeitsprung in die Antike auf ihre eigenen Nachfahren.
Interessante Handlung, die ungewöhnliche Fragen aufwirft.
6
Das Vermächtnis der Moorvögel Eva-Maria Mudrich 1977 55 Unsterblichkeit; ökologie Endlich einmal ein Stück, welches nicht wie fast alle anderen, die sich mit dem Thema `Unsterblichkeit´ befassen, einreden will, diese sei ein Fluch und Sterblichkeit ein Segen ! Ansonsten: Zu viele Rückblenden vor einem gelungenen Finale. 4
Das versehrte Leben
oder: Jona im Feuerofen
Wolfgang Jeschke 1988 60 Darwinismus Außerirdische geben bei der Fortpflanzung ihre aggressivsten Eigenschaften an die Nachfahren weiter.
Das `Alien´ unter den SF-Hörspielen.Glaubwürdig, beängstigend.
7
Vitriol oder: Der Mann im Hundefleisch Jörg Liebenfelß 1979 55 Archaeologie In naher Zukunft (genauer im Jahr 2007, und damit eigentlich schon überholt, wie so oft bei älteren SF-Hörspielen) rätseln Forscher um eine Moorleiche.
Seltsam menschelnder SF-Krimi.
3
Die Vögel Daphne du Marier 1981 56 Anthropologie In England werden die Vögel aggressiv und greifen Menschen an.
Altmodisches Hörspiel, erfreulich harmlos im Vergleich zu neuen Produktionen. Die Handlung ist jedoch leider sehr vorhersehbar
2
... von solchem Stoff, aus dem die Träume sind Hermann Ebeling 1970 53 Drogen Zwei noch einigermaßen freie Länder, die kurz vor der Diktatur stehen, bekämpfen sich mit Hilfe von Drogen.
Dystopisch und mit
Gerd Baltus.
2
Vorstudien Ilja Warschawskij 1980 57 Telepathie Mehrere Intellektuelle sollen für einen Computer Szenarien für Groschenheftromane liefern.
Eine amüsante Idee wurde sehr routiniert umgesetzt.
3
Was tun wir, wenn sie wiederkommen ? Michael Springer 1982 50 Extraterristen, Werbung Episodenhörspiel um eine durchkommerzialisierte Zukunft.
Deprimierende Aussichten. Unterhaltsam in Szene gesetzt, nicht zuletzt dank der wie immer hervorragenden Evelyn Hamann.
4
Wechselbalg Philip K. Dick 2001 19 Mimikri, Invasion Außerirdische wollen die Erde mit Hilfe terranisch anmutender Doppelgänger einnehmen. Was tun, wenn diese Doppelgänger wesentlich sympathischer als ihre Originale ausfallen ?
Originelle Idee, solide und im guten Sinne traditionell umgesetzt.
4
Der Weg zurück Uwe Nielsen 1975 45 Extraterristen Ein Raumfahrer wird auf dem Mond mit einem fremden, uralten Wesen konfrontiert, das sein Blut mit ihm tauscht.
Mit psychedelischer Musik unterlegtes akzeptables Hörspiel mit einer Tendenz zum Gruseln, das jedoch mehr hätte sein können.
5
Die Welt im Schatten Jiri Ort 1991 57 Telepathie Sehr harter Abschluss der `Gedankenraum´-Trilogie von Jiri Ort.
Start: `Gedankenraum´
6
Welt ohne Schlaf Walter Knaus 1972 46 Spaßgesellschaft, Dekadenz Eine Impfung gegen das Schlafbedürfnis stellt die Gesellschaft vor Konflikte.
Interessante Geschichte, etwas langsam inszeniert, etwas antiquiert, nur wenig verhohlen moralisch.
4
Wer anderen eine Grube gräbt Simon Bagley, Walter Knaus 1971 55 Gehirnwäsche Eine eigentlich interessante Geschichte um Massensuggestion, die jedoch leider in der Umsetzung recht verworren geriet. 3
Wer weiß, was noch kommt Max Kruse 1978 45 Evolution Intelligente Ratten wollen die Menschheit vernichten.
Spannend, moralisch und gruselig.
5
Der Witzbold Isaac Asimov 1991 23 Humor Haben Außerirdische den Humor auf die Erde eingeschmuggelt, um die Menschheit zu testen ?
Originell, unspektakulär.
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Wo blieb der 631. Tag ? Eva Maria Mudrich 1975 55 Eliten, Totalitarismus Eva Maria Mudrich versteht es wieder einmal meisterhaft, trotz guter Grundidee für die Story und guten Sprechern bei den Hörern keinerlei Spannung aufkommen zu lassen. 3
Wolfsspiel - Goldzeit Stephan Kaske 1989 57 Endzeit Menschen werden von den Medien manipuliert.
Darwinistische Dystopy im Neon-Stil
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Die Wonnen der Physik Eike Gallwitz 1992 47 Zeitsprung Gerade als ein Physiker die Möglichkeit der Zeitreise entdeckt, begegnet ihm sein eigenes Ich aus der Zukunft. Die Vertonung kommt leider nicht ohne banale Beziehungsverwicklungen aus.
Mit
Gerd Baltus.
2
Der Wunschtraum Isaac Asimov 1971 36 Roboter Der Haushaltsroboter `Tony´ hat seinen ersten Bewährungstest zu bestehen.
Ein wenig harmlos und bieder. Mit einer überzeugenden Katharina Brauren, die man sonst eher aus EUROPA-Jugendhörspielen kennt.
4
Zarathustra kehrt zurück Herbert W. Franke 1969 54 überwachungsstaat Das klassische SF-Motiv `Gedankenkontrolle´ wird hier leicht abgewandelt in `Kommunikationskontrolle´. Und eine kleine Liebesgeschichte darf natürlich auch nicht fehlen.
Für 1969 nicht übel aber inhaltlich leider reichlich unspektakulär. Mit dem jungen
Gerd Baltus.
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Zeit aus den Fugen Philipp K. Dick (Marina Dietz) 2001 52 Parallelwelt Ein Mann wird von einer kriegführenden Partei in einer simulierten Parallelwelt (die USA der 50er Jahre) gehalten, damit er dort ungestört seine prophetischen Fähigkeiten entfalten kann, die für den Verlauf des Krieges wichtig sein können. Ein originelles Thema, dessen Umsetzung leider ein wenig den nötigen `roten Faden´ vermissen lässt. 4
Zeitler sagt ab Werner Kließ 1992 47 Zeitreise Technik aus der fernen Zukunft wird in die Zukunft importiert.
Erstaunlich banaler und bräsiger Zukunfts(wirtschafts)krimi. Ungewöhnlich immerhin, dass auf eine moralisierende Einfärbung verzichtet wurde.
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Zreitseln Dieter Hasselblatt 1990 58 Zeitreise Wenn Sozialwissenschaftler Hörspiele schreiben ... ; Schleppend, ermüdend, stellenweise immerhin (unfreiwillig?) komisch. 4
Zum Wohle der Allgemeinheit Horst Zahlten 1972 51 Telepathie, Totalitarismus
Eine Diktatorin nutzt die Erfindung des Gedankenlesens.
Vertonung, die Oberflächlichkeit meidet. Die Diktatorin ist gut besetzt.
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Die Zukunftsfalle (Ein Fall für Weltraumdetektiv Q. Kuhlmann) Hermann Ebeling 1986 52 Zeitreise Ein Auftrag, die Vergangenheit zu korrigieren. Doch es gibt Komplikationen
Verworren und anstrengend zu hören - insbesondere der entstellende Zukunfts(neu-)sprech (damit ist nicht die Gendersprache gemeint).
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Achtung: Alle Hörspiel-Rezensionen in dieser Tabelle beziehen sich ausschließlich auf die jeweiligen Erstausstrahlungen im öffentlichen Rundfunk und nicht auf spätere Veröffentlichungen auf Tonträgern oder Sounddateien.