der HöRSPIELer - Informationen über das Königsmedium

Das Neueste aus dem Leo-Greller-Universum
Von allen mittelmäßigen Hörspielseiten haben wir den direktesten Draht zum provokativen, nervigen und hochsensiblen Ausnahmekünstler aus Hamburg.

Hörspiele eignen sich perfekt für Science Fiction
Die Profis von den Öffentlich-Rechtlichen scheinen das vergessen zu haben. Wir erinnern gerne daran und geben auch Independent-Produktionen eine Chance.

Heiße Eisen werden von den RedakteurInnen angepackt
Drängende gesellschaftliche Themen werden von den Hörspielabteilungen des Rundfunks verantwortungsvoll behandelt. Und von unserem Hörspiel-Podcast.

Nicht in jedem Hörbuch steckt auch ein Hörspiel
Ja, leider. Aber immerhin geht unser neu gestarteter Hörbuch-Podcast mit gutem Beispiel und einer Hörspielquote von aktuell immerhin 66 Prozent voran.

der HöRSPIELer - Informationen über das Königsmedium



Edith Schröder (Projekt 'Leo Greller')
MEDIENNEU: Relaunch der Leo-Greller-Seite

Die Geduld des Kulturbetriebs ist begrenzt

Der erste Teil des als Trilogie angelegten Dramas um den mäßig erfolgreichen Hamburger Liedermacher Leo Greller wurde im Jahr 2003 veröffentlicht. Der zweite folgte 2006. Mittlerweile setzte das große Rechnen ein, was dazu führte, dass der Kulturbetrieb noch für 2009 den Abschluss der sozialkritischen Story erwartet. Innerhalb der nächsten zwei Monate sind wir schlauer.

# Sympathischer Künstler unvorteilhaft dargestellt: Abgesang auf Liedermacher Leo Greller

# Dreistes Stalking in Berlin-Moabit: Ein Abend im Hickhack endete beinahe tödlich




Heikedine Körting in ihrem Hamburger Aufnahmestudio
INTERVIEW

'Kann ich nicht' gibt es nicht

Einer der sehr seltenen Interviewtermine mit der Macherin der 'drei Fragezeichen' und 'TKKG' bot die Möglichkeit, die Powerfrau nach ihren Rezepten für das Überleben in einer von Männern beherrschten Medienwelt zu befragen. Hartmut Lühr stellte Heikedine Körting Fragen über den Wandel von Rollenbildern und des Geschlechterverhältnisses während ihres Schaffens.

# Ewig junger Peter Shaw: Jens Wawrczeck über sein Leben mit und ohne die drei ???

# Hörspiel-Papa auf großer Reise: Alfred Krink über Hörspiele und selbstbewusste Kinder




Uta V. Kohlenbrenner als 'Adra' in 'Der Wächter der verbotenen Welt' (Foto: Dana Laurich; Montage: Hartmut Lühr)
GENRE

Hörspiele als Proto-Medium für Science Fiction

Zum Glück müssen wir uns nicht entscheiden, denn das würde uns nicht ganz so leicht fallen: Sowohl öffentlich-rechtliche Science-Fiction-Hörspielproduktionen als auch kommerziell motivierte Vertonungen dieses Genres finden ihre Hörer und wissen diese zu fesseln. Daher gilt auf diesen Seiten das Motto `the best of both worlds´.

# Qualität: Die niveauvolleren SF-Hörspiele kommen vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk

# Hörspiel-Professionalität: Alte Hasen und junge Hüpfer auf dem Science-Fiction-Trip




Hamburger Ehepaar
INDIVIDUALISIERUNG

Konsum als Kitt für Beziehung unzulänglich

Ein gelangweiltes Ehepaar besucht eine Einkaufspassage. Sie und er haben sich gegenseitig nicht mehr viel zu sagen - ein Bettler, der vor einem der Konsumtempel `Stellung´ bezogen hat, ihnen dafür um so mehr. Ob die beiden in der Lage sind, die Einwürfe des unverklärt aufrichtigen Mannes konstruktiv für sich selbst zu nutzen ?

# Satirische Gesellschaftskritik aus den Neunzigern: Auditive Trilogie zum Nachdenken

# Mangelndes Klassenbewusstsein: Zumutungen durch ungegenderte Journalistin




SCHLAGWORTE

Feature | Schmutzige Wäsche | Schlafstörung | Mordanschlag | Radioprogramm | Hörsturz | Badewanne | Underground | Anwaltskanzlei | Liebe | Dreiecksbeziehung
Perry Rhodan | Douglas Adams | Commander Perkins | Sonnensystem | Betriebsrat | Drogen | Betriebsunfall | Machtkampf | Science Fiction | Haarfarbe
Campus | Gefecht | Coolness | Hypnose | Gesellschaft | Konsum | Terror | Morddrohung | Dekadenz | Hygiene | Party | CDU | Kuppelei
Betrug | Versager | Warteschlange | Architektur | Massage | Tiere | Außenseiter | Mode | Sexualität | Aids | Toleranz




Interview mit Heikedine Körting INTERVIEW

`Kann ich nicht´ gibt es nicht

Eine gewisse Hörspielerin, nicht gerade ganz erfolglos und zum Glück recht auskunftsfreudig, traf der HÖRSPIELer in Hamburg zum Gespräch über Emanzipation, Professionalität und über Pädagogik: Eines der raren Interviews mit Heikedine Körting.

Heikedine Körting hat wie kaum jemand das Bild des Kaufhörspiels für kindliche und jugendliche Hörer in Deutschland geprägt. Serien wie `Die drei Fragezeichen´, `Hanni und Nanni´, `Commander Perkins´, `TKKG´, die `Neon-Grusels´, `Larry Brent´ und `Macabros´ erwiesen sich im Rückblick als stilbildend für das moderne Jugendhörspiel. So gaben die von der Juristin und ihrem Gatten Dr. Beurmann für das EUROPA-Label entwickelten Serien und Einzeltitel in der Bundesrepublik ab Ende der 60er bis in die 90er Jahre hinein in Sachen Qualität und Innovation eindeutig den Ton an. Allenfalls Gruner & Jahr konnten dabei zeitweilig mithalten. Seit Beginn des neuen Jahrtausends machen viele neue Hörspiellabels, welche die Vorteile des Internets für sich nutzen, vor allem mit Horror und harten Krimis von sich reden, während man bei EUROPA auf weniger schrille Töne setzt.
Ein Großteil der Veröffentlichungen dieser neuen Produzenten verdeutlicht, dass schlüssige Drehbücher, solide Regiearbeit und professionelle Sprecher, wie sie EUROPA unter Heikedine Körting und ihren Mitarbeitern über Jahrzehnte hinweg garantierten, keinesfalls selbstverständlich sind. Die hin und wieder in diversen Internetforen laut werdende und oft ins Persönliche abdriftende Kritik an Frau Körting mutet im Hinblick auf ihre Verdienste um das Medium, das vielen sehr am Herzen liegt, ausgesprochen kleinkariert an. Der HÖRSPIELer freut sich, Deutschlands erfolgreichste `Märchentante´ (Guinness-Buch der Rekorde) zu vergangenen sowie aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen, die auch auf ihre Arbeit im Medien- und Kulturbetrieb Auswirkungen haben, in Hamburg befragen zu dürfen. Das Interview fand im Juni 2007 statt.




Interview mit Alfred Krink INTERVIEW

Wenn der Vater mit dem Sohn

Dass gut gemachte Hörstücke für die Fantasie von Kindern und Heranwachsenden anregender sind als DVDs oder Spielekonsolen, ist inzwischen nahezu eine Binsenweisheit. Bevor wir jedoch eine wissenschaftlich anerkannte Hörspielpädagogik bekommen, wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Bis es soweit ist, lesen wir ein Interview mit Alfred Krink, dem Vater der ersten generationenübergreifenden Hörspiele.

Die Schallplatten und Kassetten seiner Science-Fiction-Serie Die große Reise von 1981 erzielen bei Internet-Auktionen Höchstpreise und mit seiner Kerlchen-Reihe setzte er vor 30 Jahren medienpädagogische Akzente: Alfred Krink, Jahrgang 1933, lebt heute mit seiner Frau bei Hamburg und ist seit über zehn Jahren als Autor und Regisseur für pädagogische Multimedia-Programme tätig. Der Schauspiel-, Schul- und Fortbildungslehrer ist zwar schon länger nicht mehr in der Hörspielbranche aktiv, er stand im Februar 2007 aber dennoch für ein Interview zur Verfügung. Insbesondere bezüglich Krinks vierteiliger generationsübergreifenden Serie Die große Reise erhält der HÖRSPIELer nach wie vor regelmäßig Anfragen. Dies verwundert kaum, wirkt die Serie um die Astronautenfamilie Hermes doch auch heute noch erstaunlich aktuell und modern. Krink sah bereits frühzeitig technische Entwicklungen in der Weltraumfahrt voraus und stellte schon damals berechtigte und oft auch amüsante Fragen über deren Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen.
Bei dem Vierteiler wirkten unter anderem bekannte Hörspiel-Profis wie Konrad Halver, Renate Pichler, Stephan Chrzescinski und Katharina Matz mit. Und neben Alfred Krink in einer Gastrolle auch dessen Sohn Thiemo, der wie die anderen Kinderdarsteller `entwaffnend natürlich und unaffektiert´ (Die Zeit) agierte, obwohl oder gerade weil sie alle keine Jungschauspieler waren.




Kinder hören anders MEDIENPÄDAGOGIK

Kinder hören anders

Audiokassetten sind für Kinder zwischen 4 und 12 Jahren nahezu das Unterhaltungsmedium schlechthin. Was ihre Reichweite anbelangt, übertreffen Hörspielkassetten sogar das Fernsehen. Auch geben Kinder einen nicht unerheblichen Teil ihres Taschengeldes für Hörspiele aus. Die bundesdeutschen Haushalte mit Nachwuchs sind daher in ihrer übergroßen Mehrheit mit Kassetten aller Couleur ausgestattet, zumal die Mehrzahl der Sprößlinge heutzutage einen eigenen Rekorder besitzt.

Hörspiele sind für Kinder nicht zuletzt deshalb besonders attraktiv, weil sie parallel zu anderen Tätigkeiten als `Geräuschkulisse´ bzw. `Klangtapete´ genutzt werden können. Auf diese Weise werden gerade bei Kindern berufstätiger Eltern Gefühle des Alleinseins zurückgedrängt. Auch wegen dieser Funktion ist es für diese Hörergruppe offenbar wichtig, "ihre" Hörspiele selber zu besitzen: Es werden z.B. verhältnismäßig wenig Kassetten in öffentlichen Büchereien entliehen, obwohl diese oft über ein akzeptables Angebot an Kindertonträgern verfügen - hier wird die starke emotionale Bindung der Kinder an ihre Hörspielhelden greifbar. Die Bedienung eines Kassettenrekorders ist für Heranwachsende im Gegensatz z.B. zum Videorekorder oder gar zum PC relativ unproblematisch. Deshalb ermöglicht der Konsum von Tonkassetten Kindern ein hohes Maß an Selbstbestimmung, was diese Art des Zeitvertreibs angeht. Die Eltern haben hierauf im Gegensatz zu anderen Medien wenig Einfluß: Der Kassettenrekorder steht im Kinderzimmer und was wann, wobei und wie oft gespielt wird, das bestimmen Tochter oder Sohn allein.
Eine gerade für Kinder bedeutsame Eigenschaft des Mediums Hörspielkassette ist die Möglichkeit, als besonders intensiv oder einfach auch nur als schön erlebte Szenen immer wieder aufs Neue abspielen zu können. Gegenüber dem `unbeständigen´ Medium Fernsehen können so zum einen Inhalte besser verarbeitet werden. Da Hören zum anderen besonders für Kinder ein emotionales Erlebnis ist, vermag gerade die erlebte ständige Wiederhol- und somit Verfügbarkeit positiver Stimmungen dem Kind eine gewisse Sicherheit zu vermitteln. Es hat jederzeit die Möglichkeit, sich in die Phantasiewelt des Hörspiels zurückziehen zu können - dabei ist es egal, ob dies auch tatsächlich wahrgenommen wird. Manche Kinder nutzen die Hörspielkassette sogar ganz bewußt dazu, negative Ereignisse aus Schule oder Familie aus ihrem Alltag zurückzudrängen und die eigene Stimmung positiv zu beeinflussen.
Auch ein Kind besitzt einen Anspruch auf einfache Unterhaltung: Nicht jedes "anspruchslose" und Kurzweil versprechende Hörspiel ist automatisch negativ zu sehen. Folgende Kriterien könnten sich zur Wertung von Kinderhörspielen als sinnvoll erweisen:

- wie in der jeweiligen Produktion mit dargestellter Gewalt umgegangen wird,
- ob die jeweilige Produktion in ihrer Machart den Kindern genügend Raum für eigene Phantasien läßt,
- ob traditionelle Geschlechterrollen durch die tragenden Charaktere zementiert oder relativiert werden.




Interview mit Michael Esser INTERVIEW

ALLtägliches im Astronautenleben

Sehr viele deutschsprachige Hörspielautoren, die sich dem Science-Fiction-Genre verschrieben haben, gibt es nicht. Michael Esser ist eine der rühmlichen Ausnahmen, die vom öffentlich-rechtlichen Hörfunk nicht ignoriert werden. Stefan Nickels, Wissenschaftsjournalist und früherer Aufbauhelfer des inzwischen eingestellten Hörbuchmagazins `HÖRWELT´, interviewte den in Hamburg lebenden Esser, Jahrgang 1955, vor zehn Jahren anlässlich des `Space Day´.

Esser gibt unter anderem Auskunft über Weltallwetter, sogenanntes `Space Weather´, was im ersten Moment etwas seltsam klingt. Es handele sich allerdings um keinen Scherz, sondern um einen wissenschaftlich fundierten Wetterbericht über das Weltallwetter um die Erde herum, die sich schließlich in der Atmosphäre der Sonne befinde, die unser Wetter stark beeinflusse. Es ist gut zu wissen, dass Astronomen auch in Zukunft, wenn die Menschheit ins Weltall aufbrechen wird, immer noch genug zu tun haben und in ihrem Wirkungsbereich nicht auf die Erde beschränkt sein werden.
Weiter bemängelt Esser die Fokussierung neuerer Science Fiction auf zunehmend wissenschaftliche Aspekte und technische Spielereien. Hierbei kämen seiner Ansicht nach die menschlichen, um nicht zu sagen die sozialpsychologischen Aspekte zu kurz, die sich wesentlich interessanter gestalteten als effektbeladener Schnickschnack aus dem Computer. Zumindest in dieser Hinsicht besteht beim Medium `Hörspiel´ glücklicherweise keine allzu große Gefahr, dass man die Rezipienten zu sehr mit oberflächlichen Spielereien von einem schlechten Drehbuch ablenken könnte. Man kann nur hoffen, dass wenigstens beim Hörfunk noch recht viele Redakteurinnen Michael Essers Ansichten teilen. Aber vielleicht besteht ja auch für das kommerzielle SF-Hörspiel noch Hoffnung. Blicken wir einfach mit Zuversicht in die Zukunft.




Christian Brückner (Skizze) MONOTONIE

Seiner Allgegenwärtigkeit

Damit erst gar keine Missverständnisse entstehen: Der Sprecher Christian Brückner ist unbestritten ein aussergewöhnlicher Schauspieler, der mit einer unverkennbar eingängigen Stimme gesegnet ist. Wer sich in diesem Land nicht der totalen massenmedialen Abstinenz verschrieben hat, wird ständig mit den Ergebnissen seiner vielseitigen Arbeit konfrontiert, denn ohne den Grimme-Preisträger geht im deutschen Sprachraum gar nichts.

Robert de Niro und Robert Redford blieben ohne ihn genauso stumm wie eine Unzahl von Hörbüchern; Tierfilme aber auch staatstragende Fernsehdokumentationen, etwa über deutsche Bundeskanzler und deutsche Geschichte, wären ohne seine rauhe und immer etwas melancholisch wirkende Stimme aus dem Off kaum noch vorstellbar. Schön und gut ! Hier soll niemandem sein beruflicher als auch professioneller Erfolg geneidet werden. Aber ist es wirklich notwendig, dass der mit seinem Fernsehengagement eigentlich ausgelastete Brückner zusätzlich auch noch in einer beängstigend steigenden Anzahl von öffentlich-rechtlich produzierten Hörspielen mitwirken muss ? Gibt es keine Nachwuchsschauspieler, die dafür sorgen können, dass künftige Hörspielhörer mit Sprechern heranwachsen, die nicht vor ihnen bereits Generationen von Hörern beglückt haben ? Traut sich niemand der Verantwortlichen in den Hörspielabteilungen der Funkhäuser, Herrn Brückner anzudeuten, dass der inflationäre mediale Einsatz einer Stimme der Glaubwürdigkeit der Darstellung des dazugehörigen Sprechers nicht unbedingt förderlich ist ? Es hat beinahe den Anschein.
Gegen prominente und bewährte Sprecher und Sprecherinnen soll hier dennoch keine Stimmung geschürt werden. Dies erscheint auch gar nicht nötig, denn diejenigen Darsteller, die sich im öffentlich-rechtlichen Sendebetrieb tatsächlich neben Herrn Brückner eine Nische als Sprecher erobern konnten, bestechen ohnehin durch den maßvollen Einsatz ihres Könnens. Die Hörerinnen und Hörer werden es ihnen danken.




Gewalt im Hörspiel FORSCHUNG

Gewalt im Hörspiel

Wie wirken massenmediale Gewaltdarstellungen auf das soziale Handeln Jugendlicher ? Diese Frage beschäftigte bereits Generationen von Wissenschaftlern. Zum Thema `Wirkungen von Mediengewalt´ existieren weltweit schätzungsweise über 5000 Studien, deren Befunde einander z.T. völlig widersprechen. Auch ist die Prognosefähigkeit von Medienwirkungen immer noch erstaunlich gering.

Die Unterstellung, die von Öffentlichkeit und Teilen der Politik gegen die elektronischen Massenmedien erhoben wird, ist die,daß ein Zusammenhang existiert zwischen dargestellter Mediengewalt auf der einen und dem Auftreten tatsächlicher Gewalt auf der anderen Seite. Die Relevanz der Fragestellung `Einfluß medialer Gewaltdarstellungen auf Jugendliche´ erweist sich unter anderem in der Tatsache, daß sich in den letzten Jahren kriminelle Jugendliche immer häufiger auf die Massenmedien als Motivliefernaten für ihre Gewalttaten berufen. Gewalt ist ein schon lange nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Kinder-, Jugend- und Erwachsenen-Unterhaltungsprogramms in den Massenmedien. Mit dem Einsatz von Gewalt kann schnell Spannung aufgebaut werden (sowohl mit Nachrichten- als auch mit erfundener Gewalt).
Der HÖRSPIELer hält es für zulässig, Ergebnisse der Medienwirkungsforschung, die haupsächlich audiovisuelle Medien wie TV, Videos, Filme usw. untersucht haben, auf das Medium Hörspiel zu übertragen: Je nachdem, in welchem Lebenszusammenhang Hörspiele konsumiert werden und welches Maß an Aufmerksamkeit ihnen gewidmet wird, können diese gerade auch von jugendlichen Rezipienten (Zuhörern) äußerst intensiv wahrgenommen werden. Gerade im kommerziellen Hörspielbereich existieren sehr viele Titel, die violente Inhalte an den jugendlichen Konsumenten bringen wollen (z.B. John Sinclair- oder Dan Shocker-Gruselhörspiele, neuer Trend sog. `Splatter-Hörspiele´; selbst Sailor Moon-Hörspiele, die mehrheitlich von Mädchen gehört werden). Wie schon bei den elektronisch-visuellen, so erweisen sich ebenso bei den auditiven Massenmedien die privaten Anbieter bedauerlicherweise als Pioniere bzgl. des Auslotens der Frage, wieviel Gewaltdarstellung Kindern und Jugendlichen zugemutet werden kann. Und die öffentlich-rechtlichen Anbieter sehen sich daher mit zeitlicher Verzögerung immer wieder ebenso veranlaßt, bisher gültige Hemmschwellen in Frage zu stellen.




Leo Greller (2005) FEATURE

Abgesang auf Leo G.

Die lange nicht mehr durch erwähnenswerte Produktionen aufgefallene Redakteurin eines Hamburger Rundfunksenders realisierte ein Radiofeature über die `Hamburger Schule´ deutschsprachiger Popmusik und bat Leo Greller um inhaltliche Unterstützung für das Projekt. Am seinem Beispiel sollte das Leben eines typischen Hamburger Liedermachers aus verschiedenen Perspektiven dokumentiert werden. Dies misslang gründlich.

Obwohl Leo Verbindungen zwischen Bildung und Kunst immer schon sehr skeptisch gegenüberstand (O-Ton: „Ich weiß nicht, ob ich diese heimliche Bildungsinvasion wirklich unterstützen soll“), ließ er sich dennoch für das ehrgeizige Projekt verpflichten. Hierbei leistete vor allem Grellers Manager Ludo Kamberlein unermüdliche Überzeugungsarbeit, weshalb er sich wegen seines Einsatzes wochenlangen Schmähungen des eigensinnigen Künstlers ausgesetzt sah. Nachdem uns nun die fertige Version des Features vorliegt, müssen wir jedoch feststellen: Die Reportage über Greller und die `Hamburger Schule´ (Hörbuchtitel 'Abgesang auf Leo G.') geriet unangenehm tendenziös und ist daher nicht zu empfehlen.
Da wäre zunächst Leos Manager Ludo Kamberlein: Der Mann des Vertrauens für den Liedermacher. Kamberlein unterstützte die Feature-Redakteurin der Sache wegen, obwohl er neben Greller auch noch ein esoterisches Sängerinnen-Duo und eine Underground-Electrocombo aus Wedel betreut. Nach seinem Interview meinte er, er hätte `dieser Radiofrau´ viel mehr erzählt als er ursprünglich vorgehabt hätte, da sie ihm während der Gespräche ständig geschmeichelt habe. Ebenfalls befragt wurde unnötigerweise eine Dame namens `Manuela´: Es ist kaum seriös zu nennen, in einem Feature über die Hamburger Schule im allgemeinen und Leo Greller im besonderen ausgerechnet eine Ex-Freundin des vielbeschäftigten Sängers zu Wort kommen zu lassen. Insbesondere dann, wenn man die Dame im Feature ausführen läßt, warum sie illoyalerweise eher auf Rockmusik als auf die Klänge der Hamburger Schule steht. Und dies mit einer Begründung, die auch Männer mit mehr sexuellem Selbstbewußtsein als dem Grellers peinlich berühren würde. Dann gibt es noch diesen ehemaligen Schulkameraden von Leo: Dieser ist mittlerweile Sanitärtechniker in Heide (Holst.). Hätte das nicht gereicht ? Der Mann wirkt wie voll durch seinen Beruf ausgelastet. Dies ist natürlich zu begrüßen, aber wir fragen trotzdem: Musste ausgerechnet dieser Herr für das Feature über kulturelle Themen befragt werden ? War es tatsächlich eine glückliche Wahl, gerade einen ehemaligen Schulkameraden über Greller sinnieren zu lassen ? Jemanden, der Leo während der Schulzeit nicht sonderlich nahestand und den nachweislich schon die Betrachtung eines harmlosen Musikvideos aus dem Hause Greller überreizt ? Wir meinen, nein !




Abenddämmerung STALKING

Mysteriöse Groupiedämmerung in Moabit

In einem Berliner Club kam es kürzlich zu einem Zwischenfall, an dem der sympathische Künstler Leo G. sowie ein Fan, ein Groupie, ein Mitläufer und ein Flaneur beteiligt waren. Die polizeilichen Ermittlungen dauern an. Es konnte noch nicht endgültig geklärt werden, was genau sich kurz vor drei Uhr morgens in einem Hinterzimmer des Clubs abspielte. Fest steht jedoch schon jetzt: Leo wird nach diesem Vorfall kaum mehr derselbe sein, der er vor dieser Nacht in Moabit war.

Vielleicht war es die Kombination aus Fetisch-Sex-Event sowie professioneller Publikumsbeschimpfung an diesem Abend, die zu der aufgepeitschten Atmosphäre in einem Hinterzimmer des Clubs führte, in dem sich der Künstler nach seinem Auftritt zur Ruhe begeben hatte und in dem sich ein ehemaliges Groupie, ein Fan sowie ein Mitläufer an ihm vergingen. Das Groupie gilt als Anstifterin der Tat und befindet sich zur Zeit in Untersuchungshaft. Im folgenden einige Personen, die an besagtem Abend ebenfalls in dem Club, der sich in einem verlassenen Industrie-Areal befindet, anwesend waren und eventuell Licht ins Dunkel der unschönen Vorgänge um den in letzter Zeit vom Schicksal gebeutelten Leo G. bringen können:
Als Freund des schnellen Springens über die Kanäle hätte der Mitläufer die fragliche Nacht vermutlich lieber daheim im Fernsehsessel verbracht. Von solchen dramatischen Ereignissen, wie dem Kampf `Moderne´ gegen `Dekadenz´ im HickHack-Club, wird in der Glotze allerdings nur selten berichtet. Hierfür würden sich vermutlich keine Kunden für die Werbezeiten finden. Im Angesicht der eskalierenden Ereignisse in Moabit konnte auch keine Fernbedienung für Mäßigung sorgen: Das Programm stand fest - Lautstärke und Szenenabfoge lagen in der Hand der anwesenden Protagonisten. Die Frage, ob diese hierbei ihrer Verantwortung gerecht wurden, bleibt vorerst ungeklärt. Dem angeblichen Fan Leos sagen wir: `Nein, Madame ! Wenn Sie uns auf unsere Frage, was denn an jenem Abend im HickHack-Club Spektakuläres passiert sei, lediglich von einer grandiosen Nackenmassage, die Ihnen zu teil wurde, berichten, dann hilft uns das nicht wirklich weiter. Natürlich ist es erfreulich, dass Sie eine optimale Methode zur Förderung Ihres körperlichen Wohlbefindens gefunden haben - aber mit Verlaub: ENTSPANNUNG ist nun ziemlich genau das Gegenteil, wozu Sie und Ihre Begleiter Herrn Greller in dieser Nacht verhalfen. Aber sich `Fan´ nennen ! Hätten Sie Ihr ehemaliges Idol mal lieber harmlos massiert, anstatt ... ´




Die Niveau-Drücker ESSAY I

Die Niveau-Drücker

Die anhaltende Verflachung der Medieninhalte könnte volkswirtschaftlich schon bald verheerende Folgen haben. Niemanden scheint dies allerdings zu kümmern - am wenigsten die für den Schlamassel Verantwortlichen.

Die Menschen in der Bundesrepublik realisieren immer stärker, dass in ihrem Land ein Umdenken in vielen Bereichen notwendig geworden ist. Hierin werden sie nicht zuletzt durch die elektronischen Massenmedien bestärkt. Dabei blenden deren Verantwortliche aus, dass Fernsehen und Radio ebenfalls das Ihre zur allgemeinen Krisenstimmung beitragen: Durch die anhaltende Verflachung der Sendeformate privater als auch öffentlich-rechtlicher Programmanbieter wird besonders bei jungen Mediennutzern die Haltung verstärkt, dass Können und Wissen nicht honoriert werden – ungeachtet dessen, dass gerade diese Eigenschaften für die Gesellschaft in Umbruchzeiten lebenswichtige Ressourcen darstellen.
Mehr oder weniger konsequent werden gegenwärtig alte Besitzstände in Frage gestellt, werden Wirtschafts- und Sozialsystem zukunftsfähig zu machen versucht. Die vom Ausland diagnostizierte `deutsche Krankheit´ - das Unvermögen, sich veränderten Lebensbedingungen anzupassen - soll überwunden werden. Fast wie ein Fels in der Brandung gelingt es jedoch den populären elektronischen Massenmedien -Fernsehen und Hörfunk- sich selbst Reformdiskussionen vom Leibe zu halten. Stattdessen thematisieren sie unermüdlich die Probleme von Wirtschaft, Bildungswesen und Sozialsystem.
Die Welt öffentlicher Bilder und Klänge scheint vergleichsweise heil: Durchschnittlich 3 Stunden täglich sehen die Bundesdeutschen fern. Das Fernsehen behauptet sich nach wie vor als beliebtestes und wichtigstes elektronisches Massenmedium in der Bundesrepublik. Marktanteile, die es an das Internet verliert, holt es sich scheinbar von den Tageszeitungen zurück. Und auch das gute alte Radio dudelt wie eh und je munter vor sich hin.




Viel Lärm um nichts ESSAY II

Viel Lärm um nichts

Trotz guter Verkaufszahlen befindet sich das kommerzielle deutschsprachige Hörspiel in einer Qualitätskrise: Unter den Neuproduktionen dominieren Gewalt und Trash. Die innovationsarmen Vertonungen üben sich in auditivem Hollywood-Abklatsch. Obwohl eigentlich vom Überdruss vieler Konsumenten am Film- und Multimedia-Allerlei profitiert werden könnte, schreitet der Niedergang eigenständiger Hörspielkultur voran.

Im Sog des nunmehr über zehn Jahre andauernden Hörbuch-Booms mit Steigerungsraten von über 10 Prozent konnte sich auch das Hörspiel als eigene Kunstform neben der multimedialen Konkurrenz überraschend gut behaupten. Zwar beinhaltet längst nicht jedes Hörbuch ein Hörspiel mit mehreren Sprechern und zwar steigt das Durchschnittsalter der Hörer, wie das der restlichen Gesellschaft, stetig an - es findet aber dennoch ein reges Hörspielleben im deutschsprachigen Raum statt. Eine wichtige Voraussetzung stellten hierfür in Westdeutschland immer schon Kaufkassetten und seit zwei Jahrzehnten CDs für jugendliche Hörer dar. Von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nie ganz ernst genommen, stellte die kommerzielle Sparte dieser auditiven Kunstform einen verlässlichen Zubringer von jungen Menschen für das vielseitige Phänomen `Hörspiel´ dar. Für die mediale Sozialisation waren sie von jeher wichtig, um junge Leute aus bildungsferneren Bevölkerungsschichten mit dieser anspruchsvollen Kunstform vertraut zu machen.
Die bereits von Fernsehen und Film gesetzten Trends zur Infantilisierung und Vulgarisierung von Medieninhalten greifen jedoch seit einigen Jahren auch in der kommerziellen Hörspielszene - bei Produzenten, Autoren und Regisseuren. Die Ursachen für diese Phänomene sind eher auf Hersteller- denn auf Konsumentenseite zu suchen - der kommerzielle Hörspielmarkt in der Bundesrepublik war durch die oligarchische Verlagsstruktur seit jeher viel mehr angebots- und weniger nachfrageorientiert, was über Jahrzehnte kein Problem darstellte. Labels wie "Europa" oder "Maritim" trafen über mehrere Dekaden verlässlich den Geschmack ganzer Generationen westdeutscher Kassettenkäufer und prägten jeweils einen eigenen unverwechselbaren Hörspielstil ...




Zum Zustand des Hörspiels REDE

Zum Zustand des Hörspiels

Als Hörspieler ist man - wie andere Kreative auch - eine Gegenstimme zu den Institutionen. Es ist jedoch auffällig, dass die Funktion der Kritik gegenüber den Hörspielabteilungen momentan von niemandem ausgeübt wird. Weder von außerhalb - es gibt anscheinend keine Dissidenten, die ein kritisches Wort wagen - noch von innen heraus. Es ist natürlich begrüßenswert, dass die Mitarbeiter der öffentlich-rechtlichen Hörfunkhäuser selbst sehr angetan sind von ihren Produktionen. Noch etwas erfreulicher wäre es allerdings, wenn ein paar mehr Zuhörer außer der direkt und indirekt abhängig Beschäftigten die Begeisterung mit ihnen teilen könnten.

Wir erleben seit Jahren eine gesamtgesellschaftliche Verunsicherung. Es ist klar, dass aufgrund der demographischen Entwicklung große Umbrüche bevorstehen und daher sind viele Menschen unsicher, wo es langgehen soll. Hinzu kommt, dass die klassischen Beziehungsmodelle ihr Selbstverständnis verloren haben: Die Familie hat es in der individualisierten Gesellschaft ausgesprochen schwer und ist vermutlich für die Mehrzahl der Menschen nicht einmal als Ideal aufrecht zu erhalten.
Das Aufziehen von Kindern ist heute normativ komplett überfrachtet und zu sehr privatisiert. Die Single-Gesellschaft stiehlt sich hier ebenfalls aus der sozialen (gar nicht einmal aus der finanziellen) Verantwortung, was die weniger werdenden herkömmlichen Familien zusätzlich belastet. Die Errungenschaften der Moderne und damit der Individualisierungsthese stehen auf dem Spiel. Es wird unweigerlich zu schweren Verwerfungen gesellschaftlicher Gruppen kommen, die hauptsächlich über die Medien kommuniziert werden und bei denen Kinder eine traurige Schlüsselrolle spielen. Autoren, die heute Medieninhalte bereitstellen, sollten darauf vorbereiten, sensibilisieren, einstimmen und Möglichkeiten zur Deeskalation aufzeigen. Dies wird jedoch angesichts des weit verbreiteten Defaitismus, der bei der Themenwahl der Redaktionen offenkundig zum Statut gehört, nicht zu bewerkstelligen sein. Man gewinnt damit vielleicht Grimme-Preise, aber man verfehlt leider auch den Nerv der Zeit. Unabhängige Autoren sind in dieser Situation stärker denn je gefragt: Denn sowohl die politische Linke als auch die Rechte haben keine guten Antworten auf die Gefahr durch die Gegner der Aufklärung. Aber das Hörspiel ist ein Kind der Moderne und als solches braucht es sie zum Leben ...



Glückwunsch

Der Theaterpreis Berlin geht 2010 an die Schauspielerin Margit Bendokat, der damit herausragende Verdienste um das deutschsprachige Theater bescheinigt werden. Wir schließen uns den Glückwünschen für den mit 20000 Euro dotierten Preis an und weisen zusätzlich darauf hin, dass Margit Bendokat, die sich mitunter noch schräger anhört als das Berliner Boulevardtheater-Original Edith Hanke, auch eine wunderbare Hörspielsprecherin mit außergewöhnlichem komödiantischen Talent ist, was sie immer wieder in skurrilen Auftritten unter Beweis stellte, wie z.B. in 'Monis Männer' von Oliver Bukowski oder in 'Nachklang' von Guido Gin Koster.

Dem Musiker Carsten Bohn wurden nach langem Rechtsstreit 61 goldene und 4 Platinschallplatten für seine Hörspielmusiken beim Europa-Label verliehen. Das ist eine ziemlich ungewöhnliche Angelegenheit. Nicht wenige Fans der Europa-Serie 'Die drei Fragezeichen' sind der Ansicht, dass die erfolgreichste deutsche Hörspielserie ohne die Musik von Bohn niemals den Erfolg hätte haben können, der bis heute anhält und der auch die Hauptsprecher Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich zu Berühmtheiten der Szene machte. Aber wer solche verqueren Ansichten vertritt, denkt sicher auch, dass die 'drei Fragezeichen'-Serie lediglich bis Folge 29 ihren Ruhm verdient hat mit Folgen wie 'der Superpapagei', 'der Karpartenhund' oder 'das Gespensterschloss' und danach mit Episoden wie 'das Hexenhandy' oder 'Angriff der Computerviren' deutlich an Qualität verlor. Aber das ist natürlich völliger Unsinn.




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