der HöRSPIELer - Informationen über das Königsmedium



MARKETING

Eurovision der Hörspielpein

Die Lauscher-Lounge des bekannten Sprechers Oliver Rohrbeck bringt ein Episoden-Hörspiel der jungen und fleissigen Autorin Johanna Steiner heraus. Dem Vernehmen nach handelt es sich bei `übernacht´ endlich einmal um ein politisch korrektes Werk, für das man Gender-Mainstreaming und Multikulti nicht erst mühsam einfordern muss, sondern für das diese zivilisatorischen Errungenschaften ein Selbstverstand sind. Die vom KulturSPIEGEL hochgelobte und im VIMEO-Video vom Habitus her stark an die Erfolgsautorin Charlotte Roche erinnernde Johanna Steiner wirkt, als sei sie in ihrer nicht allzu lang zurückliegen könnenden Schulzeit immer schon Klassenbeste gewesen, daher darf man sich zu Recht auf ihr neues Hörbuch freuen.

Von Berlin nach Wien: Damit der HÖRSPIELer nicht immer nur als `Mecker-Postille´ in Erscheinung tritt, möchten wir an dieser Stelle positiv hervorheben, dass wir uns über die Annäherung des vermeintlich elitären öffentlich-rechtlichen Hörfunks an die modernen kommerziellen Hörbuchverlage freuen. Letztere verlässliche Lieferanten von jeder Menge Crime- und Horror-Hörbüchern haben ja bereits seit einem Jahrzehnt den witzigen Brauch kultiviert, auf den Covern ihrer Produkte mit der Nebentätigkeit ihrer Synchronsprecher bei US-Kino-Verfilmungen zu protzen, obwohl dies in der Regel herzlich wenig mit den konkreten Produktionen zu tun hat, worüber unwohlgesonnene Schreiberlinge leider auch auf dieser Internetseite seinerzeit anmerkten, diese unsachliche Bewerbung ähnele ein wenig dem sprichwörtlichen `Schmücken mit fremden Federn´ und sei genau genommen armselig beziehungsweise peinlich. Der ORF geht nun allerding in diesen Tagen für die deutschsprachigen Öffentlich-Rechtlichen einen Schritt vor und bewirbt seinerseits seine Sendung des Hörspiels "Schnee" von Bernd Bechtloff und Dietmar Tauchner in ganz ähnlicher Weise: Das Stück als solches scheint derart belanglos zu sein, dass man die ebenfalls mitwirkenden Darsteller Daniela Zimper, Barbara Schwiglhofer und Blixa Bargeld, Sänger der "Einstürzenden Neubauten", offenbar abwerten muss durch den Hinweis "auch bekannt als Synchronstimme von George Clooney" für den Sprecher Detlef Bierstedt. Wir sind fest davon überzeugt, dass bald auch die Hörfunkanstalten der Bundesrepublik diesen witzigen neuen Marketing-Brauch übernehmen werden.




ERFREULICHES

Gratulationen an Bendokat, Bohn und Pollesch

der Prater - eine Spielstätte der Berliner VolksbühneDer 'Theaterpreis Berlin' geht 2010 an die Schauspielerin Margit Bendokat, der damit herausragende Verdienste um das deutschsprachige Theater bescheinigt werden. Wir schließen uns den Glückwünschen für die mit 20000 Euro dotierte Auszeichnung an und weisen zusätzlich darauf hin, dass Margit Bendokat, die sich mitunter noch schräger anhört als das Berliner Boulevardtheater-Original Edith Hanke, auch eine wunderbare Hörspielsprecherin mit außergewöhnlichem komödiantischen Talent ist, was sie immer wieder in skurrilen Auftritten unter Beweis stellte, wie z.B. in 'Monis Männer' von Oliver Bukowski, 'in der Bibliothek' von Jost Nickel oder 'Nachklang' von Guido Gin Koster.

Dem Musiker Carsten Bohn wurden nach langem Rechtsstreit 61 goldene und 4 Platinschallplatten für seine Hörspielmusiken beim Europa-Label verliehen. Das ist eine ziemlich ungewöhnliche Angelegenheit. Nicht wenige Fans der Europa-Serie 'Die drei Fragezeichen' sind der Ansicht, dass die erfolgreichste deutsche Hörspielreihe ohne die Musik von Bohn niemals den Erfolg hätte haben können, der bis heute anhält und der auch die Hauptsprecher Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich zu Berühmtheiten der Szene machte. Aber wer solche verqueren Ansichten vertritt, geht vermutlich auch fälschlicherweise davon aus, dass die 'drei Fragezeichen'-Serie lediglich bis Folge 29 mit Episoden wie 'der Superpapagei' oder 'der Karpartenhund' ihren Ruhm verdient hat und danach mit Titeln wie 'das Hexenhandy' oder 'Angriff der Computerviren' deutlich an Qualität verlor.

Schlussendlich gratuliert der HÖRSPIELer dem Dramatiker und Regisseur der Berliner Volksbühne René Pollesch, dessen prägnante Inszenierungsmanier mittlerweile auch beim Medium 'Hörspiel' an Einfluss gewonnen hat. Seine 'Heidi Hoh'-Hörspieltrilogie sowie das groteske Hördrama 'Tod eines Praktikanten' stehen für die erfolgreiche Adaption des von Pollesch geprägten `großäugigen High-End-Überforderungstheaters' (Christian Rakow, nachtkritik.de) durch den Hörfunk. Mittlerweile wagen sich daher auch andere Autoren wie Robert Wölfel ('Ressource Liebe') an diese erfolgreiche neue Spielart des modernen Dramas. Nach langen Jahren der inhaltlichen und stilistischen Unterforderung des verbliebenen deutschsprachigen Hörspielpublikums ist dies ein hoffnungsvolles Signal für künftige Produktionen - Gratulation und Dank an Herrn Pollesch.




Interview mit Heikedine Körting INTERVIEW

`Kann ich nicht´ gibt es nicht

Eine gewisse Hörspielerin, nicht gerade ganz erfolglos und zum Glück recht auskunftsfreudig, traf der HÖRSPIELer in Hamburg zum Gespräch über Emanzipation, Professionalität und über Pädagogik: Eines der raren Interviews mit Heikedine Körting.

Heikedine Körting hat wie kaum jemand das Bild des Kaufhörspiels für kindliche und jugendliche Hörer in Deutschland geprägt. Serien wie `Die drei Fragezeichen´, `Hanni und Nanni´, `Commander Perkins´, `TKKG´, die `Neon-Grusels´, `Larry Brent´ und `Macabros´ erwiesen sich im Rückblick als stilbildend für das moderne Jugendhörspiel. So gaben die von der Juristin und ihrem Gatten Dr. Beurmann für das EUROPA-Label entwickelten Serien und Einzeltitel in der Bundesrepublik ab Ende der 60er bis in die 90er Jahre hinein in Sachen Qualität und Innovation eindeutig den Ton an. Allenfalls Gruner & Jahr konnten dabei zeitweilig mithalten. Seit Beginn des neuen Jahrtausends machen viele neue Hörspiellabels, welche die Vorteile des Internets für sich nutzen, vor allem mit Horror und harten Krimis von sich reden, während man bei EUROPA auf weniger schrille Töne setzt.
Ein Großteil der Veröffentlichungen dieser neuen Produzenten verdeutlicht, dass schlüssige Drehbücher, solide Regiearbeit und professionelle Sprecher, wie sie EUROPA unter Heikedine Körting und ihren Mitarbeitern über Jahrzehnte hinweg garantierten, keinesfalls selbstverständlich sind. Die hin und wieder in diversen Internetforen laut werdende und oft ins Persönliche abdriftende Kritik an Frau Körting mutet im Hinblick auf ihre Verdienste um das Medium, das vielen sehr am Herzen liegt, ausgesprochen kleinkariert an. Der HÖRSPIELer freut sich, Deutschlands erfolgreichste `Märchentante´ (Guinness-Buch der Rekorde) zu vergangenen sowie aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen, die auch auf ihre Arbeit im Medien- und Kulturbetrieb Auswirkungen haben, in Hamburg befragen zu dürfen. Das Interview fand im Juni 2007 statt.








Interview mit Michael Esser INTERVIEW

ALLtägliches im Astronautenleben

Sehr viele deutschsprachige Hörspielautoren, die sich dem Science-Fiction-Genre verschrieben haben, gibt es nicht. Michael Esser ist eine der rühmlichen Ausnahmen, die vom öffentlich-rechtlichen Hörfunk nicht ignoriert werden. Stefan Nickels, Wissenschaftsjournalist und früherer Aufbauhelfer des inzwischen eingestellten Hörbuchmagazins `HÖRWELT´, interviewte den in Hamburg lebenden Esser, Jahrgang 1955, vor zehn Jahren anlässlich des `Space Day´.

Esser gibt unter anderem Auskunft über Weltallwetter, sogenanntes `Space Weather´, was im ersten Moment etwas seltsam klingt. Es handele sich allerdings um keinen Scherz, sondern um einen wissenschaftlich fundierten Wetterbericht über das Weltallwetter um die Erde herum, die sich schließlich in der Atmosphäre der Sonne befinde, die unser Wetter stark beeinflusse. Es ist gut zu wissen, dass Astronomen auch in Zukunft, wenn die Menschheit ins Weltall aufbrechen wird, immer noch genug zu tun haben und in ihrem Wirkungsbereich nicht auf die Erde beschränkt sein werden.
Weiter bemängelt Esser die Fokussierung neuerer Science Fiction auf zunehmend wissenschaftliche Aspekte und technische Spielereien. Hierbei kämen seiner Ansicht nach die menschlichen, um nicht zu sagen die sozialpsychologischen Aspekte zu kurz, die sich wesentlich interessanter gestalteten als effektbeladener Schnickschnack aus dem Computer. Zumindest in dieser Hinsicht besteht beim Medium `Hörspiel´ glücklicherweise keine allzu große Gefahr, dass man die Rezipienten zu sehr mit oberflächlichen Spielereien von einem schlechten Drehbuch ablenken könnte. Man kann nur hoffen, dass wenigstens beim Hörfunk noch recht viele Redakteurinnen Michael Essers Ansichten teilen. Aber vielleicht besteht ja auch für das kommerzielle SF-Hörspiel noch Hoffnung. Blicken wir einfach mit Zuversicht in die Zukunft und vermiesen wir uns nicht mit zweifelnden Gedanken diesen `Earth day´.




Christian Brückner (Skizze) MONOTONIE

Seiner Allgegenwärtigkeit

Damit erst gar keine Missverständnisse entstehen: Der Sprecher Christian Brückner ist unbestritten ein aussergewöhnlicher Schauspieler, der mit einer unverkennbar eingängigen Stimme gesegnet ist. Wer sich in diesem Land nicht der totalen massenmedialen Abstinenz verschrieben hat, wird ständig mit den Ergebnissen seiner vielseitigen Arbeit konfrontiert, denn ohne den Grimme-Preisträger geht im deutschen Sprachraum gar nichts.

Robert de Niro und Robert Redford blieben ohne ihn genauso stumm wie eine Unzahl von Hörbüchern; Tierfilme aber auch staatstragende Fernsehdokumentationen, etwa über deutsche Bundeskanzler und deutsche Geschichte, wären ohne seine rauhe und immer etwas melancholisch wirkende Stimme aus dem Off kaum noch vorstellbar. Schön und gut ! Hier soll niemandem sein beruflicher als auch professioneller Erfolg geneidet werden. Aber ist es wirklich notwendig, dass der mit seinem Fernsehengagement eigentlich ausgelastete Brückner zusätzlich auch noch in einer beängstigend steigenden Anzahl von öffentlich-rechtlich produzierten Hörspielen mitwirken muss ? Gibt es keine Nachwuchsschauspieler, die dafür sorgen können, dass künftige Hörspielhörer mit Sprechern heranwachsen, die nicht vor ihnen bereits Generationen von Hörern beglückt haben ? Traut sich niemand der Verantwortlichen in den Hörspielabteilungen der Funkhäuser, Herrn Brückner anzudeuten, dass der inflationäre mediale Einsatz einer Stimme der Glaubwürdigkeit der Darstellung des dazugehörigen Sprechers nicht unbedingt förderlich ist ? Es hat beinahe den Anschein.
Gegen prominente und bewährte Sprecher und Sprecherinnen soll hier dennoch keine Stimmung geschürt werden. Dies erscheint auch gar nicht nötig, denn diejenigen Darsteller, die sich im öffentlich-rechtlichen Sendebetrieb tatsächlich neben Herrn Brückner eine Nische als Sprecher erobern konnten, bestechen ohnehin durch den maßvollen Einsatz ihres Könnens. Die Hörerinnen und Hörer werden es ihnen danken.


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Die 10 besten öffentlich-rechtlichen Kriminal-Hörspiele der letzten 3 Jahrzehnte nach Meinung des HÖRSPIELers | Ranking

TOP-10 des HÖRSPIELers
Kriminal-Hörspiele (Krimi-Ranking)
(chronologisch)

Lindauer Pietà
A: Martin Walser | P: WDR/SWF 1975
R: Günther Sauer | S: 78 Min.
D: Heinz Meier, Brigitte Horney, L. Carstens

Verteidigung von Friedrichshafen
A: Martin Walser | P: DDR 1976
R: Heinz-Wilhelm Schwarz | S: 54 Min.
D: Dietrich Körner, Hans-Joachim Hanisch

... trägt Anstaltskleidung
und ist bewaffnet
A: Irene Rodrian | P: BR 1982 | S: 54 Min.
R: Gert Westphal | B: Lilian Westphal
D: Robert Atzorn, Lisi Mangold, Rita Russek

Detective Andy
und der Transvestitenmord
A: Anthony J. Ingrassia | P: SFB/HR 1983
R: Bernd Lau | S: 52 Min. | B: Götz Naleppa
D: Manfred Krug, Tara O'Hara, Otto Sander

Brunx
A: Jens Hagen | P: WDR 1983
R: Werner Klein | S: 52 Min.
D: Achim Hammer, Karin Dieck, M. Ponnier

Detective Andy
und der Disco-Passion-Mord
A: Anthony J. Ingrassia | P: SFB 1987
R: Werner Klein | S: 57 Min.
D: Manfred Krug, Ursula Heyer, B. Primus

Potsdamer Ableben
A: Pieke Biermann | P: SFB 1989
R: Günther Sauer | S: 109 Min.
D: Renan Demirkan, Beate Hasenau

Panama oder
Die Details der Engel
A: Michael Batz | P: NDR 1990
R: Hans Rosenhauer | S: 60 Min.
D: Barbara Nüsse, Rainer Schmitt

Traumfabrik
A: Roger Hall | Ü: Hubert von Bechtolsheim
R: Renate Heitzmann | S: 45 Min.
P: DLR 1995
D: Rolf Ludwig, Michael Schenk, Th. Thieme

Anna Marx und die Mörderin
A: Christine Grän | P: SWR 1999
R: Walter Adler | S: 55 Min.
D: Hansi Jochmann, Hermann Lause

A=Autor | B=Bearbeitung | D=Darsteller (u.a.)
P=Produkt. | R=Regie | S=Dauer | Ü=Übersetz.





Die 10 besten öffentlich-rechtlichen Hörspiele nach Meinung des HÖRSPIELers

TOP-10 des HÖRSPIELers
(alphabetisch sortiert)

Auf zur Venus
A: Michael Gaida | P: SFB 1982
R: Manfred Marchfelder | L: 57 Min.
D: Uwe Müller, Helga Anders, Monika
Hansen, Erwin Schastok, Peter Matic

Blutbad
A: Sylvia Hoffman | P: SFB 1973
R: Christian Gebert | L: 51 Min.
D: Hans Korte, Ingeborg Engelmann,
Elke Aberle, Ulrich Faulhaber

Die Brandung von Hossegor
A: Alfred Andersch | L: 88 Min.
R: Otto Düben | P: NDR/HR/SR/WDR 1976
D: Christian Brückner, Christoph Quest,
Ursela Monn, Barbara Freier

Ein Sonntag in New York
A: Truman Capote, Andy Warhol
B: Beate Andres | L: 60 Min.
R: Beate Andres | P: NDR 1998
D: Martin Reinke, Klaus Schreiber

Fehler im System
A: Richard Strand | L: 39 Min.
B: Franziska Hirsbrunner
R: Pierre Kocher | P: DRS 1989
D: Wolfgang Grabow, Renate Müller

Leute wie wir
A: Donovan O'Malley | P: NDR 1981
B: Monika Klostermeyer
R: Hans Rosehauer | L: 45 Min.
D: Katharina Thalbach, Stephan Schwartz,
Jutta Wirschaz, Marlen Diekhoff

Das Loch im Kopf der Welt
A: Fay Weldon | L: 87 Min.
Ü: Hubert von Bechtolsheim
R: Stefan Dutt | P: P: SR/BR/RB 1993
D: Jürgen Holtz, Friederike Tiefenbacher

Nach Tübingen oder
Lauf, Friedrich, lauf!
A: Frank Werner | P: NDR/SWF 1989
R: Hans Rosenhauer | S: 42 Min.
D: Gert Baltus

Science Fixion
A: Peter Jacobi | P: RB 1979
R: Manfred Marchfelder | S: 65 Min.
D: Henning Venske, Ronald Nitschke
Anja Kruse, Otto Sander

Unser Vater ist doch noch
ein Shooting-Star geworden
A: Ria Endres | P: SWR/WDR 1999
R: U. Brinkmann | S: 39 Min.
D: Sophie Rois, Antje v.d. Ahe u.a.

A=Autor | B=Bearbeitung | D=Darsteller (Auswahl)
P=Produkt. | R=Regie | L=Länge | Ü=Übersetz.