Electro-Industrial · EBM · Darkwave · Kurzdokumentation 2022

Nothing New But Abortive Gasp

Die nicht-kommerzielle Kurzdokumentation von Ludwig Kamberlein über die Hamburger Electro-Industrial-Band Abortive Gasp (1987–1989) – Improvisation, Provokation und ein abruptes Ende in der Independent-Szene am Vorabend der deutschen Wiedervereinigung.

  • Regie: Ludwig Kamberlein
  • Jahr: 2022
  • Genre: Musikdokumentation
  • Stil: Electro-Industrial / EBM / Darkwave
  • Ort: Hamburg
Das Schwarz-Weiß-Cover zeigt vier ernste Personenporträts unter dem Titel einer electro-industrial Dokumentation.
Bildbeschreibung für Screenreader: Das quadratische Schwarz-Weiß-Cover zeigt oben den Titel „NOTHING NEW BUT ABORTIVE GASP“ und den Untertitel „a short electro-industrial documentary“ in weißer Schrift auf schwarzem Grund. Darunter sind nebeneinander vier hochkantige Porträts angeordnet, die zwei Männer und zwei Frauen in dunkler Kleidung und mit ernsten Mienen vor einem hellen Außenhintergrund präsentieren. Der untere Teil des Bildes wird durch eine dunkle Fläche mit horizontalen, verschwommenen Lichtreflexionen abgeschlossen, die an elektronische Signalwellen erinnern.

Kurzdokumentation ansehen

Schauen Sie die vollständige Kurzdokumentation Nothing New But Abortive Gasp (2022) von Ludwig Kamberlein. Empfohlen für Fans von Electro-Industrial, EBM, Darkwave, Industrial Rock und Hamburger Independent-Musikgeschichte.

Video: Nothing New But Abortive Gasp · Ludwig Kamberlein · 2022 · Datei: Nothing New But Abortive Gasp HQ 2025_mini.mp4 · Skript: Videoskript.pdf (PDF)

Abortive Gasp – Electro-Industrial aus Hamburg

Abortive Gasp war eine Electro-Industrial-Band aus Hamburg, die von 1987 bis 1989 bestand. Gegründet von Harry Luehr (Instrumente) und Tim Paal (Gesang), mit Unterstützung verschiedener Gastmusiker, fielen sie in der Independent-Szene durch einen ungewöhnlich hohen Grad an Improvisation auf – für elektronische Musik jener Zeit untypisch.

Wegen ihrer unpolitischen Haltung waren sie in der stark punkgeprägten und linksdominierten Hamburger Independent-Szene umstritten. Der Bandname „Abortive Gasp“ wurde als antinatalistisch interpretiert und sorgte für Diskussionen, ohne dass die Band eine klare Position zu Abtreibung vertrat.

Als sogenannte „Hamburger Bunker Band“ traten sie in Clubs nahe dem Schanzenviertel und dem Flakbunker auf – darunter dem alternativen Club Kir und dem Stairways. Ihr letzter Auftritt fand im Dezember 1989 im Kir als Vorband der slowenischen Kunstrocker Borghesia statt.

Warum die Band Musikfans inspiriert

Abortive Gasp stehen für eine kurze, scharfe Episode Hamburger Elektrogeschichte: tanzbare, schwer verdauliche Industrial-Experimente neben Ironie und Persiflagen auf Acts wie Front 242 oder Ministry. Internationale Kritiker und Radio-DJs wie Don Campau und Brian Duguid zeigten sich wohlwollender als lokale Akteure – etwa Label-Betreiber Uli Rehberg oder Musikjournalist Alf Hilsberg.

„Sie konfrontieren ihr Publikum sowohl mit schwer verdaulichen – allerdings stets tanzbaren – Electro-Industrial-Experimenten als auch mit Persiflagen auf Front 242 oder Ministry. … Unstet – unbeständig … anarchisch.“ — Expertin in der Dokumentation

Über die Dokumentation

Nothing New But Abortive Gasp (deutscher Arbeitstitel: Nichts Neues außer ‚Abortive Gasp‘) ist eine nicht-kommerzielle Kurzdokumentation aus dem Jahr 2022 von Ludwig Kamberlein. Sie beleuchtet, wie stilistische Unentschlossenheit – etwa zur Dark-Wave-Bewegung – und das Fehlen der erwarteten politischen Haltung zu mangelnder Akzeptanz in der lokalen Szene führten.

Das Video entstand unter Mitwirkung von Marvin Böhmke, Karina Frik, Anke Sandig, Angelika Weinreich und weiteren Beteiligten. Es bietet einen Einblick in eine provokante, aber kurzlebige Episode der Hamburger Musikgeschichte – relevant für alle, die Electro-Industrial, EBM und die schwarze Szene der späten 1980er erforschen.

Vollständiges gesprochenes Skript: Videoskript.pdf.

Porträt einer jungen Frau mit kurzem dunklem Haar vor einem verfallenen Gebäude mit Graffiti und zerbrochenen Fenstern – Szenefoto aus dem Umfeld der Dokumentation.
Bildbeschreibung für Screenreader: Szenefoto (Musikhistorikerin / Zeitzeuginnen-Kontext der Dokumentation). Eine junge Frau mit kurz geschnittenem, dunkelbraunem Haar und markanten Augenbrauen steht im Freien und blickt direkt in die Kamera. Sie trägt ein rot-schwarz kariertes Hemd und eine geöffnete olivgrüne Parka mit Fellkapuze. Im Hintergrund ein heruntergekommenes Gebäude mit zerbrochenen Fensterscheiben und Graffiti an der Betonfassade; davor verwildertes Herbstgrün. Die Aufnahme wirkt urban, rauh und dokumentarisch – passend zum Independent- und Bunker-Band-Milieu Hamburgs.

Themen: Szene, Politik, Name, Abbruch

Hamburger Bunker Bands

Neben Acts wie Girls Under Glass gelten Abortive Gasp als Teil der „Hamburger Bunker Bands“: Gruppen rund ums Schanzenviertel, die in Clubs nahe dem massiven Flakbunker spielten. Harry Luehr kommentiert in der Doku, das Presse-Label wirke militaristisch, unterstreiche aber den Schutzraum vor Anfeindungen – und zieht den Vergleich: Heute flüchteten Bands ohne gewünschte „Haltung“ nicht in Bunker, sondern ins Internet.

Unpolitisch – oder die falsche Gesinnung?

„Der Vorwurf, wir seien ‚unpolitisch‘, ist eigentlich nur ein Euphemismus dafür, dass wir nicht die gewünschte Gesinnung gezeigt haben. Wir haben Musik ohne Rücksicht auf Empfindlichkeiten produziert, weil das ein Grundgedanke von Independent ist.“ — Tim Paal

Ende der 1980er war das Hamburger Independent-Umfeld stark punkgeprägt und linksdominiert. Abortive Gasp zeigten weder die erwartete progressive Attitüde noch den Dresscode der Darkwaver – und verloren lokalen Rückhalt.

Der Bandname „Abortive Gasp“

Der Name mutet antinatalistisch an und bleibt diskussionswürdig. Eine eindeutige Festlegung der Band „pro oder contra Abtreibung“ ist laut Dokumentation nicht zu hören. Harry Luehr stellt rückblickend fest, der Name habe etwas Wegweisendes gehabt – ohne dass sich die Mitglieder später mit dem Großziehen von Kindern „belastet“ hätten.

Mauerfall und letzter Auftritt

Im Herbst 1989 fiel der Eiserne Vorhang. Punk als Jugendkultur war am Auslaufen; EBM- und Darkwave-Bewegungen um Bands wie à;GRUMH oder Nitzer Ebb setzten sich ab. Abortive Gasp positionierten sich nicht klar gegen die Wiedervereinigung – und verloren den Rest der Szeneförderung. Im Dezember 1989 folgte im Kir der letzte Auftritt als Support von Borghesia: Ende, aus, vorbei … Abbruch gelungen.

„We don't need any moral standards!“ — Harry Luehr

Medien & Cover-Kunst

Visuelle Zeugnisse der Band und der Dokumentation – Albumcover 1989, historisches Bandfoto (Public Domain / CC0) und Szenematerial.

Für Genre-Portale & Musikblogs

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  • Gothic / Schwarze Szene
  • Hamburger Bunker Bands
  • Hamburg Musikgeschichte
  • Front 242 (Bezug)
  • Ministry (Bezug)
  • Nitzer Ebb (Kontext)
  • Borghesia (Support 1989)
  • Girls Under Glass (Kontext)
  • Musikdokumentation 2022

Credits & Produktion

Titel: Nothing New But Abortive Gasp
Regie / Konzept: Ludwig Kamberlein
Jahr: 2022
Form: Nicht-kommerzielle Kurzdokumentation
Thema: Abortive Gasp – Electro-Industrial, Hamburg 1987–1989

Mitwirkung (u. a.):

  • Marvin Böhmke
  • Karina Frik
  • Anke Sandig
  • Angelika Weinreich
  • sowie weitere Beteiligte

Historisches Foto 26.10.1989: Public Domain Dedication (CC0). Albumcover und Szenefotos: Bestandteil des lokalen Dokumentationspakets.

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