impressum
 

Zwischenraum
Reisebericht aus einem Zufluchtsort

Verlagsinfo:
`Beschreibung eines 14tägigen Besuches im einzigen Haus in Deutschland, dessen Aufgabe es ist, Menschen, die nervenärtztlicher Behandlung entkommen wollen, Obdach und Unterstützung zu gewähren und Alternativen aufzuzeigen.
Geschichte des Hauses, das aus Selbsthilfegruppen entstand. Ungeschminkte Beschreibung des Alltags dort, wie ihn  der Autor erlebte - Annäherung an die Bewohner durch die Erinnerung an vergleichbare Gefühle, Lebenslagen. Der Autor wird sein eigenes Versuchsobjekt. Es geht nicht um die Unterscheidung von Normalität und Wahnsinn, sondern um den Umgang damit in unserer Gesellschaft.´
 

Der HÖRSPIELer:
Mit diesem Stück liegt das vertonte Tagebuch eines Besuchers des Berliner `Weglaufhauses Villa Stöckle´ für Personen mit Psychiatrieerfahrung vor. Es ist vermutlich interessant für die Mitarbeiter der Psychiatrie als auch für Gegner dieser Institutionen. Streckenweise etwas einseitig zugunsten der Insassen.
Interessant an dem Dokument von C. Abocab ist die Tatsache, dass der Tagebuchführer einige Male unkonventionell die Erzählerdistanz verlässt , z.B. wenn er persönlich über Selbstverstümmelungs-Phantasien sinniert. 
Die Anteilnahme des Erzählers irritiert mitunter, stellt jedoch auch ein Mittel dar, Hörer noch näher an die Protagonisten
heranzuführen als dies evtl. bei konventionellen Features oder Dokumentationen der Fall sein kann. 
O-Ton: `Es ist nicht einfach und leicht, sich gottartig zu fühlen, wenn das nur Leute interessiert, die einem diesen Gedanken austreiben wollen.´ 
FAZIT: Beunruhigend, anregend, anklagend.

Frage an Caspar Abocab:
`Das Stück behandelt ein Thema, das eigentlich gerade für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkredaktionen interessant sein müßte (einerlei ob Hörspiel- oder Feature). Warum erschien es dennoch ausschließlich als Hörbuch und somit mehr oder weniger privat.´

Antwort Caspar Abocab:
Es ist ein sehr unausgewogenes Stück, während man beim Rundfunk meistens, nicht immer, eher die herrschenden Lehren und Ideen dargestellt oder wenigstens eingebracht wissen möchte.
Die haben mich aber nicht interessiert. Beim Rundfunk hat man sich an einer Stelle die Mühe gemacht, den Standpunkt der herrschenden Lehren von der psychischen Krankheit als Kritik an dem Stück und seiner Perspektive zu formulieren und als Ablehnungsgrund anzugeben.
Ich habe wirklich meine Zweifel, ob dieses Stück denn in seiner Vielfalt ein Plätzchen hätte finden können- ihre Chance haben die Redaktionen jedenfalls gehabt.

Frage an Caspar Abocab:
`Hat Ihre Arbeit im Weglaufhaus den Nebeneffekt hervorgebracht, seine Bewohner für Features bzw. Hörspiele zu interessieren ?´

Antwort Caspar Abocab:
Die darin vorkommen, haben die Doppel-Cd bekommen. Eine der ehemaligen Bewohnerinnen, mit der ich noch heute ab und an Kontakt habe, hat selbst ein kleines Hörspiel geschrieben. 
Zwei von denen, die dort arbeiten, sind nach meinem Besuch
mal zum Hörspiel Unterm Sternenzelt gegangen- einem hats gefallen, der anderen nicht-mehr weiß ich darüber nicht.
Als Film wäre das Stück, so wie es ist, aus vielen Gründen nicht möglich gewesen.