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Seiner Allgegenwärtigkeit
Damit erst gar keine Missverständnisse entstehen: Der Sprecher Christian Brückner ist unbestritten ein aussergewöhnlicher Schauspieler, der mit einer unverkennbar eingängigen Stimme gesegnet ist. Wer sich in diesem Land nicht der totalen massenmedialen Abstinenz verschrieben hat, wird ständig mit den Ergebnissen seiner vielseitigen Arbeit konfrontiert, denn ohne den Grimme-Preisträger geht im deutschen Sprachraum gar nichts mehr: Robert de Niro und Robert Redford blieben ohne ihn genauso stumm wie eine Unzahl von Hörbüchern; Tierfilme aber auch staatstragende Fernsehdokumentationen, etwa über deutsche Bundeskanzler und deutsche Geschichte, wären ohne seine rauhe und immer etwas melancholisch wirkende Stimme aus dem Off kaum noch vorstellbar.

Schön und gut ! Hier soll niemandem sein beruflicher als auch professioneller Erfolg geneidet werden. Aber ist es wirklich notwendig, dass der mit seinem Fernsehengagement eigentlich ausgelastete Brückner zusätzlich auch noch in einer beängstigend steigenden Anzahl von öffentlich-rechtlich produzierten Hörspielen mitwirken muss ? Gibt es  keine Nachwuchsschauspieler, die dafür sorgen können, dass künftige Hörspielhörer mit Sprechern heranwachsen, die nicht vor ihnen bereits Generationen von Hörern beglückt haben ? Traut sich  niemand der Verantwortlichen in den Hörspielabteilungen der Funkhäuser, Herrn Brückner anzudeuten, dass der inflationäre mediale Einsatz einer Stimme der Glaubwürdigkeit der Darstellung des dazugehörigen Sprechers nicht unbedingt förderlich ist ? Es hat beinahe den Anschein.

Gegen prominente und bewährte Sprecher und Sprecherinnen soll hier dennoch keine Stimmung geschürt werden. Dies erscheint auch gar nicht nötig, denn diejenigen Darsteller, die sich im öffentlich-rechtlichen Sendebetrieb tatsächlich neben Herrn Brückner eine Nische als Sprecher erobern konnten, bestechen ohnehin durch den maßvollen Einsatz ihres Könnens. Die Hörerinnen und Hörer werden es ihnen danken.

(c) 2001 Hartmut Lühr

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