Initiative `Gewalt geht immer / violare humanum est'Initiative `Gewalt geht immer / violare humanum est'



VIKTIMOLOGIE

Schwenk auf die Opferperspektive

Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Philologe, Literaturwissenschaftler, Essayist, politische Publizist und Mäzen Jan Philipp Reemtsma in seiner Eigenschaft als Stifter und Vorstand des `Hamburger Instituts für Sozialforschung´ in seinem Schaffen darauf hingewirkt hätte, die sozialwissenschaftliche Perspektive im Bereich der Kriminologie, wie es sich gehört, voll und ganz auf das Elend der in der kapitalistischen Gesellschaft quasi automatisch zum Tätersein gezwungenen Gewaltverbrecher zu fokussieren und nicht etwa auf die Leiden der Opfer dieser für den Neoliberalismus so typischen und unvermeidbaren äußerst unschönen Phänomene. Es kam nun allerdings anders, da Jan Philipp Reemtsma 1996 im Rahmen eines Erpressungsversuches selber Opfer einer Verschleppung wurde, eine unwürdige Gefangenschaft durchmachen und bange auf seine Befreiung hoffen musste, die glücklicherweise gelang. Auch den gewalttätigen Erpresser ließ er später dingfest machen. Dass er sich publizistisch danach in übertriebener Weise mit der Perspektive der Opfer von Gewaltverbrechen auseinandersetzte, ist vor diesem biographischen Hintergrund nicht nur erklär- sondern auch entschuldbar.

Staatsanwalt (für die Initiative `Gewalt-geht-immer´)Opfer werden ist in der Tat nicht sehr schwer: Wegen unzureichender Sicherheitsvorkehrungen und einem offenbar gefährlichen Mann kam es zu tödlichen Schüssen auf einen Staatsanwalt am Dachauer Amtsgericht, woraus kurzfristig - die Aufmerksamkeit der Medien kann lediglich für einige Stunden als garantiert gelten - eine Sicherheitsdebatte entbrannte. Wie auch immer diese Diskussion um Vorschriften und Kriminalpolitik ausgehen mag - Nach den Worten von Dr. Eberhard Klaschka von der Initiative `Gewalt-geht-immer´ haben die täglichen Gerichtsshows im deutschen Privatfernsehen (`Barbara Salesch´, `Richter Alexander Hold´ - beide SAT 1) keinesfalls die Aggressions-Hemmschwellen im öffentlichen Raum - speziell im Gerichtsraum - abgesenkt und damit einen tragischen Vorfall, wie den vorliegenden, wahrscheinlicher gemacht als wenn es im Fernsehen ausschließlich bei verantwortungsvollen aber krawallarmen Justiz-Sendungen wie etwa dem gemächlich-sachlichen `Streit um drei´ des öffentlich- rechtlichen ZDF mit Richter Guido Neumann geblieben wäre.





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