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`Getrübe Einigkeit´,`Gehobene Narrenfreiheit´,`Geteilte Einsicht´ - Hörstücke von Hartmut Lühr. Inhalt: Leben in der modernen Gesellschaft.
Mit Conny Köpp, Carsten Kölln, Christina Holsten, Anne Lange, Annette Bajorat. Buch, Regie, Produktion: Hartmut Lühr.


Wir hören wohl nicht recht !

Gesellschaftskritik von zweifelhafter Herkunft jetzt auch im Dreierpack

Der Mensch ist dem Menschen zuweilen eine Hyäne Der Hamburger Soziologe Hartmut Lühr `beglückte´ die Hörspielwelt in den 90er Jahren gleich mit einer Trilogie von Stücken über die moderne Gesellschaft. Hat er dabei immer das rechte Maß gefunden, wie man es von einem verantwortungsbewussten Autoren der Generation Golf erwarten darf ? Zweifel sind angebracht.

Ist es vertretbar, eine politische Extremistin in einem Hörstück von seiten einer Journalistin lediglich mit Wohlfühl-Fragen beispielsweise über die `erotisch geladene Atmosphäre´ zwischen den Beteiligten einer gewalttätigen Aktion zu konfrontieren ? Müsste ein fieser Rüstungsexporteur von derselben Journalisten nicht wesentlich kritischer angegangen werden als mit der Frage, ob der Haussegen in seiner herrschaftlichen Villa durch die Morddrohungen, die bei ihm und seiner Frau wegen der Verstrickungen seiner Firma in irgendwelche Genozide eingehen, leidet ? Darf man das hohe Gut der betrieblichen Mitbestimmung durch die Überzeichnung zweier Betriebsräte in einem Drama über gewerkschaftliche Machtspielchen in einer Autozubehörfabrik durch den Kakao ziehen ? Ist es richtig, die Krise der Institution `Ehe´ ausgerechnet durch ein vom Überfluss der Konsumgesellschaft entstelltes Ehepaar verkörpern zu lassen, das in einer Einkaufspassage unerwartet mit den Herausforderungen des Seins in Berührung kommt ?

Beantworten Sie sich diese Fragen doch selber ! Einen mp3-Player werden Sie ja wohl bedienen können, oder ? Somit haben sie keine Ausrede, nicht in die Hörspiel-Trilogie `Getrübte Einigkeit´, `Gehobene Narrenfreiheit´ sowie `Geteilte Einsicht´ hineinzuhören und sich ein eigenes Urteil über Gewalt-, Macht- und Ehefragen zu bilden. Um Authentizitätsfreaks von vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen, sei an dieser Stelle auch bereits erwähnt, dass die Hörstücke hauptsächlich in Hamburg-Wandsbek aufgezeichnet wurden. Es ist nicht auszuschließen, dass ihnen dieses Missgeschick anzuhören ist. Sie verdienen es dennoch, genau so ernst genommen zu werden, wie andere Betroffenheitsdramen auch.



Erotisch geladene Atmosphäre bei politischem Extremismus ?

Interview mit feministischer Terroristin gerät zum journalistischen Fiasko

Interview mit feministischer Terroristin gerät zum journalistischen FiaskoIm schäbigen Hinterzimmer einer drittklassigen Absteige in Duisburg führte Pamela Volpers-Schreiner von der Frauenzeitschrift `Mago´ kürzlich ein Interview mit einer der am meisten gesuchten politischen Aktivistinnen Deutschlands, der Terroristin Eva Gark. Dieses Ereignis hätte leicht ein Meilenstein für die Versöhnung von Fundamental-Feminismus mit der Boulevardpresse der Bundesrepublik werden können. Doch die historische Chance scheiterte leider an der Unfähigkeit der Beteiligten, über den jeweils eigenen ideologischen Tellerrand zu blicken.

So war die Terroristin Eva Gark immer wieder fassungslos über die sehr unpolitisch anmutenden Fragen der `Mago´-Mitarbeiterin. Diese interessierte sich besonders für Einzelheiten aus dem Liebesleben der hochgefährlichen Frau: „Ich kann mir z.B. gut vorstellen, dass während Ihrer Aktionen zwischen den Teilnehmern eine gewisse, vielleicht unterschwellig bestehende, erotisch geladene Atmosphäre herrscht. Eventuell ja sogar zwischen Ihnen und Ihren Opfern“ ... Die Terroristin stand solchen Vermutungen vollkommen fassungslos gegenüber: „Sagen Sie mal, ist das jetzt das neueste Kuriosum auf dem spätkapitalistischen Arbeitsausbeutungsmarkt ? Sexistische Journalistinnen ? Sie werden wirklich etwas unsachlich.“ Aber es half ihr nichts und so musste Frau Gark, nach der der Bundesnachrichtendienst Gerüchten zufolge mittlerweile in Winsen an der Luhe fandet, konsterniert feststellen: „Wirklich sehr bedauerlich, dass ich Ihrer Kolumne nicht sie heißblütige Amazone darbieten kann, die Ihrer Auflage zu neuen Höhenflügen verhelfen würde.“ Dieser Sarkasmus rettete sie jedoch nicht vor der Unterstellung der `Mago´-Redakteurin, sie würde ihre „elementaren körperlichen Bedürfnisse als weiblicher Mensch“ wegleugnen und heucheln.
Immerhin hat Frau Volpers-Schreiner das Interview überlebt. Es fand ja zum Glück nur als Satire statt.

Vielleicht ist es ja doch so, dass eine Boulevard-Frauenzeitschrift, wie die genannte, sich besser mit weiblichen Interessen auskennt als es fanatisierten Gender-Aktivistinnen und erwiesenen Feindinnen des staatlichen Gewaltmonopols wie Frau Gark recht sein kann. Es kommt möglicherweise nicht ganz von ungefähr, dass sich an den beispielsweise in der Hauptstadt regelmäßig stattfindenen relevanten politischen Stammtischen nur in seltenen Ausnahmefällen auch Frauen beteiligen.



Direktor einer Mittelstandsfirma spricht Klartext:

Betriebliche Mitbestimmung ist eine Pest

Betriebliche Mitbestimmung ist eine Pest Der Direktor einer Automobilzubehörfirma vergriff sich im Ton gegenüber seinen Angestellten. Was zunächst als skandalöser Ausrutscher in übelster Stammtischmanier erscheint, wird erst beim näheren Hinhören etwas verständlicher: Die beiden Betriebsräte Frau Schmidt-Paulsen und Herr Wessel erweisen sich nämlich tatsächlich als Stachel im Fleisch der Firma `AML - Oberhausen´, der Dr. Freudenberg als Direktor vorsteht.

Am letzten Tag der Arbeitswoche hat es Direktor Freudenberg gehörig die Laune verhagelt: Ausgerechnet während der Übertragung einer spannenden Bundestags-Haushaltsdebatte haben zwei von ihm wenig geschätzte Betriebsräte seines Automobilzulieferunternehmens ihr Erscheinen in seinem Büro angekündigt.
Eine Ethik-Kommission wollen Frau Schmidt-Paulsen und Herr Wessel seiner Firma verpassen. Als ob der Direktor nicht wahrlich schon genug andere Sorgen hätte: Die Überwachungskameras, die er auf dem Betriebsgelände installieren ließ, sorgen für Unmut innerhalb der Belegschaft. Das Kinderbetreuungsprogramm für die jungen Eltern unter seinen Angestellten stellt ihn vor schwierige organisatorische Probleme. Und als ob das alles nicht schon genügen würde, verteilt ein Ingenieur aus der Fertigungsplanung unautorisiert Flugblätter mit äußerst fragwürdigem Inhalt auf dem Werksgelände. Das geht nun wirklich gar nicht.

Es kommt wie es kommen muss: In einem schwachen Moment bezeichnet Dr. Freudenberg die beiden umtriebigen Betriebsräte als Wichtigtuer, die am liebsten schon morgen die Führung der Firma übernehmen würden, indem sie seine Kompetenz untergraben nachdem sie mit Hilfe des Mitbestimmungsrechts gehörig für Chaos gesorgt haben. Die Stimmung ist vergiftet. Um den Betriebsfrieden wieder herzustellen, hat der Direktor am Ende einen sehr hohen Preis zu zahlen.

Das Tondokument zu den Auseinandersetzungen




Getrübte Einigkeit  von Hartmut Lühr (1994;95 / 52"20)
"Die Dialoge von vier Personen über die Befindlichkeit von Gesellschaft, Land, Welt attackieren Allgemeinplätze und begeben sich gleichzeitig voll in neue. In allen sind Funken von Wahrheit enthalten, mal auf "Bild"-Niveau, mal auf dem Niveau des "Spiegel", mal auf dem der "Brigitte". Für jedes Argument gibt es die Gegenposition.Und alles sind praktische, nützliche Gedanken - wie von Leuten, die allabendlich in der Kneipe ihr Unbehagen thematisieren, aber den Rand vom Glas als Maß ihres Horizontes benutzen - und soweit kennt man das, sich, das ganze Gerede ..."
(Klaus Schmitz / Südwestfunk) lesen `Getrübte Einigkeit´

Gehobene Narrenfreiheit   von Hartmut Lühr (1996 / 46"26)
Am letzten Tag der Arbeitswoche hat es Direktor Freudenberg gehörig die Laune verhagelt. Ausgerechnet während der Übertragung der Bundestags-Haushaltsdebatte haben zwei von ihm wenig geschätzte Betriebsräte seines Automobilzulieferunternehmens ihr Erscheinen in seinem Büro angekündigt.
Eine Ethik-Kommission wollen die beiden seiner Firma verpassen - Als ob der Direktor nicht wahrlich schon genug andere Sorgen hätte. Da wäre z.B. dieser Ingenieur aus der Fertigungsplanung, der unautorisiert Flugblätter mit äußerst fragwürdigem Inhalt auf dem Betriebsgelände verteilt ...
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Geteilte Einsicht   von Hartmut Lühr (1996 / 7"42)
Ein gelangweiltes Ehepaar besucht eine Einkaufspassage. Die beiden haben sich gegenseitig nicht mehr viel zu sagen - ein Bettler, der vor einem der Konsumtempel `Stellung´ bezogen hat, ihnen dafür um so mehr.lesen `Geteilte Einsicht´





die SchauspielerInnen und der Sprecher auf dieser Seite (von rechts nach links):
CON STANZE KÖPP, CHRISTINA HOLSTEN, CARSTEN KÖLLN und HARTMUT LÜHR
(nicht im Bild: ANNE LANGE und ANNETTE BAJORAT)