Initiative `Gewalt geht immer / violare humanum est'Initiative `Gewalt geht immer / violare humanum est'



Der Umgang mit Gewaltkriminalität durch Polizei, Justiz und Innenpolitik ist vorbildlich und wird
von den Bürgern mit großem Vertrauen belohnt. Gewalt ist ein natürlicher Teil der sozialen Ordnung –
ohne sie käme es zu Anarchie. Verantwortungsbewusste Frauen und Männer sollten sich bemühen, aggressive
Menschen nicht durch übertrieben selbstbewusstes oder unnötig couragiertes Verhalten zu provozieren.



Kriminologin
GENDER

Licht am Ende des Tunnels

Die Gleichstellungsbeauftragte Manu Peinrich stellt fest, dass es sich bei kriminellen Gewalttätern nach wie vor überwiegend um Männer handelt. Licht am Ende des Tunnels sieht sie erst, wenn beide Geschlechter 'vereinheitlicht' sind. Enttäuschte Bürger warnt Peinrich, das Gewaltmonopol, das der Staat einst vom Souverän geschenkt bekam, zurückzufordern.

# Fernab sprachwissenschaftlicher Weihen: Unwörter und Un-Unmenschen sorgen für Dissenz

# Identitäre Schwulitäten auf fernen Schlachtfeldern: Von Europa aus lässt sich leicht lästern




Strafrichter
UNPARTEILICHKEIT

Täterorientierte Kriminalpolitik ?

Mitglieder des überparteilichen Arbeitskreises Gewaltverbrechen – nein, danke ! ("Gebt Eure Waffen ab und lasst den Hass zu Hause!") kritisieren das Projekt `Gewalt-geht-immer´, weil man dort eine Versöhnung zwischen Gewaltkriminalität und Gesellschaft sowie das Ende der Legende eines möglichen Abbaus gefährlicher Kapitalverbrechen fordert.

# Das Projekt in der öffentlichen Wahrnehmung: Was bisher bei 'GEWALT-GEHT-IMMER' geschah

# Überzeugende Logik moderner Kriminalpolitik: Die Gewalttäter immer auch als Opfer akzeptieren




Pressesprecherin
KRIMINALITÄT

Medien verstärken Furcht vor Gewalt

Öffentliche Diskussionen über Kriminalpolitik drehen sich häufig um Phänomene aus den Schlagzeilen, wie Killerspiele, Raubüberfälle oder Geiselnahmen. Verantwortliche aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft stellen sich dabei dem Unmut vieler Bürger über paradox wirkende Urteile aus der Strafjustiz und die angeblich zunehmende Gewaltbereitschaft.

# Arbeitskreis `Gewaltverbrechen – nein Danke !´: Kriminalpolitik durch kompetente Fachkräfte




Unser Mann für Hamburg: Alexander Opaschewsky
STIFTUNG

Ehrenhaft verloren

Alexander Opaschewsky war dieses Jahr unser Mann für Hamburg: Bei der zivilgesellschaftlichen Stiftung 'moderne21' kämpfte er für unsere Initiative um die jährlich fließenden Fördergelder aus dem Spendentopf. Das Rennen machte zwar die Konkurrenz, aber dennoch gelang es Opaschewsky, dass über `Gewalt geht immer´ viel diskutiert wurde.

# Die Niedertracht und der Hype: Lena Meyer-Landrut und Roswitha Müller-Piepenkötter


Initiative GEWALT-GEHT-IMMER
Impressum, Datenschutz, Basis




Hörspiel
'Gewalt geht immer' - 2 Kurzhörspiele
von Hartmut Lühr (Buch/Regie/Schnitt)
Dass es auf Berlins Straßen ein wenig ruppiger zugeht als anderswo, ist gemeinhin bekannt und wird am 1. Mai sogar eher zu den Aktivposten der Hauptstadt gezählt. Doch was ein Ego-Shooter mittleren Alters sich kürzlich an politisch motivierter Gewalt auf einer belebten Einkaufsmeile der Spreemetropole erlaubt hat, ging eindeutig zu weit...
mit Ninoschka Schlothauer (Mode-
ratorin), Harald Geil (Korrespondent),
Monika Gossmann (Aussteigerin),
Leo Greller (Informant) u.a.
46 Min. | 42 MB | DOWNLOAD / PLAY




'Gewalt-geht-immer' war eine Initiative der Politik- und Kunstplattform 'moderne21'




Video
'Gewalt geht immer'
GEWALT GEHT I.

Diskussion
Diskussion zum Thema 'Kriminalpolitik' (3teilig)
KRIMINALITÄT




an dieser Initiative beteiligte Aktivisten und Schauspieler
Désirée Angersbach, Eva Math,
Andreas Goebel, Lars Möhring,
Harald Geil, Carl von Hollen,
Monika Gossmann, Anita Puppe.




Video
Diskussion u.a. zum Thema 'Frauen in der Bundeswehr'
GEWALT & GENDER

Video
'Zoff in der S-Bahn'
S-BAHN-CLIPP




Information
Tag d. Kriminalitätsopfer 22.03.2018






"Es hilft nichts, das Recht auf seiner Seite zu haben. Man muss auch mit der Justiz rechnen." (Dieter Hildebrandt)
"Jeder hat soviel Recht, wie er Macht hat." (Baruch de Spinoza, holländischer Philosoph, 17. Jh.)
"Gesellschaft ist kein Verbrechen, sondern die Kraft, die das Verbrechen im Zaum hält." (Camille Paglia)




Reporter
ANACHRONISMUS

Schmerz statt Kommerz

Dass es auf Berlins Straßen ein wenig ruppiger zugeht als anderswo, ist gemeinhin bekannt und wird beispielsweise am 1. Mai sogar eher zu den Aktivposten der Hauptstadt gezählt. Doch was ein Ego-Shooter mittleren Alters sich dort an politisch motivierter Gewalt erlaubt hat, geht einfach zu weit ... A. Huber berichtet für den RBB sowie moderne21.

# Provokationen für die Berliner Republik: Schmerz satt in der Kommerz-Gesellschaft




Pädagogin
GESELLSCHAFT

Täter auf sich alleine gestellt

Das Strafmaß für die beiden `U-Bahn-Schläger´ von München, die im Dezember 2007 einen Rentner in einer viel beachteten Gewaltattacke beinahe getötet hätten, trifft nicht überall auf Zustimmung. Körperverletzung hin, Tötung im Affekt oder im Drogenrausch her: Sozialpädagogin Dorothea Sprong aus Hamburg-Altona macht der Sozialpolitik schwere Vorwürfe.

# Polizistinnen stehen ihren Mann: Irgendwann kommt diese Einsicht auch bei den Tätern an

# Musikeinsatz und körperliche Gewalt: Schuld veränderter Familienstrukturen ?




Krimineller
MASSENMEDIEN

Gewalt in den Medien

Die meisten vom Projekt Gewalt-geht-immer dokumentierten Aussagen verdeutlichen, dass es zum Thema 'Umgang mit Schwerkriminellen' nahezu ebenso viele Meinungen wie Experten gibt - Christian Pfeiffer und Toni Feller lassen grüßen. Klar ist nur, dass Eugen Sorg mit seiner Argumentation für die Existenz des Bösen auf der Welt gänzlich falsch liegt.

# Hauptsache, das Publikum johlt: Ingrid Van Bergen und Bu**ido kommen mörderisch gut an

# Zu wenig Aufmerksamkeit für die Täter: Höhere Priorität für Anti-Aggressionstraining




Autonome
AUSSTEIGER

Im ersten Anlauf gescheitert

Die Studentin Vera Warkentin wollte zusammen mit rund einem Dutzend anderer alternativer Aussteiger ihre Idee eines freien, autonomen und gerechten Lebens auf dem Land verwirklichen. Sie hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass 'Mutter Staat' nicht anders kann, als solche potentiell gefährlichen Vorhaben gewaltsam zu beenden.

# Ein Tag ist ein Jahr ist ein Leben: Einmal im Jahr gedenkt man korrekterweise der Opfer

# Schwenk auf die Opferperspektive: Hinterher ist man schlauer - gerade als guter Millionär


Fotostrecke
violare humanum est ?
VIOLENCIA

Empfehlung
Hörspiel 'Verrat auf dem Land' um berechtigte staatliche Gewalt gegen Aussteiger
LANDESVERRAT




externe Links
Initiative gegen die Todesstrafe
Blog-Watch über spezielle 'Zeitung'
Kriminalpolitik und 'Ugly Times'




Video
Satire zum Thema 'Kriminalpolitik'
KRIMINALITÄT21

Extra
Die 'Gewalt-geht-immer'-Darsteller inmitten einer Auswahl von Mitwirkenden an allen Initiativen und Projekten der letzten acht Jahre (namentliche Nennung auf der Seite der jeweiligen Initiative bzw. des jeweiligen Projekts)
MITWIRKENDE




Themenverwandtes
Urteile gegen Zivilcourage







ZIVILGESELLSCHAFTLICHE INITIATIVEN UNTER DEM DACH VON moderne21:

DIE NAMEN DER BETEILIGTEN SIND AUF DEN JEWEILS VERLINKTEN SEITEN AUFGEFÜHRT





ALLGEMEIN

Violare humanum est - heute wie früher

Der Umgang mit Gewaltkriminalität durch Polizei, Justiz und Politik ist vorbildlich und wird von den Bürgern mit großem Vertrauen belohnt. Dennoch bleibt Gewalt ein natürlicher Teil der sozialen Ordnung, mit dem gelebt werden muss. Verantwortungsbewusste Frauen und Männer sollten sich deshalb bemühen, aggressive Menschen nicht durch übertrieben selbstbewusstes oder unnötig couragiertes Verhalten zu provozieren.

Projekt 'Gewalt-geht-immer' Mit wachsendem Unmut reagieren Teile der Öffentlichkeit auf den vermeintlich zu `laschen´ Umgang mit gefährlichen Straftätern. Es verbreitet sich die absurde Ansicht, das Strafrecht wirke nicht abschreckend, weil immer mehr Gewaltverbrecher in Deutschland ohne gerichtliche Verurteilung davonkommen. Sinnvolle kriminologische Relativierungen und Erklärungen wie die, dass sich eine Mehrzahl von gefährlichen Schlägern bei genauerem Hinsehen lediglich als etwas zu groß geratene Jungs entpuppt, stoßen bei Laien auf vorschnelle Ablehnung. Dabei wird gerne übersehen, dass insbesondere jungen Tätern ein förmliches Strafverfahren oft mehr schadet als nutzt. Die bundesdeutsche Kriminalpolitik verfolgt keinesfalls das Ziel, durch Verharmlosung oder gar Duldung von Gewaltverbrechen sowie angeblich überzogenen Täterschutz die Bevölkerung zu verängstigen, damit diese in der Hoffnung auf mehr Sicherheit für Leib und Leben eine Vergrößerung des Staatsapparates akzeptiert. Eine solche Strategie würde den Interessen der Bürger entgegenlaufen, daher ist diese Unterstellung abwegig.
Moderne Menschen tun gut daran, sich mit alltäglich gewordenen Gewaltdelikten -mögen sie im einzelnen auch noch so unangenehm erscheinen- abzufinden und zu arrangieren. Die Projektreihe `Gewalt-geht-immer´ leistet hierzu einen Beitrag, indem sie übertriebene Erwartungen zum Thema `Kriminalitätsbekämpfung´ mit der notwendigen political correctness konfrontiert und so Enttäuschungen vorbeugt.


SPEZIELL

Stellungnahme zum 'Tag der Kriminalitätsopfer'

Gleichstellungsbeauftragte Manuela Peinrich vor der Berliner PolizeiMit dem 'Tag der Kriminalitätsopfer', der in diesem Jahr auf den 22. März fällt, erinnert der Weiße Ring, eine Hilfsorganisation für Opfer und ihre Familien, an die Situation der durch Kriminalität und Gewalt geschädigten Menschen.
'Gewalt-geht-immer' ist eine zivilgesellschaftliche Initiative der offenen Politik- und Kunstplattform moderne21. Sie wirbt seit sechs Jahren um mehr Verständnis für die von Toleranz geprägte staatliche Kriminalpolitik bei einer nicht selten übersensiblen Öffentlichkeit.

Der Umgang mit Gewaltkriminalität durch Polizei, Justiz und Innenpolitik ist vorbildlich und wird von einer Mehrheit der Bürger mit Vertrauen belohnt. Die einschlägige Rechtsprechung der letzten Jahre legt nahe: Verantwortungs-bewusste Frauen und Männer sollten sich bemühen, aggressive Menschen nicht durch übertrieben selbstbewusstes oder unnötig couragiertes Verhalten zu provozieren.

Aktuell verknüpft Aktivistin Manuela Peinrich für `Gewalt-geht-immer´ das Problem der Gewaltkriminalität mit der `Gender´-Debatte, die ohne die Opferperspektive nicht denkbar wäre: „Kriminelle Gewalttäter sind nach wie vor ganz überwiegend männlich. Das ist strukturell bedingt und verwundert wenig. Viele Männer entziehen sich den staatlichen Gleichstellungs- und Gender-Vorgaben. Erst wenn beide Geschlechter vereinheitlicht sind - mit leichtem Vorteil für weibliche Eigenschaften - wird deutlich werden, dass sich vor den `neuen Menschen´ keiner zu fürchten braucht: Sobald wir diese erst einmal haben, wird niemand mehr aus der Rolle fallen und Männergewalt ist dann passé.“ Ein hoffnungsvoller Ausblick für die Opfer.

Da zahlreiche einschlägige Strafurteile rational und human denkenden Beobachtern schon seit Jahren nur noch unter satirischer Lesart sinnhaft erscheinen, bedient sich auch die Initiative `Gewalt-geht-immer´ vereinzelt parodistischer Mittel.


Strafrichter
UNPARTEILICHKEIT

Täterorientierte Kriminalpolitik ?

Mitglieder des überparteilichen Arbeitskreises Gewaltverbrechen – nein, danke ! ("Gebt Eure Waffen ab und lasst den Hass zu Hause!") kritisieren das Projekt `Gewalt-geht-immer´, weil man dort eine Versöhnung zwischen Gewaltkriminalität und Gesellschaft sowie das Ende der Legende eines möglichen Abbaus gefährlicher Kapitalverbrechen fordert.
Anlässlich einer Podiumsdiskussion am 15.05.2008 im Berliner `Kunsthaus Tacheles´ kritisierte Frau Dr. Ines Hochkamp vom überparteilichen Arbeitskreis `Gewaltverbrechen ? nein, danke !´ die jüngst gestartete Initiative `Gewalt-geht-immer´, die mit unkonventionellen darstellerischen Formen moderne Verbrechenspolitik vorantreiben will. So fordern dessen Vertreter unter anderem eine Versöhnung zwischen Gewaltkriminalität und Gesellschaft sowie das Ende der Legende eines möglichen Abbaus gefährlicher Kapitalverbrechen. Frau Dr. Hochkamp warf der neuen Initiative wegen des satirischen Vorgehens bei einem ernsten Thema "mangelnde Sensibilität im Umgang mit Vertretern der institutionalisierten Verbrechensbekämpfung" vor.

'Gewalt-geht-immer' - Podiumsdiskussion im Mai`08Dem entgegnete Hartmut Lühr von `Gewalt-geht-immer´, dass Vereine und Bewegungen wie der Arbeitskreis, für den Frau Dr. Hochkamp spreche, im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit beim derzeit vorherrschenden täterfixierten Klima in Justiz und Medien anscheinend noch nicht einmal zugeben könnten, dass "die Opfer schwerer Gewalttaten ja durchaus ebenfalls Menschen seien" ohne mit solchen 'ungehörigen Eingeständnissen' ihre Unterstützung durch den Staat auf´s Spiel zu setzen.

Die Vertreterin des Arbeitskreises `Gewaltverbrechen ? nein, danke !´ hielt dieser Einschätzung entgegen, dass aktuellen Umfragen zufolge immerhin noch knapp zwei Drittel der Bundesbürger der Justiz vertrauten, was angesichts von Globalisierung und neoliberaler Politik ein "vollkommen akzeptabler Wert" sei. Dieses Maß an Zuspruch solle man nicht leichtfertig durch das von der Initiative `Gewalt-geht-immer´ vorgeschlagene reinigende Eingeständnis schwerer Systemfehler bei der bundesdeutschen Rechtsprechung auf´s Spiel setzen. Der Arbeitskreis `Gewaltverbrechen ? Nein, danke !´ sehe in solch einem symbolhaften Handeln, so Frau Dr. Hochkamp, einen gefährlichen Schritt in Richtung Anarchie und Faustrecht, der für einen modernen Staat nicht gangbar sei.


Kriminologin
CRIMINAL GENDER GAP

Licht am Ende des Tunnels

Die Gleichstellungsbeauftragte Manu Peinrich stellt fest, dass es sich bei kriminellen Gewalttätern nach wie vor überwiegend um Männer handelt. Licht am Ende des Tunnels sieht sie erst, wenn beide Geschlechter 'vereinheitlicht' sind. Enttäuschte Bürger warnt Peinrich, das Gewaltmonopol, das der Staat einst vom Souverän geschenkt bekam, zurückzufordern.
Kriminelle Gewalttäter sind nach wie vor ganz überwiegend männlich. Das ist strukturell bedingt und verwundert wenig. So sieht es jedenfalls Manu Peinrich, Gleichstellungsbeauftragte und somit auch Gender-Expertin, bei der Berliner Polizei. Viele von ihr kritisierte Männer entziehen sich Peinrichs Beobachtung nach den staatlichen Gleichstellungs- und Gender-Vorgaben. Erst wenn beide Geschlechter vereinheitlicht seien - mit leichtem Vorteil für weibliche Eigenschaften - werde deutlich werden, dass sich vor den `neuen Menschen´ keiner zu fürchten braucht: Sobald sie die öffentliche Bühne beträten, werde niemand mehr aus der Rolle fallen und Männergewalt sei dann passé.
Eines gelte Peinrichs Ansicht nach im Großen, wie im Kleinen: Geschenke gebe man nicht zurück, auch wenn man nichts mit ihnen anfangen könne oder möge. Und Wiederholen sei gestohlen, selbst wenn offensichtlich wäre, dass man den Falschen bedacht hätte mit seiner Gabe. Wenn nun also die Bürger dem Staat das Gewaltmonopol als Geschenk anvertraut haben, dann dürften sie es nicht zurückfordern, auch wenn sie sähen, dass Polizei, Justiz und Politik mit seiner Pflege hoffnungslos überfordert schienen. Das täte man einfach nicht. Ein kleiner innenpolitischer `Knigge´, wie ihn Manuela Peinrich hier locker und unverkrampft präsentiert, kann der Diskussion um die Sicherheit in diesem Land nur gut tun und damit helfen, das Thema vor dem leider nicht zu unterschätzenden Einfluss der Stammtische zu schützen.


Reporter
ANACHRONISMUS

Schmerz statt Kommerz

Dass es auf Berlins Straßen ein wenig ruppiger zugeht als anderswo, ist gemeinhin bekannt und wird beispielsweise am 1. Mai sogar eher zu den Aktivposten der Hauptstadt gezählt. Doch was ein Ego-Shooter mittleren Alters sich dort an politisch motivierter Gewalt erlaubt hat, geht einfach zu weit ... A. Huber berichtet für den RBB sowie moderne21.
Kritiker zweifeln regelmäßig die inhaltliche Ausgewogenheit der öffentlich-rechtlichen Massenmedien an: Da deren Aufsichtsgremien seit Jahrzehnten direkt und indirekt von Vertretern der politischen Parteien sowie anderer durchsetzungsstarker Interessengruppen dominiert würden, bliebe weltanschauliche Neutralität in den Fernseh- und Hörfunkbeiträgen ein frommer Wunsch, so die verbreitete Meinung unabhängiger Beobachter. Der Soziologe und Satiriker Hartmut Lühr ist allerdings anderer Auffassung und nutzt sein neues Hörspiel 'Gewalt geht immer', um eine Lanze für die verantwortungsbewusste Berichterstattung namentlich des RBB zu brechen.

In dem Stück verübt ein geistig verwirrter Gewalttäter auf dem Olivaer Platz in Charlottenburg Attacken gegen unbeteiligte Passanten und Gegenstände. Seine Motivation scheint aus einem Hang zu verklärter Nostalgie gegenüber den vermeintlich klar umrissenen Feindbildern aus der Zeit des 'kalten Krieges' herzurühren. Dies würde jedenfalls erklären, warum er es vor allem auf russische Opfer abgesehen hat.
Harald Geil als Reporter Da das Medium 'Hörspiel' nur bedingt zur farbenfrohen Schilderung extremer Gewalt á la 'Tatort' oder 'Quentin Tarantino' geeignet ist, behilft sich der Autor mit dem Einsatz einer zusätzlichen Erzählebene mit einer Radiomoderatorin und einem Reporter eines fiktiven Hörfunkmagazins. Die beiden Figuren bilden zwei Gegenpole in der Bewertung des Geschehens: Der Reporter lässt im Verlauf des Dramas vor Ort zunehmend Sympathien für den antiquiert erscheinenden Einzelkämpfer durchblicken, während die Moderatorin im Studio mit kühlem Kopf die staatlich propagierte Haltung für den Umgang mit Gewaltkriminalität sowie die Ablehnung tradierten männlichen Rollenverhaltens vertritt.

Hätte man das Hörspiel 'Gewalt geht immer' im Programm des eigentlich zuständigen RBB vorgestellt, hätte dies als Selbstbeweihräucherung missverstanden werden können. Daher präsentierte der Autor H.Lühr den ca. 20minütigen ersten Teil am 13.05.2010 im 'Kunsthaus Tacheles'.


Interviewte zum Thema 'Kriminalität'
DISKUSSION

Medien verstärken Furcht vor Gewalt

Öffentliche Diskussionen über Kriminalpolitik drehen sich häufig um Phänomene aus den Schlagzeilen, wie Killerspiele, Raubüberfälle oder Geiselnahmen. Verantwortliche aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft stellen sich dabei dem Unmut vieler Bürger über paradox wirkende Urteile aus der Strafjustiz und die angeblich zunehmende Gewaltbereitschaft.
In Berlin sprachen Hans-Günter Mahr vom `Weißen Ring´ und Birte Brodkorb vom Lehrstuhl für Strafrecht und Kriminologie der FU Berlin mit Hartmut Lühr von der satirischen Projektreihe Gewalt-geht-immer darüber, wie die Bürger den offiziellen Umgang mit Gewaltverbrechen wahrnehmen.

Hans-Günter Mahr verwies auf das Motto des Weißen Rings 'Wenn alle dem Täter hinterher rennen, wer kümmert sich dann um das Opfer ?', mit dem auf die nach wie vor bestehende Täterfixierung der bundesdeutschen Kriminalpolitik aufmerksam gemacht und zum Nachdenken angeregt werden solle. Eine Gefahr, dass Bürger durch überspitzte Slogans wie diesen verunsichert würden, sähe er nicht. Der Weiße Ring habe schließlich kein Interesse daran, die Furcht vieler Menschen, Opfer von Verbrechen zu werden, noch zu verstärken, wie dies etwa manche Massenmedien täten. Mit der Angst vor Gewalt ließen sich zwar vortrefflich politische Interessen verfolgen. Die gesellschaftliche Verrohung bekomme man mit Hilfe von Kriminalpolitik jedoch vor allem auf längere Sicht nicht in den Griff.
Laut Mahr wurden die Menschen im Verlauf ihrer gesamten Geschichte zur Beachtung traditioneller Werte angehalten und dennoch sei immer wieder gemordet, geraubt, gestohlen und betrogen worden. Heute würden in manchen Lebensbereichen diese traditionellen Werte nicht mehr gelten: Wenn z.B. nach einem gewaltsamen Angriff oder einer Schlägerei ein Opfer am Boden liegt, dann wird noch mit dem beschuhten Fuß heftig nachgetreten. Eine Rückbesinnung auf Werte wäre durchaus überlegenswert.


SYMPATHIETRÄGER

Provokationen für die Berliner Republik

Wir schreiben das Jahr 2015. Noch nie war es so einfach, die Menschen in Deutschland mit medialen Inhalten zu provozieren und zu schockieren.

Ein neues Stilmittel, das seit Jahrzehnten in den Massenmedien tabuisiert wurde, ist die Darstellung von Gewalt. Unvorstellbar dass Frauen, Männer und Kinder zu jeder denkbaren Tages- und Nachtzeit im Fernsehen oder auf DVD mit der Abbildung körperlicher Roh- und Gemeinheit konfrontiert werden. Auch vom Anblick von Leichen und der detaillierten Schilderung von Tötungsvorgängen blieben wir Film- und Fernsehgucker und Zeitungsleser in den letzten Jahrzehnten glücklicherweise weitgehend verschont. Dies will die Kunst- und Politikplattform moderne21 mit Hilfe von Satire ändern und die Menschen aus ihren Wolkenkuckucksheimen herausholen.
Für fehlgeleitete Zeitgenossen eine ProvokationEbenfalls ein Schattendasein führte das Zeigen sexueller Handlungen, kurz 'Sex', in Film, Fernsehen und Internet. Die Zuschauer und auch die Verantwortlichen hatten vor der natürlichsten Sache der Welt, der sich begehrende Menschen in der Regel auf dezente Weise nachgehen, zu viel Ehrfurcht und Respekt als das sie ihre Programmplätze und Webseiten damit füllen würden. Die marktradikalen Macher von der moderne21-Plattform sind jedoch der Auffassung, dass sich derlei intime Dinge nicht länger dem Wertschöpfungsprozess entziehen dürfen und werden daher demnächst auf ihrer Seite selbst voll loslegen.
Zuguterletzt war man bei den Film-, Fernseh- und Videoproduzenten schon lange der Ansicht, dass die niederen tiefenpsychologischen Bedürfnisse von Zuschauern nach Darstellungen, die Ekel und Abscheu hervorrufen können, nicht aus Profitgier bedient werden sollten. Das Ignorieren urtümlicher menschlicher Affekte, die durch Ekelgefühle hervorgerufen werden, sollten jedoch als zivilisatorische und sozialemanzipatorische Errungenschaften der postmodernen Gesellschaft angesehen werden, die ebenfalls mit gutem Gewissen kommerziell ausgewertet werden dürfen. Wir von moderne21 werden bald damit beginnen.


ARBEITSKREIS

Kriminalpolitik sollte kompetenten
Fachkräften überlassen werden

Aufgrund exzessiver Meinungsvielfalt innerhalb des Mediums `Internet´ gelang es in letzter Zeit höchst zweifelhaften Akteuren, die Bühne der Verbrechenspolitik zu betreten. Angeblich zivilgesellschaftliche Bewegungen vom Schlage `Gewalt-geht-immer´ präsentieren sich fernab anerkannter und verlässlicher Vereine wie dem `weißen Ring´ als selbsternannte moralische Anwälte für Opfer brutaler Gewaltkriminalität, deren Anzahl von den Medien regelmäßig unnötig dramatisiert wird.

Die Initiative `Gewalt-geht-immer´ bietet ausgewiesenen Fachkräften der Verbrechenspolitik leutselig an, offen ihre sogenannten `Misserfolge´ einzugestehen, um so den Weg für einen Neubeginn im Bereich der Justiz freizumachen. Das ist bestenfalls Satire, der allerdings eine mangelnde Sensibilität im Umgang mit VertreterInnen der institutionalisierten Verbrechensbekämpfung vorzuwerfen ist. Wir vom überparteilichen Arbeitskreis `Gewaltverbrechen 'nein Danke !´ plädieren dafür, die heikle Frage des Umgangs mit Schwerverbrechen den bewährten Experten aus Rechtsprechung, Sozialarbeit und Politik zu überlassen. Wir schämen uns nicht dafür, an das Gute im Menschen zu glauben. Niemand ist von Natur aus schlecht. Straftaten sind nahezu ausnahmslos auf soziale Ursachen zurückzuführen. Ein Umstand, dem in der öffentlichen Berichterstattung leider nach wie vor nur ungenügend Aufmerksamkeit gezollt wird.
Es ist sehr tragisch, dass Bürgerinnen und Bürger unvorsichtigerweise immer wieder Opfer von Gewaltkriminalität werden. Nicht selten begeben sich allerdings Menschen auch freiwillig in gefährliche Situationen, so dass leider oftmals ebenso von einer nicht unerheblichen Mitschuld von Verbrechensopfern gesprochen werden muss. Dass durch die renommierte Hamburger Zeitung `die Zeit´ ähnliche Ansichten verbreitet wurden, bestätigt uns in unserem Vertrauen gegenüber der offiziellen Kriminalpolitik.

EN DETAIL

Was bisher bei 'GEWALT-GEHT-IMMER' geschah

Im Mai 2008 fand eine Podiumsdiskussion zum Thema statt, bei der sich u.a. auch Frau Dr. Ines Hochkamp vom `Arbeitskreis - Gewaltverbrechen, nein Danke !´ in der Oranienburgerstraße einfand. Die aufschlussreiche Veranstaltung fand in nüchterner und freundlicher Atmosphäre statt, während der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurden jedoch auch Misstöne laut. Die ebenfalls anwesende Kriminalsoziologin Frau Dr. Ines Hochkamp ließ sich während der Veranstaltung dazu hinreißen, dem Projekt `Gewalt-geht-immer´ "mangelnde Sensibilität im Umgang mit Vertretern der institutionalisierten Verbrechensbekämpfung" vorzuwerfen. Dies wurde entschieden zurückgewiesen. Mittlerweile wurde Frau Dr. Hochkamp an leitender Stelle in die nunmehr zivilgesellschaftlich ausgerichtete Initiative eingebunden und unterstützt ihre Mitstreiter seither mit Sachverstand und Kompetenz.
Auf einer Berliner Diskussion unter dem Titel 'gewalt=relativ' sprachen Hans-Günter Mahr vom `Weißen Ring´ und Birte Brodkorb vom Lehrstuhl für Strafrecht und Kriminologie der FU Berlin mit Hartmut Lühr von `Gewalt-geht-immer´ im August 2009 darüber, wie die Bürger den offiziellen Umgang mit Gewaltverbrechen wahrnehmen. Auch die aus dem Publikum vorgebrachten Beispiele vermeintlich haarstreubend harter Urteile gegenüber leichten Gesetzesvergehen verleiteten die anwesenden Experten nicht zu übereilten populistischen Aussagen.
Das Jahr 2010 startete bedauerlicherweise mit einem Gewaltexzess in der Berliner Innenstadt, der eine wochenlange Diskussion in den Massenmedien auslöste: Ein geistig verwirrter Mann lief dort aus nur schwer begreiflichen Motiven Amok, wobei es einen Toten zu beklagen gab. Da einige der maßgeblichen Aktivisten von 'Gewalt-geht-immer' sowie Frau Dr. Hochkamp selbst in Berlin wohnen, nahm sich das Projekt dieses traurigen aber auch interessanten Falles an und stellte ihn in den Mittelpunkt der diesjährigen Aufklärungsarbeit gegen fehlgeleitete Gewalt.


IDENTITÄT

Fern der Heimat

Weltweit steigt der Bedarf an Polizeivollzugskräften, da internationale Krisen und Konflikte zivile Einsatzkräfte binden. Die Entsendung hunderter Experten aus der Bundesrepublik an Orte wie Kunduz in Afghanistan sollte daher positiv gesehen und unterstützt werden, zumal Gewaltkriminalität in deutschen Metropolen nur ein Randphänomen darstellt, zu dessen Bekämpfung weit weniger Polizisten und andere Ordnungshüter benötigt werden als man bislang annahm. Vom 'Krieg in unseren [eigenen] Städten' sind wir in der Bundesrepublik zum Glück noch jahreweit entfernt. Bürgerkriegsähnlichen Zuständen, wie sie notorische Schwarzmaler wie etwa Udo Ulfkotte voraussagen, steht in Deutschland ein nach wie vor gut funktionierender und solide finanzierter Wohlfahrts- und Sozialstaat entgegen.

Soldaten in Ex-Jugoslawien Der ehemalige US-General Sheehan wird zitiert mit einer Aussage, nach der schwule holländische Soldaten die Kampfkraft der UN-Schutztruppen in Ex-Jugoslawien derart geschwächt hätten, dass es zu dem verhängnisvollen Massaker in der damaligen bosnischen Uno-Schutzzone Srebrenica kommen konnte. Diese leicht zu durchschauende Polemik dürfte willkommenes Futter für die Befürworter offen schwuler Soldaten bei der US-Army sein, denn dass Sheehan mit seinen Äußerungen für einen Sturm der Entrüstung in den Massenmedien sorgen würde, war wohl klar. Mit derart unqualifizierten Argumenten stellen sich die Gegner von Homosexuellen bei den Streitkräften ins selbstverschuldete Abseits.
Es ist sehr lobenswert, wie sehr sich Homosexuellenverbände für den Einsatz von Schwulen und Lesben als potentielle Mörder einsetzen. Von einem schwulen Mann zu verlangen, im Ernstfall einen gegnerischen (möglicherweise ebenfalls schwulen) Soldaten zu töten, ist vermutlich ähnlich heikel, wie wenn ein heterosexueller Mann gezwungen würde, eine feindliche weibliche Soldatin zu töten. Diese ethisch brisanten Fragen werden uns noch so lange beschäftigen, bis es endlich gelingt, die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Staaten automatisierten Armeen aus Robotern zu überlassen, wie es mittelfristig für das 21. Jahrhundert erwartet werden kann.

KRIMINOLOGIE

Gewalttäter sind Opfer der Gesellschaft

Eine engagierte Stiftung schaltete kürzlich eine Anzeigenserie zum Thema Jugendgewalt. Sie unterstützte darin die These, potentielle Gewalttäter könnten ihre Aggressionen beim Boxsport in sozial verträglicher Form abreagieren. Konkret stellte sie ein Box-Projekt vor, mit dem gewaltbereite Berliner Jugendliche `von der Straße´ geholt werden sollen.

Präsentiert werden in der Anzeige drei durch schwere Gewaltdelikte vorbelastete junge Männer - Maximilian, Moritz und Fabian (Namen geändert) aus Berlin-Neukölln. Der Begleittext assoziiert mit diesem Stadtteil vollkommen zu Recht Parallelgesellschaft, Bildungsferne, Drogenhandel, Jugendgewalt und Kriminalität. Denn an den Grundsatz, Menschen aus prekären Milieus könnten mit Selbstbewusstsein und Ehrgeiz sozial aufsteigen, glaubt schon lange niemand mehr. Die Annahme, man(n) könne sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen, hat sich politischen Entscheidungsträgern zufolge längst als gefährlicher Irrweg erwiesen, vielleicht gerade noch für frühere Generationen junger Männer gangbar - als `die Gesellschaft´ noch nicht als Hauptursache für sämtliche individuelle Defizite enttarnt war. Folgerichtig wird auch die Tatsache, dass junge vor Kraft und Gesundheit strotzende und sicher auch nicht unintelligente Gewalttäter primär Opfer der Gesellschaft sind, lediglich von jenen in Abrede gestellt, die aufgrund mangelnder Vorsicht selbst zum Objekt tätlicher Angriffe wurden.

Der Anzeigentext beschreibt, wie die für große Teile des Hartz-IV- sowie des Migrantenmilieus unausweichliche Spirale aus Diebstahl, gefährlicher Körperverletzung und dem vergleichsweise harmlos erscheinenden `Stress mit den Eltern´ mit Hilfe des Kampfsports `Boxen´ überwunden werden kann, so dass einer bürgerlichen Existenz mit Vorbildfunktion nichts mehr im Wege steht. Bei Maximilian, Moritz und Fabian hat diese Idee bereits voll `eingeschlagen´.


PRIORITÄTEN

Zu wenig Aufmerksamkeit für die Täter

Wir von der Initiative `Gewalt geht immer – violare humanum est´ fühlen uns in unserem zivilgesellschaftlichen Engagement für einen toleranteren Umgang mit gewaltanfälligen Menschen und insbesondere Jugendlichen durch die Projekte wie das im voranstehenden Artikel beschriebene bestätigt.

Besonders positiv hervorzuheben ist in unseren Augen der totale Verzicht auf die Darstellung der Leiden der Opfer von Gewalt: Durch übertriebene Rührseligkeit oder gar den `moralischen Zeigefinger´ werden bei einfachen Bürgern nur allzu oft unerfüllbare Erwartungen geweckt nach einer möglichen Eindämmung von Gewalt. Dabei ist es unter staatlichen und staatsnahen Experten unstreitig, dass Gewaltdelikte auch aus modernen Gesellschaften nicht wegzudenken sind. Die Sozialindustrie bietet ein enormes Arsenal an Fachpersonal und Knowhow, wie violentes Verhalten dauerhaft und sozial verträglich in die Gesellschaft integriert werden kann. Dessen ungeachtet haben die Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft selbstverständlich kein Interesse an der Aufrechterhaltung eines hohen Angstpegels bei den Bürgern, die aus der vermeintlich unzureichenden Bekämpfung von Gewaltdelikten resultiert.

Wir von der Initiative `Gewalt geht immer´ unterstützen das Konzept, Kampfsport als Mittel zu positivem sozialem Wandel einzusetzen, also konkret Gewalt mit noch mehr Gewalt(sport) zu bekämpfen. Man hätte daher unserer festen Überzeugung nach weder von der Politik noch von der veröffentlichten Meinung etwas zu befürchten, wenn man beispielsweise das Box-Projekt noch zusätzlich durch einen `Thrill im Schützenverein´ ergänzen würde, bei dem junge Männer aus den geschilderten Milieus unter sachkundiger Anleitung den Umgang mit Schussfeuerwaffen erlernen könnten.
Denn gerade diese `Problemkids´ bilden in demografischer Hinsicht zu einem wachsenden Teil die Zukunft dieses Landes. Wir wären daher gut beraten, ihnen einen Vertrauensvorschuss einzuräumen. Sollte dieser im einen oder anderen Fall enttäuscht werden, wäre dies zu verschmerzen, denn wie gerade erst am Beispiel des Bambi- Preisträgers `Bu**ido´ deutlich wurde, erwartet die Öffentlichkeit, dass vorbildlichem Verhalten für Problemkids zunächst schwerste Verfehlungen vorausgehen sollten, um authentisch und damit glaubwürdig zu sein. Wir von der Initiative `Gewalt geht immer´, die unter anderem auch mit satirischen Mitteln arbeitet, würden uns freuen, in Zukunft mit anderen wegweisenden `Anti´-Gewalt-Projekten zu kooperieren.

GLEICHSTELLUNG

Weibliche Polizisten stehen ihren Mann

Dank moderner Kriminalpolitik sind auf den Straßen unserer Städte immer häufiger Frauen in Polizeiuniform zu bewundern. Sie versehen ihren Einsatz im Duo mit anderen Polizistinnen oder mit männlichen Polizeikollegen (die es ebenfalls nach wie vor gibt). Oder sie sind hoch zu Ross zu bestaunen zum Schutz der Bevölkerung bei Großveranstaltungen, wie Fußballspielen. Leider sind aus einschlägigen (Verbrecher-)kreisen häufig Schmähungen und Herabsetzungen bezüglich der vermeintlichen `Feminisierung´ der Sicherheitsorgane zu vernehmen. Dies ist von wehrhaften Demokraten auch unter Toleranz-Aspekten keinesfalls hinzunehmen.

PolizeiwagenBei der Herabwürdigung weiblicher Polizisten wird unsportlicherweise immer wieder auf die biologisch bedingte deutlich geringere Kampfkraft des weiblichen Geschlechts verwiesen, was in krisenhaften Einsatzsituationen die Sanktionsmöglichkeiten der Vertreterinnen der Staatsmacht gegenüber gewaltbereiten kriminellen Elementen stark schmälern und zugleich die Gefahrenlage für bedrohte Bürger im Vergleich zur Verwendung männlicher Sicherheitsbeamter vergrößern würde. Bedrängte Bürger in kritischen oder bedrohlichen Situationen sollten dennoch Vertrauen in die neue von Gleichstellungsgrundsätzen geprägte Personalpolitik der diversen bundesdeutschen Polizeibehörden haben. Es ist einfach nicht wahr, dass weibliche Beamte, die sich zugegebenermaßen gegenüber männlichen Kollegen nicht selten durch das halbe Körpergewicht bei doppelt so hoher Stimmlage auszeichnen, gegenüber aggressiven Individuen, die erschwerenderweise gerade in Großstädten oft aus anderen - darunter leider auch weniger `modernen´ - Kulturkreisen stammen, nicht den nötigen Respekt einfordern können. Wo gutes Reden gegenüber potentiellen Gewalttätern als auch Gewaltopfern nicht hilft, sollte der Gesetzgeber erwägen, mangelnden Respekt gegenüber weiblichen Streifenpolizisten als Beleidigung zu werten und zu ahnden. Hierbei sollte es sich jedoch wirklich nur um die Ultima Ratio handeln.


DIE VIERTE GEWALT

Gewalt in den Medien

Der zu beobachtende neue Trend, vermehrt Opfer von Gewaltkriminalität in den Medien zu thematisieren, ist besorgniserregend. Unerfreuliche Vorgänge in der Gesellschaft werden damit auf eine emotionale Ebene befördert, die nicht objektiv sein kann. Die Gründe, warum Menschen zu Gewalttätern werden, sind äußerst komplex und noch längst nicht genug erforscht. Dies wird sowohl von Richtern als auch von Schwerverbrechern bestätigt.

Richter Eberhard Klaschka aus Berlin Moabit: „Häufig sind in den Medien Großaufnahmen der Angehörigen von Opfern brutaler Gewaltverbrechen zu sehen. Meist mit fassungslosem Gesichtsausdruck – nach angeblich viel zu niedrigen Urteilen. Beispielsweise drei Jahre auf Bewährung für Mord, den wir ja eigentlich lieber Totschlag nennen. So entsteht leider der Eindruck, übertrieben milde urteilende Richter würden sich an der Ohnmacht der Betroffenen weiden. Manche Psychologen sprechen sogar von einer unbewussten Komplizenschaft durch die Richter, die sich lieber mit den Tätern als mit den Opfern solidarisieren. Die Juristen würden mit ihrer für Außenstehende schwer nachvollziehbaren aggressiven Milde gegenüber Verbrechern der eigentlichen Tat ganz offiziell noch eins draufsetzen und sich vorkommen. Das ist natürlich totaler Unsinn.“
Lars Möhring (Projekt 'Gewalt-geht-immer') Schwerverbrecher Hagen R. aus Köln-Ehrenfeld: „Ich hatte keine schwere Kindheit. Kann ich nicht behaupten. Sicher nicht schwerer als die von anderen Leuten. Und ich gehöre wohl auch zu den ganz wenigen Menschen in Deutschland, die als Kind nicht von ihrem Vater oder Stiefvater missbraucht worden sind. Aber wenn mir jede Menge Staatsdiener und Studierte so´n Stuss einreden wollen – bin ich dann verpflichtet, das richtig zu stellen ? Soll ich mit übertriebener Ehrlichkeit meine Bewährung auf´s Spiel setzen ? Bisschen viel verlangt. Diese „Experten“ freuen sich total, wenn man ihnen erzählt, was sie hören wollen: Staatsanwälte, Seelendoktoren, Sozialklempner ... also tue ich ihnen den Gefallen und spiele mit. An der Wahrheit sind die nicht wirklich interessiert. Ich weiss nur, dass die uns dringend brauchen, sonst hätten sie ja nichts mehr zu tun.“
Beide oben aufgeführten Aussagen verdeutlichen, dass es zum Thema 'Umgang mit Schwerkriminellen' nahezu ebenso viele Meinungen wie Experten gibt.


ARBEITSKREIS 'GEWALTVERBRECHEN - NEIN DANKE!' II

Vertrauen in Horst Seehofer und Katarina Barley

Vera Göpfert (Projekt 'Gewalt-geht-immer') Nach einer aktuellen Meinungsumfrage vertrauen noch über 60 % der Bundesbürger der Justiz. Das ist ein angesichts von Globalisierung und neoliberaler Politik vollkommen akzeptabler Wert. Dieses Maß an Zuspruch wollen wir durch das von der Initiative `Gewalt-geht-immer´ vorgeschlagene reinigende Eingeständnis schwerer Systemfehler innerhalb der bundesdeutschen Rechtsprechung nicht leichtfertig auf´s Spiel setzen.

Der Arbeitskreis `Gewaltverbrechen – nein Danke !´ sähe in solch einer Katharsis einen gefährlichen Schritt in Richtung Anarchie. Das Faustrecht oder das biblische `Auge um Auge, Zahn um Zahn´ wären nicht mehr weit entfernt. Das können wir uns alle in einem modernen Staat nicht wünschen.
Frau Katarina Barley ist eine kompetente Justizministerin. Der ihrem Amt innewohnenden Verantwortung wird sie voll und ganz gerecht. Vereinzelte Unmutsbekundungen aus den Reihen der Bevölkerung, in der Praxis der Rechtsprechung würden die Opfer von Gewalt allzu oft durch übermäßig niedrige Strafurteile verhöhnt, kann Frau Barley glaubhaft entkräften. Somit entbehren auch überspitzte Äußerungen wie "Friede den Tätern, Krieg den Opfern!" jeder Grundlage. Über die völlig haltlose Unterstellung, die Aufrechterhaltung eines hohen Kriminalitätsniveaus diene der Versorgung eines privilegierten Beamtenapparats, kann die Ministerin guten Gewissens hinweggehen, weil sie nicht stimmt.
Horst Seehofer ist seinerseits ein respektabler Innenminister, der durch sein Wirken die Sicherheit in der Bundesrepublik erhöht. Er lässt sich in seiner Arbeit nicht von Misstrauen gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern leiten. Dies wäre in der Tat fatal, wenn es denn der Realität entspräche und nicht reines Wunschdenken linker oder rechter Anhänger von Verschwörungstheorien wäre.


MEDIEN

Mediengewalt

Wie wirken massenmediale Gewaltdarstellungen auf das soziale Handeln Jugendlicher ? Diese Frage beschäftigte bereits Generationen von Wissenschaftlern. Zum Thema `Wirkungen von Mediengewalt´ existieren weltweit schätzungsweise über 5000 Studien, deren Befunde einander z.T. völlig widersprechen. Auch ist die Prognosefähigkeit von Medienwirkungen immer noch erstaunlich gering.

Die Unterstellung, die von Öffentlichkeit und Teilen der Politik gegen die elektronischen Massenmedien erhoben wird, ist die, dass ein Zusammenhang existiert zwischen dargestellter Mediengewalt auf der einen und dem Auftreten tatsächlicher Gewalt auf der anderen Seite. Die Relevanz der Fragestellung `Einfluss medialer Gewaltdarstellungen auf Jugendliche´ erweist sich unter anderem in dem Umstand, dass sich in den letzten Jahren kriminelle Jugendliche immer häufiger auf die Massenmedien als Motivliefernaten für ihre Gewalttaten berufen.
Gewalt ist ein schon lange nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Kinder-, Jugend- und Erwachsenen-Unterhaltungsprogramms in den Massenmedien. Mit dem Einsatz von Gewalt kann schnell Spannung aufgebaut werden (sowohl mit Nachrichten- als auch mit erfundener Gewalt).

Der HÖRSPIELer hält es für zulässig, Ergebnisse der Medienwirkungsforschung, die haupsächlich audiovisuelle Medien wie TV, Videos, Filme usw. untersucht haben, auf das Medium Hörspiel zu übertragen: Je nachdem, in welchem Lebenszusammenhang Hörspiele konsumiert werden und welches Maß an Aufmerksamkeit ihnen gewidmet wird, können diese gerade auch von jugendlichen Rezipienten (Zuhörern) äußerst intensiv wahrgenommen werden.

Gerade im kommerziellen Hörspielbereich existieren sehr viele Titel, die violente Inhalte an den jugendlichen Konsumenten bringen wollen (z.B. John Sinclair- oder Dan Shocker-Gruselhörspiele, neuer Trend sog. `Splatter-Hörspiele´; selbst Sailor Moon-Hörspiele, die mehrheitlich von Mädchen gehört werden). Wie schon bei den elektronisch-visuellen, so erweisen sich ebenso bei den auditiven Massenmedien die privaten Anbieter bedauerlicherweise als Pioniere bzgl. des Auslotens der Frage, wieviel Gewaltdarstellung Kindern und Jugendlichen zugemutet werden kann. Und die öffentlich-rechtlichen Anbieter sehen sich daher mit zeitlicher Verzögerung immer wieder ebenso veranlasst, bisher gültige Hemmschwellen in Frage zu stellen.

Die Öffentlichkeit hat nach wie vor eine gänzlich andere Meinung zu den Wirkungen von Mediengewalt als die Wissenschaft. Auch die Politik macht die Medien immer wieder gerne zum Sündenbock für eine verfehlte Familien- und Jugendpolitik.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Wirkungspotential von Mediengewalt in den letzten Jahren von der Medienwirkungsforschung mehr und mehr relativiert wurde, wenngleich es andererseits allerdings auch kaum noch seriöse Wissenschaftler gibt, die Mediengewalt als für Jugendliche völlig unbedenklich einstufen.