Die staatsnahe Stiftung moderne21 fördert jährlich eine zivilgesellschaftliche Initiative mit einer hohen Summe.
Diesmal gibt es vier Bewerber, die die Kuratoren Schmidt-Peters und Wessel vor eine schwere Wahl stellen:
Um die Finanzspritze konkurrieren persönliche Vertreter der Initiativen `Dudelstopp´, `Gewalt-geht-immer´,
`Wir-sind-wichtig´ und `Wahlzusage´. Wer streitet vor den Kuratoren am gewieftesten für seine Initiative ?





FALLBEISPIEL

Totalitarismus-Phantasie

Aus Aleyna Gökdals Aufzeichnungen:

Deutsches Reich, 1931. Kurz vor der Machtergreifung. In einer Mädchenschule im Holsteinischen `Heide´. Ich bin 14 und in der 8. Klasse. In Deutsch bin ich gut, in Hauswirtschaft und in Sport. Und ich bin blond – mal was Neues ... . Meine Phantasie spielt sich ab in der Zeichenstunde. So was gab´s damals auch schon. Wir Schülerinnen dürfen malen. Wir haben thematisch relativ freie Hand. Ich male junge Mädchen beim Baden. Natürlich züchtig. Meine Freundin Johanna malt eine Modenschau, Hildegard zeichnet einen Rummel. Die Lehrerin geht immer wieder herum, lobt und kritisiert. Sie hat ihre Lieblinge. Sie ist sehr völkisch eingestellt. Johanna ist aus einer jüdischen Familie, Hildegards Vater ist in der Gewerkschaft aktiv. Meiner ist einfacher Bauer, meine Geschwister und ich und meine Mutter müssen viel helfen.

Bevorzugte SchülerinJohanna ist sehr hübsch. Sehr dunkel und sehr hübsch. Ich schwärme heftig für sie. Und eigentlich bin ich auch stolz auf sie: Sie ist sehr begabt in den schönen Künsten. So auch beim Zeichnen. Sie hat es einfach drauf. Auch Hildegards Bild ist um Klassen besser als meines. Ich habe mich mit meinem Thema übernommen: Einerseits möchte ich gerne sportliche, leicht bekleidete Mädchen zeichnen, andererseits geniere ich mich auch dafür. Bei der Malerei gibt es keine Objektivität aber ich fühle, dass meine Zeichnung misslingt – ich traue mich einfach nicht, konsequent zu malen, was ich schön finde. So kann das nichts werden.

Lehrerin Claaßen geht von Tisch zu Tisch herum. Wie immer macht sie aus ihren persönlichen Vorlieben keinen Hehl. Johanna kritisiert sie besonders heftig und auch Hildegard putzt sie herunter. Einige Mädchen registrieren das schadenfroh, andere wie ich leiden unter der unübersehbaren Ungerechtigkeit. Am Schlimmsten ist es, wenn die Claaßen bei mir vorbeikommt: Sie hat einen Narren an mir gefressen, obwohl ich ihr und ihren wohlwollenden Blicken so gut es geht ausweiche. Aber mein Bild kann ich schlecht vor ihr verstecken und so nutzt sie die Gelegenheit, um sich daran schadlos zu halten: Sie lobt es über den Klee – alle wissen warum. Ich schäme mich, aber ich kann nichts dagegen tun. Ich traue mich nicht, laut zu sagen, dass ich viel lieber wie Johanna oder wie Hildegard zeichnen können würde. Später im Schuljahr sind ihre beiden Plätze dann plötzlich leer und bleiben es auch. Die Claaßen aber unterrichtet Heides Schüler weiterhin, auch noch lange über 1945 hinaus.





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