Initiative `Gewalt geht immer / violare humanum est'Initiative `Gewalt geht immer / violare humanum est'



ANACHRONISMUS

Schmerz statt Kommerz

Kritiker zweifeln regelmäßig die inhaltliche Ausgewogenheit der öffentlich-rechtlichen Massenmedien an: Da deren Aufsichtsgremien seit Jahrzehnten direkt und indirekt von Vertretern der politischen Parteien sowie anderer durchsetzungsstarker Interessengruppen dominiert würden, bliebe weltanschauliche Neutralität in den Fernseh- und Hörfunkbeiträgen ein frommer Wunsch, so die verbreitete Meinung unabhängiger Beobachter. Der Soziologe und Satiriker Hartmut Lühr ist allerdings anderer Auffassung und nutzt sein neues Hörspiel 'Gewalt geht immer', um eine Lanze für die verantwortungsbewusste Berichterstattung namentlich des RBB zu brechen.

In dem Stück verübt ein geistig verwirrter Gewalttäter auf dem Olivaer Platz in Charlottenburg Attacken gegen unbeteiligte Passanten und Gegenstände. Seine Motivation scheint aus einem Hang zu verklärter Nostalgie gegenüber den vermeintlich klar umrissenen Feindbildern aus der Zeit des 'kalten Krieges' herzurühren. Dies würde jedenfalls erklären, warum er es vor allem auf russische Opfer abgesehen hat.
Harald Geil als Reporter Da das Medium 'Hörspiel' nur bedingt zur farbenfrohen Schilderung extremer Gewalt á la 'Tatort' oder 'Quentin Tarantino' geeignet ist, behilft sich der Autor mit dem Einsatz einer zusätzlichen Erzählebene mit einer Radiomoderatorin und einem Reporter eines fiktiven Hörfunkmagazins. Die beiden Figuren bilden zwei Gegenpole in der Bewertung des Geschehens: Der Reporter lässt im Verlauf des Dramas vor Ort zunehmend Sympathien für den antiquiert erscheinenden Einzelkämpfer durchblicken, während die Moderatorin im Studio mit kühlem Kopf die staatlich propagierte Haltung für den Umgang mit Gewaltkriminalität sowie die Ablehnung tradierten männlichen Rollenverhaltens vertritt.

Hätte man das Hörspiel 'Gewalt geht immer' im Programm des eigentlich zuständigen RBB vorgestellt, hätte dies als Selbstbeweihräucherung missverstanden werden können. Daher präsentierte der Autor H.Lühr den ca. 20minütigen ersten Teil am 13.05.2010 im 'Kunsthaus Tacheles'.





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