Die staatsnahe Stiftung moderne21 fördert jährlich eine zivilgesellschaftliche Initiative mit einer hohen Summe.
Diesmal gibt es vier Bewerber, die die Kuratoren Schmidt-Peters und Wessel vor eine schwere Wahl stellen:
Um die Finanzspritze konkurrieren persönliche Vertreter der Initiativen `Dudelstopp´, `Gewalt-geht-immer´,
`Wir-sind-wichtig´ und `Wahlzusage´. Wer streitet vor den Kuratoren am gewieftesten für seine Initiative ?





FALLBEISPIEL

Gewaltphantasie

Aus Albrecht Opaschowskys Tagebuch:

In einem stillgelegten und verfallenen Krankenhaus in einem abgelegenen und unzugänglichen Landstrich voller Dschungel im ehemaligen Indochina ist ein genial-verrückter irischer Wissenschaftler in einem Labor eingesperrt. Er forscht dort seit Jahren an einem wichtigen Impfstoff gegen eine gefährliche Tropenkrankheit und wird regelmäßig durch eine Klappe in der Stahltür von den Eingeborenen mit Essen und dem Nötigsten versorgt. Die friedliebenden kambodschanischen Ureinwohner sorgen gut für den Mann, sie wissen, wie wichtig seine Arbeit ist. Aber sie fürchten ihn auch wegen seines immer wieder zum Vorschein tretenden Wahnsinns. Zwar unternimmt er keine Ausbruchsversuche, denn ihm ist seine Forscherarbeit wichtiger. Aber er hackt seinen Aufpassern und Versorgern mit seinen Instrumenten hin und wieder einen Finger oder sogar eine ganze Hand ab, wenn sie nicht vorsichtig genug sind an der Türklappe.

Er stellt nichts mit den Gliedmaßen an, es geht ihm in diesen Augenblicken wohl nur darum, Angst und Schrecken zu verbreiten. Und seine Untaten haben keine Folgen für ihn, denn auf seinem Forscherdrang ruhen viele Hoffnungen. Die Eingeborenen verzeihen dem wahnsinnigen Wissenschaftler immer auf´s Neue, wenn wieder so etwas passiert. Vielleicht mag es anderswo auf der Welt zivilisiertere Forscher geben, die mit ähnlichen Erfolgsaussichten an dem dringenden medizinischen Problem arbeiten, aber über sie weiß man in dem abgelegenen Dorf nichts – man verlässt sich lieber auf den verrückt-genialen Fremden, den man immerhin seit Jahren kennt. Wie er zu ihnen kam und wer ihn eigentlich seinerzeit eingesperrt hat, wissen nur wenige von den Alten im Dorf – die Lebenserwartung ist dort naturgemäß nicht sehr hoch. Vielleicht hat seine Anwesenheit noch etwas mit der Kolonialzeit zu tun, obwohl es sich bei dem finsteren und ernsten Mann ja um keinen Franzosen handelt. Die Eingeborenen akzeptieren, dass der Ire hin und wieder von gefährlichen Gewaltausbrüchen heimgesucht wird, die ihnen Angst einjagen. Dennoch pflegen sie eine über die Jahre gewachsene und von Respekt geprägte Beziehung mit ihm und lassen ihn unbehelligt innerhalb seiner versiegelten Laborräume leben.

Sollte man sie nun für ihre Nachsicht für dessen archaische Triebe verurteilen oder stattdessen für ihren Langmut und ihre Ausdauer bewundern ?





DIE SICH BEI moderne21 UM STIFTUNGSGELDER BEWERBENDEN INITIATIVEN:

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