Initiative `Wahlabsage / Mehr Demokratie, weniger Politik'Initiative `Wahlabsage / Mehr Demokratie, weniger Politik'



EMOTIONEN

Wutbürger vor Stalingrad ?

Im Rahmen einer Diskussion zur Frage `Kann politisch korrekte Kunst uns vor zu viel Freiheit schützen ?´ wurde von der Kulturlobbyistin Dr. Sonja Peters sowie dem Kunstaktivisten Martin Reiter über mögliche Vorzüge einer allgemeinen Pflicht zu politischen Wahlen nachgedacht.

Deutscher Bundestag in BerlinFrau Dr. Peters malte bezüglich der vermeintlichen politischen Trägheit vieler Bürger ein defätistisches Schreckgespenst an die Wand, wonach man natürlich auch ein Wahlverbot einführen könne mit dem wahrscheinlich unguten Ergebnis, bald wieder einen einzelnen Menschen, möglicherweise einen Österreicher, an der Macht zu haben. Der Wiener Martin Reiter gab darauf zu bedenken, dass dieses Szenario seiner Meinung nach in kleinerem Maßstab bei der Deutschen Bank bereits existiere. In einer uniformen Gesellschaft mache Wählen ohnehin keinen Sinn, die Menschen müssten sich durch mehr Merkmale voneinander unterscheiden als lediglich durch das Arm/Reich-Schema, sonst helfe auch kein Gruppendruck zum Wählengehen.

Aus den Reihen des Publikum wurde während der Diskussion mit einer gewissen Hähme die Erwartung geäußert, dass nach Einführung der Wahlpflicht in der Bundesrepublik die Erregung im Hühnerstall bzw. in der veröffentlichten Meinung zu beobachten, wenn nämlich auf einmal Parteien ins Parlament einziehen würden, die gemeinhin als nicht diskutabel gelten. Frau Dr. Peters hielt dagegen, dass selbst bei einer Wahlbeteiligung von Nahe einhundert Prozent nicht zu erwarten wäre, dass die `Grauhaardackel-Partei´ mit acht Prozent in die Kreis- oder die Landtage einziehen würde. Und selbst wenn, wäre dies in ihren Augen ebenfalls kein Problem, da es sich ja immerhin um Volksvertreter handeln würde. Dem Vorschlag seitens der Diskussionsleitung, das sich aktuell etablierende `Wutbürgertum´ solle seine Energie für eine nachhaltige Modernisierung des überkommenen Wahlrechts einsetzen, wurde von Reiter eine Absage erteilt: „Wut ist nie gut. Wenn der Künstler wütend auf sein Werk eindrischt, dann sei es ihm oder ihr unbenommen. Da ist die Wut ein unmittelbares menschliches Gefühl beim Schaffen. Wut in einem politischen Kontext ist allerdings ein Problem, was man in Deutschland wohl auch nicht weiter erläutern muss, wo der Wutbürger zuletzt bis nach Stalingrad marschiert ist. Das destruktive Element in Wut ist einfach größer als das konstruktive. Wut ist kein guter Berater in der Wahlkabine.“





ZIVILGESELLSCHAFTLICHE INITIATIVEN UNTER DEM DACH VON moderne21:

DIE NAMEN DER BETEILIGTEN SIND AUF DEN JEWEILS VERLINKTEN SEITEN AUFGEFÜHRT