Hörspiel-Podcast

Hier können Sie legal ungewöhnliche Hörbücher herunterladen, die auch anderswo im Internet abrufbar sind.
Auf dieser Seite handelt es sich allerdings in punkto Titel, Cover und Stereointensität um veränderte Versionen.
Wir wünschen gute Unterhaltung mit einem komplizierten und sensiblen Liedermacher aus Hamburg-St.Pauli,
seiner mordlüsternden Anhängerschar sowie Verrat und anachronistischer Gewalt in der Hauptstadtregion.



Düstere Ménage à trois im All'
SCIENCE FICTION

Düstere Ménage à trois im All

Einst verband die drei eine innige Beziehung. Jetzt treffen sie über einem bedrohlichen Roboterplaneten als Gegner aufeinander: die Agentin, der Aufständische und der Soldat. Hierbei handelt es sich um eine verhängnisvolle Konstellation, eine düstere Ménage à trois im Weltraum, bei der es am Ende mehr Verlierer als Gewinner gibt.

# Blonde, brünette und rote Versuchungen irritieren einen einsamen Weltraumfahrer

# Mira Avajananti ist eine leidenschaftliche Kommissarin auf der Jagd

# Ob eine Salve vor den Bug einen ehemaligen Liebhaber einschüchtern kann ?

# Sind wirklich nur die Roboter im Beneix-System eiskalt und gefühllos ?

# Raumfahrer mit heiklen Missionen sollten sich hüten vor gefährlichen Träumen

# Führen mehr Hörfunk-Gebühren bei SF-Produktionen automatisch zu mehr Staatsnähe ?




Gut gebrüllt, Leo ! [Illustration: Susanne Portius; Foto: Dana Laurich]
MEDIENSATIRE

Gut gebrüllt, Leo !

Die lange nicht mehr durch erwähnenswerte Produktionen aufgefallene Redakteurin eines Hamburger Rundfunksenders realisierte ein Radiofeature über die `Hamburger Schule´ deutschsprachiger Popmusik und bat Leo Greller um inhaltliche Unterstützung für das Projekt. Er ließ sich nicht lange bitten, was wie wir heute wissen ein Fehler war.

# Was tun, wenn man einem ungewaschenen Liedermacher gegenübersteht ?

# Eine arrangierte Party zu zweit ist überhaupt nicht nach dem Geschmack Leo Grellers

# Von einem Musikvideo, das zum größten Teil unter Wasser spielt, sind nicht alle begeistert

# Auf einer desaströser Abend für zwei Personen kann sich Leo leider nicht profilieren

# In unguter Gesellschaft zwischen Scheckbetrügern und Polizisten

# Auf Grellers CDs ist leider wenig Familientaugliches dabei

# Als Konsequenz aus dem ganzen Ärger engagiert sich Leo Greller beim Projekt 'Dudelstopp'




Meuchelei im Nachtclub
DRAMA

Meuchelei im Nachtclub

In einem Berliner Club kam es kürzlich zu einem Zwischenfall, an dem der sympathische Künstler Leo Greller sowie drei seiner Fans beteiligt waren. Die polizeilichen Ermittlungen dauern an, noch herrscht Verwirrung vor. Aber fest steht jedoch schon jetzt: Leo wird nach diesem Vorfall kaum mehr derselbe sein, der er vor dieser Nacht in Moabit war.

# Manche Zeitgenossen reden zeitweise ziemlichen Blödsinn in der Warteschlange

# Manche Vetternwirtschaft führt zu einer Architektur der Tränen

# Die Verkehrsregeln von Morgen werden immer bedeutsamer für moderne Menschen

# Was nur haben Tierkunde und Farbenlehre mit der neuen Greller-Affäre zu tun ?

# Aufgeklärte Menschen schockt der Anschlag überhaupt nicht, denn sie wissen 'Gewalt-geht-immer'




Stadt, Land, Schluss
DRAMA

Stadt, Land, Schluss !

Ein anachronistischer Straßenkämpfer zieht durch die noblen Einkaufsviertel Berlins und hinterlässt eine Spur der Verwirrung. Leider geht sein Streifzug nicht ganz ohne Gewalt ab. Nicht viel besser geht es auch einer Germanistikstudentin, die als Folge eines angekündigten Verrats zusammen mit ihren anarchistischen Freunden aus ihrem selbstverwalteten Bauernhof geworfen wird.

# Es könnte so schön sein ohne die anderen: Aussteiger haben´s schwer hierzulande

# Nicht nur für Zukurzgekommene: Der Segen einer Ersatzmutter

# Das ist ja wohl etwas übertrieben: Trotz allem fühlen wir uns noch nicht als Sklaven

# Fehlgeschlagen: Eine vielversprechende Werbeidee für Wichtigtuer-Airlines

# ein Leben 'ohne' ist nicht mehr vorstellbar: Die gute alte Political Correctness

# Heute wie eh und je: Undank ist der Welt Lohn

# Die Phänomene zwischen 'Freiheit' und 'Individualisierung' behandelt das Projekt Wir-sind-wichtig'




Gehobene Narrenfreiheit
SATIRISCHES DRAMA

Gehobene Narrenfreiheit

Am letzten Tag der Arbeitswoche hat es Direktor Freudenberg gehörig die Laune verhagelt. Ausgerechnet während der Übertragung der Bundestags - Haushaltsdebatte haben zwei von ihm wenig geschätzte Betriebsräte seines Automobilzuliefer-unternehmens ihr Erscheinen in seinem Büro angekündigt, um der Firma eine Ethik-Kommission zu verpassen ...

# Unwillkommene Störenfriede sorgen garantiert für schlechte Direktorenlaune

# Trübe Aussicht für eine Einigung zwischen den unversöhnlichen Streithähnen

# Ein Betriebsunfall sorgt für neue unerwartete Machtkonstellationen

# Der wohlverdiente ideale Feierabend sähe vermutlich ein wenig anders aus

# Der Haushaltsdebatten-Fan Freudenberg sympathisiert mit dem Projekt Wahlzusage




Getrübte Einigkeit
GESELLSCHAFTSSATIRE

Getrübte Einigkeit

Ein Studio im bürgerlichen Hamburger Stadtteil Eilbek `beglückte´ die Hörspielwelt in den 90er Jahren gleich mit einer Trilogie von Stücken über die moderne Gesellschaft. Hat man dabei immer das rechte Maß gefunden, wie man es nach den heutigen Maßgaben der political correctness und den Vorgaben der Gleichstellung erwarten darf ? Zweifel sind angebracht.

# Ein gewagter Schnitt führt zum Zerwürfnis mit einem Kaufhaus-Angestellten

# Der Versuch eines sensationellen Interviews endet in einem journalistischem Fiasko

# Der Hersteller haftet persönlich für seine unbeliebten Erzeugnisse

# Nehmen verhängnisvolle Persönlichkeitsspaltungen tatsächlich zu ?

# Ein vorlauter Außenseiter verhilft zu geteilter Einsicht in der Einkaufspassage

# Mehr Stoff für Beziehungschaoten wartet beim Projekt Wir-sind-wichtig ?



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provokative Hörspiele
provokative Hörspiele
LEO GRELLER & CO

Science-Fiction-Hörspiele
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Hochtrabend und Anmaßend
Essay: Niveau-Drücker
Essay: Viel Lärm um nichts
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Meuchelei im Nachtclub (Teil 1) DRAMA

Meuchelei im Nachtclub
(Teil 1: "In der Warteschlange")

Dem Groupie, das in der Schlange vor dem Nachtclub dem Auftritt des umstrittenen aber für viele auch inspirierenden Provokationskünstlers Leo Greller entgegenfiebert, sind Menschenmassen eigentlich zuwider:

"Viele Leute ohne Engagement dabei, Mitläufer. Im vorliegenden Fall sogar Perverse, wenn man das heute noch so nennen darf. In einer Stadt wie dieser ist nichts wirklich mehr pervers und das ist ja vielleicht auch ganz gut so. Trotzdem kann es wohl nicht schaden, wenn diesem bunten Personenkreis ab und an mal aus berufenem Munde die Leviten gelesen werden. Wenn wenigstens der Versuch unternommen wird, denn die Begleitumstände sind ja nicht wirklich harmlos: Andacht, Strafe, Hass, Auserwähltsein - da muss man allerdings sehr aufpassen, nicht ins Religiöse abzurutschen, was durchaus passieren kann, wenn man sich manche Kostüme von Freaks in dieser Fetischnacht im HichHackClub vor Augen führt. Vergebliche Liebesmüh´ ? Vielleicht. Den Leuten den Spiegel vorhalten, das ist auf jeden Fall zu bejahen. Und eigentlich genau die richtige Aufgabe für jemanden wie Leo. Aber in dieser Nacht ...
Psychisch Labilität muss ja nicht grundsätzlich was Schlechtes sein. In solch einem Zustand erreichen Echtheit und Authentizität doch ganz andere Wertigkeiten. Das muss dann auch nicht unweigerlich dazu führen, dass man an unpassendem Ort seinen Nagellack verschüttet. Apropos `unpassender Ort´ - Es gibt nach meiner Erfahrung nun einmal so etwas wie `magische Orte´ mit einer ganz speziellen Ausstrahlung, wo etwas in der Luft hängt - ob das nun ein Bahnhof in Bad K. ist oder eine miefige Theaterkasse in Wilmersdorf oder ein Nachtclub in `nem ollen Industriegebiet: Die Besonderheit der Umstände kann niemals abschließend analysiert werden - das liegt vermutlich in der Natur der Sache: Es mag ja angehen, dass das Vorhandensein von Kopfkissen, Nagellack oder BND-Mitarbeitern die Devianzprognosen von Kriminologen ungünstig beeinflussen. Aber was will man mit diesem Wissen anfangen ? Theater schließen, Bahnsteige hochklappen, Nachtclubs in Museen umbauen ? Das kann es doch auch nicht sein ! Also, man akzeptiert besser, dass es solche besonderen Orte gibt - ist meine Meinung."

Mit: Debora Weigert, Laurent Daniels, Jenny Bins, Christian Senger und Ades Zabel.



Meuchelei im Nachtclub (Teil 2) DRAMA

Meuchelei im Nachtclub (Teil 2:
"Architektur der Tränen")

Der Mitläufer fand die Nacht im HickHackClub um Längen aufregender als einen Abend vor der Glotze. Obwohl die Mattscheibe natürlich auch immer wieder mal ganz schön grausam sein kann:

"Ich kann mich erinnern: Den Leo Greller hab´ ich ja vor einiger Zeit schon wieder im TV gesehen. Nicht in dieser Talkshow am Alex in Berlin, sondern in einer von den St. Pauli-Landungsbrücken in Hamburg, wo er ja eigentlich herkommt: Also vom NDR. Da wurde er befragt von so `nem Moderatorinnen-Duo: `Ner pummeligen Blonden und `ner drallen Brünetten. Die brünette Moderatorin hatte währenddessen die ganze Zeit gekichert.
Wirklich schräg, Leos Auftritt in dieser grottenschlechten Talkshow im NDR ! Ich glaube, er hatte zeitweise sogar ein paar Tränen in den Augen. Ich hatte zuerst nicht so ganz verstanden, weshalb. Ich meine, dieses Moderatorinnenpaar war natürlich schon gruselig: Aber dass der Greller deshalb mit den Tränen kämpfen musste ... ein Würgereiz wäre da ja vielleicht naheliegender gewesen. Die Kamera hatte gleich weggeblendet, als man es in seinen augen glänzen sehen konnte. Auf seiner Homepage, wo er noch mal auf die Talkshow einging, habe ich dann nachgelesen, dass das an einem gewissen Architekten namens Bagdadi lag, der ebenfalls mit in der Talkrunde saß. Also der, der vom Hamburger Senat immer bevorzugt die großen Bauvorhaben in der Stadt entwerfen darf. Als dann als Einspielung in der Show ein Film lief, wo einige von Bagdadi entworfene `Gebäude´ gezeigt wurden, sei es einfach über Leo gekommen und -das erklärte er auf seiner Homepage- er musste wohl daran denken, wie seine schöne Heimatstadt von einigen Profitgeiern und der Politmafia immer mehr verschandelt wurde in den letzten Jahren. Daher die feuchten Augen. Das nenne ich doch mal ein ehrliches Geständnis, auch wenn ich persönlich `neu´ ja manchmal ganz gut finde: Echt sensibel, der Leo Greller !"

Mit: Debora Weigert, Laurent Daniels, Jenny Bins und Christian Senger.



Meuchelei im Nachtclub (Teil 3) DRAMA

Meuchelei im Nachtclub
(Teil 3: "Verkehrsregeln von Morgen")

Der weibliche Fan, den es zur Show des Provokationskünstlers Leo Greller in den etwas anrüchigen Berliner HickHack-Club verschlagen hat, hält Sexualaufklärung für eine notwendige und außerdem wunderbare Sache - zumal wenn es nicht die eigenen Kinder sind, denen man das Handwerkszeug für eine gelungene Sexualbiografie an die Hand gibt:

"Gerade in Deutschland ist das Wissen um die wichtigsten Regeln im sexuellen Umgang miteinander mindestens genau so wichtig, wie beispielsweise die Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung. Es gibt Vorfahrtsregeln, es gibt Ampeln, die auf rot schalten, Geschwindigkeitsbegrenzungen, recht vor links, natürlich ... und möglichst nüchtern, das Ganze. Und zum Glück freie Fahrt für freie Bürgerinnen und Bürger. Man muss den Liebhaberinnen und Liebhabern von morgen natürlich schon früh vermitteln, wie sie später am geschicktesten verhandeln, um möglichst viel ihrer eigenen körperlichen Bedürfnisse selbstbewusst umsetzen zu können. Unbehindert von kulturell vorgegebenen Hierarchien - ist meine Meinung - sonst kann man sich das Ganze gleich schenken.
Massage ist wunderbar. Es ist vermutlich die moderne Umwelt, die einen immer wieder so verspannt - Arbeit, Beziehungsstress, Freizeit und so weiter. Und wer ein guter Masseur ist - oder eine gute Masseuse - das ist oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Wäre wohl auch zu einfach ! Auf keinen Fall werde ich auf dem HickHack-Club herumhacken. Das tun schon genug Leute; Presse-Schreiberlinge vor allem, die noch nie dort waren, die aber trotzdem `ne Meinung zu der Szene haben. Ich bin zwar keine regelmäßige Besucherin dieses Clubs: Aber ich find´s schon peinlich, was abgeht, wenn irgendwelche berühmten Hollywoodstars ihren neuesten erotisch angehauchten Film in Berlin vorstellen und im HickHack feiern wollen: Dass dann nämlich wegen der Pressefritzen die HickHack-Stammgäste nicht hineingelassen und durch langweilige Models ersetzt werden. Ein schwaches Bild."

Mit: Debora Weigert, Laurent Daniels, Jenny Bins, Christian Senger und Leo Greller.



Meuchelei im Nachtclub (Teil 4) DRAMA

Meuchelei im Nachtclub
(Teil 4: "Tierkunde und Farbenlehre")

Der Flaneur, der als einziger nicht wegen Leo Greller in den Nachtclub gekommen ist, macht sich Gedanken über die Frage, warum es in Deutschland viel mehr bekannte männliche Hasen als prominente scharfe Häsinnen gibt:

"Mümmelmann, Meister Lampe und natürlich alle möglichen Rammler. Die scharfen Häsinnen sind alles Amerikanerinnen. Und in den USA heißen die nicht Hase, sondern Bunny - das ist schön einheitlich ! Aber ich unterhalte mich doch nicht mit meinen Freunden vor dem Nachtclub und sage `hoffentlich sind viele scharfe Bunnies in dem Laden´. Da käme ich mir doch lächerlich vor !
Worauf man sich vielleicht einigen könnte wären Kaninchen: Rosa und weiße. Kaninchen sind geselliger als Hasen. Egal, ob jetzt rosa oder weiß. Aber ich glaub´, die rosa Kaninchen hat alle Hitler gestohlen. Hasen und Kaninchen sind ja dämmerungs- und nachtaktiv, wie man weiß. Insofern stimmt der Vergleich. Wo er dann wieder hinkt, ist das Ding mit der Fruchtbarkeit: Die ist bei Hasen und Kaninchen ja sehr hoch, aber bei den Hickhackern ... ? Naja, will man´s wissen ?
Hierzulande hat es die westliche Moderne ja mit dem Grundgesetz zu tun - auch in Berlin: Viele mehr oder weniger gut gemeinte Artikel, die uns Westler schützen sollen: Vor anderen und vor uns selbst. Und bei den Artikeln im Grundgesetz stoßen wir ebenfalls wieder auf rosa und auf weiße Kaninchen, die nicht wirklich gut zusammenpassen: Da haben wir in weiß: Artikel 6, Absatz 1 über Ehe und Familie: ' Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.' - Schön für die Mamis und Papis in Stegliz - da können die nachts ruhig schlafen ... Aber in rosa haben wir dann auch noch Artikel 2, Absatz 1 über die persönlichen Freiheitsrechte: 'Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.' - Die vertragen sich nicht besonders gut, rosa und weiße Artikel - das ist kein Geheimnis. Wäre vielleicht doch einfacher, wenn alle `Bunnies´ wären."

Mit: Debora Weigert, Laurent Daniels, Jenny Bins, Christian Senger, Leo Greller und Ades Zabel.




Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 1) MEDIENSATIRE

Gut gebrüllt, Leo !
(Teil 1: "Ungewaschener Liedermacher")

Von den Schwierigkeiten im Umgang mit dem komplizierten Liedermacher Leo Greller weiß sein langjähriger Manager Ludo Kamberlein zu berichten:

"Als ich Leo mal nach einer durchzechten Nacht im Treppenhaus vor seiner Wohnung antraf pflaumte er mich an, ich hätte seine Trunkenheit ausgenutzt und mir meinen Managerjob auf hinterhältige Weise erschlichen. Für die Nachbarn, die zufällig im Hausflur waren, muss das ´n merkwürdiger Anblick gewesen sein: Ein unrasierter, verkaterter 30jähriger, der sich kaum auf den Beinen halten kann, das ganze Haus zusammenbrüllt und ich - ich kann schließlich nicht rumlaufen, wie der letzte Penner. Und er steht im offenen Morgenmantel rum und sein ... naja. `Begabter Chaot braucht dringend Hilfe !´, dachte ich mir da. Ich musste ihn nur dazu bringen, dass auch er das kapiert, seinen blöden Stolz überwindet und meine Hilfe annimmt. Das sollte doch irgendwie zu schaffen sein. Allerdings habe ich mich damals selbst noch mehr als aufstrebenden Musikmanager begriffen und weniger als Hilfspsychologe für von Selbstzweifeln hin- und hergerissene lokale Szenegrößen, die sich noch dazu nicht vorteilhaft anzuziehen wissen.
Damals im Treppenhaus hat sich Leo jedenfalls ordentlich in Rage geredet ! Da hatte sich offenbar einiges an Frust angestaut. Ich dachte: `Irgendwann muss er ja mal wieder auf den Teppich kommen !´ - Aber er brüllte immer weiter, dass `... ich mir meine Hilfe sonstwohin stecken kann´ und er prima allein zurechtkommt. Und dass er es den ganzen Kunstbanausen schon zeigen wird - Auch wenn sich die halbe Stadt gegen ihn verschworen hat ! Ganz besonders war er ja von den Studenten enttäuscht. Auf deren Unterstützung hätte sich die Hamburger Musikszene immer verlassen können. Aber das wär ja leider auch nicht mehr der Fall- Leo machte für alles, was er ungerecht fand, die deutsche Einheit verantwortlich. So´n Quatsch ! Ein paar Minuten später hat er´s auch selbst gemerkt. Da tauchte nämlich ein geschniegelter Inkasso-Eintreiber im Treppenhaus auf und hielt ihm ´nen Schuldschein von 300 Mark vor die Nase plus fast derselben Summe an Bearbeitungsgebühr. Da wurde unser Märtyrer natürlich ganz schön blass - Peinlich ! Eben hatte er noch große Sprüche geklopft, dass er´s mit allen aufnehmen würde und auf einmal steht er plötzlich hilflos da ! Aber mir hat´s geholfen und ich war damals ja zum Glück noch recht bescheiden."

Mit: Thor W. Müller, Thomas Wlaschiha, Uta V. Kohlenbrenner und Nina Ernst.



Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 2) MEDIENSATIRE

Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 2: "Party zu zweit")

Wie verklemmt und unprofessionell sich Leo Greller im Umgang mit den Vertretern der Presse oft gibt, weiß wiederum sein Manager Ludo Kamberlein zu berichten:

"Diese Geschichte mit der Kolumnistin aus Winterhude zum Beispiel: Wahrscheinlich wäre so ziemlich jeder andere aufstrebende Popsänger in Deutschland dankbar ohne Ende, wenn die Ober-Klatschtante der größten Boulevardzeitung ihn zu einer Party in ihre Villa einladen würde - Zugegeben: Die Party war arrangiert - Ich bin eben geschäftstüchtig. Ist ja schließlich mein Job ! Es handelte sich also um eine 2-Personen-Veranstaltung. Ich dachte mir: Wenn ein aufstrebender Popsänger so ´ne Chance bekommt, dann würde er sie auch nutzen. Aber ich hatte nicht mit Leo´s Prinzipien gerechnet: Nachdem, was ich später von der Dame gehört habe, hat er sie als Gast n ihrem Haus darüber belehrt, dass er und seine Musik nicht korrumpierbar sind; und dass für ihn die Mitschuld des Verlages, für den sie arbeitet, am Tod von Rudi Dutschke noch längst nicht verjährt ist; und dass er sich außerdem total auf die angekündigte `Seemann, Ohé !´-Party gefreut hatte, wobei für so eine Art Party mindestens ein Dutzend Leute nötig wäre.
Am nächsten Tag berichtete er mir von diesem Rendez-Vous und betonte noch stolz seine Standhaftigkeit gegenüber der Dame. Er wollte einfach nicht kapieren, dass sie vielleicht nicht mehr so ganz jung, aber dafür immerhin umso einflussreicher war. Als er gerade richtig in Fahrt kam, erhielt ich von meinem Anwalt telefonisch eine Nachricht: Frau Reifenstein-Herbig drohte, Leo wegen Beischlafdiebstahls anzuzeigen. Sie wollte binnen 24 Stunden die Original-Hans-Albers-Matrosenmütze -eine Filmrequisite aus 'Reeperbahn bei Nacht'- aus ihrem Schlafzimmer von Leo zurückhaben Leo behauptete steif und fest, diese Mütze aus dem Entreé der Villa stibitzt zu haben - aber das machte die Sache auch nicht viel besser. Er brummelte nur, dass er sich das Stück als Entschädigung verdient hatte. Wofür, würde mich nichts angehen ... Ich konnte ihn dann nach viel Überzeugungsarbeit noch zur rechtzeitigen Rückgabe überreden. Es war, als hätte ich einem kleinen Jungen ein Geschenk, das er versehentlich anstelle eines anderen Kindes bekommen hatte, wieder wegnehmen müssen. Er konnte auf Opfer machen. Eine seiner Lieblingsrollen. Wenn Leo einen auf `moralisch´ macht, wird´s meistens anstrengend - aber so ist nun mal das Showbiz: Da macht man einfach ein paar Dinge, wenn man weiterkommen will und fragt nicht jedesmal großartig, ob das nun OK für einen ist."

Mit: Uta V. Kohlenbrenner, Kerstin Faude, Eugen Faude, Nina ernst, Tom Wlaschiha und Thor W. Müller.



Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 3) MEDIENSATIRE

Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 3: "Unter Wasser")

Wahnsinnig wütend und nachtragend reagierte der Liedermacher als sein Manager Ludwig 'Ludo' Kamberlein ihn etwas näher mit einer Dame aus der Hamburger High Society bekannt machen wollte. Leos Freund und Mitstreiter hierzu:

„In seiner ganz eigenen Art, andere für Fehler abzustrafen, meinte Leo zu mir: Wenn ich ihm schon ohne ihn zu fragen Rendez-Vous arrangieren würde, könnte ich ihm ja eigentlich auch gleich eine Ehefrau vermitteln, wie das in manchen 'südlichen' Ländern üblich sei. Diese Idee fand er sogar so originell, dass er damit in einer Talkshow hausieren ging. Nach einigen Wochen wurde es ihm zwar langweilig damit, aber die Presse schlug trotzdem zu: Die Fanzines und die Webzines machten sich über ihn und damit indirekt auch über meine Arbeit lustig. Das war die Strafe für meine Kuppelei mit der Boulevardtante - Leo´s Art, sich für etwas zu rächen. Er schneidet sich dabei finanziell mindestens genauso ins eigene Fleisch, das sollte er eigentlich wissen. Das spielt für einen Menschen mit seinem Temperament aber leider keine Rolle.
Zu Leo´s Gunsten muss ich zugeben, dass er hin und wieder auch ohne was verbockt zu haben zu ´ner schlechten Presse kommt - Vor kurzem wurde in Fankreisen gezielt das Gerücht gestreut, sein Vater wär ein hohes Tier in der Hamburger CDU. Ich nehm´ mal an, das kam von neidischen Kollegen. Solche schlimmen Verleumndungen können einem PR-technisch ganz schnell das Genick brechen, wenn man nicht höllisch aufpasst. Zum Glück hatte in diesem Fall die Gegenseite schlampig recherchiert. Deshalb konnte Leo auf seiner Homepage zu seiner Ehrenrettung offiziell die Erklärung abgeben, dass sein Vater weder noch am Leben sei, noch jemals dieser `Partei´ nahegestanden habe. Sicherheitshalber fügten wir noch hinzu, dass dies verbindlich auch für ihn selber und möglicherweise noch zu zeugende Nachkommen gilt. Das hat seine Fans zum Glück beruhigt."

Mit: Tom Wlaschiha, Thor W. Müller, Leo Greller und Nina Ernst.



Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 4) MEDIENSATIRE

Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 4:
"Desaströse Party für zwei Personen")

Die Hamburger Klatschkolumnistin Ursula Reifenstein-Herbig lernte Leo Greller dem Vernehmen nach vor einiger Zeit kennen und war wenig begeistert:

„Ich wurde gefragt, ob ich mich mit dem jungen Musiker einmal zu einem Gespräch treffen wolle. Immerhin: Einige größere Stadtzeitungen hatten schon kleinere Artikel über ihn gebracht. Ich will damit sagen, ich war nicht abgeneigt gegen einen kleinen Austausch. Das ist noch gar nicht so lange her. Ich hatte für den Abend noch drei, vier Freunde aus Kunstkreisen eingeladen zu einem Kerzenlicht-Souper. Ich stelle solche Treffen immer gerne unter ein bestimmtes Motto. Das wird in der Regel von meinen Gästen dankbar angenommen. Diesmal war´s `Seemann Ohé´. Ich hatte dafür auch ein wenig dekoriert. Ein gewisser Herr Herr Kamberlein hatte durch Indiskretionen von meiner kleinen Veranstaltung erfahren, und mir vorgeschlagen, seinen Protegé Herrn Greller gleich miteinzuladen. Stilbewussten Männern wie ihm kann ich einfach nichts abschlagen. Als ich ihm dann einen Tag vor dem Souper absagen wollte, weil eine der Eingeladenen, eine liebe Freundin, überraschend an einer Darmgrippe erkrankt war und meine Gäste das Treffen um eine Woche verschieben wollten, hatte ich die Idee, dass der Herr Greller mich doch auch alleine in Winterhude aufsuchen könnte. Schließlich hatte ich ja schon Vorbereitungen für den anvisierten Abend getroffen. Herr Kamberlein hielt das auch für eine gute Idee. Aber Herr Greller wohl nicht.
Leider schien er sich mit mir alleine in meinem Haus etwas überfordert zu fühlen. Er benahm sich mir gegenüber unbeholfen, fast ein wenig ungehobelt, nachdem er festgestellt hatte, dass er den Abend mit mir alleine verbringen würde. Sein Agent kam wohl nicht mehr rechtzeitig dazu, ihn von dieser Änderung in meinem Tagesplan zu unterrichten. Dass dieser Abend ein wenig unvorteilhaft ausklang, obwohl ich mich durchaus auf den jungen Mann einzustellen versuchte, schrieb ich damals dem Fehlen einer gemeinsamen Sprache sowie seiner Sozialisation zu - Das Elternhaus ... . Wenn ich seinem Agenten einen Rat zu erteilen hätte, würde ich ihm empfehlen, hieran noch etwas zu feilen."

Mit: Branka Hanisch, Nina Ernst und Leo Greller.



Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 5) MEDIENSATIRE

Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 5:
"Zwischen Scheckbetrügern und Polzisten")

Leos Freundin Manuela war früher mit einem Mann zusammen, der sicher nicht halb so sensibel und einfühlsam war, wie der Liedermacher aus Hamburg:

„Bevor ich Leo traf, ging ich mit ´nem Scheckbetrüger. Das hört sich sehr verboten an, aber während es lief, lebte es sich eigentlich ziemlich unspektakulär mit Holger. Ich meine, ich wußte ja bis kurz vor Schluß gar nicht genau, was er eigentlich machte, beruflich. Ich dachte immer, er ist selbständig. Und auch, wie ich ihn kennengelernt hatte: Das war überhaupt nicht anrüchig. Das war auf ´ner Party und wir waren beide irgendwie nur Mitgeschleppte. Und da hatte sich das einfach so ergeben. Ich meine: Er sah´ prima aus, war eigentlich ständig gut bei Kasse und hatte einfach ein tolles Auftreten. Es lief ´ne ganze Weile und es gefiel mir. Bis er dann eines Tages aufflog. Das kam bei ihm wohl öfter vor; Aber ich machte das nur einmal mit - Ich meine: Wenn da am Sonntag Abend plötzlich die Kripo bei Dir im Wohnzimmer steht und Du hast gerade das Letzte an ... ! Holger nicht - Holger war immer gut angezogen, egal was er machte. Auch als sie ihn abgeholt haben. Würd´ mich direkt interessieren, vor welcher Schwester er im Moment gerade den Mann von Welt macht. Wenn er inzwischen wieder raus ist aus dem Bau.
Ich hab´ mir ja damals nach Holger gedacht: `Nee, Nicole. Das passiert Dir nicht noch mal ! Das ist doch kein Leben, wenn alles mehr oder weniger geklaut ist und der Typ der ganzen Welt und Dir selber vorspielt, er sei Wunder was und Du denkst, Du damit dann auch irgendwie - Aber es stellt sich raus: Von wegen ! Das ist doch wirklich mehr als bescheiden - Tiefer darfst Du jetzt nicht mehr sinken !´ Als ich mich dann über Holger hinwegtrösten wollte, lernte ich Leo kennen. Ich saß halt eines Abends mit ´ner Freundin in ´ner Bar in der Silbersackstraße. Wir guckten den ganzen Abend Männer. Ich erinnere mich noch, dass ich mir fest vorgenommen hatte, mich nach Holger nicht beim nächsten Kerl auch gleich wieder von Äußerlichkeiten blenden zu lassen. "

Mit: Nina Ernst, Tom Wlashiha und Leo Greller.



Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 6) MEDIENSATIRE

Gut gebrüllt, Leo !
(Teil 6: "Wenig Familientaugliches dabei")

Ein interessantes Licht auf die jugendlichen Irrungen und Wirrungen des unkonventionellen Künstlers Leo Greller weiß dessen Schwester mit ihren Anekdoten aus früheren Jahren zu werfen:

„Rückblickend waren das wohl tatsächlich nicht bloß pubertäre Jungenphantasien, die er da immer wieder über mich verzapfte. Er war wirklich kreativ dabei, auch wenn er mir damit oft ziemlich auf die Nerven ging. Ein paar Texte aus der Zeit hat er mir neulich mal zum Lesen gegeben - Harmlos aus heutiger Sicht. Ich denke, er hatte damals einfach kein anderes Ventil für den Künstler in ihm, denn was er schrieb, war alles reine Theorie. Bei den Mädchen in Heide war er nämlich nicht gerade besonders beliebt. Ich glaube, bevor er 19 war, hatte er gar keine Freundin. Er war einfach zu ausgeflippt für diese kleine Stadt, hatte kaum Freunde und hing, wenn überhaupt, nur mit Außenseitertypen rum. Deshalb ist die Anerkennung durch andere inzwischen vielleicht so wichtig für ihn geworden: Er braucht die Aufmerksamkeit der Leute. Ich würde sagen, sein Publikum ist jetzt seine Familie, um die er sich mit seinen Liedern kümmert.
Ab und zu -vielleicht alle halbe Jahr- besuchen wir Klemens in Hamburg. Mein Kevin und ich, er wird zwölf in zwei Wochen. Er ist auch Löwe, wie Klemens. Da hört´s dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten auf, wenn ich ihn mit meinem Bruder vergleiche als der ungefähr in Kevins Alter war. Mein Kleiner ist zum Glück eher ein normaler Junge, kommt ganz nach dem Vater. Jan fährt meist nicht mit nach Hamburg; Ist ihm zu viel Gewusel da in der Stadt und zu eng irgendwie mit den vollen Straßen immer. Naja, ich fahr gerne auch alleine mit Kevin nach St. Pauli seinen Onkel besuchen. Die Fahrt dauert ungefähr ´ne Stunde, manchmal ´n bißchen länger. Da können wir uns im Autoradio immer noch Klemens neueste CD als Leo Greller anhören. Die schenkt er Kevin regelmäßig zum Geburtstag. Nicht, daß der Kleine viel damit anfangen könnte ... . Ist ja selten was drauf, wo auch Kinder gut mitsingen können. Ich glaub´ sogar, daß er sich ein bißchen geniert hat für seinen Onkel, als eine Schulkameradin das mal spitz gekriegt und rumerzählt hatte mit seinem prominenten Onkel. Unser Kevin ist halt eher ein Schüchterner. Aber ein lieber Junge. Hört sich auch immer ganz brav die neueste Greller-CD im Auto an, wenn wir wieder mal nach Hamburg fahren. Damit er und seine Mutter Bescheid wissen, wenn der Onkel Anspielungen auf seine neuesten Lieder bringt."

Mit: Kerstin Faude und Branka Hanisch.



Vom Verlust des Besonderen (Teil 1) FEATURE

Verlust des Besonderen
(Teil 1: "Vom besonderen Wesen")

Als im Herbst 1998 die gerade gewählte rot-grüne Bundesregierung ihre Arbeit aufnahm, widmete sie sich umgehend einem innenpolitischen Thema: Der rechtlichen Emanzipation homosexueller Lebensgemeinschaften. Das Für und Wider der sogenannten `Homo´-Ehe stand über Monate auf der politischen Agenda. Für den kleinen Anteil an heiratswilligen Paaren bei Deutschlands Schwulen und Lesben sollte sich rechtlich einiges ändern.

Moderne Gesellschaften, wie die der Bundesrepublik, tendieren dazu, Minderheiten und Randgruppen verstärkt integrieren zu wollen. So findet in den Lebenswelten schwuler Männer, die mit jenen lesbischer Frauen schwer zu vergleichen sind, seit einiger Zeit ein beschleunigter Normalisierungsprozess statt. In dessen Verlauf zeigt sich immer deutlicher, worin wirkliche Wesensunterschiede zu heterosexuellen Männern liegen; Es wird erkennbar, wo Gegensätze bisher überbetont oder gar konstruiert wurden; Und es tritt offen zu Tage, wo vermeintlich schwule Eigenschaften lediglich aufgrund der Benachteiligung homosexueller Männer in vielen Lebensbereichen entstanden.
Wenn ein Mann sich als `schwul´ bezeichnet, dann wird in der Regel davon ausgegangen, dass diese Eigenschaft neben seiner Sexualität auch sein Sozialleben beeinflusst. Häufig werden zudem weitergehende Rückschlüsse -berechtigt oder nicht- in bezug auf seine Gesundheit, seinen Geldbeutel, seine Mobilität oder seine körperliche Erscheinung angestellt. Natürlich gibt es `den´ Schwulen ebenso wenig wie `den´ Teetrinker oder `den´ Spanien-Urlauber und selbstverständlich sind Männer neben ihrer sexuellen Orientierung auch noch von anderen Eigenschaften geprägt - Das Schwulsein scheint sich für die verbleibenden Lebensbereiche jedoch als besonders folgenreich zu erweisen. Sind schwule Männer wirklich anders ? Teilen sie außer ihrer sexuellen Orientierung noch andere Besonderheiten miteinander, die sie von heterosexuellen Männern unterscheiden ? Es existiert keine schwule Identität, kein speziell schwules Wesen. Dafür sind homosexuelle Männer untereinander zu unterschiedlich, wie auch die heterosexuellen.

Mit: Thor W. Müller, Tom Wlaschiha, Frieder Hentzelt, Jochen Hick, Gloria Viagra und Dr. Michael Bochow.



Vom Verlust des Besonderen (Teil 2) FEATURE

Verlust des Besonderen
(Teil 2: "Modeinteressiert und markenbewusst")

Schon seit einigen Jahren hat die Wirtschaft homosexuelle Männer als potentiell kaufkräftige Konsumenten entdeckt, derem `wir´-Gefühl es zu schmeicheln gilt. `Die Schwulen´ sind politisch noch immer nicht mitten in der Gesellschaft angekommen, aber die Wirtschaft ist bereits dabei, sie tatkräftig zu umwerben. Der an schwulen Männern interessierte Teil der Wirtschaft macht sich gängige Stereotype zunutze, wie `der Homosexuelle ist modeinteressiert, markenbewusst und -am wichtigsten- meist gut bei Kasse, da er ja kein Geld in das Großziehen von Kindern investieren muss beziehungsweise darf.´

Die meisten linken Kräfte, so sie sich denn selber noch so einordnen, versuchen sich mangels Alternative inzwischen mit der kapitalistischen Marktwirtschaft zu arrangieren. So hat sich für die Umweltschützer z.B. die ökologische Landwirtschaft etabliert, die Alt-68er haben es sich im Bundeskanzleramt und auf den Regierungsbänken gemütlich gemacht. Und ehemals bewegte schwule Männer ? Haben sie sich inzwischen mit der Erkenntnis angefreundet, dass Kapitalismus und Homosexualität sehr gut miteinander vereinbar sind ? Nur wenige politische Schwule bedauern den Abschied vom revolutionären und subversiven Potential, das Homosexualität in den 70er und frühen 80er Jahren häufig von linksradikaler Seite attestiert wurde. Damals sahen manche Marxisten schwule Männer durch die unterstellte bürgerliche Unterdrückung in einer entfremdeten Lebenssituation gefangen, die es zu bekämpfen galt. Heute scheint diese Sicht der Dinge nicht mehr zeitgemäß: Inzwischen regieren Bürgermeister, deren first `Lady´ ein Mann ist, die beiden größten Städte der Bundesrepublik und tun offen schwule Männer Dienst in der Bundeswehr. Subversion als Mittel, gegen gesellschaftliche Verhältnisse anzukämpfen, hat scheinbar ausgedient.
Bleiben die Tunten - Männer, die Klischees über Schwule durch Übersteigerungen karikieren. Die Fähigkeit, sich Freiräume zu erobern, in denen so etwas wie Narrenfreiheit in puncto Verhalten herrscht, wurde seit jeher von tuntigen Schwulen kultiviert. Wenn es darum geht, gängige Normen und Werte durch Persiflierung zu hinterfragen, dann sind es vor allem sie, die immer wieder Anstoß dazu geben, gängige Frauen- und Männerbilder zu hinterfragen.




Vom Verlust des Besonderen (Teil 3) FEATURE

Verlust des Besonderen
(Teil 3: "Die große Annäherung")

Die heterosexuelle Mehrheit gleicht sich in ihrem Verhalten der homosexuellen Minorität immer weiter an: Soziologen sprechen neuerdings gar von einer `Homosexualisierung´ allgemeiner Lebensstile. Damit ist die Übernahme von Verhaltensweisen gemeint, die früher hauptsächlich schwulen Männern, weniger lesbischen Frauen und vielleicht noch einigen heterosexuellen Dandys zugeschrieben wurden: Man lebt mehr oder weniger freiwillig alleine, hat keine Kinder, unterhält nur noch wenige Bindungen an die Familie und verwirklicht sich selbst.

Wo es vor einigen Jahrzehnten für die Gesellschaft noch nicht von Belang war, ob 3 % der Bevölkerung -Schwule und Lesben- keine oder nur selten Kinder hatten, so ist für die Bundesrepublik mittlerweile die de- facto-Übernahme des homosexuellen Lebensstils durch immer breitere Bevölkerungskreise zu einem großen Problem geworden. Die demographische Entwicklung verdeutlicht, dass der unausgesprochene alte Pakt nicht mehr gilt, der Schwule und Lesben aus der Mitte der Gesellschaft verbannte, in der dann aber - heterosexuell organisiert - auch für ausreichend Nachwuchs gesorgt wurde.
Noch wird Schwulen und Lesben ihre überwiegende Kinderlosigkeit politisch nicht zum Vorwurf gemacht. Dies wäre, wo sie in Adoptionsrecht und künstlicher Befruchtung nach wie vor diskriminiert werden, auch nicht redlich. Zudem ist nicht ausgemacht, ob eine vergreiste Gesellschaft zwangsläufig auch eine unglückliche Gesellschaft sein muss. Hierüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen und es ist auch nicht auszuschließen, dass maßgebliche politische Akteure, auf die sich homosexuelle Frauen und Männer in den letzten Jahrzehnten verlassen konnten, angesichts sich rasch verändernder gesellschaftlicher Veränderungen nicht noch rasch ihre Loyalitäten ändern. Daher ist es vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis die political correctness in der Kinderfrage aufgegeben und homosexuellen Männern wie Frauen ihr einziges biologisches Manko zum Vorwurf gemacht werden wird




Vom Verlust des Besonderen (Teil 4) FEATURE

Verlust des Besonderen
(Teil 4: "Das Virus und die Industrie")

Auch zu Beginn des neuen Jahrtausends hat die Krankheit Aids kaum etwas von ihrem Schrecken eingebüßt. Die Lebensqualität vieler Infizierter und Kranker konnte durch Erfolge in der medizinischen Forschung zwar um einiges verbessert werden - AIDS ist jedoch nach wie vor eine tödlich verlaufende Krankheit. Man glaubt es kaum, liest man in schwulen Stadtmagazinen die ganzseitigen Hochglanzanzeigen der Pharmafirmen; Man soll es vermutlich auch nicht glauben, weil eben diese Anzeigen suggerieren, eine HIV-Infektion sei eigentlich gar nicht so schlimm, könne das Leben unter Umständen sogar bereichern.

Angesichts solcher Verharmlosungen scheint es nicht verwunderlich, wenn in den selben Zeitschriften, in denen die Pharma-Riesen für Ihre Pillen werben, schwule Pornofilme lanciert werden, in denen die Darsteller auf Safer sex verzichten, sogenanntes `barebacking´ betreiben. Viele Hersteller derartiger Produkte argumentieren damit, dass der Anblick von Kondomen die Zuschauer stören würde. Der Psychologe Frieder Hentzelt vermutet hingegen, dass durch das Ignorieren der Infektionsgefahr contra-phobische Bedürfnisse der Konsumenten befriedigt werden sollen.
Dieses Beispiel offenbart eine besonders zynische Seite des Kapitalismus: Die Moral ist im Hinblick auf die Gesundheit vieler Menschen in der modernen Gesellschaft auch bei homosexuellen Männern längst individualisiert worden: Jeder trägt für sich selber die Verantwortung - Unwissenheit, Verdrängung oder Unreife gelten nicht als Ausrede. In den Massenmedien wird AIDS inzwischen immer seltener thematisiert. Filmemacher Jochen Hick ('Ich kenn' keinen', 'No one sleeps') setzt die Krankheit mittlerweile ebenfalls eher als Spannungselement in seinen Geschichten ein. Dennoch sieht er die Filmthematik `HIV´ auf absehbare Zeit nicht als erledigt an.




Vom Verlust des Besonderen (Teil 5) FEATURE

Verlust des Besonderen
(Teil 5: "Toleranz unter Außenseitern")

Über sehr lange Zeit hinweg wurden homosexuelle Männer in Deutschland unterdrückt. Ihr Außenseitertum kompensierten sie dabei häufig durch übersteigerte Selbstinszenierung. Schon Dannecker und Reiche betitelten 1974 ein Kapitel ihrer bekannten Studie über den `gewöhnlichen Homosexuellen´ mit der Feststellung `Aber teuer muss es sein`. Unter Journalisten wurde es ebenfalls zur liebgewonnenen Gewohnheit, Schwule als besonders wohlsituiert und gebildet zu verklären.

Doch ganz so rosarot sieht ihre Welt auch heute noch nicht aus - Homosexuelle Männer behaupten sich zu einem großen Teil in verschiedenen Dienstleistungsbereichen, sind daher allenfalls der Mittelschicht zuzurechnen. Und wie es selbstverständlich erfolgreiche und kreativ tätige Schwule gibt, existiert eben so eine Unterschicht bei Männern, die auf Männer stehen. Schwules Bodystyling und schwule Mode haben in den letzten zehn Jahen einen enormen Testosteronschub erfahren. Gestern haben Heterosexuelle Homosexuelle diskriminiert. Heute grenzen sich hedonistische Normalos und Schwule gemeinsam gegenüber Modeverweigerern und sozial schwächeren ab. Es wird deutlich, dass auch homosexuelle Männer sich untereinander häufig weniger tolerant verhalten als es von Angehörigen derselben Randgruppe anzunehmen wäre.
In einem Internet-Diskussionsforum für Schwule wurde kürzlich die Frage erörtert, ob die Reaktion der Veranstalter einer schwulen Party gegenüber einer Transgender-Frau korrekt war, die an dieser Veranstaltung teilnehmen wollte, jedoch von den Partymachern abgewiesen wurde. Es wurde kolportiert, dass die Veranstalter befürchteten, die Anwesenheit einer biologischen Frau, die sich als Mann fühlt -als schwuler Mann- könne bei den übrigen Teilnehmern der Party zu einer Ernüchterung führen. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass es mitunter auch Angehörigen von Minderheiten schwer fällt, mit Exoten in den eigenen Reihen auf die sensibilisierte Weise umzugehen, die sie selber von der Mehrheitsgesellschaft einfordern. Von einem einheitlichen Bild, dass schwule Männer sich in Sachen Einkommen, Bildung oder auch Toleranz von der heterosexuellen Bevölkerung abheben, kann also keine Rede sein.