DARK WAVE

Das musikalische Umfeld um 1987

Mit den Smith-Brüdern von Click Click und insbesondere ihrem Schocker `Sweet Stuff´ keimte 1987 Hoffnung auf, auch in Europa könnte künftig ähnlich drastische Dark-Wave-Musik entstehen, wie man sie seit einigen Jahren bereits aus Nordamerika kannte. Adrian Smiths markanter Gesang hatte tatsächlich das Zeug dazu, aber die Nachfolgewerke enttäuschten leider in musikalischer Hinsicht, die bis auf vielleicht noch den Song `Rotor Babe´ wenig Abwechslung von Click Clicks Ursprungssound bot. Ein ähnliches One-Hit-Wonder-Phänomen gab es mit W.M.T.I.D. zu vermelden, die mit `Sidewinder´ aufhorchen ließen, aber ansonsten lediglich besseren Elektropop ablieferten, der sich zudem mit `Go big Red´ dem damaligen Glasnost- bzw. Perestroika-Hype anzudienen versuchte.
Die belgische Gruppe à;GRUMH... hatte ihre überzeugendsten Erfolge um `New Fashion´ und `Drama in the Subway´ gerade frisch hinter sich als es im Hamburger Elektronensynchroton langsam anfing, zu lärmen. Sie setzten allerdings mit der verhinderten Stadienhymne `M.D.A.´ 1987 und dem vollkommen unterschätzten `Loco Loco´ 1988 noch einmal nach und inspirierten insbesondere mit ihren rauhen Sequencer-Basslines. Es ist außerdem nicht auszuschließen, dass das à;GRUMH...-Parallelprojekt nEGAPADRES.3.3. vom Stil seiner Namensgebung her die Vorläufergruppe von Abortive Gasp beeinflusste, die 1987 unter dem Namen Sakea Inkunabula firmierte.
Zu den slowenischen Kunstrockern von Borghesia hatten Abortive Gasp ein besonderes Verhältnis, seit sie in Hamburg am 19.12.1989 deren Vorprogramm in der Altonaer Szenedisco KIR bestritten. Im Dezember 1989 gaben `Abortive Gasp´ dort den Support Act der (damals noch) jugoslawischen Kunstrocker von `Borghesia´ aus dem Dunstkreis der legendären Gruppe `Laibach´. Die musikalische zur Einläutung des anstehenden Dekadenwechsels war Abortive Gasps letzter durchschlagender Erfolg (Hamburger Morgenpost: `Mit der Faust voran ins kir´). Danach verließ Lühr die Truppe, die sich danach in `the Checkmates´ umbenannten. Dass es sich bei Borghesia um explizit homophile Art Waver handelte spielte damals dem Vernehmen nach keine Rolle. Zu hören waren an dem Abend auch ihre wenigen aber dafür umso einprägsameren Hits `Ni upanja, ni strahu´ (`No hope, no fear´) und `Naked Uniformed Dead´.