der HöRSPIELer - erfindet sich wieder einmal neu

Kampf um staatsnahe Hörspiel-Moneten
'Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf', mahnte bereits Angela Merkel. Oder war´s doch Mutter Theresa ? Über Verteilungsprobleme beim Königsmedium.

Schlagzeilen zum Chaoten Leo Greller
Von allen mittelmäßigen Hörspielseiten haben wir den heißesten Draht zum bigotten und chronisch unzufriedenen Liedermacher aus dem Norden.

Das lange Leben der Hörspielserien
Ob Science Fiction, Krimis, Grusel oder Skurriles: Mehrteiler bleiben uns meist länger im Gedächtnis. Ob zu recht oder nicht, kann man nicht immer klar sagen.

Das gesellschaftspolitische Hörspiel ist tot
... aber sowas von ! Auf erhobene Zeigefinger und moralinsaure Agitation hochbezahlter wie humorloser Weltverbesserer hat kaum noch jemand Lust.

der HöRSPIELer - Informationen über das Königsmedium



Stiftungs-Kuratorin Sonja Schmidt-Peters
SATIRE

Kampf um Hörspiel-Moneten

Sonja Schmidt-Peters von der staatsnahen Stiftung `m21´ hat eine schwierige Wahl zu treffen, denn es gibt gleich vier Bewerber um ihre Fördergelder - natürlich nur in dieser Hörspiel-Satire. Dennoch geben sich die Kandidaten alle Mühe mit ihrer Selbstdarstellung, um sich von den Mitbewerbern abzugrenzen. Am Ende siegt die political correctness.

Duisburg im Zentrum der Gewalt

Bewerber für die Initiative `Gewalt geht immer - violare humanum est´ ist Albrecht Opaschowsky aus Duisburg. Bei dieser Kombination ist man schnell versucht, einen bekannten Fernsehkommissar aus den Achtzigern mit ihm zu assoziieren, aber damit liegt man vollständig falsch: Opaschowsky ist kein telegener schnurrbärtiger Haudrauf-Typ, sondern ein nüchterner Interessenvertreter von Gewalttätern und Gewaltopfern. Zwischen ihnen will seine zivilgesellschaftliche Initiative einen fairen Ausgleich schaffen helfen. Offenbar ist sie dabei seit einigen Jahren auf einem guten Weg.

Albrecht OpaschowskyOpaschowsky vertritt die Ansicht, dass `eine Mehrzahl von gefährlichen Schlägern sich bei genauerem Hinsehen lediglich als etwas zu groß geratene Jungs entpuppt´ und kritisiert, dass gerade jungen Tätern ein förmliches Strafverfahren oft mehr schadet als nutzt. Ebenso beklagt er den leider recht hartnäckigen Trend, dass immer mehr Bürger das bewährte täterorientierte Rechtssystem offenbar nicht mehr ausreichend zu schätzen wissen und Veränderungen anmahnen.

Bei einem delikaten Thema, wie der Gewaltkriminalität, stellt sich natürlich die Frage, ob jemand wie Albrecht Opaschowsky eventuell selber einen persönlichen Bezug zu der Initiative hat, die er vertritt. Wurde er als Kind vermöbelt ? War sein Vater Tischler ? Hat er selber geprügelt ? Diese Fragen verneint er allesamt, beziehungsweise relativiert: `Ich hab mich nicht mehr gekloppt als andere gesunde Jungs in Duisburg.´ Herr Opaschowsky hat sich weder als Gewalttäter noch als Gewaltopfer profiliert. Wobei festgehalten werden sollte, dass der Sprecher der Initiative `Gewalt-geht-immer´ ebenso gut in jeder anderen Stadt neben Duisburg beheimatet sein könnte. Duisburg ist keinesfalls das Zentrum der Gewaltkriminalität in der Bundesrepublik und strebt diesen Status auch nicht an.

Immer feste auf auf die Schnauze

Albrecht Opaschowsky boxt im Rahmen von Anti-Aggressions-Trainings seit langem mit jungen Straf- und Intensivtätern. Er und andere helfen den jungen Männern, ihre Techniken zu verfeinern. Diese dürfen sie dann selbstverständlich im wirklichen Leben nicht anwenden. Das tun sie idealerweise später auch nicht. Dennoch: Mit etwas anderem als Gewalt kann man realistischerweise junge Menschen, die nichts anderes kennen als Gewalt, auch nicht erreichen. Im Gegenteil: Mit weltfremden Anschauungsunterricht über Frieden und Nächstenliebe würde man die nur noch zusätzlich durch einen Kulturschock traumatisieren. Die Bergpredigt versteht nun einmal nicht jeder.

Die aktuelle gesellschaftliche Gewaltproblematik wird von Albrecht Opaschowsky folgendermaßen beschrieben: `Sie haben heute vielfach Männer mit viel Testosteron und wenig Teamfähigkeit, denen im Beruf bei der Beförderung vielleicht eine konsensorientierte junge Frau vorgezogen wird - aus guten Gründen, natürlich. Und die dann mit guter Miene unter ihr arbeiten müssen.´ Hier könnte man einwerfen, dass wirklich moderne Männer zum Glück schon von sich aus einsehen, dass Frauen aufgrund der jahrtausendealten Benachteiligung moralisch heute eine positive Diskriminierung am Arbeitsmarkt zusteht - quasi als Ausgleich oder einfach als `Dankeschön´.

Opaschowsky plädiert dafür, sich dennoch nichts vorzumachen: In beinahe jedem anderen relevanten Kulturkreis außer dem westlichen, würden Männer eine solche Behandlung als ungeheure Demütigung erleben oder zumindest als `sehr schlechten Witz´. Diese Einschätzung wirft möglicherweise auch ein Licht auf den Vertreter der Initiative `Gewalt geht immer´ als Privatmann, der Gewalt als männliche Eigenschaft eigentlich ganz in Ordnung findet und eigentlich nur gegen ungesühnte Gewalt agitiert, die gegen vorzivile krude Spielregeln verstößt. O-Ton `Opaschowsky´: `Immer feste auf auf die Schnauze ... mit voller Wucht - aber fair ! Bis einer auf dem Boden liegt und völlig ausgepowert ist. Aber eben sportlich, mit klaren, bewährten Regeln. Mann gegen Mann. Täter gegen Täter, wenn sie so wollen. (...) Frauen kämpfen anders. Die haben die Quoten. Und die Politik.



Leo-Greller-Froschfrau
DOKU

Schlagzeilen zum Chaoten Greller

Die Redakteurin eines Hamburger Rundfunksenders realisierte ein Radiofeature über die `Hamburger Schule´ deutsch-sprachiger Popmusik und bat Leo Greller um inhaltliche Unterstützung für das Projekt. Durch ihn sollte das Leben eines typischen Hamburger Liedermachers aus verschiedenen Perspektiven dokumentiert werden. Dies misslang gründlich.

Barden, Straßenmusikanten und anderer Pöbel

Der ehemalige Hamburger Liedermacher und Provokateur Leo Greller gehört seit einiger Zeit zu den umtriebigsten Aktivisten der zivilgesellschaftlichen Initiative `Dudelstopp´. Hieran wird immer wieder Kritik laut - manch einer stößt sich an der vermeintlichen Unberechenbarkeit des unangepassten Künstlers. Daher scheint es sinnvoll, einen Blick auf seine Biographie zu werfen:

Geboren in Heide (Holst.) absolviert Leo 1986 die mittlere Reife. Er leistet seinen Zivildienst in einer Pschiatrie ab und beginnt danach eine Ausbildung als Bauzeichner, die er kurz darauf abbricht. Greller leidet seither unter einer Phobie vor hohen Gebäuden und fühlt sich daher in Hamburg gut aufgehoben, wohin er 1986 umzieht. Aber in der Hafenstraße wird es ihm schnell zu unruhig. Es folgen Verschiedene Jobs ohne nennenswerte künstlerische Perspektive. Einzige Ausnahme: Seine Tätigkeit als Straßenmusikant, welche Leo jedoch schon bald wegen zu häufiger Erkältungen aufgeben musste.
1989 übernimmt Greller die Koordination kreativer Störaktionen anlässlich der sogenannten `Volkszählung´. Es folgen testosterongeschwängerte Auftritte mit seiner Electro-Hardcore-Kombo `Abgetriebenes Keuchen´ im `Stairways´ und im `Kir´. Nach deren Auflösung entwickelt sich Leo 1990 mit der Organisation des Workshops `Schöner Wohnen mit weniger Kohlen´ weiter. Er lebt inzwischen in St. Pauli und der Workshop hat nur Wenige Teilnehmer, erregt jedoch einiges Medieninteresse. Greller gründet mit Mitteln aus der Erbschaft einer älteren Hamburger Unternehmerin einen eigenen Musikverlag (Pauli-Platten) begleitet von bösen Gerüchten innerhalb der örtlichen Musikszene über die Natur des Verhältnisses zwischen Leo und besagter Dame. Um diesen schlechten Schwingungen aus dem Weg zu gehen, verbringt er bis 1991 ungefähr ein Jahr mit seiner persönlichen `Ich-Findung´ in Amsterdam. Wieder nach Hamburg heimgekehrt, zieht Greller sich wegen schwerer finanzieller Verluste aufgrund kaufmännischer Fehlentscheidungen aus dem Musikverlagsgeschäft zurück.
1991 kommt es erstmals zur Zusammenarbeit mit Manager Ludo Kamberlein. Leo gibt aus gereifter Überzeugung sein Vorhaben der Gründung einer nach eigenen Bedürfnissen maßgeschneiderten Gewerkschaft (für "Barden, Straßenmusikanten und anderen Pöbel") auf, da die potentielle Mitgliederzahl behördlicherseits als zu geringfügig eingeschatzt wird. Künftig will er verstärkt als politischer Liedermacher und Aktionskünstler in Erscheinung treten.

O-TON 'Leo Greller' über Hamburg

Blaubarsch mit Senfsauce I

Wenn man von Berlin über die Autobahn nach Hamburg hinein fährt und das Radio eingeschaltet hat, heißt einen die Stadt mit Evergreens von Madonna bis Phil Collins willkommen. In Hamburgs Äther regiert neben dem üblichen Dudelfunk nahezu absolutistisch der NDR. Und das ist eine Regime, das man leider nicht abwählen kann. Radiohörer sowieso nicht und kleine Künstler wie ich erst recht nicht.

Leo Greller ist viel authentischer als andere musikalische Nieten Wenn man sich von öder Musik zur Begrüßung nicht abschrecken lässt und trotzdem weiter in die Stadt fährt, kommt man schnell zu unserer bunten Meile, der Reeperbahn. Dort habe ich standesgemäß in einer Seitenstraße `ne kleine Wohnung zum Hinterhof. Mein Zuhause in der Hein-Hoyer-Straße: Es war ein verregneter Sonntagnachmittag vor ungefähr einem dreiviertel Jahr im April. Ich hatte irgendwie wieder mal den Blues. Erst mal grundsätzlich und an dem Tag glücklicherweise auch noch zusätzlich in Form meines Mittagessens `Blaubarsch mit Senfsauce´. Der brauchte noch ungefähr 10 Minuten im Backofen, also hörte ich nebenher etwas Radio. Ich war an dem Tag nicht besonders scharf auf Musikhören. Damals hatte ich gerade meinen letzten Song `Halblang, Kleines!´ aufgenommen und er verkaufte sich nur sehr mau. Im Radio wurde er natürlich überhaupt nicht gespielt. Gut, ich kannte das schon.
Es lief also der Deutschlandfunk und ich hoffte auf irgendein interessantes Gespräch. Das hätte sich fast auch ergeben: Eine junge Objektkünstlerin schilderte uns Zuhörern, wie sie dadurch, dass sie sich häufig alle möglichen Dinge von ihren Bekannten lieh, an den Materialkosten für ihre Werke sparte. Als sie sich gerade darüber beklagte, dass gute Freunde für eine Künstlerin wie sie wirklich schwer zu finden seien, schnitt ihr der Moderator --erstaunlich spät- das Wort ab: `Jetzt haben wir aber schon wieder viel zu lange geredet. Als nächste Musik gibt´s gleich für unsere Zuhörer einen ganz besonderen Leckerbissen.´ Leckerer als mein Blaubarsch im Backofen ? Unüberhörbar. Der Wichtigtuer im Radio meinte: `Für Sie daheim oder unterwegs habe ich während meines letzten Aufenthaltes in den USA eine ganz besondere CD aufgetrieben. Wir alle kennen den in den Staaten irrsinnig erfolgreichen Bruce Springsteen. Aber kennen wir auch seine Cousine ?´. Ich bekam direkt ein schlechtes Gewissen. Der Moderator schien das zu ahnen und setzte nach: `Es ist wirklich seltsam, dass die Dame hierzulande noch völlig unbekannt ist. Sie hat bereits ihre dritte CD eingespielt. Von der hören wir jetzt den Titelsong.´ Wow ! Was für eine durch und durch musikalische amerikanische Familie, die der Deutschlandfunk mir da ins Haus schickte! Wie gut, dass dieser Sender seine Reporter hinaus in die medial noch viel zu wenig erschlossene Neue Welt schickt, damit wir uns hierzulande nicht von einheimischen Nachwuchsbands volldröhnen lassen müssen ...

O-TON 'Leo Greller' über den Norddeutschen Rundfunk

Blaubarsch mit Senfsauce II

Als ich den Kram damals im Radio gehört hatte, dachte ich, ich hätte doch lieber Herrn Begemann oder Herrn Schamoni den Vortritt lassen sollen bei diesem Feature. Leute, die die Sendung gehört hatten, mussten ja denken, Leo Greller sei ein postpubertärer Schlappes.

Hamburger-Hafen-Landungsbrücken Vor allem womit Ludo zitiert wird: Wen interessieren denn olle Kamellen wie die, dass ich meinen Eltern vor zig Jahren mal 300 Mark geschuldet habe ? Ich stellte meinen Herrn Manager natürlich zur Rede. Er meinte: `Ja, ich bekenne mich schuldig, Leo. Ich hab´ der Hörfunkbraut viel mehr erzählt als ich eigentlich vorhatte. Die hat mir die ganze Zeit geschmeichelt, fast `n bisschen geflirtet und Du weißt ja: Für eine vom NDR war sie sogar relativ frisch. Jeder Mensch braucht ab und zu n´ paar Streicheleinheiten, egal von wem.´ Der bisher einzige Lichtblick in dem Feature war meine Lieblingsbarfrau auf St. Pauli. Die weiß eben, was sie ihren Stammkunden an Diskretion schuldet. Ganz im Gegensatz zu der Dame, die sich vor einem dreiviertel Jahr meine Freundin schimpfte - Mit Manuela das Peinlichste kommt ja erst noch. Und was von der aufdringlichen Klatschkolumnistin nachher noch zu hören sein wird, gehört eigentlich auch nicht in `ne seriöse Sendung. Aber im Quotenradio muss es wohl ständig ordentlich `menscheln´.
Vielleicht hätte ich doch darauf eingehen sollen als mir die Carstensen im Café Schwanenwik anbot, wenigstens meine Rolle in den Spielszenen selber zu sprechen. Statt dass sie so´n Lackaffe von Vorabendserienschauspieler verunstaltet. Die können doch eigentlich immer nur sich selber spielen ... . Wenn ich mich selber gemimt hätte, dann hätte ich sicher mehr Einfluss darauf gehabt, was letztendlich gesendet worden wäre. Eigentlich war ich ja auch gar nicht so abgeneigt. Ich dachte mir halt, es wäre vielleicht taktisch klug, erst einmal mit dem nicht so grandiosen Image des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bei uns Wortkünstlern zu kokettieren. Hätte ich aber vielleicht doch für mich behalten sollen, meine gespielte Bescheidenheit: `Frau Carstensen, ich bin ganz durch´n Wind, dass sie mich als Sprecher in Erwägung ziehen. Dabei passe ich doch gar nicht so recht ins NDR-Programm. Schließlich kämpfe ich mit meiner Kunst gerade gegen Sprachverfall und Gutmenschentum an.´ Ich bin einfach davon ausgegangen, dass so eine üppig bezahlte Redakteurin vom Staatsfunk über genügend Selbstbewusstsein verfügt, über meine kleinen Sticheleien hinwegzusehen. Ich meine, O.K. -- wer bin ich denn schon ? Und wie viel Macht, Geld und Einfluss hat der Norddeutsche Rundfunk ? Und also auch seine Redakteurinnen. Ich meine, die haben einfach die Mittel. Gut -- man hört das ihren allermeisten Sendungen natürlich nicht an ! Aber das ist doch trotzdem kein Grund, sich von `nem kleinen Sänger irritieren zu lassen.
Naja, wenigstens kam durch die Produktion dieses Features niemand ernsthaft zu Schaden. Obwohl: Frau Carstensen blieb doch nicht ganz unversehrt -- Sie erlitt einen kleinen Hörsturz als Sie einmal unangekündigt in die Proben zu meiner neuen Show hereinplatzte. Das zählt aber nicht, denn das wäre nicht passiert, wenn sie einfach nur ruhig dort sitzen geblieben wäre, wo ich´s ihr gesagt hatte -- `Ach wissen Sie, von hier vorne sehe ich Sie aber viel besser !´. Nicht mal meine kaum benutzten Oropax wollte sie sich leihen lassen: `Nee, lassen Sie mal stecken, Herr Greller !´ - Dann kann ich auch nichts dafür, wenn Michael den `Blue Devil´-Verstärker für seine E-Gitarre hochfährt und die Carstensen spricht davor gerade in ihr Handy mit dem Intendanten. Ich glaube ja, dass sich der Ohrring, den es ihr bei diesem Zwischenfall vom Kopf gepustet hat, bei einer der nächsten Proben wieder anfinden wird. Kann doch aus meiner Band niemand was mit anfangen, mit so `nem ehrwürdigen Familienerbstück. Außerdem hat sich Michael später noch telefonisch bei ihr entschuldigt. Kann natürlich sein, dass sie das so kurz nach diesem kleinen Unfall noch nicht richtig wieder hören konnte ...



Electro-Industrial-Musiker, Anno 1987
MUSIK (off-topic)

Des Hörspiels hässliche Schwester

Der Name dieser Schwester ? 'Musik' ! Sie vermag ebenso wie das Hörspiel, Gefühle und Stimmungen zu stimulieren. Grenzwertig wird es allerdings, wenn sich Bruder 'Hörspiel' und Schwester 'Musik' inzestuös vermischen. Wer würde zum Beispiel Hörspiele mit Electro-Industrial-Musik à la 'Abgetriebenes Keuchen' hören wollen ?

Strenger Geruch in Hamburger Nobelvillen

Ab Mitte der Achtziger Jahre hat Hamburg mit Ledernacken, KMFDM und Girls under Glass die international relevanten düsteren Electro-Acts aus der Bundesrepublik aufzuweisen. Das Jahr 89 allerdings gehört dort anscheinend alleine `Abgetriebenes Keuchen´ – die anderen Hamburger Gruppen haben vielleicht Urlaub eingelegt, sind elektrisiert bzw. angewidert vom Mauerfall oder zumindest eifrig am Kofferpacken Richtung Amerika: Das prächtige hanseatische Haus an der Elbe ist unbespielt und wird nicht bewacht … .

Paal, Luehr und Trainer nutzen die Gelegenheit und bollern jenseits allen guten Geschmacks ein paar Mal kräftig ihre Mucke in die gute Stube, wobei sie einen strengen Geruch (‚Raw Scent‘) hinterlassen. Die 'Abgetriebenen' gönnen sich dabei ein ungewöhnliches Maskottchen: Pro forma engagieren sie den professionellen Manager Ludwig ‚Ludo‘ Kamberlein, jedoch nicht, um sich von ihm beraten oder gar helfen zu lassen. Als Kontrast zum sowohl dominanten als auch intriganten legendären Manager der Sex Pistols, Malcolm McLaren, halten die Hamburger Musiker sich ‚ihren‘ Ludo als Prügelknaben, an dem sie sich regelmäßig abreagieren, indem sie seine Empfehlungen bestenfalls in den Wind schlagen und öfter noch gänzlich konterkarieren. Norddeutsche musikalische Aktionskunst, sozusagen. Man kann sich kaum vorstellen, dass der offenbar leicht masochistisch veranlagte Kamberlein diese Behandlung noch sehr lange durchhält und er weiterhin als Manager aktiv bleibt. Andererseits: Vielleicht rechnet er doch noch mit einem Durchbruch der drei jungen Lärmfetischisten bei den ‚Major-Labels‘ ? Danach sieht es momentan aber wirklich nicht aus. Ludo Kamberlein ist den 'Hörspieler'-Lesern übrigens ebenfalls als mäßig erfolgreicher Manager des lokal bereits mehrfach unangenehm aufgefallenen Liedermachers Leo Greller.

Kollektives Verschanzen hinter schlechtem Geschmack

Die 'Abgetriebenen' während einer Gig-PauseKeine Zweifel an der Zugehörigkeit zur provokativen Krawall-Fraktion der Independent-Wave-Szene der späten Achtziger Jahre lässt die Namensgebung für die Band aufkommen: Dass `Abgetriebenes Keuchen´ sowohl musikalisch als auch konzeptionell eher die Nähe zu Formationen wie ‚The Klinik‘ oder ‚à;GRUMH…‘ suchen als zu ‚Depeche Mode‘ oder ‚Camouflage‘, verwundert kaum.

Obwohl ihr Name es zu suggerieren scheint, sind `Abgetriebenes Keuchen´ keinesfalls eine konservativ ausgerichtete Band. Wenn an ihrem Image wirklich etwas provoziert, dann der hohe Grad ihres Unpolitischseins. Namensfinder Stefan Trainer: „Unsere Combo heißt so abartig, dass uns gar nichts anderes übrig bleibt als uns gemeinsam hinter dieser Headline zu verschanzen“. So wird also den angewiderten Reaktionen seitens der Musikindustrie oder auch Teilen des naturgemäß nicht immer freiwilligen Publikums tatsächlich vereint standgehalten. Das sollte eigentlich zusammenschweißen. Diesen Effekt scheint man bei den Abgetriebenen geradezu heraufbeschwören zu wollen, weshalb die Namensgebung nie wirklich zur Debatte stand – im erfreulichen Gegensatz zu anderen Stilfragen, mit denen die Gruppenmitglieder untereinander zu kämpfen hatten und haben.
Trainer: „Wenn tatsächlich unser Name Schuld daran ist, dass wir keinen Vertrag mit einem Major-Label bekommen, so stellt das den Mitarbeitern der Plattenfirmen ein Armutszeugnis aus.“ Es klingt ein bisschen trotzig, wie der 19jährige dies sagt. Man merkt ihm, dem politischen Gewissen der Band, an, von den Dreien wohl am meisten darunter zu leiden, dass 'Abgetriebenes Keuchen' mit ihrem Hang zur A-Professionalität, zum kulturellen Fatalismus und zur spaßorientierten Leichtigkeit einfach nicht in den Kontext der sozialkritischen Wave-Bands unserer Tage passen wollen und sich daher wohl auf ein langes Nischendasein im Tempel der Darkwaver einstellen müssen. Dies trifft Trainer, der von den drei Jungs sicher mit der größten sozialen Kompetenz ausgestattet ist, und es gewohnt sein dürfte, mit Lehrern, Arbeitgebern und Medienmenschen gut klarzukommen, vermutlich besonders hart.



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Ufos: M. Gaida (fiktiv)
Jugendkult: Jens Wawrczeck
Starke Kinder: Alfred Krink





provokative Hörspiele
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Science-Fiction-Hörspiele
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Hochtrabend und Anmaßend
Essay: Niveau-Drücker
Essay: Viel Lärm um nichts
Rede: Zustand des Hörspiels
Beitrag: Erlebnisgesellschaft
Infantil: Kinder hören anders
'Ideology kills the radio drama star'





Die Hörspieler-Homepage von 1999 bis 2009
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Die Greller-Homepage von 2004 bis 2009
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junger LEO GRELLER





Die 10 besten öffentlich-rechtlichen Hörspiele nach Meinung des HÖRSPIELers

TOP-10 des HÖRSPIELers
(alphabetisch sortiert)

Auf zur Venus
A: Michael Gaida | P: SFB 1982
R: Manfred Marchfelder | L: 57 Min.
D: Uwe Müller, Helga Anders, Monika
Hansen, Erwin Schastok, Peter Matic

Blutbad
A: Sylvia Hoffman | P: SFB 1973
R: Christian Gebert | L: 51 Min.
D: Hans Korte, Ingeborg Engelmann,
Elke Aberle, Ulrich Faulhaber

Die Brandung von Hossegor
A: Alfred Andersch | L: 88 Min.
R: Otto Düben | P: NDR/HR/SR/WDR 1976
D: Christian Brückner, Christoph Quest,
Ursela Monn, Barbara Freier

Ein Sonntag in New York
A: Truman Capote, Andy Warhol
B: Beate Andres | L: 60 Min.
R: Beate Andres | P: NDR 1998
D: Martin Reinke, Klaus Schreiber

Fehler im System
A: Richard Strand | L: 39 Min.
B: Franziska Hirsbrunner
R: Pierre Kocher | P: DRS 1989
D: Wolfgang Grabow, Renate Müller

Leute wie wir
A: Donovan O'Malley | P: NDR 1981
B: Monika Klostermeyer
R: Hans Rosehauer | L: 45 Min.
D: Katharina Thalbach, Stephan Schwartz,
Jutta Wirschaz, Marlen Diekhoff

Das Loch im Kopf der Welt
A: Fay Weldon | L: 87 Min.
Ü: Hubert von Bechtolsheim
R: Stefan Dutt | P: P: SR/BR/RB 1993
D: Jürgen Holtz, Friederike Tiefenbacher

Nach Tübingen oder
Lauf, Friedrich, lauf!
A: Frank Werner | P: NDR/SWF 1989
R: Hans Rosenhauer | S: 42 Min.
D: Gert Baltus

Science Fixion
A: Peter Jacobi | P: RB 1979
R: Manfred Marchfelder | S: 65 Min.
D: Henning Venske, Ronald Nitschke
Anja Kruse, Otto Sander

Unser Vater ist doch noch
ein Shooting-Star geworden
A: Ria Endres | P: SWR/WDR 1999
R: U. Brinkmann | S: 39 Min.
D: Sophie Rois, Antje v.d. Ahe u.a.

A=Autor | B=Bearbeitung | D=Darsteller (Auswahl)
P=Produkt. | R=Regie | L=Länge | Ü=Übersetz.






Hörspiel-Interviews
Sammelfreuden: Herbert Piechot
Unabhängig: Caspar Abocab
SpaceDay: Michael Esser





Drei-Fragezeichen-Kurzrezensionen
Drei-Fragezeichen-Kurzrezensionen
PETER SHAW & CO

Dan-Shocker-Kurzrezensionen
Dan-Shocker-Kurzrezensionen
LARRY BRENT & CO





Die 10 besten öffentlich-rechtlichen Kriminal-Hörspiele der letzten 3 Jahrzehnte nach Meinung des HÖRSPIELers | Ranking

TOP-10 des HÖRSPIELers
Kriminal-Hörspiele (Krimi-Ranking)
(chronologisch)

Lindauer Pietà
A: Martin Walser | P: WDR/SWF 1975
R: Günther Sauer | S: 78 Min.
D: Heinz Meier, Brigitte Horney, L. Carstens

Verteidigung von Friedrichshafen
A: Martin Walser | P: DDR 1976
R: Heinz-Wilhelm Schwarz | S: 54 Min.
D: Dietrich Körner, Hans-Joachim Hanisch

... trägt Anstaltskleidung
und ist bewaffnet
A: Irene Rodrian | P: BR 1982 | S: 54 Min.
R: Gert Westphal | B: Lilian Westphal
D: Robert Atzorn, Lisi Mangold, Rita Russek

Detective Andy
und der Transvestitenmord
A: Anthony J. Ingrassia | P: SFB/HR 1983
R: Bernd Lau | S: 52 Min. | B: Götz Naleppa
D: Manfred Krug, Tara O'Hara, Otto Sander

Brunx
A: Jens Hagen | P: WDR 1983
R: Werner Klein | S: 52 Min.
D: Achim Hammer, Karin Dieck, M. Ponnier

Detective Andy
und der Disco-Passion-Mord
A: Anthony J. Ingrassia | P: SFB 1987
R: Werner Klein | S: 57 Min.
D: Manfred Krug, Ursula Heyer, B. Primus

Potsdamer Ableben
A: Pieke Biermann | P: SFB 1989
R: Günther Sauer | S: 109 Min.
D: Renan Demirkan, Beate Hasenau

Panama oder
Die Details der Engel
A: Michael Batz | P: NDR 1990
R: Hans Rosenhauer | S: 60 Min.
D: Barbara Nüsse, Rainer Schmitt

Traumfabrik
A: Roger Hall | Ü: Hubert von Bechtolsheim
R: Renate Heitzmann | S: 45 Min.
P: DLR 1995
D: Rolf Ludwig, Michael Schenk, Th. Thieme

Anna Marx und die Mörderin
A: Christine Grän | P: SWR 1999
R: Walter Adler | S: 55 Min.
D: Hansi Jochmann, Hermann Lause

A=Autor | B=Bearbeitung | D=Darsteller (u.a.)
P=Produkt. | R=Regie | S=Dauer | Ü=Übersetz.





Lesung
Lesung von Leo Greller (1/2) - Mediensatire
TEIL1

Lesung
Lesung von Leo Greller (2/2)
TEIL2





Die besten öffentlich-rechtlichen Kriminal-Hörspiele außer Konkurrenz (etc.) der letzten Jahrzehnte nach Meinung des HÖRSPIELers | Ranking

TOP-2 des HÖRSPIELers
Kriminal-Hörspiel / außer Konkurrenz
(chronologisch)

Gestatten, mein Name ist Cox
A: Alexandra & Rolf Becker | P: NWDR 1959
R: Walter Netzsch | S: 180 Min.
D: Carl-Heinz Schroth, Siegfried Lowitz

Das Bouillabaisse-Komplott
A: Andreas Pflüger | P: DSK 1993
R: Albrecht Surkau | S: 45 Min.
D: Otto Sander, Angelika Waller

A=Autor | B=Bearbeitung | D=Darsteller (u.a.)
P=Produkt. | R=Regie | S=Dauer | Ü=Übersetz.





Video: Die Tacheles-Satiren (m21-Werkschau)
Video: Die Tacheles-Satiren (m21-Werkschau)
TACH.-SATIREN

Diskussion
Diskussion zum Thema 'Political Correctness in der Kunst'
KREATIVE MITTE





zuletzt und bald im HÖRSPIELer
zuletzt: 20 Jahre und kein bisschen ...
bald: ... erfindet sich neu






GENRE

Das lange Leben der Hörspielserien

Ob Science Fiction, Krimis, Grusel oder Skurriles: Mehrteiler bleiben uns meist länger im Gedächtnis. Ob zu recht oder nicht, kann man nicht immer klar sagen. Vielleicht fungieren in der Single-Gesellschaft die immer wieder kehrenden Hörspielhelden auch bereits als eine Art 'Ersatzfamilie' für uns. Das wäre zwar traurig aber irgendwie auch verständlich ...
Jugendfoto des fabelhaften Abe Greenbaum (Widerliche Zeiten)

Widerliche Zeiten

Aus zehn turbulenten Folgen ("DAS DING AUS DEM SUMPF"; "LAWINE ÜBER SHITTNEY"; "FLUCHT VOR DEM MONSTER"; "EIN BUTLER SPIELT FALSCH"; "STREIT IM WELTALL"; "KRIEG DER SÄNGERINNEN"; "EIN GURU MISCHT MIT"; "PRÜFUNGEN DES WAHNSINNS"; "DIE ROBOT-KILLER"; "SCHLOSS IN TRÜMMERN"") aus der Feder von Abraham Greenbaum mit jeweils ungefähr 40 Minuten Dauer bestand zwischen 1984 und 1986 die Serie WIDERLICHE ZEITEN, bei der Stars und Sprecher wie Priscilla Greenbaum, Miss Arry-Laine, Friedrich Anvil und Abe Greenbaum mitwirkten.

Improvisierte stand-up-comedy eines Hamburger Piratensenders aus den 80ern, die ursprünglich als trashiges Spin-Off zu Loriots Ansagerinnensketch startete. Damals in der Kategorie Humor/Klamauk beheimatet würde man die für Kinder und Jugendliche konzipierte Serie heute neudeutsch wohl als Comedy/Trash einordnen. Teilweise recht amateurhafte Elemente stehen in dieser Serie zahlreichen sehr gelungenen Augenblicken gegenüber: Die schrägen Schwestern Mathilde und Doris Newton leben mit ihren Partnern Ottokar und Heinrich in wilder Ehe auf Schloss North Cothelstone Hole auf dem turbulenten Planeten Wega. Beide teilen sowohl ihre Liebe zu Buttermilch als auch die Neigung zu lautstarken Auseinandersetzungen:
Die vier Hauptfiguren auf der Spur des `kosmischen Rätsels´, welches Ihnen die Unsterblichkeit verschaffen soll. Eine eigenwillige Mischung aus `Schloss Mordabrunn´ und `Perry Rhodan´ (Folge 1-3).
`Heini´ und die anderen bauen ein Raumschiff, mit dessen Hilfe sie den Planeten `Barnard´ erreichen wollen. Auf dem Flug dorthin macht ihnen ein blinder Passagier zu schaffen. Ein heftiger und witziger Streit unter zickigen und irren Raumfahrern (Folge 4-5).
Mathilde und Doris haben die Raumfahrerei satt und starten beide jeweils konkurrierend eine Sangeskarriere. Ein früher Vorgriff auf 'Deutschland sucht den Superstar'. Durchaus ähnlich absurd. Und natürlich fliegen bei den Mädels die Fetzen (Folge 6-8).
Doris gerät in den Einfluss der weganischen Guru-Religion. Typisch für sie wird sie sogleich fanatisiert und steigt bis zum neuen `Großguru´ auf. Leider ist sie keine besonders friedliche Herrscherin ... Auch der letzte Abschnitt der Saga geriet an vielen Stellen erfreulich schräg und äußerst komisch (Folge 9-10).

Perry Rhodan

Die 12teilige Serie mit Uwe Friedrichsen, Judy Winter, Rolf Jülich, Ernst von Klippstein und durchschnittlich ungefähr vierzig Minuten Spieldauer erschien ab 1984 bei Europa ("UNTERNEHMEN STARDUST", "DIE DRITTE MACHT", "MUTANTEN", "DER ANGRIFF DER INDIVIDUAL-VERFORMER", "ALARM IM WEGA-SEKTOR", "MUTANTEN IM EINSATZ", "DAS GEHEIMNIS DER ZEITGRUFT", "ENTSCHEIDUNG IM WEGA-SYSTEM", "DIE SPUR DURCH ZEIT UND RAUM", "DIE GEISTER VON GOL", "PLANET DER STERBENDEN SONNE", "DER UNSTERBLICHE").

grandios: Judy Winter als 'Thora' Die Serie beginnt handlungsmäßig mit Heft 1 der Trivialromanserie (`Unternehmen Stardust´ von 1961). In elf weiteren Folgen wird die Geschichte Perry Rhodans und der Erde bis hin zur Lösung des `kosmischen Rätsels´ verbunden mit Rhodans Unsterblichkeit erzählt. Was die Besetzung der Rollen anbelangt, wurde seinerzeit beim Quickborner Label EUROPA geklotzt und nicht gekleckert: Mit Uwe Friedrichsen als Perry Rhodan und Judy Winter als dessen weibliche Kontrahentin Thora verpflichtete man zwei durch Theater und Fernsehen sowohl bekannte als auch lange bewährte Schauspielergrößen. Auch die Nebenrollen sind mit erfahrenen EUROPA -Sprechern wie Ernst von Klippstein und Jörg Pleva glücklich besetzt. Bei der Produktion hat man sich außerdem offenbar weitgehend an die Vorstellung des Rhodan-Verlages Moewig gehalten, wovon auch der Name des Drehbuchautors zeugt: Rhodan-Stammautor H.G. Francis. Das Sound-Repertoire der Quickborner Produzenten hält den Anforderungen einer handlungsgeladenen Science-Fiction-Serie stand. Als etwas übertrieben könnte man aus heutiger Sicht vielleicht den ausgiebigen Einsatz dramatischer Orchestermusik als Lückenfüller zwischen den einzelnen Szenen bezeichnen:
In den ERSTEN VIER FOLGEN entdecken die Astronauten Perry Rhodan und sein Begleiter Reginald Bull auf der Rückseite des Erdmondes das havarierte Raumschiff der den Menschen von der Erde technisch zwar weit überlegenen, jedoch zugleich auch degenerierten humanoiden Arkoniden. Diese helfen zusammen mit menschlichen Mutanten der Erde daraufhin bei der Überwindung des Ost-West-Gegensatzes und befördern die neugegründete `Dritte Macht´ zu einer raumfahrenden Gemeinschaft fortschrittsorientierter Menschen. Das alles erzeugt viel Pathos um das durch den Lauf der Geschichte glücklicherweise überholte Menschheitsproblem auf die Spitze getriebener ideologischer Gegensätze. Was in der Fiktion deutscher Romanautoren aus den frühen sechziger Jahren noch der Hilfe außerirdischer Intelligenzen bedurfte, erledigte sich in der Realität durch den mutigen Gorbatschow sowie den hartnäckigen Ronald Reagan.
In den MITTLEREN VIER FOLGEN wird das nahegelegene Wega-System aufgrund einer Verwechslung von den aggressiven Topsidern überfallen und besetzt. Rhodan entschließt sich, zu helfen. Während er mit Hilfe der Arkoniden und seiner Mutanten die Invasoren vertreibt, stößt er auf die Spur der Unsterblichen, die allen Wesen, die sie erfolgreich in der Galaxis aufspüren, versprechen, ihr Wissen um die Zellerhaltung mit ihnen zu teilen. Das alles liefert für vier Folgen Strategie, Action und somit fast zwangsläufig auch Spannung.
Während der LETZTEN VIER FOLGEN rätseln Rhodan und seine Crew über die knifflige Spur der rätselhaften Unsterblichen. Immer wenn sich Perry dem Ziel nahe glaubt, wird er auf's Neue enttäuscht und seine Geduld auf eine harte Probe gestellt. Die Prüfungen, denen er sich ausgesetzt sieht, bedrohen ihn, seine Crew und schließlich gar das Leben Unschuldiger. Dennoch gelangt er endlich ans Ziel, welches für die Arkoniden mit einer beklemmenden Einsicht verknüpft ist. Es reicht für einige gelungene Momentaufnahmen fremdartiger Welten in Folge 10 und 11. Der Schluß in Folge 12 bleibt zusammen mit dem Schicksal der Arkoniden offen.



KONFORMISMUS

Gesellschaftspolitisch totes Hörspiel

Auf moralinsaure Agitation hochbezahlter wie humorloser Weltverbesserer hat kaum noch jemand Lust. Der Hörspieler hat mit Eigenproduktionen versucht, dies zu ändern - vergeblich. Die Hörer waren einfach nur angewidert von dem Vorhaben, über das 'Königsmedium' Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse nehmen zu wollen.
Welche Impulse vermag das scheintote Hörspiel 'normalen' Menschen zu geben ?

Schwärmerei über das Medium Hörspiel

Es wird sich bereits seit einiger Zeit in den Massenmedien in Krisenszenarien zu überbieten versucht. Manche Kommunikationswissenschaftler formulieren die These, der Staat und die Wirtschaft hätten ein Interesse daran, die Bürger zu verunsichern.

Grund zur Sorge bietet die gesellschaftliche Entwicklung tatsächlich. Aber wichtige Themen, die ans Eingemachte gehen, die sozialpsychologischen Folgen des demografischen Wandels, bleiben tabu. Beispiele: die nicht enden wollende Jugendphase vieler kinderloser Erwachsener, die Vereinzelung von Kindern, die Vermenschlichung von Haustieren.
Dabei könnte das Hörspiel `von heute´ auch provokativ und politisch sein und es wäre gar nicht so schlimm. Es könnte sich ab und zu mit für die Hörer relevanten Themen beschäftigen und müsste längst nicht so berechenbar daherkommen wie die Stücke, die von den Redaktionen gegenwärtig für die Programme ausgewählt werden.

Nun als Einschub ein wenig Schwärmerei über das Medium 'Hörspiel': Bei allem berechtigten Schimpfen und `Uncool´-Finden deutschsprachiger Medienerzeugnisse muss doch festgehalten werden, dass man sich über lange Zeit hinweg sowohl in der Bundesrepublik als auch der `DDR´ an einem im internationalen Vergleich recht regen Hörspielleben erfreuen konnte. In den 50er und 60er Jahren wussten die öffentlich-rechtlichen Anstalten ihre Hörer mit Straßenfeger-Krimis sowie Andersch-, Bachmann-, Eich-, etc-Stücken zu überzeugen. In den 70ern und der ersten Hälfte der 80er Jahre blieb es dann in erster Linie einer kleinen Zahl kommerzieller Schallplatten- und Kassettenlabels aus dem Hamburger Raum vorbehalten, im Westen die Hörgewohnheiten der Generation `Golf´ mit schnell aber auch sehr professionell produzierten Trivialhörspielen zu prägen. Danach hat sich erst einmal eine ganze Zeit lang kaum noch jemand mit Ruhm bekleckert. Rauchende Colts bei neueren HörspielproduktionenNach einer Phase der Stagnation sorgte ab Mitte der 90er Jahre der bis heute andauernde Hörbuch-Boom für eine Renaissance des Hörspiels. Die Öffentlich-Rechtlichen vertonten nicht sehr innovativ bewährte Buchvorlagen für die angeschlossenen Hörverlage; die Kommerziellen entdeckten die Gewalt als Verkaufsschlager - das Hörspiel koppelt sich hierbei nicht ab von der übrigen Entwicklung in den Massenmedien - und gingen ganz darin auf. Zu lachen hat man übrigens sowohl bei den einen als auch bei den anderen kaum noch etwas - Humor befindet sich auf dem absteigenden Ast, wie auch Grotesken, Satiren, Alltagsabenteuer. Seit Beginn des neuen Milleniums beherrschen Krimis, Gewalt, Trash und Übersinnliches den Hörspielmarkt.

Infantile Männer und etablierte 'Wilde'

Es ist ganz natürlich, dass auch beim Medium 'Hörspiel' alle paar Dekaden ältere Schaffende jüngeren weichen müssen (natürlich mit Ausnahme des 'Europa'-Labels um Heikedine Körting).

So hat die `Generation Golf´ inzwischen die Geschicke des kommerziellen Hörspiels in der Bundesrepublik übernommen. Die jung gebliebenen Mittdreißiger haben es sich in den Hörbuchabteilungen der Verlage gemütlich gemacht. Mitgebracht haben sie ihre Lieblingsgroschenhefte aus Jugendtagen, wegen derer sie sich in der Spaßgesellschaft nicht mehr zu genieren brauchen. Scheinbar hat die Mehrheit dieser nahezu ausschließlich männlichen neuen Hörspielmacher während ihrer Adoleszenz dem für junge Leute typischen Bedarf an schlichter Abenteuer- und Trivialliteratur nicht ausleben dürfen. Die von ihnen verantworteten Neuproduktionen sind von einem großen Nachholverlangen bezogen auf für junge Männer typische Allmachtsphantasien geprägt. Die Verbreitung bemerkenswerter Inhalte oder innovativer Darstellungsformen darf man von ihnen nicht erwarten.
Bei den kommerziellen Herren also: Infantilisierung.

Bei den Öffentlich-Rechtlichen scheinen hingegen inzwischen die Frauen mittleren Alters das Sagen zu haben. Die Hörspiellinie, die sie vertreten, ist seriös, staatstragend, sehr berechenbar und schrecklich langweilig: ebenfalls Krimis bis zum Abwinken - Gewalt ist gesellschaftlich voll akzeptiert - und ansonsten fast ausschließlich Problemstücke, bei denen das Selbstverwirklichungsmilieu sich wohl fühlt; viele Wiederholungen einstmals brisanter historischer Produktionen, die heute niemandem mehr wehtun; und alle paar Jahre dürfen etablierte 'Wilde' wie Buttgereit oder Pastewka mal ein bisschen durch die Studios wirbeln ... Aber hinterher wieder die Tür fest schließen !
Bei den öffentlich-rechtlichen Damen daher: Stagnation und Ermattung.




GERECHTE REZENSIONEN

Drei Fragezeichen und der Zeitgeist

'Die Drei Fragezeichen' waren und sind mit Abstand Deutschlands erfolgreichste Jugend-Hörspielserie. Nach über 3 Dekaden, in denen sie ermittelten, haben sich Moral und Werte nachhaltig verändert, was sich bisher noch viel zu wenig auf die Bewertung der einzelnen Geschichten niedergeschlagen hat. Der HÖRSPIELer will dies ändern.
Fragezeichen-Übermutter Heikedine Körting

Papageien und Phantome

Die drei Fragezeichen starten ihren ersten Fall 'Der Superpapagei' mit der für sie so typischen Spuren- um nicht zu sagen 'Schnitzel'jagd nach einem Schatz. Papageien geben in diesem Fall Hinweise auf den späteren Fundort eines wertvollen Bildes.
Der sicher sehr gute Schauspieler Gerlach Fiedler hat einen enormen Bass als Stimme, bei dem man denkt, dass bei jedem Atemzug ein paar Hundert Nasenhaare mitschwingen. Eine äußerst unästhetische Stimme, das muss hier einmal gesagt werden. Die 'Telefonlawine' zur Recherche eines Verdächtigen richtet sich ausschließlich an junge männliche Kalifornier ('Jungen') - was mit den Vorgaben des Gender-Mainstreaming überhaupt nicht in Einklang zu bringen ist: Wir alle wissen, dass junge weibliche Menschen ('Mädchen') genauso abenteuerlustig sind, wie Angehörige des ungerechterweise leider immer noch bevorzugten Gechlechts. Auch der Hinweis gegen Ende des Hörspiels auf die 'ruhenden Gebeine' einer Gruppe von amerikanischen Ureinwohnern hingemetzelter weißer Siedler ist für den Gedanken der Völkerverständigung nicht hilfreich. Nicht zuletzt, weil inzwischen auch dem letzten Zweifler bekannt sein müsste, dass alles Leid der Welt von weißen, christlichen Amerikanern verursacht wird - woran uns ja regelmäßig Massenmedien und politische Organisationen erinnern.

Die drei Fragezeichen streiten sich mit Java-Jim um den Inhalt einer alten Seefahrerkiste, der möglichweise zu einem Seeräuberschatz führt. Professor Shy hilft ihnen dabei.
Der wunderbare Gottfried Kramer hat in der zweiten Folge 'Der Phantomsee' eine Doppelrolle zu bewältigen, was für einen exzellenten Sprecher wie ihn natürlich kein Problem ist. Aber die Regieanweisungen erfüllten leider alle Klischees, die zur Entstehungszeit der Vertonung noch äußerst virulent und unheilvoll waren: Kramer spricht den Ganoven Java-Jim rauhbeinig und aggressiv, während er Professor Shy als zart besaitet und 'tuntig' darstellt. Er macht das sehr überzeugend, aber warum muss eigentlich der virile Verbrecher als allem Anschein nach heterosexuell und der gutmütige und zivilisierte Professor als allem Anschein nach homosexuell dargestellt werden ? Es ist ungut, diese tradierten Rollenbilder in einem Jugendhörspiel fortzuschreiben. Ganoven können sehr wohl gewalttätig und schwul sein, Menschenfreunde durchaus auch mal heterosexuell.

Hunde und Katzen

Bei einem netten älteren Herren, der einige seltene Kunstgegenstände besitzt, scheint es in der Wohnung zu spuken. Er berichtet den drei Fragezeichen von seltsamen Lichtblitzen in seinem Arbeitszimmer. Außerdem wurde 'der Karpartenhund', eine geheimnisvolle Glasskulptur, gestohlen. Die drei Fragezeichen ermitteln in dem Fall und befragen die Nachbarn in der Wohnanlage, von denen jeder sein eigenes Geheimnis zu verbergen scheint. Dann ereignen sich noch mehr seltsame Unfälle.
Die Folge 'Der Karpartenhund' ist die beste 'klassische' (Episoden 1-28) Hörspielvertonung der Fälle der drei Fragezeichen. Es wurde ein überzeugendes und rasantes Verwirrspiel um die schrulligen Mieter (Gernot Endemann, Katharina Brauren sowie Hans Hessling) einer Wohnanlage inszeniert, das bis heute nichts von seinem Charme eingebüßt hat. Lediglich die Tatsache, dass am Ende als Täter ein Gewohnheitsraucher entlarvt wird, stellt einen kleinen Wermutstropfen dar - wird diese Bevölkerungsgruppe doch bereits genug von aufdringlichen Gesundheitsaposteln drangsaliert.

In einem Wanderzirkus ereignen sich immer wieder brenzlige Zwischenfälle. Außerdem werden die drei Fragezeichen Zeuge, wie jemand versucht, eine scheinbar wertlose schwarze Stoffkatze zu stehlen. Besteht ein Zusammenhang zwischen beiden Auffälligkeiten ?
Die Folge 'Die schwarze Katze' gehört zu der bei den drei Fragezeichen beliebten aber leider auch etwas eintönigen Kategorie von 'in unscheinbaren Gegenständen ist etwas Wertvolles oder zumindest der Hinweis auf etwas Wertvolles versteckt'. Bemerkenswert ist die Beschreibung des gesuchten Täters als 'dunkelhäutig', welche später auch zu seiner Überführung beiträgt. Zur Entstehungszeit des Hörspiels 1979 hatte sich noch nicht wie heute die Erkenntnis durchgesetzt, dass Angehörige ethnischer Minderheiten oder gar Menschen aus 'Südland' grundsätzlich keine selbstverantworteten Verbrechen begehen. Die ursächlichen gesellschaftlichen Mißstände wurden in der ansonsten passablen Vertonung überhaupt nicht thematisiert. Es bleibt zu hoffen, dass die zuständigen Verlagsmitarbeiterinnen die entsprechenden politisch unkorrekten Details aus künftigen Neuabmischungen des Hörspiel-Oldies herausschneiden.