der HöRSPIELer - Informationen über das Königsmedium

Kampf um staatsnahe Hörspiel-Moneten
'Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf', mahnte bereits Angela Merkel. Oder war´s doch Mutter Theresa ? Über Verteilungsprobleme beim Königsmedium.

Schlagzeilen zum Chaoten Leo Greller
Von allen mittelmäßigen Hörspielseiten haben wir den heißesten Draht zum bigotten und chronisch unzufriedenen Liedermacher aus dem Norden.

Das lange Leben der Hörspielserien
Ob Science Fiction, Krimis, Grusel oder Skurriles: Mehrteiler bleiben uns meist länger im Gedächtnis. Ob zu recht oder nicht, kann man nicht immer klar sagen.

Das gesellschaftspolitische Hörspiel ist tot
... aber sowas von ! Auf erhobene Zeigefinger und moralinsaure Agitation hochbezahlter wie humorloser Weltverbesserer hat kaum noch jemand Lust.

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Stiftungs-Kuratorin Sonja Schmidt-Peters
SATIRE

Kampf um Hörspiel-Moneten

Sonja Schmidt-Peters von der staatsnahen Stiftung `m21´ hat eine schwierige Wahl zu treffen, denn es gibt gleich vier Bewerber um ihre Fördergelder - natürlich nur in dieser Hörspiel-Satire. Dennoch geben sich die Kandidaten alle Mühe mit ihrer Selbstdarstellung, um sich von den Mitbewerbern abzugrenzen. Am Ende siegt die political correctness.

Die Stiftung `moderne21´

Nachfolgend ein paar zusammenfassende Worte über die überparteiliche Stiftung `moderne21´ und ihr Selbstverständnis: Die Stiftung geht davon aus, dass wenn Bürger der Bundesrepublik die Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kritisieren, dies in den allermeisten Fällen ohne rationale Grundlage geschieht. Schließlich handelt es sich bei den gescholtenen Spitzenkräften fast ausnahmslos um seriöse Experten, die sich fest am Gemeinwohl orientieren.

Aber auch den Nörglern und Stänkerern will die Stiftung ein offenes Ohr und ein Forum bieten, denn sie dürfen von der Gesellschaft nicht abgeschrieben werden. Modernes Straßenbild in DeutschlandZum Glück ist Deutschland eine Republik mit Zukunft. Sein sich rapide verändernder Bevölkerungsaufbau und die daraus resultierenden großen Umbrüche werden von weitsichtigen Bürgern heute bereits als Chance begriffen. Als für die allgemeine Lebensqualität besonders vorteilhaft erweisen sich zudem die weitreichenden Aktivitäten des Sozialstaats. Dessen hochspezialisierte Beschäftigte haben ein großes Interesse an der Sicherheit und Zufriedenheit der Bevölkerung. Dennoch sind sie bestrebt, ihre Bemühungen lieber heute als morgen überflüssig zu machen. Aus der wachsenden Präsenz des Staates im Leben der Menschen resultiert ein Mentalitätswandel, der Optimismus und Zuversicht in die Zukunft fördert.

Die Stiftung `moderne21´ und ihre zum Teil ehrenamtlich helfenden Mitarbeiter bringen sich mit Geld, Zeit und Eigeninitiative für das Gemeinwohl ein. Sie wollen Politiker, Ökonomen und Medienschaffende bei der Verarbeitung der Folgen gesellschaftlichen Wandels mit Hilfe eigener Impulse und Aktivitäten zur Seite stehen. Genau wie alle seriösen politischen Kräfte steht die `moderne21´-Stiftung dem aktuellen Raubtierkapitalismus ebenso skeptisch gegenüber wie ihr gleichzeitig der Ausbau der Gerechtigkeit und die Bekämpfung der allgegenwärtigen Armut am Herzen liegt. Sie suchen den Dialog mit den Mächtigen und gehen auf diese zu, um sie im Geiste der Brüderlichkeit und der Solidarität umarmen.

Ist das bundesdeutsche Stiftungswesen zu staatsnah ?

Stiftungen haben im allgemeinen Verständnis meistens etwas zu vergeben, deshalb haben sie ein eher positives Image in der Öffentlichkeit. Es verwundert daher nicht, wenn sie hin und wieder auch zum Gegenstand von Kritik durch Neider und Nörgler werden. Nun hat die Kritik jedoch neue Nahrung erhalten.

In der Öffentlichkeit kursiert seit kurzem ein Tondokument, das während der Entscheidungsfindung für die Vergabe von Fördergeldern durch die satirische Stiftung `moderne21´ entstand. Es lief offenbar ein verstecktes Aufzeichnungsgerät mit als die Bewerber von vier zivilgesellschaftlichen Initiativen in der Hamburger Residenz der Stiftung `moderne21´ um die jährlich gezahlte Finanzspritze miteinander konkurrierten.

Die Tonqualität ist überraschenderweise ganz hervorragend. Der Aufnahme ist kaum anzumerken, dass sie mit verstecktem Mikrofon vorgenommen wurde. Das Ganze hört sich viel eher an, wie ein professioniell produziertes Hörspiel, was der Authentizität des Inhalts selbstverständlich keinen Abbruch tun muss.
Ob man nun mit einer Doku zu tun hat oder mit einem raffinierten Fake, ob das alles Politik ist oder noch Satire oder ob die staatstragende Satire bereits zu Politik geworden ist, das ist heutzutage nur schwer auseinanderzuhalten. Die beiden Kuratoren der erklärtermaßen staatsnahen Stiftung `moderne21´, Frau Schmidt-Peters und Herr Wessel, schlagen sich jedenfalls wacker in dem Bemühen, den geeignetsten Kandidaten für die Fördergelder herauszufiltern.

Nach dem Abhören des Tondokuments drängt sich manchem Zuhörer jedoch der Eindruck auf, dass Stiftungen möglichst politikkonform und somit staatsnah agieren müssen, um in der Mediengesellschaft bestehen zu können. Zu fragen wäre, ob es sich hierbei um ein notwendiges Übel handelte oder um ein zunehmend kritisch zu bewertendes Phänomen, gegen das anzugehen sei.



Jugendfreie Fantasie-Froschfrauen
DOKU

Schlagzeilen zum Chaoten Greller

Die Redakteurin eines Hamburger Rundfunksenders realisierte ein Radiofeature über die `Hamburger Schule´ deutsch-sprachiger Popmusik und bat Leo Greller um inhaltliche Unterstützung für das Projekt. Durch ihn sollte das Leben eines typischen Hamburger Liedermachers aus verschiedenen Perspektiven dokumentiert werden. Dies misslang gründlich.

Die Geschichte eines verkorksten Features

Die lange nicht mehr durch erwähnenswerte Produktionen aufgefallene Redakteurin eines Hamburger Rundfunksenders realisierte ein Radiofeature über die `Hamburger Schule´ deutschsprachiger Popmusik und bat Leo Greller um inhaltliche Unterstützung für das Projekt. Am seinem Beispiel sollte das Leben eines typischen Hamburger Liedermachers aus verschiedenen Perspektiven dokumentiert werden. Dies misslang gründlich.

Da wäre zunächst Leos Manager Ludo Kamberlein: Der Mann des Vertrauens für den Liedermacher. Kamberlein unterstützte die Feature-Redakteurin der Sache wegen, obwohl er neben Greller auch noch ein esoterisches Sängerinnen-Duo und eine Underground-Electrocombo aus Wedel betreut. Nach seinem Interview meinte er, er hätte `dieser Radiofrau´ viel mehr erzählt als er ursprünglich vorgehabt hätte, da sie ihm während der Gespräche ständig geschmeichelt habe.
Ebenfalls befragt wurde unnötigerweise eine Dame namens `Manuela´: Es ist kaum seriös zu nennen, in einem Feature über die Hamburger Schule im allgemeinen und Leo Greller im besonderen ausgerechnet eine Ex-Freundin des vielbeschäftigten Sängers zu Wort kommen zu lassen. Insbesondere dann, wenn man die Dame im Feature ausführen läßt, warum sie illoyalerweise eher auf Rockmusik als auf die Klänge der Hamburger Schule steht. Und dies mit einer Begründung, die auch Männer mit mehr sexuellem Selbstbewußtsein Leos Freundin Manuelaals dem Grellers peinlich berühren würde.
Dann gibt es noch diesen ehemaligen Schulkameraden von Leo: Dieser ist mittlerweile Sanitärtechniker in Heide (Holst.). Hätte das nicht gereicht ? Der Mann wirkt wie voll durch seinen Beruf ausgelastet. Dies ist natürlich zu begrüßen, aber wir fragen trotzdem: Mußte ausgerechnet dieser Herr für das Feature über kulturelle Themen befragt werden ? War es tatsächlich eine glückliche Wahl, gerade einen ehemaligen Schulkameraden über Greller sinnieren zu lassen ? Jemanden, der Leo während der Schulzeit nicht sonderlich nahestand und den nachweislich schon die Betrachtung eines harmlosen Musikvideos aus dem Hause Greller überreizt ? Wir meinen, nein !

VERbrauchtes MISStrauen

Leo Greller ließ sich -trotz Bedenken- zur beratenden Mitwirkung an dem Feature breitschlagen. Was er nicht wissen konnte war, dass es besagter Redakteurin bei ihrer Arbeit offenbar mehr um die Bestätigung bürgerlicher Vorurteile gegen Künstlerpersönlichkeiten aller colour (hier der Hamburgerischen) ging als um eine aufrichtige Dokumentation. Leo wörtlich: `Ich habe immer schon gerne Hörspiele gehört und auch Radio- Features. Das letzte war eine wirklich interessante Dokumentation über das frühe Ableben von Sven-Simon Springer, dem Sohn von Axel Springer. Nicht zuletzt deshalb wollte ich an dem Hamburger Schule - Feature mitwirken. Hat nur leider nicht viel genutzt.´

Man hatte offenbar auch keine Skrupel, aus Leos engstem Familienkreis Personen über die `Hamburger Schule´ und über Greller `auspacken´ zu lassen. Heraus kam bei Leos Schwester eine laienhafte psychologische Analyse über Grellers Sozialisation hin zum Liedermacher. Das hier bediente Klischee `bei gleichaltrigen Mädchen erfolgloser Teenager flüchtet sich in eine poetische Traumwelt, in der später von der unfreiwilligen Askese beeinflußte authentische Lieder über Frauen entstehen´ vermag bei genauerer Betrachtung von Leos Biografie jedoch nicht nachhaltig zu überzeugen.
Auch eine Barfrau vom St.Pauli-Kiez wurde befragt. Will man allerdings seriös über prominente Personen recherchieren, dann sollte man nicht auf Informanten zurückgreifen, die diese Menschen regelmäßig in alkoholisiertem Zustand erleben. Es sollte daher schon die Fairneß gebieten, Barpersonal nicht zu Indiskretionen zu verleiten. Hat sich Redakteurin Carstensen in ihrem Feature daran gehalten ? Leider nicht, was mittlerweile allerdings kaum noch überrascht ...
Was bitte hat die Rundfunkredakteurin Carstensen dazu bewogen, sich ausgerechnet der bekannten Winterhuder Kolumnistin Reifenstein-Herbig als Quelle für ihr Feature zu bedienen ? Die Spatzen pfeifen seit Jahren von Hamburgs Dächern, dass es mit der Chemie zwischen der Zeitungsdame und dem wiederholt in Ihrer Kolumne schuldlos niedergemachten Liedermacher nicht zum besten bestellt ist. Und dies aus vollkommen privaten Gründen, die nichts in einem öffentlichen Rahmen zu suchen haben. Wir unterstellen, dass es die Hörer nicht interessiert, wer im vorliegenden Fall einen Korb vom jeweils anderen kassieren mußte: Der 36jährige Liedermacher oder die um einige unwesentliche Dekaden erfahrenere Zeitungsdame. Dass Frau Reifenstein-Herbig der `Hamburger Schule´ deutscher Popmusik ablehnend gegenübersteht, war daher vorhersehbar und hätte nicht noch zusätzlich durch besagtes Feature dokumentiert werden müssen.



Electro-Industrial-Musiker, Anno 1987
MUSIK (off-topic)

Des Hörspiels hässliche Schwester

Der Name dieser Schwester ? 'Musik' ! Sie vermag ebenso wie das Hörspiel, Gefühle und Stimmungen zu stimulieren. Grenzwertig wird es allerdings, wenn sich Bruder 'Hörspiel' und Schwester 'Musik' inzestuös vermischen. Wer kann sich zum Beispiel schon ernsthaft ein gelungenes Hörspiel mit untermalender Electro-Industrial-Musik vorstellen ?

Getriebene Abgetriebene

Wenn drei von musikalischer Vorbildung unbelastete junge Männer versuchen, unkonventionelle Musik zu machen, kann in den allermeisten Fällen sowohl mit umwerfenden als auch mit niederschmetternden Resultaten gerechnet werden, mit Genialität und Redundanz, Inspiration und Langeweile.

Für das Projekt ‚Abgetriebenes Keuchen‘ aus Hamburg und Umgebung von Tim Paal (Gesang und E-Gitarre), Harry Luehr (Sequencer) und einem weiteren wackeren Mitstreiter (Sampler), dessen Pseudonym 'Stefan Trainer' lautet, trifft diese Erkenntnis ganz besonders: Sie konfrontieren ihr Publikum in den knapp zwei Jahren ihrer Zusammenarbeit seit 1988 sowohl mit schwer verdaulichen – allerdings erfreulich tanzbaren – elektronischen Industrial-Experimenten als auch mit scheinbar plumpen Persiflagen auf musikalisch kurz- wie langlebige Trends, wie ‚Front242‘ oder ‚Skinny Puppy‘.

Häufig ist in ihrer Musik die Ironie deutlich spürbar, um sich im nächsten Moment allerdings selber wieder in Frage zu stellen. Von Dauer scheint bei den Abgetriebenen, die ich an zwei Wochenenden im Herbst getrennt zum Interview aufsuche, nur wenig zu sein. Die Bandmitglieder können sich offenbar weder entscheiden, ob sie nun Teil der identitätsstiftenden Dark-Wave-Bewegung sein wollen, noch ob sie untereinander die richtigen Partner für eine solide musikalische Zusammenarbeit sind. Bei Erscheinen dieses Interviews im Frühling des nationaltrunkenen Vereinigungsjahres 1990 hat sich die Formation aufgelöst – einvernehmlich, wie es heißt. Ein erneutes Zusammenkommen scheint ungewiss und nach dem Lesen dieser letzten Zeilen vielleicht auch nicht wünschenswert.

Nach den Punk-Gitarren kamen die Synthesizer

Hamburger Szene-Discothek 'Kir' vor ihrem AbrissVor wenigen Wochen, am 26.12.89, gaben ‚Abgetriebenes Keuchen‘ ihr finales Konzert im Altonaer ‚Kir‘ als Support-Act der wesentlich kunstorientierteren Slowenen von ‚Borghesia‘. Dabei läuteten die drei Hamburger Jungs in einem scheinbar letzten Kraftakt euphorisch die fast unmittelbar anstehende neue Dekade ein.

Es liegt daher nahe, einen abschließenden Blick auf die Industrial- und Wave-Musik der zurückliegenden Achtziger Jahre zu werfen: Anfang des Jahrzehnts führen neue frische Bands unter den Etiketten ‚New-Wave‘ und ‚Post Punk‘ das Werk elektronischer Pioniere der Siebziger Jahre, wie Kraftwerk‘, Neu oder auch Japan fort. Hierbei geben Acts, wie Visage, A flock of Seagulls, Depeche Mode und Gary Numan zunächst den Ton an. Gegen Mitte der Achtziger Jahre wird die Bühne für alle Bands dieser Richtung zu klein und die elektronisch orientierte Wave- und Post-Punk-Szene differenziert sich aus.

In einer ersten Welle kommen Cabaret Voltaire, Portion Control und Nitzer Ebb aus Großbritannien zum Zuge. Auf dem Kontinent folgen ebenfalls schon früh Front242 und Clan of Xymox aus Benelux. Aus Übersee machen Skinny Puppy, Psyche und SPK von sich reden – und aus Deutschland zu dieser Zeit eigentlich ’nur‘ DAF und Boytronic. In der finalen Welle der zweiten Dekaden-Hälfte hören wir dann Cassandra Complex, Alien Sex Fiend und ClickClick von den britischen Inseln; A Split Second, Klinik und à;GRUMH… aus Benelux; aus Amerika Revolting Cocks, Frontline Assembly und Ministry und aus Deutschland – wenn überhaupt, dann – Invincible Spirit und Fair Sex.



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moderne21





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Telefonat aus 'Stadt-Land-SChluss'
VERRAT

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Nordfeuchtes Skandalvideo (aus 'Gut gebrüllt, Leo!')
SKANDALVIDEO





Hörspiel-Interviews
Märchentante: Heikedine Körting
Ufos: M. Gaida (fiktiv)
Jugendkult: Jens Wawrczeck
Starke Kinder: Alfred Krink





provokative Hörspiele
provokative Hörspiele
LEO GRELLER & CO

Science-Fiction-Hörspiele
Science-Fiction-Hörspiele
P. RHODAN & CO





Hochtrabend und Anmaßend
Essay: Niveau-Drücker
Essay: Viel Lärm um nichts
Rede: Zustand des Hörspiels
Beitrag: Erlebnisgesellschaft
Infantil: Kinder hören anders
'Ideology kills the radio drama star'





Die Hörspieler-Homepage von 1999 bis 2009
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HÖRSPIELer ANTIK

Die Greller-Homepage von 2004 bis 2009
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junger LEO GRELLER





Die 10 besten öffentlich-rechtlichen Hörspiele nach Meinung des HÖRSPIELers

TOP-10 des HÖRSPIELers
(alphabetisch sortiert)

Auf zur Venus
A: Michael Gaida | P: SFB 1982
R: Manfred Marchfelder | L: 57 Min.
D: Uwe Müller, Helga Anders, Monika
Hansen, Erwin Schastok, Peter Matic

Blutbad
A: Sylvia Hoffman | P: SFB 1973
R: Christian Gebert | L: 51 Min.
D: Hans Korte, Ingeborg Engelmann,
Elke Aberle, Ulrich Faulhaber

Die Brandung von Hossegor
A: Alfred Andersch | L: 88 Min.
R: Otto Düben | P: NDR/HR/SR/WDR 1976
D: Christian Brückner, Christoph Quest,
Ursela Monn, Barbara Freier

Ein Sonntag in New York
A: Truman Capote, Andy Warhol
B: Beate Andres | L: 60 Min.
R: Beate Andres | P: NDR 1998
D: Martin Reinke, Klaus Schreiber

Fehler im System
A: Richard Strand | L: 39 Min.
B: Franziska Hirsbrunner
R: Pierre Kocher | P: DRS 1989
D: Wolfgang Grabow, Renate Müller

Leute wie wir
A: Donovan O'Malley | P: NDR 1981
B: Monika Klostermeyer
R: Hans Rosehauer | L: 45 Min.
D: Katharina Thalbach, Stephan Schwartz,
Jutta Wirschaz, Marlen Diekhoff

Das Loch im Kopf der Welt
A: Fay Weldon | L: 87 Min.
Ü: Hubert von Bechtolsheim
R: Stefan Dutt | P: P: SR/BR/RB 1993
D: Jürgen Holtz, Friederike Tiefenbacher

Nach Tübingen oder
Lauf, Friedrich, lauf!
A: Frank Werner | P: NDR/SWF 1989
R: Hans Rosenhauer | S: 42 Min.
D: Gert Baltus

Science Fixion
A: Peter Jacobi | P: RB 1979
R: Manfred Marchfelder | S: 65 Min.
D: Henning Venske, Ronald Nitschke
Anja Kruse, Otto Sander

Unser Vater ist doch noch
ein Shooting-Star geworden
A: Ria Endres | P: SWR/WDR 1999
R: U. Brinkmann | S: 39 Min.
D: Sophie Rois, Antje v.d. Ahe u.a.

A=Autor | B=Bearbeitung | D=Darsteller (Auswahl)
P=Produkt. | R=Regie | L=Länge | Ü=Übersetz.






Hörspiel-Interviews
Sammelfreuden: Herbert Piechot
Unabhängig: Caspar Abocab
SpaceDay: Michael Esser





Drei-Fragezeichen-Kurzrezensionen
Drei-Fragezeichen-Kurzrezensionen
PETER SHAW & CO

Dan-Shocker-Kurzrezensionen
Dan-Shocker-Kurzrezensionen
LARRY BRENT & CO





Die 10 besten öffentlich-rechtlichen Kriminal-Hörspiele der letzten 3 Jahrzehnte nach Meinung des HÖRSPIELers | Ranking

TOP-10 des HÖRSPIELers
Kriminal-Hörspiele (Krimi-Ranking)
(chronologisch)

Lindauer Pietà
A: Martin Walser | P: WDR/SWF 1975
R: Günther Sauer | S: 78 Min.
D: Heinz Meier, Brigitte Horney, L. Carstens

Verteidigung von Friedrichshafen
A: Martin Walser | P: DDR 1976
R: Heinz-Wilhelm Schwarz | S: 54 Min.
D: Dietrich Körner, Hans-Joachim Hanisch

... trägt Anstaltskleidung
und ist bewaffnet
A: Irene Rodrian | P: BR 1982 | S: 54 Min.
R: Gert Westphal | B: Lilian Westphal
D: Robert Atzorn, Lisi Mangold, Rita Russek

Detective Andy
und der Transvestitenmord
A: Anthony J. Ingrassia | P: SFB/HR 1983
R: Bernd Lau | S: 52 Min. | B: Götz Naleppa
D: Manfred Krug, Tara O'Hara, Otto Sander

Brunx
A: Jens Hagen | P: WDR 1983
R: Werner Klein | S: 52 Min.
D: Achim Hammer, Karin Dieck, M. Ponnier

Detective Andy
und der Disco-Passion-Mord
A: Anthony J. Ingrassia | P: SFB 1987
R: Werner Klein | S: 57 Min.
D: Manfred Krug, Ursula Heyer, B. Primus

Potsdamer Ableben
A: Pieke Biermann | P: SFB 1989
R: Günther Sauer | S: 109 Min.
D: Renan Demirkan, Beate Hasenau

Panama oder
Die Details der Engel
A: Michael Batz | P: NDR 1990
R: Hans Rosenhauer | S: 60 Min.
D: Barbara Nüsse, Rainer Schmitt

Traumfabrik
A: Roger Hall | Ü: Hubert von Bechtolsheim
R: Renate Heitzmann | S: 45 Min.
P: DLR 1995
D: Rolf Ludwig, Michael Schenk, Th. Thieme

Anna Marx und die Mörderin
A: Christine Grän | P: SWR 1999
R: Walter Adler | S: 55 Min.
D: Hansi Jochmann, Hermann Lause

A=Autor | B=Bearbeitung | D=Darsteller (u.a.)
P=Produkt. | R=Regie | S=Dauer | Ü=Übersetz.





Lesung
Lesung von Leo Greller (1/2) - Mediensatire
TEIL1

Lesung
Lesung von Leo Greller (2/2)
TEIL2





Die besten öffentlich-rechtlichen Kriminal-Hörspiele außer Konkurrenz (etc.) der letzten Jahrzehnte nach Meinung des HÖRSPIELers | Ranking

TOP-2 des HÖRSPIELers
Kriminal-Hörspiel / außer Konkurrenz
(chronologisch)

Gestatten, mein Name ist Cox
A: Alexandra & Rolf Becker | P: NWDR 1959
R: Walter Netzsch | S: 180 Min.
D: Carl-Heinz Schroth, Siegfried Lowitz

Das Bouillabaisse-Komplott
A: Andreas Pflüger | P: DSK 1993
R: Albrecht Surkau | S: 45 Min.
D: Otto Sander, Angelika Waller

A=Autor | B=Bearbeitung | D=Darsteller (u.a.)
P=Produkt. | R=Regie | S=Dauer | Ü=Übersetz.





Video: Die Tacheles-Satiren (m21-Werkschau)
Video: Die Tacheles-Satiren (m21-Werkschau)
TACH.-SATIREN

Diskussion
Diskussion zum Thema 'Political Correctness in der Kunst'
KREATIVE MITTE





jüngst und bald im HÖRSPIELer
jüngst: ... über das Königsmedium
bald: ... erfindet sich neu






GENRE

Das lange Leben der Hörspielserien

Ob Science Fiction, Krimis, Grusel oder Skurriles: Mehrteiler bleiben uns meist länger im Gedächtnis. Ob zu recht oder nicht, kann man nicht immer klar sagen. Vielleicht fungieren in der Single-Gesellschaft die immer wieder kehrenden Hörspielhelden auch bereits als eine Art 'Ersatzfamilie' für uns. Das wäre zwar traurig aber irgendwie auch verständlich ...
Science-Fiction-Hörspiel

Die große Reise

Im Jahr 1981 veröffentlichte Maritim vier Folgen ("EIN UFO MACHT ÄRGER"; "WIRBEL IM MONDLIFT"; "ROTE ELEFANTEN AUF DEM JUPITER"; "BEGEGNUNG IM ALL") zwischen 50 und 60 Minuten Dauer der Serie DIE GROßE REISE von Alfred Krink mit Manfred Steffen, Renate Pichler, Konrad Halver, Thiemo Krink, Stephan Chrzescinski, Rolf Jahnke, Katharina Matz, Wolf Dieter Stubel und einigen anderen. Was beim aktuellen Rolf-Zuckowski-Bashing unterzugehen droht: Der hanseatische Barde besorgte sehr gekonnt und passenddie Musik für diesen Mehrteiler.

Die Reihe `Die große Reise´ ist für Kinder und Erwachsene konzipiert. Was auf den ersten Blick wie ein etwas platter Marketing-Spruch erscheint, erweist sich nach dem Hören als durchaus zutreffende Beschreibung der Stücke: Kinder werden spannend und humorvoll unterhalten und auch Erwachsene bekommen viel Stoff zum Schmunzeln geboten. Zu einer Zeit als den tonangebenden Medienhäusern im Hörspielbereich noch an niveauvoller Kinder- und Familien-Unterhaltung mit humanistischem Anspruch gelegen war -also Anfang der 80er Jahre- entstand unter dem Label Maritim ein Serien-Highlight. Für die damaligen Macher des Maritim-Labels typisch, wurden die Stücke hochkarätig besetzt und handwerklich vorbildlich realisiert.
EIN UFO MACHT ÄRGER: Die Familie Hermes ist auf dem Weg zum Mond, um von dort aus eine `große Reise´ zu den benachbarten Planeten zu unternehmen - Da wird Jelly von einem Ufo entführt und körperlich verändert. Ein etwas zäher Einstieg in das Weltraumabenteuer mit amüsanten Anspielungen auf die Fortschrittsgläubigkeit.
WIRBEL IM MONDLIFT: Im Mondlift angekommen gehen die Probleme weiter: Eine nicht frei im Handel erhältliche Tarnfarbe sorgt für Verwirrung und ein Passagier des Lifts verlässt die Fähre in einem fehlerhaften Raumanzug. Recht witzige Dialoge dank einiger skurriler Liftpassagiere begleitet von schrägen Wortschöpfungen futuristische kulinarische Leckerbissen betreffend.
'Die grosse Reise 4 - Begegnung im All' - mit freundlicher Genehmigung von Alfred KrinkROTE ELEFANTEN AUF DEM JUPITER: Endlich ist die Familie Hermes vollständig im Raumschiff auf dem Mond versammelt. Mit einem getarnten blinden Passagier an Bord startet die Reise zu den sonnenfernen Planeten. Ein Besatzungsmitglied ist kauziger als das andere. Professor Nös eigenwilliges Obst-Modell des Sonnensystems ist anschaulicher als mancher Himmelsatlas.
BEGEGNUNG IM ALL: Das Expeditionsschiff `Golden Pilgrim´ ist schon ziemlich weit von der Erde entfernt, da trifft es auf ein Oldtimer-Raumschiff. Die Stimme des Kommandanten kommt den Mitgliedern der Familie Hermes sehr bekannt vor. Ein erstaunlich lebensnahes Beispiel für die menschlichen Auswirkungen von Langzeit-Aufenthalten im Weltraum vermag die Hörer zum Schmunzeln zu bewegen - Die Schilderung von Jellys Geburtstagsfest geriet zwar originell aber auch etwas betulich. Serienende eben ...

Perry-Rhodan-Classics

Die drei Einzel-Hörspiele nach William Voltz "PLANET DES TODES", "INVASION DER PUPPEN", "AUFRUHR IN TERRANIA" von jeweils ungefähr 40 Minuten Spieldauer erschienen bei Europa in den 70ern. Unter anderem wirkten Horst Breiter, Andreas von der Meden, Marianne Kehlau und Hans Meinhardt mit.

Der Serie lagen drei Perry Rhodan-Romane zugrunde, die jeweils lediglich am Rande etwas mit Perry Rhodan und Reginald Bull zu tun haben. Andere leitende Charaktere aus der Heftserie spielen ebenfalls kaum eine Rolle, was den drei Stories kaum Abbruch tut. Die Umsetzung gelang insgesamt nicht besonders professionell. Wenn man den Produktionen auch ihr frühes Erscheinen in den 70er Jahren nachsieht, so klingen viele Dialoge zeitweilig doch recht gekünstelt. Die weiblichen Rollen spiegeln darüber hinaus ein aus heutiger Sicht ziemlich armseliges Frauenbild wider:
In PLANET DES TODES wehrt sich der Planet Woodlark anscheinend mit allen ihm verfügbaren biologischen Mitteln gegen seine Besiedlung durch die Menschen. Erst ein junger Fotoreporter vermag mit viel Einfühlungsvermögen zwischen den Menschen und der fremden Welt zu vermitteln. Bei dem Hörspiel handelt es sich um ein esoterisch angehauchtes aber dennoch bzw. gerade deshalb hörenswertes kleines Umweltdrama.
In INVASION DER PUPPEN bahnt sich auf einem Kolonialplaneten des terranischen Imperiums eine Verschwörung gegen den Rest der Galaxis an. Ein geheimnisvolles machtbesessenes Plasma ergreift über folkloristisch anmutende Puppen Besitz von den Kolonisten. In dem Hörspiel retten Vater und Sohn (beide Mutanten) gemeinsam die Galaxis vor dem bösen Plasma. Rührend, aber leider nicht sehr spannend.
In AUFRUHR IN TERRANIA planen Aufständische einer terranischen Kolonialwelt ein Attentat auf Julian Tifflor, der Perry Rhodan auf Terra vertritt. Mit Hilfe eines heimtückischen Sprengstoffanschlags soll Tifflor aus dem Weg geräumt werden. Bei dem Hörspiel handelt es sich um einen ziemlich belanglosen Krimi, der ebensogut wie in der Zukunft auch im Chicago der 20er Jahre spielen könnte (20. Jahrhundert !).



KONFORMISMUS

Gesellschaftspolitisch totes Hörspiel

Auf moralinsaure Agitation hochbezahlter wie humorloser Weltverbesserer hat kaum noch jemand Lust. Der Hörspieler hat mit Eigenproduktionen versucht, dies zu ändern - vergeblich. Die Hörer waren einfach nur angewidert von dem Vorhaben, über das 'Königsmedium' Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse nehmen zu wollen.
tote Hörspieler

Wirkliche Provokationen fehlen

Wenn in diesen Tagen kaum noch wirklich provokative Hörspiele im Radio (oder im Livestream) laufen, ist dies ein Symptom dafür, dass sich das bundesdeutsche Hörspiel öffentlich-rechtlicher Prägung in einer schweren Krise befindet - wie überhaupt die Errungenschaften der `Moderne´ in diesem Land.

Wenn man heute als Hörspielmacher Themen behandeln will, die von denen der großen Parteien und in der Folge auch der öffentlich-rechtlichen Medien abweichen, dann kann man sein Glück nur auf dem freien Markt versuchen. Würden im öffentlich-rechtlichen Hörspiel hin und wieder auch Fragen von allgemeinem Interesse wie der demographische Wandel und die mit ihm verbundenen tief gehenden Veränderungen der Bevölkerungsstruktur hierzulande behandelt, dann könnte man sich beruhigt ein- oder zweimal die Woche abends ein Radiostück anhören, das einem über dass hier und heute dieser nervösen Zeiten in Deutschland etwas sagen will. In welcher Form auch immer - möglichst nicht moralinsauer sondern humorvoll, kritisch, ironisch oder grotesk.

Es ist nicht naiv, mit Hörspielen im kleinen Rahmen etwas bewegen zu wollen. Es gab Zeiten, da waren diese noch politisch. Und zwar teilweise sogar gegen die herrschenden Machtverhältnisse gerichtet, in die die öffentlich-rechtlichen Sender natürlich stark eingebunden sind. Bis in die 80er Jahre hinein hatte man in einigen Hörfunkhäusern noch die Größe, dieses zuzulassen und das Gebot der Staatsferne und der Unabhängigkeit für die öffentlich-rechtlichen Medien ernst zu nehmen. Zwar hat man in den Hörspielabteilungen der Öffentlich-Rechtlichen freiwerdende Stellen in den letzten Jahren mutigerweise fast ausschließlich mit modernen Mitarbeiterinnen besetzt und damit Vielfalt und Gerechtigkeit gefördert - aber dennoch befindet sich auch hier Unabhängige und nicht-ritualisierte Gesellschaftskritik seit langem auf dem Rückzug.

Das Hörspiel 'als Kind der Moderne'

Hort durch das Medium 'Hörspiel' mitvorangetriebenen gesellschaftlichen Wandels zum Besseren ? - Leider nicht ... Als Hörspieler ist man - wie andere Kreative auch - eine Gegenstimme zu den Institutionen. Es ist jedoch auffällig, dass die Funktion der Kritik gegenüber den Hörspielabteilungen momentan von niemandem ausgeübt wird. Weder von außerhalb - es gibt anscheinend keine Dissidenten, die ein kritisches Wort wagen - noch von innen heraus. Daher werde ich mich diesbezüglich schadlos halten. Es ist natürlich begrüßenswert, dass die Mitarbeiter der öffentlich-rechtlichen Hörfunkhäuser selbst sehr angetan sind von ihren Produktionen. Noch etwas erfreulicher wäre es allerdings, wenn ein paar mehr Zuhörer außer der direkt und indirekt abhängig Beschäftigten die Begeisterung mit ihnen teilen könnten.

Zu erleben ist seit Jahren eine gesamtgesellschaftliche Verunsicherung. Es ist klar, dass aufgrund der demographischen Entwicklung große Umbrüche bevorstehen und daher sind viele Menschen unsicher, wo es langgehen soll. Hinzu kommt, dass die klassischen Beziehungsmodelle ihr Selbstverständnis verloren haben: Die Familie hat es in der individualisierten Gesellschaft ausgesprochen schwer und ist vermutlich für die Mehrzahl der Menschen nicht einmal als Ideal aufrecht zu erhalten.
Das Aufziehen von Kindern ist heute normativ komplett überfrachtet und zu sehr privatisiert. Die Single-Gesellschaft stiehlt sich hier ebenfalls aus der sozialen (gar nicht einmal aus der finanziellen) Verantwortung, was die weniger werdenden herkömmlichen Familien zusätzlich belastet. Die Errungenschaften der Moderne und damit der Individualisierungsthese stehen auf dem Spiel. Es wird unweigerlich zu schweren Verwerfungen gesellschaftlicher Gruppen kommen, die hauptsächlich über die Medien kommuniziert werden und bei denen Kinder eine traurige Schlüsselrolle spielen. Autoren, die heute Medieninhalte bereitstellen, sollten darauf vorbereiten, sensibilisieren, einstimmen und Möglichkeiten zur Deeskalation aufzeigen. Dies wird jedoch angesichts des weit verbreiteten Defaitismus, der bei der Themenwahl der Redaktionen offenkundig zum Statut gehört, nicht zu bewerkstelligen sein. Man gewinnt damit vielleicht Grimme-Preise, aber man verfehlt leider auch den Nerv der Zeit. Unabhängige Autoren sind in dieser Situation stärker denn je gefragt: Denn sowohl die politische Linke als auch die Rechte haben keine guten Antworten auf die Gefahr durch die Gegner der Aufklärung. Aber das Hörspiel ist ein Kind der Moderne und als solches braucht es sie zum Leben.




KOMMERZIALISIERUNG

Hörspielhaus Tacheles

Das weltbekannte besetzte Berliner 'Kunsthaus Tacheles' gab diversen Produktionen des Hörspielers ('Groupiedämmerung' etc.) ein Dach überm Kopf. Nun wurde es von einer steuerfinanzierten Bank zwangsgeräumt. Hörspiel findet dort in Zukunft wohl nicht mehr statt. Wir wollen die neuen Eigentümer an dieser Stelle kurz an das 'Tacheles' erinnern.
Straßentheater vorm Hörspielhaus Tacheles

Schmücken mit fremden Federn

Investoren und Projektentwickler würden aus dem bekannten Namen Tacheles zu gerne eine Geldmaschine machen. Als störend bei ihrer Immobilienspekulation empfinden sie allerdings die Öffentlichkeit und erst recht die Künstler, die den Begriff Tacheles für die Kultur zu dem gemacht haben, was er heute ist.

Zu befürchten wären daher sowohl eine Grundstücksspekulation auf Steuerzahlerkosten als auch eine Image-Restitution auf Künstlerkosten. Beides scheint außenstehenden Beobachtern mit fairem Wettbewerb sowie mit Anstand und Würde nur sehr schwer vereinbar. Offenbar stört dies jedoch erstaunlich wenig Entscheidungsträger in der Hauptstadt - ist man dort doch seit dem Immobilien- und Bankenskandal der Neunziger Jahre Unappetitliches in diesem Bereich gewohnt.

Im Bereich des Möglichen liegen für das Grundstück eine Art `Kunst-Hostel´, eine Shopping-Gallerie für Street-Art - aber eben keinesfalls ein selbstverwaltetes, gemeinnütziges Kunsthaus, wie es inzwischen seit über zwanzig Jahren besteht und den Ruf Berlins in der Welt als künstlerfreundliche Metropole stark mitgeprägt hat. Dabei wird bezüglich des Tacheles-Areals zwischen der Oranienburgerstraße und der Friedrichstraße in Berlin-Mitte nicht mit Privatvermögen spekuliert, wie wenn etwa eine private Person Geld auf den Tisch gelegt und rechtmäßig etwas erworben hätte. Vielmehr wurde ein öffentliches Gelände von 25.000 Quadratmetern, von denen das eigentliche Kunsthaus lediglich fünf Prozent ausmacht, privatisiert mit Hilfe eines Investors, der es von einem seiner Tochterunternehmen kaufen ließ. Die Privatisierung des Stadteigentums war offenkundig nicht verbunden mit einem tragfähigen Konzept für die Entwicklung des Areals. Mit den Betreibern des Tacheles wurde folgerichtig nicht darüber beraten, wie eine gemeinsame Lösung für die geplanten Bauvorhaben aussehen könnte.

Aufarbeitung der Berliner Goldgräberzeit

Hörspiel-Verhinderungsminister Wolfgang Schäuble (CDU) Der schwelende `Tacheles-Skandal´ führt mittlerweile dazu, das Regierungs- und Verwaltungshandeln während des Berliner Immobilien- und Baubooms näher zu beleuchten.

Im Frühjahr 2012 erhielt Bundesfinanzminister Schäuble ein Schreiben vom Präsidenten des Bundes der Steuerzahler Karl Heinz Däke, in dem dieser den Bund aufforderte, vom 1998 mit der inzwischen im Fokus zahlreicher Ermittlungen stehenden Kunduz-Gruppe geschlossenen Kaufvertrag über das `Tacheles Areal´ in bester Berliner Lage zurückzutreten, da die mit dem Kauf verbundene Investitionspflicht seitens der Immobilien-Gruppe des Adolf Schadfeld nicht erfüllt wurde.

Im Frühjahr 2012, als Schäuble das Schreiben von Herrn Däke erhielt, ging die Öffentlichkeit von einem Kaufpreis über die ausgesprochen niedrig erscheinende Summe von 35 Millionen Euro für das ausgedehnte Areal aus. Er wurde inzwischen von den Unterstützern des Kunsthauses Tacheles darüber informiert, dass diese einen realen Kaufpreis von weniger als 13 Millionen Euro dokumentieren können, für den die attraktive Fläche zwischen Friedrich- und Oranienburgerstraße zum Schaden der öffentlichen Hand – man kann es wohl kaum anders ausdrücken – verschleudert wurde. Auch der Bund der Steuerzahler wurde von den Tachelesen über diese neue Erkenntnis informiert. Reaktionen liegen bisher noch nicht vor.

Unter der aus heutiger Sicht äußerst fragwürdig erscheinenden Abwicklung des Grundstücksverkaufs durch den Bund, die eigentlich von der Oberfinanzdirektion Berlin hätte überwacht werden sollen, haben insbesondere die Künstler und Unterstützer des weltbekannten `Kunsthauses Tacheles´ zu leiden, das damals mitveräußert wurde und das jetzt infolge des Verkaufs an einen ungeeigneten Investor unter Zwangsverwaltung einer maroden Bank steht, was diese offenkundig überfordert. Counter