Radiokunst à la Leo Greller



Über den zwangsläufig zum Scheitern verurteilten Versuch des ohnehin stets leicht überforderten NDR,
ein Radio-Feature über den eigensinnigen Hamburger Liedermacher und Provokateur Leo Greller zu produzieren.




Tom Wlaschiha
LOSERMEDIEN

Staubtrockene Medienbräute

Die Redakteurin eines Hamburger Rundfunksenders realisierte ein Radiofeature über die `Hamburger Schule´ deutsch-sprachiger Popmusik und bat Leo Greller um inhaltliche Unterstützung für das Projekt. Durch ihn sollte das Leben eines typischen Hamburger Liedermachers aus verschiedenen Perspektiven dokumentiert werden. Dies misslang gründlich.

Die Geschichte eines verkorksten Features

Die lange nicht mehr durch erwähnenswerte Produktionen aufgefallene Redakteurin eines Hamburger Rundfunksenders realisierte ein Radiofeature über die `Hamburger Schule´ deutschsprachiger Popmusik und bat Leo Greller um inhaltliche Unterstützung für das Projekt. Am seinem Beispiel sollte das Leben eines typischen Hamburger Liedermachers aus verschiedenen Perspektiven dokumentiert werden. Dies misslang gründlich.

Da wäre zunächst Leos Manager Ludo Kamberlein: Der Mann des Vertrauens für den Liedermacher. Kamberlein unterstützte die Feature-Redakteurin der Sache wegen, obwohl er neben Greller auch noch ein esoterisches Sängerinnen-Duo und eine Underground-Electrocombo aus Wedel betreut. Nach seinem Interview meinte er, er hätte `dieser Radiofrau´ viel mehr erzählt als er ursprünglich vorgehabt hätte, da sie ihm während der Gespräche ständig geschmeichelt habe.
Leos Freundin ManuelaEbenfalls befragt wurde unnötigerweise eine Dame namens `Manuela´: Es ist kaum seriös zu nennen, in einem Feature über die Hamburger Schule im allgemeinen und Leo Greller im besonderen ausgerechnet eine Ex-Freundin des vielbeschäftigten Sängers zu Wort kommen zu lassen. Insbesondere dann, wenn man die Dame im Feature ausführen läßt, warum sie illoyalerweise eher auf Rockmusik als auf die Klänge der Hamburger Schule steht. Und dies mit einer Begründung, die auch Männer mit mehr sexuellem Selbstbewußtsein als dem Grellers peinlich berühren würde.
Dann gibt es noch diesen ehemaligen Schulkameraden von Leo: Dieser ist mittlerweile Sanitärtechniker in Heide (Holst.). Hätte das nicht gereicht ? Der Mann wirkt wie voll durch seinen Beruf ausgelastet. Dies ist natürlich zu begrüßen, aber wir fragen trotzdem: Mußte ausgerechnet dieser Herr für das Feature über kulturelle Themen befragt werden ? War es tatsächlich eine glückliche Wahl, gerade einen ehemaligen Schulkameraden über Greller sinnieren zu lassen ? Jemanden, der Leo während der Schulzeit nicht sonderlich nahestand und den nachweislich schon die Betrachtung eines harmlosen Musikvideos aus dem Hause Greller überreizt ? Wir meinen, nein !

VERbrauchtes MISStrauen

Leo Greller ließ sich -trotz Bedenken- zur beratenden Mitwirkung an dem Feature breitschlagen. Was er nicht wissen konnte war, dass es besagter Redakteurin bei ihrer Arbeit offenbar mehr um die Bestätigung bürgerlicher Vorurteile gegen Künstlerpersönlichkeiten aller colour (hier der Hamburgerischen) ging als um eine aufrichtige Dokumentation. Leo wörtlich: `Ich habe immer schon gerne Hörspiele gehört und auch Radio- Features. Das letzte war eine wirklich interessante Dokumentation über das frühe Ableben von Sven-Simon Springer, dem Sohn von Axel Springer. Nicht zuletzt deshalb wollte ich an dem Hamburger Schule - Feature mitwirken. Hat nur leider nicht viel genutzt.´

Mehr als nur ein Freudscher VersprecherMan hatte offenbar auch keine Skrupel, aus Leos engstem Familienkreis Personen über die `Hamburger Schule´ und über Greller `auspacken´ zu lassen. Heraus kam bei Leos Schwester eine laienhafte psychologische Analyse über Grellers Sozialisation hin zum Liedermacher. Das hier bediente Klischee `bei gleichaltrigen Mädchen erfolgloser Teenager flüchtet sich in eine poetische Traumwelt, in der später von der unfreiwilligen Askese beeinflußte authentische Lieder über Frauen entstehen´ vermag bei genauerer Betrachtung von Leos Biografie jedoch nicht nachhaltig zu überzeugen.
Auch eine Barfrau vom St.Pauli-Kiez wurde befragt. Will man allerdings seriös über prominente Personen recherchieren, dann sollte man nicht auf Informanten zurückgreifen, die diese Menschen regelmäßig in alkoholisiertem Zustand erleben. Es sollte daher schon die Fairneß gebieten, Barpersonal nicht zu Indiskretionen zu verleiten. Hat sich Redakteurin Carstensen in ihrem Feature daran gehalten ? Leider nicht, was mittlerweile allerdings kaum noch überrascht ...
Was bitte hat die Rundfunkredakteurin Carstensen dazu bewogen, sich ausgerechnet der bekannten Winterhuder Kolumnistin Reifenstein-Herbig als Quelle für ihr Feature zu bedienen ? Die Spatzen pfeifen seit Jahren von Hamburgs Dächern, dass es mit der Chemie zwischen der Zeitungsdame und dem wiederholt in Ihrer Kolumne schuldlos niedergemachten Liedermacher nicht zum besten bestellt ist. Und dies aus vollkommen privaten Gründen, die nichts in einem öffentlichen Rahmen zu suchen haben. Wir unterstellen, dass es die Hörer nicht interessiert, wer im vorliegenden Fall einen Korb vom jeweils anderen kassieren mußte: Der 36jährige Liedermacher oder die um einige unwesentliche Dekaden erfahrenere Zeitungsdame. Dass Frau Reifenstein-Herbig der `Hamburger Schule´ deutscher Popmusik ablehnend gegenübersteht, war daher vorhersehbar und hätte nicht noch zusätzlich durch besagtes Feature dokumentiert werden müssen.



Badewannen-Interview
BOULEVARDMEDIEN

Feuchter Klatsch

Was tut man als aufstrebender Liedermacher nicht alles, um aufzufallen ? Man steigt zum Beispiel in eine Badewanne und beantwortet der Reporterin eines Klatschmagazins neugierige und anmaßende Fragen über sein Leben als C-Promi. Immerhin riecht man hinterher angenehm und es war tatsächlich nach langer Zeit mal wieder eine Frau im Badezimmer.

INTERVIEW I

Am Beckenrand

Interviews mit dem als schwierig geltenden Liedermacher Leo Greller misslingen in schöner Regelmäßigkeit.

Das nachfolgende Gespräch führte Michaela Peinrich im September 1999 auf dem Beckenrand einer Badewanne sitzend, in der Leo sich gerade `entspannte´. Michaela musste während des Interviews ständig darauf achten, dass ihr ihr Mikrofon nicht in´s Badewasser fiel.
Es geht unter anderem darum, dass Leo total auf Wasser steht: Er lebe in ´ner Hafenstadt; gehe 2 mal pro Woche schwimmen -meistens-; und er bade auch total gerne ... . Schließlich komme ja auch alles Leben aus dem Wasser. Der Liedermacher beschwert sich außerdem darüber, dass er in fast jedem Gespräch mit Journalisten auf das Label der `Hamburger Schule´ angesprochen werde. Leo Greller (das Interview führte Stefanie Zobl)Für die einzelnen Leute, die es beschreiben soll, wäre es seiner Meinung nach genauso wenig aussagekräftig, wie z.B. der `Club of Rome´ oder die `Schwestern der perpetuellen Indulgenz´. Oder die `Weight Watchers´. Nach dem vermeintlichen 'Oberlehrer' der Hamburger Schule, Herrn `Studienrat´ Begemann, umfasse diese Beschreibung Musiker, die `...in verständlicher Sprache über Dinge sängen, die nachvollziehbar seien.´, also weniger artifizielle oder ironische Lieder.
Dann lamentiert der allmählich ausgelaugte Provokateur noch über seine schlechten Gefühle bezüglich der negativen Reaktionen, die es auf das B-Movie `hanseatic necrophile´, in dem er die männliche Hauptrolle spielte, von der Presse gegeben habe. Vor allem von den Studentenblättern, denen scheinbar der Sinn für subtile Ironie total abhanden gekommen sei. Die Leute seien an `hanseatic necrophile´ nicht richtig rangegangen. Nicht locker genug. Wenn man da wegen des Themas `Atom-Supergau´ schon von vornherein mit so´ner `Bäh´-Haltung in´s Kino gehe, dann könne man natürlich gar nicht richtig entspannen und das Werk angemessen auf sich einwirken lassen.
Abschließend gibt Leo Greller vor, dass er diese Dinge nicht zu hoch hängen wolle, denn er wolle auch nicht, dass die Leute seine Musik zu ernst nähmen; dass sie sich bei jedem Lied diese gewisse `Was will uns der Sänger damit sagen ?´-Frage stellen würden. Das wäre in seinen Augen tatsächlich eine falsche Ehrfurcht.
Noch Fragen ?

Leo Greller (das Interview führte Sia Niskios) INTERVIEW II

Unterbewertete B-Movies

Als weiterer Beleg für die amateurhaftigkeit Leo Grellers können einige Zitate aus einem Interview angeführt werden, das der Hamburger dem Düsseldorfer Lifestyle-Magazin 'Mago' gab:

Als mein Manager Ludo Kamberlein mir eine Zeitungsseite zeigte, auf der als charmanter Junggeselle dargestellt wurde, lag ich gerade darnieder, weil ich mir aus ´nem Italien-Urlaub ´ne hartnäckige Gelbsucht mitgebracht hatte. In so´nem Zustand macht man sich weniger Gedanken darüber, ob man nun Sex-Appeal ausstrahlt oder nicht. Ich musste wegen dieses Mitbringsels die Aufnahmen zu `Nach dem Regen´ verschieben und auch die geplante Sommertournee fiel erst mal flach. Die kommt jetzt im Winter, als Wintertournee. In Anbetracht dieses ganzen Ärgers verlor die Junggesellen-Geschichte schnell an Bedeutung für mich. ... Claudia Dittersdorf, die meine Freundin in dem berüchtigten Trashmovie `hanseatic necrophile´gespielt hat, ist seit diesem Film übrigens eine kleine Berühmtheit in der Hamburger Lesbenszene. Sie hat in `hanseatic necrophile´ wirklich voll aufgedreht und die harten Actionparts übernommen, für die ja gewöhnlich der männliche Hauptdarsteller zuständig ist.
Aber mir war es wichtig, meine Rolle eher musikalisch anzulegen. Ich habe zum Beispiel jede Menge gesungen als Teekoster Theo. Die Lieder `Der Jungfernstieg schwieg´ und `Lauf, wenn Du kannst´ aus dem Film sind auf meiner neuen CD `Nach dem Regen´ drauf. Nebenbei: Ich wäre auch gerne bekannter bei den Hamburger Lesben. Und das kommt nur für diejenigen unvermutet, die nicht mein Lied `Sie lieben mich nicht´ auf `Halblang, Kleines !´ gehört haben. Darin singe ich ja zum Beispiel `Sie lassen mich hier nicht rein / Die Damenbars sind zu für mich / Dabei würd´ ich doch so gern´ / Hier als männliche Gabi verkehren´. Und der Refrain: `Sie sagen, Sie lieben mich nicht / Sie sagen, Sie brauchen mich nicht / Dabei wär´s doch wirklich so einfach / Dabei wär´s doch einfach Pflicht´. Also, hoffentlich wird´s nochmal was mit den Lesben. Ich arbeite da nämlich hart dran. In meine Klasse auf der Realschule gingen zum Beispiel mehrere Mädchen, die ich im Verdacht hatte, heimlich gegenseitig aufeinander zu stehen. Ich mache mir da heute ab und zu noch Vorwürfe, dass ich damals nicht stärker zwischen ihnen vermittelt habe. Deshalb suche ich heute wohl unbewußt die Nähe zu dieser Szene, weil ich glaube, da was wieder gutmachen zu müssen ... Jetzt stell´ mich in dem Interview aber bitte nicht als verhinderten Missionar dar, das wäre wirklich mehr als unpassend !



funktionale Mahlzeiten
LEBENSKUNST

Auf den Magen geschlagen

Wenn man es mit der Hamburger Medienschickeria zu tun hat, sollte man sicherstellen, dass dies mit einer soliden kulinarischen Grundlage geschieht. Leo Greller greift diesbezüglich gerne auf alte Hausmannskost zurück und gönnt sich ein deftiges Blaubarschgericht, bevor er sich in die Schlacht mit einer nervigen und notgeilen Journalistin stürzt.

O-TON 'Leo Greller' über Hamburg

Blaubarsch mit Senfsauce I

Wenn man von Berlin über die Autobahn nach Hamburg hinein fährt und das Radio eingeschaltet hat, heißt einen die Stadt mit Evergreens von Madonna bis Phil Collins willkommen. In Hamburgs Äther regiert neben dem üblichen Dudelfunk nahezu absolutistisch der NDR. Und das ist eine Regime, das man leider nicht abwählen kann. Radiohörer sowieso nicht und kleine Künstler wie ich erst recht nicht.

Leo Greller ist viel authentischer als andere musikalische Nieten Wenn man sich von öder Musik zur Begrüßung nicht abschrecken lässt und trotzdem weiter in die Stadt fährt, kommt man schnell zu unserer bunten Meile, der Reeperbahn. Dort habe ich standesgemäß in einer Seitenstraße `ne kleine Wohnung zum Hinterhof. Mein Zuhause in der Hein-Hoyer-Straße: Es war ein verregneter Sonntagnachmittag vor ungefähr einem dreiviertel Jahr im April. Ich hatte irgendwie wieder mal den Blues. Erst mal grundsätzlich und an dem Tag glücklicherweise auch noch zusätzlich in Form meines Mittagessens `Blaubarsch mit Senfsauce´. Der brauchte noch ungefähr 10 Minuten im Backofen, also hörte ich nebenher etwas Radio. Ich war an dem Tag nicht besonders scharf auf Musikhören. Damals hatte ich gerade meinen letzten Song `Halblang, Kleines!´ aufgenommen und er verkaufte sich nur sehr mau. Im Radio wurde er natürlich überhaupt nicht gespielt. Gut, ich kannte das schon.
Es lief also der Deutschlandfunk und ich hoffte auf irgendein interessantes Gespräch. Das hätte sich fast auch ergeben: Eine junge Objektkünstlerin schilderte uns Zuhörern, wie sie dadurch, dass sie sich häufig alle möglichen Dinge von ihren Bekannten lieh, an den Materialkosten für ihre Werke sparte. Als sie sich gerade darüber beklagte, dass gute Freunde für eine Künstlerin wie sie wirklich schwer zu finden seien, schnitt ihr der Moderator --erstaunlich spät- das Wort ab: `Jetzt haben wir aber schon wieder viel zu lange geredet. Als nächste Musik gibt´s gleich für unsere Zuhörer einen ganz besonderen Leckerbissen.´ Leckerer als mein Blaubarsch im Backofen ? Unüberhörbar. Der Wichtigtuer im Radio meinte: `Für Sie daheim oder unterwegs habe ich während meines letzten Aufenthaltes in den USA eine ganz besondere CD aufgetrieben. Wir alle kennen den in den Staaten irrsinnig erfolgreichen Bruce Springsteen. Aber kennen wir auch seine Cousine ?´. Ich bekam direkt ein schlechtes Gewissen. Der Moderator schien das zu ahnen und setzte nach: `Es ist wirklich seltsam, dass die Dame hierzulande noch völlig unbekannt ist. Sie hat bereits ihre dritte CD eingespielt. Von der hören wir jetzt den Titelsong.´ Wow ! Was für eine durch und durch musikalische amerikanische Familie, die der Deutschlandfunk mir da ins Haus schickte! Wie gut, dass dieser Sender seine Reporter hinaus in die medial noch viel zu wenig erschlossene Neue Welt schickt, damit wir uns hierzulande nicht von einheimischen Nachwuchsbands volldröhnen lassen müssen ...

O-TON 'Leo Greller' über den Norddeutschen Rundfunk

Blaubarsch mit Senfsauce II

Als ich den Kram damals im Radio gehört hatte, dachte ich, ich hätte doch lieber Herrn Begemann oder Herrn Schamoni den Vortritt lassen sollen bei diesem Feature. Leute, die die Sendung gehört hatten, mussten ja denken, Leo Greller sei ein postpubertärer Schlappes.

Hamburger-Hafen-Landungsbrücken Vor allem womit Ludo zitiert wird: Wen interessieren denn olle Kamellen wie die, dass ich meinen Eltern vor zig Jahren mal 300 Mark geschuldet habe ? Ich stellte meinen Herrn Manager natürlich zur Rede. Er meinte: `Ja, ich bekenne mich schuldig, Leo. Ich hab´ der Hörfunkbraut viel mehr erzählt als ich eigentlich vorhatte. Die hat mir die ganze Zeit geschmeichelt, fast `n bisschen geflirtet und Du weißt ja: Für eine vom NDR war sie sogar relativ frisch. Jeder Mensch braucht ab und zu n´ paar Streicheleinheiten, egal von wem.´ Der bisher einzige Lichtblick in dem Feature war meine Lieblingsbarfrau auf St. Pauli. Die weiß eben, was sie ihren Stammkunden an Diskretion schuldet. Ganz im Gegensatz zu der Dame, die sich vor einem dreiviertel Jahr meine Freundin schimpfte - Mit Manuela das Peinlichste kommt ja erst noch. Und was von der aufdringlichen Klatschkolumnistin nachher noch zu hören sein wird, gehört eigentlich auch nicht in `ne seriöse Sendung. Aber im Quotenradio muss es wohl ständig ordentlich `menscheln´.
Vielleicht hätte ich doch darauf eingehen sollen als mir die Carstensen im Café Schwanenwik anbot, wenigstens meine Rolle in den Spielszenen selber zu sprechen. Statt dass sie so´n Lackaffe von Vorabendserienschauspieler verunstaltet. Die können doch eigentlich immer nur sich selber spielen ... . Wenn ich mich selber gemimt hätte, dann hätte ich sicher mehr Einfluss darauf gehabt, was letztendlich gesendet worden wäre. Eigentlich war ich ja auch gar nicht so abgeneigt. Ich dachte mir halt, es wäre vielleicht taktisch klug, erst einmal mit dem nicht so grandiosen Image des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bei uns Wortkünstlern zu kokettieren. Hätte ich aber vielleicht doch für mich behalten sollen, meine gespielte Bescheidenheit: `Frau Carstensen, ich bin ganz durch´n Wind, dass sie mich als Sprecher in Erwägung ziehen. Dabei passe ich doch gar nicht so recht ins NDR-Programm. Schließlich kämpfe ich mit meiner Kunst gerade gegen Sprachverfall und Gutmenschentum an.´ Ich bin einfach davon ausgegangen, dass so eine üppig bezahlte Redakteurin vom Staatsfunk über genügend Selbstbewusstsein verfügt, über meine kleinen Sticheleien hinwegzusehen. Ich meine, O.K. -- wer bin ich denn schon ? Und wie viel Macht, Geld und Einfluss hat der Norddeutsche Rundfunk ? Und also auch seine Redakteurinnen. Ich meine, die haben einfach die Mittel. Gut -- man hört das ihren allermeisten Sendungen natürlich nicht an ! Aber das ist doch trotzdem kein Grund, sich von `nem kleinen Sänger irritieren zu lassen.
Naja, wenigstens kam durch die Produktion dieses Features niemand ernsthaft zu Schaden. Obwohl: Frau Carstensen blieb doch nicht ganz unversehrt -- Sie erlitt einen kleinen Hörsturz als Sie einmal unangekündigt in die Proben zu meiner neuen Show hereinplatzte. Das zählt aber nicht, denn das wäre nicht passiert, wenn sie einfach nur ruhig dort sitzen geblieben wäre, wo ich´s ihr gesagt hatte -- `Ach wissen Sie, von hier vorne sehe ich Sie aber viel besser !´. Nicht mal meine kaum benutzten Oropax wollte sie sich leihen lassen: `Nee, lassen Sie mal stecken, Herr Greller !´ - Dann kann ich auch nichts dafür, wenn Michael den `Blue Devil´-Verstärker für seine E-Gitarre hochfährt und die Carstensen spricht davor gerade in ihr Handy mit dem Intendanten. Ich glaube ja, dass sich der Ohrring, den es ihr bei diesem Zwischenfall vom Kopf gepustet hat, bei einer der nächsten Proben wieder anfinden wird. Kann doch aus meiner Band niemand was mit anfangen, mit so `nem ehrwürdigen Familienerbstück. Außerdem hat sich Michael später noch telefonisch bei ihr entschuldigt. Kann natürlich sein, dass sie das so kurz nach diesem kleinen Unfall noch nicht richtig wieder hören konnte ...

Provokationskunst mit Leo Greller
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Die Hörspieler-Homepage von 1999 bis 2009
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Lesung
Lesung von Leo Greller (1/2) - Mediensatire
TEIL1

Lesung
Lesung von Leo Greller (2/2)
TEIL2




Alte Leo-Greller-Seiten
Leo Greller: Leo Greller 2003/2006




Musik
Musikvideo von Leo Grellers Ex-Freundin
L´s EX-FREUNDIN

Video
frühe Kameraarbeit von Leo Greller für einen guten Zweck
KAMERAMANN LEO




Video
Erster Auftritt von Leo 1986 mit eigener elektronischer Musik in einem Film über fingierten Ladendiebstahl
FILMPREMIERE

Leo Greller ist politisch korrekt
Leo Greller ist politisch korrekt
P.C.-GRELLER







Barden, Straßenmusikanten und anderer Pöbel

Der ehemalige Hamburger Liedermacher und Provokateur Leo Greller gehört seit einiger Zeit zu den umtriebigsten Aktivisten der zivilgesellschaftlichen Initiative `Dudelstopp´. Hieran wird immer wieder Kritik laut - manch einer stößt sich an der vermeintlichen Unberechenbarkeit des unangepassten Künstlers. Daher scheint es sinnvoll, einen Blick auf seine Biographie zu werfen:

Geboren in Heide (Holst.) absolviert Leo 1986 die mittlere Reife. Er leistet seinen Zivildienst in einer Pschiatrie ab und beginnt danach eine Ausbildung als Bauzeichner, die er kurz darauf abbricht. Greller leidet seither unter einer Phobie vor hohen Gebäuden und fühlt sich daher in Hamburg gut aufgehoben, wohin er 1986 umzieht. Aber in der Hafenstraße wird es ihm schnell zu unruhig. Es folgen Verschiedene Jobs ohne nennenswerte künstlerische Perspektive. Einzige Ausnahme: Seine Tätigkeit als Straßenmusikant, welche Leo jedoch schon bald wegen zu häufiger Erkältungen aufgeben musste.
1989 übernimmt Greller die Koordination kreativer Störaktionen anlässlich der sogenannten `Volkszählung´. Es folgen testosterongeschwängerte Auftritte mit seiner Electro-Hardcore-Kombo `Abortive Gasp´ im `Stairways´ und im `Kir´. Nach deren Auflösung entwickelt sich Leo 1990 mit der Organisation des Workshops `Schöner Wohnen mit weniger Kohlen´ weiter. Er lebt inzwischen in St. Pauli und der Workshop hat nur Wenige Teilnehmer, erregt jedoch einiges Medieninteresse. Greller gründet mit Mitteln aus der Erbschaft einer älteren Hamburger Unternehmerin einen eigenen Musikverlag (Pauli-Platten) begleitet von bösen Gerüchten innerhalb der örtlichen Musikszene über die Natur des Verhältnisses zwischen Leo und besagter Dame. Um diesen schlechten Schwingungen aus dem Weg zu gehen, verbringt er bis 1991 ungefähr ein Jahr mit seiner persönlichen `Ich-Findung´ in Amsterdam. Wieder nach Hamburg heimgekehrt, zieht Greller sich wegen schwerer finanzieller Verluste aufgrund kaufmännischer Fehlentscheidungen aus dem Musikverlagsgeschäft zurück.
1991 kommt es erstmals zur Zusammenarbeit mit Manager Ludo Kamberlein. Leo gibt aus gereifter Überzeugung sein Vorhaben der Gründung einer nach eigenen Bedürfnissen maßgeschneiderten Gewerkschaft (für "Barden, Straßenmusikanten und anderen Pöbel") auf, da die potentielle Mitgliederzahl behördlicherseits als zu geringfügig eingeschatzt wird. Künftig will er verstärkt als politischer Liedermacher und Aktionskünstler in Erscheinung treten.

NERVTÖTER

Der Radiofritze

aus dem Tagebuch eines genervten Liedermachers der 'Hamburger Schule' deutschsprachiger PopmusikVerdammt, es fällt doch wohl absolut in Ludo´s Aufgabenbereich, mir kaputte Typen vom Hals zu halten. Ich will in Ruhe meine Arbeit machen. Aber er meint wohl, als mein Manager muss er alles, aber auch wirklich alles mitnehmen, was mir so von irgendwelchen Spinnern angeboten wird.

Herr Greller, haben Sie kurz Zeit für mich ? Ihr Manager, Herr Kamberlein, hat mich ermutigt Sie zu fragen, ob Sie in meinem Feature über die `Hamburger Schule´ deutscher Popmusik mitwirken wollen.

Wenn ich an ´nem Lied schreibe, brauche ich Ruhe. Ich schüttele sowas schließlich nicht mal eben einfach so aus dem Ärmel ! Das ist Milimeterarbeit. Da geht es nicht an, dass irgendein Wichtigtuer mich um halb 11 Morgens am Telefon damit zulabert ein Feature über mich machen zu wollen. Über mich als wichtigen Vertreter der `Hamburger Schule´. Zweifelhafte Ehre ...
Der kann von mir aus einen Nachruf auf meine Karriere bringen, sobald ich den Löffel abgegeben habe. Aber vorher lasse man mich bitte noch eine Weile in Ruhe texten. Und dann noch so´n experimentelles Zeug !

Also, Herr Greller: Das würde keinesfalls ein einfaches Interview mit ihnen werden. Das läge unterhalb meines Anspruchs, Authentisches über die deutschsprachigen Hamburger Popmusiker zu berichten. In unserem Fall also über Sie.
In dem Feature würden Personen, die Ihnen unterschiedlich nahe stehen, zu Wort kommen: Ihr Agent ...

Das könnte Ludo so passen !

ehemalige Freundinnen ...

Die sollen sich lieber in Schweigen hüllen !

Klassenkameraden von Ihnen, Leute aus der Hamburger Künstlerszene ... -
Und Natürlich Sie selber, im O-Ton. Ohne, dass ich Ihnen Fragen stelle. Sie könnten erzählen, wonach Ihnen gerade ist, was Sie für wichtig halten.

Das ist ja ´ne tolle Idee ! Aber ich befürchte, daraus wird nichts: Wenn mir heute trotz Deines dummen Rumgequatsches noch was Brauchbares einfallen sollte, kommt das in meinen neuen Song !

Ich würde die einzelnen Beiträge dann so zusammenmixen, dass den Hörern ein individuelles Gesamtbild von Ihnen entsteht.

`Ne schöne Kakophonie würde das werden ! Auf Kosten meines Images, das sehe ich schon kommen. Nee, nee ! Der Typ soll mal lieber weiter studieren gehen, mir besser nicht über den Weg laufen und den Leo in Ruhe seine Arbeit tun lassen. Da kommt bestimmt was Gescheiteres bei raus als bei so ´nem ollen Hörbuch oder Feature. Jede CD von mir ist sowieso wie ein Kapitel aus meinen Memoiren.

Ich geb´ echt lieber der Mopo Interviews als solchen Pseudointellektuellen. Wenn ich denen von der Presse sage, dass sie in einem Artikel über mich Bockmist verzapft haben, dann haben die immerhin die Größe, das auch einzugestehen;
Aber wenn so ´ne hochambitionierte Toncollage misslingt, dann seh´ ich das doch schon kommen, dass sich so ein elitärer Radiospinner am Ende noch damit herausredet, es hätte an mir gelegen und mir die Schuld in die Schuhe schiebt.

Aber die werd´ ich mir nicht anziehen.



LUFTSCHLÖSSER

Der Idealgig

Mannomann, solche Träume, wie den letzte Nacht,  müßte man wirklich öfter haben: `Ein Tag im Leben des Superstars Leo Greller´ - So kam mir der vor. Als Stoff für ein neues Lied wäre so ein Idealbild von `ner Sängerkarriere ja auch nicht schlecht. Das würde allerdings voraussetzen, dass ich alle Einzelheiten noch zusammenbekomme...

Als erstes bin ich mal in ´nem Hotelzimmer aufgewacht. Wo war das nochmal ? Genau - Ganz trendy in Wien, schöne morbide Stadt.
Und natürlich wach´ ich nicht alleine auf: Das Groupie neben mir ist richtige Wienerin. Keine von den Nervensägen, die sich einem über hunderte von Kilometern auf der Tour hintendranheften. Sie bestellt mir noch den Zimmerservice für´s  Frühstück. Dann sagt sie kurz, dass sie schon auf meine nächste CD gespannt ist und verabschiedet sich ganz dezent und ohne Liebesschwüre.

Wie ging´s weiter ? Ich bekomme mein Frühstück an´s Bett und lese im Kulturteil der Morgenzeitung, dass mein Konzert vor zwei Tagen zweifelsohne die Maßstäbe für One-Man-Songabende in Österreich um einiges anheben wird - Überschrift des Artikels: `felix hammonia´, was bemerkenswert ist, denn eigentlich kann ich gar kein Latein.
Jedenfalls ist man in der Wiener Leopoldstadt schon total gespannt auf mein Wiederholungskonzert heute Abend. Dafür jogge ich mich dann am Nachmittag nach einem guten Essen im Schönbrunn-Park fit. Nur zweimal werde ich dabei von netten und ganz und gar nicht hysterischen jungen Wienerinnen erkannt und um ein Autogramm gebeten. Naja, und eine Telefonnummer wird mir augenzwinkernd zugesteckt.
Ich wundere mich noch im Nachhinein etwas, dass mir die Unaufgeregtheit der Leute im Traum so gefallen hat. Also, in echt hab ich das ja eigentlich ganz gerne, wenn die Mädels ´n bisschen wuschig werden und ausflippen. Könnte ruhig öfter der Fall sein ! Naja, war halt nur ein Traum.

Am Abend dann das Konzert. Ausverkauft und mitgeschnitten für´s Fernsehen. Ich trete pünktlich auf, habe es nicht nötig, die Leute durch Hinauszögern heiss auf mich werden zu lassen. Vorgruppe ist auch nicht, technische Schwierigkeiten - keine Spur. Ein paar jüngere Mädchen weinen, na also !
Die Zugaben dauern länger als meine Show. Die Leute wünschen sich nicht meine alten Kamellen, sondern fast nur Sachen von der neuen CD.

Nach über drei Stunden verabschiedet Leo Greller sein Publikum in den Teil der Nacht, den er ihm noch übriggelassen hat. Ein paar Roadies schleppen mich noch in eine Wiener `In´-Bar, in die sie ohne Begleitung eines Promis normalerweise nicht reinkommen - Auch nicht gerade realistisch, der Traum. Nach einem guten Konzert falle ich normalerweise halbtot in´s  Bett. Aber, was soll´s ?

Diese Nacht bleibe ich alleine. Nicht, weil sich nicht´s ergeben hätte, sondern weil ich am nächsten Tag, meinem letzten in der Stadt, noch was vorhabe: Ich besuche eine Freundin aus früheren Tagen, die mich einmal sehr inspiriert hat. Sie wohnt seit einiger Zeit in Wien und empfängt mich mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in ´ner großen schönen Altbauwohnung.
Meine ehemalige Muse sieht prima aus, ihr Mann freut sich mit ihr über meinen Besuch und auch die 3 Kinder sind happy. Die älteste ist 12. Ich kann mir nicht helfen, aber ich finde, sie sieht mir ziemlich ähnlich. Dem Typ fällt das offenbar nicht auf und überhaupt scheint die Parallelwelt meines Traums in einem glücklichen Universum beheimatet zu sein, das von Vaterschaftstest nichts zu ahnen scheint.




MEDIENKRITIK

Norddeutscher Dudelfunk

... Ihr hörtet gerade die Hamburger Nachwuchshoffnung DJ Pumpbeat mit `Pulse Injection´. Starke Scheibe !
Schon ein bißchen länger im Geschäft, nicht ganz so bombastisch erfolgreich, ist mein nächster Studiogast hier bei Hype FM. Die eine oder der andere kennt ihn vielleicht sogar schon - Er kommt aus St. Pauli und hat uns seine neue CD `Halblang, Kleines !´ mitgebracht ...

Stop ! Halt ! So läuft das nicht. Ich will das nicht ! Alles wieder zurück auf Start !
O.K., zugegeben: Meine neue CD könnte sicher besser laufen. Den deutschen Musikmarkt wird sie wohl doch nicht völlig verwüsten, wie ich das erwartet hatte. Ich müsste Ludo eigentlich sagen, er soll als mein Manager das PR-Pedal noch mehr durchtreten. Das will ich aber nicht: Verdammt - Die Leute sollen “Halblang, Kleines !” von sich aus kaufen, aus Neugierde. Oder sie sollen es bleiben lassen.

Ich bin 36 - Ich hab´ einfach keine Lust mehr, in irgendwelchen miefigen Radiosendungen vor Hörern mein Leben runterzubeten. Nur weil sie mich noch nicht kennen, noch nie was von mir gehört haben. Die können mich mal !

...Ihr wisst immer noch nicht, wer heute bei mir im Studio sitzt ? Ich gebe Euch einen Tip: Er hat was mit der legendären `Hamburger Schule´ zu tun. Wird da sogar manchmal als heimlicher Klassensprecher bezeichnet. Na, dämmert´s langsam ?

Und dann kann es noch passieren, dass mich so´n grenzdebiler Dudelfunk-Moderator als Obermacker der Hamburger Schule deutscher Popmusik anpreisen will. Oberpeinlich !

Klassensprecher war ich auf der richtigen Schule schließlich auch nie. Wär´ ich damals ein Klassensprechertyp gewesen, dann wär´ ich heute nicht Popsänger, sondern Leiter in ´ner Bankfiliale oder sonstwas Gemeines. Überhaupt: Ein typisch plakatives Label von der Presse - `Hamburger Schule´.
Das könnte den Schreiberlingen so passen ... alles schön übersichtlich eingeteilt: Als Klassenstreber die Intelligenzbestien von `Blumfeld´, als Klassenflittchen die Mädels von `die Braut haut ins Auge´ und als Klassenrowdie am besten noch Rocko Schamoni.

Vielen Dank - So ´ne Schule müsste man wirklich anzünden !
Jedenfalls wär´s keine für den kleinen Leo.

Man sollte meinen, dass in `ner großen Stadt wie Hamburg die Radiosendungen eigentlich mehr Niveau haben müssten. Da kommt man aus Heide hierher, denkt `So, jetzt ist es wohl mit dem Kraut- und Rübenfunk erstmal vorbei, Nun ist Metropolenprogramm angesagt.´.
Aber denkste: Die Hanseaten lieben´s flach. Bloß keine stilvollen Musiksendungen, bloß keine intelligenten Lieder, sondern lieber Fischmarktgesülze auf Kopfhörer. Kein Platz für Leo Greller.

Und wenn, dann höchstens als Alibi:

Jetzt mal unter Dudelfunk-Moderatoren: Wir müssen in Hamburg ja zum Glück keinen Deutschpop aus Berlin importieren, wir haben selber Musiker in unserer schönen Hafenstadt. Wir kaufen zwar ihre Platten kaum und lassen sie auch nicht so gerne in unseren Fernsehsendungen auftreten. Aber wir kennen durchaus ihre Namen, wir wissen, wo sie wohnen und wir haben ihnen sogar eine gesonderte Schublade reserviert, damit auch ganz klar ist, was wir von ihnen erwarten:
Das ist die `Hamburger-Schule´-Schublade. Genau - Die in der Kommode, die ganz hinten in unserer Besenkammer steht. Und aus dieser Schublade heraus soll es bitte nicht zu subversiv heraus schallen: Schräge Alltagsgeschichten, nicht zu abgehoben, jeder sollte es verstehen können. Ein wenig Ironie ist OK. Melancholie schadet auch nicht. Sogar ernsthaft darf es ab und zu mal sein, wir sind mal nicht so ...



OUTING

Durch die Hintertür

In meine Musik fließt alles Mögliche mit ein: Fußball, mein Leomobil, Drogen, Politik, Comics, Steuerbescheide ... und ganz besonders natürlich Frauen.
Manche Frauen inspirieren mich total, wenn ich einen neuen Song schreibe: Auf Titel wie `3 ½ Arten, Elke zu lieben´ oder `Emanzipiert und trotzdem pikiert´ kommt man nicht, wenn man in Liebesdingen gerade Frust schieben muss.

Wenn mich andererseits heute im `Pudels Club´ ´ne Ex von mir anhaut und im Nachhinein von mir wissen will, warum ich eigentlich während wir zusammen waren, ausgerechnet Titel wie `Nimm bitte die Hintertür´ oder `sexuelles Mobbing´ eingespielt habe, dann muss sich Leo Greller schon ziemlich zurücknehmen, um nach einer Antwort auf so´ne Frage immer noch als Gentlemen durchgehen zu können.

Darüber müßtest Du unbedingt mal ein Lied schreiben !

Worauf ich ja auch gar nicht kann ist, wenn man mich zu bestimmten Themen drängen will:

Wenn ich auf dem Turmweg-Straßenfest auftrete und hinterher zur Entspannung in ´nem leeren Übertragungswagen vom NDR ´ne kleine Nummer mit ´ner Freundin schiebe ...
... wenn dann mitten während dieser Privatübertragung ein paar spielende Kinder in den Wagen platzen ...
... und wenn diese Freundin in den nächsten Tagen immer wieder damit anfängt, dass sich diese Geschichte doch eigentlich super für ´nen neuen Song anbieten würde - z.B. einen über tragische Fälle von `coitus interruptus´ wegen übertriebener Rücksicht auf spielende Kinder ...

Darüber müßtest Du unbedingt mal ein Lied schreiben !

... dann wird Leo Greller doch gleich wieder misstrauisch, ob sich da nicht nur wieder jemand in seinen Werken verewigen will.

Über sowas singst Du nie !

Auch enge Vertraute sind da ja nicht vor gefeit:

Wenn Ludo mir in regelmäßigen Abständen immer wieder mal “zu bedenken geben möchte”, ob ich nicht auch mal eine Nummer speziell für meine `rein´ männlichen Bewunderer schreiben will ...
Z.B. über ´ne eigentlich phantastische Männerfreundschaft, die noch perfekter sein könnte, wenn der eine Freund jobbedingt nicht ständig mit den verschiedensten Frauen in´s Bett gehen müsste -müsste ist gut!-, während der andere sich aus Vernachlässigung in irgendwelchen `blue-boy-bars´ die Nächte um die Ohren schlagen muss ...

Über sowas singst Du nie !

... dann kann ich mir nicht helfen:
Da sehe ich meinen Manager in meiner Phantasie jedesmal mit Stolz geschwellter Brust in so´nem plüschigen Etablissement in St. Pauli stehen und dem DJ augenzwinkernd eine CD von mir zuschieben. Mit dem Hinweis, dass auf sein Drängen der Leo Greller den Track Nr.5 mit dem Titel `Den einen, den man will - die anderen, die man muss´ extra für seine wenigen Fans in der `Wunderbar´ geschrieben hat.

Wenn Ludo mir mit solchen Wünschen kommt, dann sage ich ihm jedesmal, dass meine CD´s  nicht das richtige Medium für sein Outing durch meine Hintertür sind. Das soll er gefälligst direkt durch den Vordereingang erledigen. Und wenn er dafür ´ne eigene Platte veröffentlichen muss.

Ich bin schließlich nicht Prolo von Rosenheim..




Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 1) MEDIENSATIRE

Gut gebrüllt, Leo !
(Teil 1: "Ungewaschener Liedermacher")

Von den Schwierigkeiten im Umgang mit dem komplizierten Liedermacher Leo Greller weiß sein langjähriger Manager Ludo Kamberlein zu berichten:

"Als ich Leo mal nach einer durchzechten Nacht im Treppenhaus vor seiner Wohnung antraf pflaumte er mich an, ich hätte seine Trunkenheit ausgenutzt und mir meinen Managerjob auf hinterhältige Weise erschlichen. Für die Nachbarn, die zufällig im Hausflur waren, muss das ´n merkwürdiger Anblick gewesen sein: Ein unrasierter, verkaterter 30jähriger, der sich kaum auf den Beinen halten kann, das ganze Haus zusammenbrüllt und ich - ich kann schließlich nicht rumlaufen, wie der letzte Penner. Und er steht im offenen Morgenmantel rum und sein ... naja. `Begabter Chaot braucht dringend Hilfe !´, dachte ich mir da. Ich musste ihn nur dazu bringen, dass auch er das kapiert, seinen blöden Stolz überwindet und meine Hilfe annimmt. Das sollte doch irgendwie zu schaffen sein. Allerdings habe ich mich damals selbst noch mehr als aufstrebenden Musikmanager begriffen und weniger als Hilfspsychologe für von Selbstzweifeln hin- und hergerissene lokale Szenegrößen, die sich noch dazu nicht vorteilhaft anzuziehen wissen.
Damals im Treppenhaus hat sich Leo jedenfalls ordentlich in Rage geredet ! Da hatte sich offenbar einiges an Frust angestaut. Ich dachte: `Irgendwann muss er ja mal wieder auf den Teppich kommen !´ - Aber er brüllte immer weiter, dass `... ich mir meine Hilfe sonstwohin stecken kann´ und er prima allein zurechtkommt. Und dass er es den ganzen Kunstbanausen schon zeigen wird - Auch wenn sich die halbe Stadt gegen ihn verschworen hat ! Ganz besonders war er ja von den Studenten enttäuscht. Auf deren Unterstützung hätte sich die Hamburger Musikszene immer verlassen können. Aber das wär ja leider auch nicht mehr der Fall- Leo machte für alles, was er ungerecht fand, die deutsche Einheit verantwortlich. So´n Quatsch ! Ein paar Minuten später hat er´s auch selbst gemerkt. Da tauchte nämlich ein geschniegelter Inkasso-Eintreiber im Treppenhaus auf und hielt ihm ´nen Schuldschein von 300 Mark vor die Nase plus fast derselben Summe an Bearbeitungsgebühr. Da wurde unser Märtyrer natürlich ganz schön blass - Peinlich ! Eben hatte er noch große Sprüche geklopft, dass er´s mit allen aufnehmen würde und auf einmal steht er plötzlich hilflos da ! Aber mir hat´s geholfen und ich war damals ja zum Glück noch recht bescheiden."

Mit: Thor W. Müller, Thomas Wlaschiha, Uta V. Kohlenbrenner und Nina Ernst.



Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 2) MEDIENSATIRE

Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 2: "Party zu zweit")

Wie verklemmt und unprofessionell sich Leo Greller im Umgang mit den Vertretern der Presse oft gibt, weiß wiederum sein Manager Ludo Kamberlein zu berichten:

"Diese Geschichte mit der Kolumnistin aus Winterhude zum Beispiel: Wahrscheinlich wäre so ziemlich jeder andere aufstrebende Popsänger in Deutschland dankbar ohne Ende, wenn die Ober-Klatschtante der größten Boulevardzeitung ihn zu einer Party in ihre Villa einladen würde - Zugegeben: Die Party war arrangiert - Ich bin eben geschäftstüchtig. Ist ja schließlich mein Job ! Es handelte sich also um eine 2-Personen-Veranstaltung. Ich dachte mir: Wenn ein aufstrebender Popsänger so ´ne Chance bekommt, dann würde er sie auch nutzen. Aber ich hatte nicht mit Leo´s Prinzipien gerechnet: Nachdem, was ich später von der Dame gehört habe, hat er sie als Gast n ihrem Haus darüber belehrt, dass er und seine Musik nicht korrumpierbar sind; und dass für ihn die Mitschuld des Verlages, für den sie arbeitet, am Tod von Rudi Dutschke noch längst nicht verjährt ist; und dass er sich außerdem total auf die angekündigte `Seemann, Ohé !´-Party gefreut hatte, wobei für so eine Art Party mindestens ein Dutzend Leute nötig wäre.
Am nächsten Tag berichtete er mir von diesem Rendez-Vous und betonte noch stolz seine Standhaftigkeit gegenüber der Dame. Er wollte einfach nicht kapieren, dass sie vielleicht nicht mehr so ganz jung, aber dafür immerhin umso einflussreicher war. Als er gerade richtig in Fahrt kam, erhielt ich von meinem Anwalt telefonisch eine Nachricht: Frau Reifenstein-Herbig drohte, Leo wegen Beischlafdiebstahls anzuzeigen. Sie wollte binnen 24 Stunden die Original-Hans-Albers-Matrosenmütze -eine Filmrequisite aus 'Reeperbahn bei Nacht'- aus ihrem Schlafzimmer von Leo zurückhaben Leo behauptete steif und fest, diese Mütze aus dem Entreé der Villa stibitzt zu haben - aber das machte die Sache auch nicht viel besser. Er brummelte nur, dass er sich das Stück als Entschädigung verdient hatte. Wofür, würde mich nichts angehen ... Ich konnte ihn dann nach viel Überzeugungsarbeit noch zur rechtzeitigen Rückgabe überreden. Es war, als hätte ich einem kleinen Jungen ein Geschenk, das er versehentlich anstelle eines anderen Kindes bekommen hatte, wieder wegnehmen müssen. Er konnte auf Opfer machen. Eine seiner Lieblingsrollen. Wenn Leo einen auf `moralisch´ macht, wird´s meistens anstrengend - aber so ist nun mal das Showbiz: Da macht man einfach ein paar Dinge, wenn man weiterkommen will und fragt nicht jedesmal großartig, ob das nun OK für einen ist."

Mit: Uta V. Kohlenbrenner, Kerstin Faude, Eugen Faude, Nina ernst, Tom Wlaschiha und Thor W. Müller.



Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 3) MEDIENSATIRE

Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 3: "Unter Wasser")

Wahnsinnig wütend und nachtragend reagierte der Liedermacher als sein Manager Ludwig 'Ludo' Kamberlein ihn etwas näher mit einer Dame aus der Hamburger High Society bekannt machen wollte. Leos Freund und Mitstreiter hierzu:

„In seiner ganz eigenen Art, andere für Fehler abzustrafen, meinte Leo zu mir: Wenn ich ihm schon ohne ihn zu fragen Rendez-Vous arrangieren würde, könnte ich ihm ja eigentlich auch gleich eine Ehefrau vermitteln, wie das in manchen 'südlichen' Ländern üblich sei. Diese Idee fand er sogar so originell, dass er damit in einer Talkshow hausieren ging. Nach einigen Wochen wurde es ihm zwar langweilig damit, aber die Presse schlug trotzdem zu: Die Fanzines und die Webzines machten sich über ihn und damit indirekt auch über meine Arbeit lustig. Das war die Strafe für meine Kuppelei mit der Boulevardtante - Leo´s Art, sich für etwas zu rächen. Er schneidet sich dabei finanziell mindestens genauso ins eigene Fleisch, das sollte er eigentlich wissen. Das spielt für einen Menschen mit seinem Temperament aber leider keine Rolle.
Zu Leo´s Gunsten muss ich zugeben, dass er hin und wieder auch ohne was verbockt zu haben zu ´ner schlechten Presse kommt - Vor kurzem wurde in Fankreisen gezielt das Gerücht gestreut, sein Vater wär ein hohes Tier in der Hamburger CDU. Ich nehm´ mal an, das kam von neidischen Kollegen. Solche schlimmen Verleumndungen können einem PR-technisch ganz schnell das Genick brechen, wenn man nicht höllisch aufpasst. Zum Glück hatte in diesem Fall die Gegenseite schlampig recherchiert. Deshalb konnte Leo auf seiner Homepage zu seiner Ehrenrettung offiziell die Erklärung abgeben, dass sein Vater weder noch am Leben sei, noch jemals dieser `Partei´ nahegestanden habe. Sicherheitshalber fügten wir noch hinzu, dass dies verbindlich auch für ihn selber und möglicherweise noch zu zeugende Nachkommen gilt. Das hat seine Fans zum Glück beruhigt."

Mit: Tom Wlaschiha, Thor W. Müller, Leo Greller und Nina Ernst.



Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 4) MEDIENSATIRE

Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 4:
"Desaströse Party für zwei Personen")

Die Hamburger Klatschkolumnistin Ursula Reifenstein-Herbig lernte Leo Greller dem Vernehmen nach vor einiger Zeit kennen und war wenig begeistert:

„Ich wurde gefragt, ob ich mich mit dem jungen Musiker einmal zu einem Gespräch treffen wolle. Immerhin: Einige größere Stadtzeitungen hatten schon kleinere Artikel über ihn gebracht. Ich will damit sagen, ich war nicht abgeneigt gegen einen kleinen Austausch. Das ist noch gar nicht so lange her. Ich hatte für den Abend noch drei, vier Freunde aus Kunstkreisen eingeladen zu einem Kerzenlicht-Souper. Ich stelle solche Treffen immer gerne unter ein bestimmtes Motto. Das wird in der Regel von meinen Gästen dankbar angenommen. Diesmal war´s `Seemann Ohé´. Ich hatte dafür auch ein wenig dekoriert. Ein gewisser Herr Herr Kamberlein hatte durch Indiskretionen von meiner kleinen Veranstaltung erfahren, und mir vorgeschlagen, seinen Protegé Herrn Greller gleich miteinzuladen. Stilbewussten Männern wie ihm kann ich einfach nichts abschlagen. Als ich ihm dann einen Tag vor dem Souper absagen wollte, weil eine der Eingeladenen, eine liebe Freundin, überraschend an einer Darmgrippe erkrankt war und meine Gäste das Treffen um eine Woche verschieben wollten, hatte ich die Idee, dass der Herr Greller mich doch auch alleine in Winterhude aufsuchen könnte. Schließlich hatte ich ja schon Vorbereitungen für den anvisierten Abend getroffen. Herr Kamberlein hielt das auch für eine gute Idee. Aber Herr Greller wohl nicht.
Leider schien er sich mit mir alleine in meinem Haus etwas überfordert zu fühlen. Er benahm sich mir gegenüber unbeholfen, fast ein wenig ungehobelt, nachdem er festgestellt hatte, dass er den Abend mit mir alleine verbringen würde. Sein Agent kam wohl nicht mehr rechtzeitig dazu, ihn von dieser Änderung in meinem Tagesplan zu unterrichten. Dass dieser Abend ein wenig unvorteilhaft ausklang, obwohl ich mich durchaus auf den jungen Mann einzustellen versuchte, schrieb ich damals dem Fehlen einer gemeinsamen Sprache sowie seiner Sozialisation zu - Das Elternhaus ... . Wenn ich seinem Agenten einen Rat zu erteilen hätte, würde ich ihm empfehlen, hieran noch etwas zu feilen."

Mit: Branka Hanisch, Nina Ernst und Leo Greller.



Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 5) MEDIENSATIRE

Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 5:
"Zwischen Scheckbetrügern und Polzisten")

Leos Freundin Manuela war früher mit einem Mann zusammen, der sicher nicht halb so sensibel und einfühlsam war, wie der Liedermacher aus Hamburg:

„Bevor ich Leo traf, ging ich mit ´nem Scheckbetrüger. Das hört sich sehr verboten an, aber während es lief, lebte es sich eigentlich ziemlich unspektakulär mit Holger. Ich meine, ich wußte ja bis kurz vor Schluß gar nicht genau, was er eigentlich machte, beruflich. Ich dachte immer, er ist selbständig. Und auch, wie ich ihn kennengelernt hatte: Das war überhaupt nicht anrüchig. Das war auf ´ner Party und wir waren beide irgendwie nur Mitgeschleppte. Und da hatte sich das einfach so ergeben. Ich meine: Er sah´ prima aus, war eigentlich ständig gut bei Kasse und hatte einfach ein tolles Auftreten. Es lief ´ne ganze Weile und es gefiel mir. Bis er dann eines Tages aufflog. Das kam bei ihm wohl öfter vor; Aber ich machte das nur einmal mit - Ich meine: Wenn da am Sonntag Abend plötzlich die Kripo bei Dir im Wohnzimmer steht und Du hast gerade das Letzte an ... ! Holger nicht - Holger war immer gut angezogen, egal was er machte. Auch als sie ihn abgeholt haben. Würd´ mich direkt interessieren, vor welcher Schwester er im Moment gerade den Mann von Welt macht. Wenn er inzwischen wieder raus ist aus dem Bau.
Ich hab´ mir ja damals nach Holger gedacht: `Nee, Nicole. Das passiert Dir nicht noch mal ! Das ist doch kein Leben, wenn alles mehr oder weniger geklaut ist und der Typ der ganzen Welt und Dir selber vorspielt, er sei Wunder was und Du denkst, Du damit dann auch irgendwie - Aber es stellt sich raus: Von wegen ! Das ist doch wirklich mehr als bescheiden - Tiefer darfst Du jetzt nicht mehr sinken !´ Als ich mich dann über Holger hinwegtrösten wollte, lernte ich Leo kennen. Ich saß halt eines Abends mit ´ner Freundin in ´ner Bar in der Silbersackstraße. Wir guckten den ganzen Abend Männer. Ich erinnere mich noch, dass ich mir fest vorgenommen hatte, mich nach Holger nicht beim nächsten Kerl auch gleich wieder von Äußerlichkeiten blenden zu lassen. "

Mit: Nina Ernst, Tom Wlashiha und Leo Greller.



Gut gebrüllt, Leo ! (Teil 6) MEDIENSATIRE

Gut gebrüllt, Leo !
(Teil 6: "Wenig Familientaugliches dabei")

Ein interessantes Licht auf die jugendlichen Irrungen und Wirrungen des unkonventionellen Künstlers Leo Greller weiß dessen Schwester mit ihren Anekdoten aus früheren Jahren zu werfen:

„Rückblickend waren das wohl tatsächlich nicht bloß pubertäre Jungenphantasien, die er da immer wieder über mich verzapfte. Er war wirklich kreativ dabei, auch wenn er mir damit oft ziemlich auf die Nerven ging. Ein paar Texte aus der Zeit hat er mir neulich mal zum Lesen gegeben - Harmlos aus heutiger Sicht. Ich denke, er hatte damals einfach kein anderes Ventil für den Künstler in ihm, denn was er schrieb, war alles reine Theorie. Bei den Mädchen in Heide war er nämlich nicht gerade besonders beliebt. Ich glaube, bevor er 19 war, hatte er gar keine Freundin. Er war einfach zu ausgeflippt für diese kleine Stadt, hatte kaum Freunde und hing, wenn überhaupt, nur mit Außenseitertypen rum. Deshalb ist die Anerkennung durch andere inzwischen vielleicht so wichtig für ihn geworden: Er braucht die Aufmerksamkeit der Leute. Ich würde sagen, sein Publikum ist jetzt seine Familie, um die er sich mit seinen Liedern kümmert.
Ab und zu -vielleicht alle halbe Jahr- besuchen wir Klemens in Hamburg. Mein Kevin und ich, er wird zwölf in zwei Wochen. Er ist auch Löwe, wie Klemens. Da hört´s dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten auf, wenn ich ihn mit meinem Bruder vergleiche als der ungefähr in Kevins Alter war. Mein Kleiner ist zum Glück eher ein normaler Junge, kommt ganz nach dem Vater. Jan fährt meist nicht mit nach Hamburg; Ist ihm zu viel Gewusel da in der Stadt und zu eng irgendwie mit den vollen Straßen immer. Naja, ich fahr gerne auch alleine mit Kevin nach St. Pauli seinen Onkel besuchen. Die Fahrt dauert ungefähr ´ne Stunde, manchmal ´n bißchen länger. Da können wir uns im Autoradio immer noch Klemens neueste CD als Leo Greller anhören. Die schenkt er Kevin regelmäßig zum Geburtstag. Nicht, daß der Kleine viel damit anfangen könnte ... . Ist ja selten was drauf, wo auch Kinder gut mitsingen können. Ich glaub´ sogar, daß er sich ein bißchen geniert hat für seinen Onkel, als eine Schulkameradin das mal spitz gekriegt und rumerzählt hatte mit seinem prominenten Onkel. Unser Kevin ist halt eher ein Schüchterner. Aber ein lieber Junge. Hört sich auch immer ganz brav die neueste Greller-CD im Auto an, wenn wir wieder mal nach Hamburg fahren. Damit er und seine Mutter Bescheid wissen, wenn der Onkel Anspielungen auf seine neuesten Lieder bringt."

Mit: Kerstin Faude und Branka Hanisch.