HöRSPIELer - Informationen über das Königsmedium

Das gesellschaftspolitische Hörspiel ist tot
... aber sowas von ! Auf erhobene Zeigefinger und moralinsaure Agitation hochbezahlter wie humorloser Weltverbesserer hat kaum noch jemand Lust.

Das lange Leben der Hörspielserien
Ob Science Fiction, Krimis, Grusel oder Skurriles: Mehrteiler bleiben uns meist länger im Gedächtnis. Vielleicht ist das manchmal sogar gerechtfertigt.

Kampf um staatsnahe Hörspiel-Moneten
'Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf', mahnte bereits Angela Merkel. Oder war´s doch Mutter Theresa ? Über Verteilungsprobleme beim Königsmedium.

Schlagzeilen zum Chaoten Leo Greller
Von allen mittelmäßigen Hörspielseiten haben wir den heißesten Draht zum bigotten und chronisch unzufriedenen Liedermacher aus dem Norden.

HöRSPIELer - Informationen über das Königsmedium



als Beispiel: staatlicher Experte von der Universität
KULTURPESSIMISMUS

Gesellschaftspolitisch totes Hörspiel

Auf moralinsaure Agitation hochbezahlter wie humorloser Weltverbesserer hat kaum noch jemand Lust. Selbständig denkende Hörer sind einfach nur angewidert von Versuchen, per Framing im 'Königsmedium' Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse nehmen zu wollen. Wir Hörspieler haben mit Eigenproduktionen versucht, hier gegenzuhalten.

# Vom volkswirtschaftlichen Schaden durch Flachfunk: Die Niveau-Drücker

# Über die schwindende Vielfalt im Hörspielgeschäft: Viel Lärm um nichts




Ninoschka Schlothauer (Hörspiel 'Schmerz statt Kommerz')
MEDIENPOLITIK

Verantwortungsvolle Berichterstattung

Da die gemeinen Bürger mitunter zu unkorrekten politischen Ansichten neigen, ist es ein Segen, dass die der Staatsferne verpflichteten öffentlich-rechtlichen Hörfunksender Verantwortung beweisen und die politische Neutralität hin und wieder vernachlässigen. Den Beleg dafür liefert ein Kurzhörspiel über Kriminalberichterstattung im Radio.

# Mediengewalt auf breiter Front auf dem Vormarsch: Auch Hörspiele betroffen ?

# Das Medium 'Hörspiel': Transportiert Schmerz besser als kommerzielle Filme




Science-Fiction-Hörspiel
GENRE

Das lange Leben der Hörspielserien

Ob Science Fiction, Krimis, Grusel oder Skurriles: Mehrteiler bleiben uns meist länger im Gedächtnis. Ob zu recht oder nicht, kann man nicht immer klar sagen. Vielleicht fungieren in der Single-Gesellschaft die immer wieder kehrenden Hörspielhelden auch bereits als eine Art 'Ersatzfamilie' für uns. Das wäre zwar traurig aber irgendwie auch verständlich ...

# Jugendkrimis und Zeitgeist: Justus, Peter und Bob agieren politisch teilweise unkorrekt

# Grusel und Horror: Verblüffende Geschichten rund um Larry Brent und Björn Hellmark




Jugendfreie Greller-Aktrice als Froschfrau
HÖRSPIELFIGUR

Schlagzeilen zum Chaoten Greller

Einst legte sich der Provokateur Leo Greller mit der Hamburger Medienschickeria an. Später entging er in einem Berliner Nachtclub knapp einem feigen Anschlag. Heute leckt er seine Wunden, die von jeder Menge schlechter Publicity herrühren, nach der er angeblich das Vertrauen einer weltfremden Aussteiger-Community missbraucht haben soll.

# Als Sänger stets ohne Hänger - aber als popkultureller Zeitzeuge kaum zu gebrauchen

# Dem Provokateur ist nichts zu schwör: Lediglich seine Fans sind eine echte Herausforderung

# Als Verräter versuchte er sich später: In Brandenburg traut man dem Hanseaten nicht mehr



HöRSPIELer
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Hörspiel-Interviews
Märchentante: Heikedine Körting
Ufos: M. Gaida (fiktiv)
Jugendkult: Jens Wawrczeck
Starke Kinder: Alfred Krink





provokative Hörspiele
provokative Hörspiele
LEO GRELLER & CO

HöRspieler-Homepage von 1999 bis 2009
HöRspieler-Homepage von 1999 bis 2009
HÖRSPIELer ANTIK





Hochtrabend und Anmaßend
Inklusion: Alte weiße Hörspieler
Beitrag: Erlebnisgesellschaft
Infantil: Kinder hören anders
'Ideology kills the radio drama star'





Hörspiel
'Der Wächter der verbotenen Welt'
Realisiert von Hartmut Lühr
Einst waren sie die besten Freunde. Jetzt treffen sie über einer verlassenen Maschinenwelt als Rivalen aufeinander: Die Kommissarin, der Sektenführer und der Wächter: Artan will den Beneix-Planeten für seine Sekte okkupieren. Wächter Matt hat die Aufgabe, genau das zu verhindern. Und Kommissarin Mira möchte mit Artan noch eine offene Rechnung begleichen. Abgelenkt von ihrer Privatfehde vernachlässigen Mira und Artan die Gefahr, die von dem Planeten und seinem Mond ausgeht... Eine melancholische Ménage à trois im Weltraum.
mit Sascha Gluth (Artan), Branka
Hanisch (Mira), Uta V. Kohlenbrenner
(Adra) u.a.

55 Min. | 50 MB | DOWNLOAD / PLAY






Hörspieler royale

Wegen besonderer Verdienste um das Königsmedium in den Adelsstand erhobene Hörspielerinnen und Hörspieler:

Douglas Adams, Alfred Andersch, Andreas E. Beurmann, Marina Dietz, Hans Gerhard Franciskowsky (H.G. Francis), Michael Gaida, Max Goldt,
Jens Hagen, Konrad Halver, Hans-Joachim Herwald, Anthony J. Ingrassia, Peter Jacobi, Stefan Kaminski, Ingomar von Kieseritzky, Heikedine Körting,
Alfred Krink, Donovan O´Malley, Fritz Mikesch, Barbara Plensat, Rainer Puchert, Michael Schulte, Toyo Tanaka, Douglas Welbat





Hörspiel-Interviews
Sammelfreuden: Herbert Piechot
Unabhängig: Caspar Abocab
SpaceDay: Michael Esser
Widerliche Zeiten: Abe Greenbaum





moderne21




Hörspiel
'Staatsnah ... geht die Moderne stiften'
Realisiert von Hartmut Lühr
Die staatsnahe Stiftung 'moderne21' fördert jährlich eine zivilgesellschaftliche Initiative mit einer hohen Summe. Dieses Mal gibt es gleich vier Bewerber, die die Stiftungskuratoren vor eine schwere Wahl stellen: Um die Finanzspritze konkurrieren persönliche Vertreter der Initiativen `Dudelstopp´, `Gewalt-geht-immer´, `Wir-sind-wichtig´ und `Wahlzusage´. Wer streitet vor den Kuratoren am gewieftesten für seine Initiative ?
mit Manfred Callsen (Wessel),
Nadia Panknin (Schmidt-Peters),
Nina Ernst (Holpert-Mang),
Andreas Goebel (Opaschewsky),
Udo Wiegand (Klaschka),
Ninoschka Schlothauer (Goekdal).
54 Min. | 43 MB | DOWNLOAD / PLAY




Hochtrabend und Anmaßend
Essay: Niveau-Drücker
Essay: Lärm um nichts
Rede: Zustand des Hörspiels






SATIRE

Kampf um Hörspiel-Moneten

Sonja Schmidt-Peters von der staatsnahen Stiftung `m21´ hat eine schwierige Wahl zu treffen, denn es gibt gleich vier Bewerber um ihre Fördergelder - natürlich nur in dieser Hörspiel-Satire. Dennoch geben sich die Kandidaten alle Mühe mit ihrer Selbstdarstellung, um sich von den Mitbewerbern abzugrenzen. Am Ende siegt die political correctness.
Stiftungs-Kuratorin Sonja Schmidt-Peters

# Fast so regierungstreu und staatsnah wie Jan Böhmermann: Die staatsnahe Stiftung `m21´

# Kontroverse um das Stiftungshörspiel: Nicole Abé vom SPIEGEL nahm die Satire für bare Münze




INDIVIDUALISIERUNG

Deutschland dekadent im Hörspiel

Ein Hamburger Soziologe `beglückte´ Hörspielwelt in den 90er Jahren mit einer Trilogie an Stücken. Hat er dabei immer das rechte Maß für die stets mitschwingende Kritik gefunden ? Zweifel sind angebracht, denn Aufrührer, Waffenfabrikanten und Terroristinnen als Protagonisten stehen nicht gerade für moderates Sinnieren über gesellschaftliche Probleme.
Hamburger Ehepaar

# Von der Außenseiter-Muse zur Fürsorgerin: Conny Köpp und jenseitige Wege

# Gelangweiltes Ehepaar besucht Einkaufspassage: Konsum als Kitt für Beziehungen {Text}




INTERVIEW

'Kann ich nicht' gibt es nicht

Eines der sehr seltenen Interviews mit der Macherin der 'drei Fragezeichen' und 'TKKG' bot die Möglichkeit, die Powerfrau nach ihren Rezepten für das Überleben in einer von Männern beherrschten Medienwelt zu befragen. Hartmut Lühr stellte Heikedine Körting Fragen über den Wandel von Rollenbildern und des Geschlechterverhältnisses während ihres Schaffens.
Heikedine Körting in ihrem Hamburger Aufnahmestudio

# Ewig junger Peter Shaw: Jens Wawrczeck über sein Leben mit und ohne die drei ???

# Hörspiel-Papa auf großer Reise: Alfred Krink über Hörspiele und selbstbewusste Kinder




REGIONAL

Norddeutsche Konkurrenzmedien

Der Norden Deutschlands war nicht nur Sitz wichtiger Hörspiellabels. Die Ton- und Filmstudios an der Elbe hatten auch noch anderen Ausstoß, wie dilettantische aber authentische Jugendfilme, die Hanseatische Spielart der 'Electronic Body Music' (EBM) sowie improvisierte Trashhörspiele, die unbekümmerte Religionskritik lieferten.
Szenefoto aus 'Ugly Times' / Hamburg-Rissen, 1986

# Abgetriebenes Keuchen: Vom 'zweiten Bruch', 'strengem Geruch' und 'Bullenfröschen'

# Widerliche Zeiten: Über Gurus, Voodoos und Moguln als man sie noch kritisieren durfte



Hörspiele royale

Auf zur Venus | A: Michael Gaida | P: SFB 1982 | R: Manfred Marchfelder | L: 57 Min. | D: Uwe Müller, Helga Anders, Monika Hansen, Erwin Schastok, Peter Matic u.a.
Blutbad | A: Sylvia Hoffman | P: SFB 1973 | R: Christian Gebert | L: 51 Min. | D: Hans Korte, Ingeborg Engelmann, Elke Aberle, Ulrich Faulhaber u.a.
Die Brandung von Hossegor | A: Alfred Andersch | P: NDR/HR/SR/WDR 1976 | R: Otto Düben | L: 88 Min. | D: Christian Brückner, Christoph Quest u.a.
Ein Sonntag in New York | A: Truman Capote, Andy Warhol | P: NDR 1998 | B,R: Beate Andres | L: 60 Min. | D: Martin Reinke, Klaus Schreiber u.a.
Fehler im System | A: Richard Strand | P: DRS 1989 | R: Pierre Kocher | L: 39 Min. | B: Franziska Hirsbrunner | D: Wolfgang Grabow, Renate Müller u.a.
Leute wie wir | A: Donovan O'Malley | P: NDR 1981 | R: Hans Rosenhauer | L: 45 Min. | B: Monika Klostermeyer | D: Katharina Thalbach, Stephan Schwartz u.a.
Das Loch im Kopf der Welt | A: Fay Weldon | P: SR/BR/RB 1993 | R: Stefan Dutt | L: 87 Min. | Ü: Hubert v. Bechtolsheim | D: Jürgen Holtz, Friederike Tiefenbacher u.a.
Nach Tübingen oder Lauf, Friedrich, lauf! | A: Frank Werner | P: NDR/SWF 1989 | R: Hans Rosenhauer | L: 42 Min. | D: Gerd Baltus u.a.
Science Fixion | A: Peter Jacobi | P: RB 1979 | R: Manfred Marchfelder | L: 65 Min. | D: Henning Venske, Ronald Nitschke, Anja Kruse, Otto Sander u.a.
Unser Vater ist doch noch ein Shooting-Star geworden | A: Ria Endres | P: SWR/WDR 1999 | R: U. Brinkmann | L: 39 Min. | D: Sophie Rois, Antje v.d. Ahe u.a.

A=Autor | B=Bearbeitung | D=Darsteller | P=Produktion | R=Regie | L=Länge | Ü=Übersetzung



ÜBER DIESE SEITEN

HöRSPIELer

1999 startete die unabhängige und werbefreie 'Hörspieler'-Internetseite in Hamburg. Inhaltlich stehen seither Kritik und Anregungen zum 'Königsmedium' im multimedialen Mittelpunkt.

Neben nachdenklichen Essays, wie `Die Niveau- Drücker - vom volkswirtschaftlichen Schaden durch Flachfunk´ oder `Viel Lärm um nichts - über die schwindende Vielfalt im Hörspielgeschäft´, wurden hier auch Interviews mit Autoren wie Michael Gaida, Sprechern wie Jens Wawrczeck und Produzentinnen wie Heikedine Körting veröffentlicht.

Die Seite bietet versprengten Hörspielliebhabern, die in dem Medium nach wie vor eine weg- weisende Kunstform sehen, ein virtuelles Refugium. In diesem Sinne sieht sich der verantwortlich zeichnende Autor ausdrücklich auch als Hörspielaktivist.



IM GESPRÄCH

Hörspiele im Coronajahr 2020

+ Es wird hin und wieder kritisiert, dass auf dieser Seite wenig aktuelle Hörspielproduktionen kleinerer Verlage kommentiert werden, insbesonderer solcher, die sich mit der Vermarktung ihrer Eigenproduktionen viel Mühe geben. Der HÖRSPIELer will zwar nicht unsolidarisch mit diesen Veröffentlichungen sein, in denen häufig viel Herzblut steckt. Aber dennoch: Neuproduktionen, die uns ihre Sprecher lauthals als erfahrene 'deutsche Stimmen' berühmter Hollywood-Stars anpreisen, schrecken grundsätzlich ab. Dahinter steckt die Überlegung, dass Vertonungen, die aus sich selbst heraus mit starken Geschichten, einem befähigten Produktionsteam und gut ausgesuchten Sprechern überzeugen können, es auf keinen Fall nötig haben, mit zweifelhaften Referenzen anderer Medien, die mit Hörspielen eigentlich rein gar nichts zu tun haben, um Aufmerksamkeit zu buhlen. Was sagt beispielsweise die Tatsache aus, dass ein im 'Klappentext' eines Hörspiels aufgeführter Sprecher die 'deutsche Stimme' von Brad Pitt ist ? Richtig - genau überhaupt nichts. Höchstens, dass sich der Sprecher eher auf Synchronisation, denn auf tiefergehende Schauspielerei versteht - auch wenn es hier in Ausnahmefällen kleinere Schnittmengen geben mag. +

+ Im Jahr 1988 gab sich das kongeniale Schauspieler- und vor allem Hörspielsprecher-Ehepaar Horst Frank und Brigitte Kollecker-Frank ein Stelldichein im SWF-Hörspielkrimi 'Der Joker' nach Motiven von Edgar Wallace und erinnern dabei natürlich gewollt an ihre gemeinsamen Paraderollen als 'Tom und Eileen Fawley' in den legendären Neon-Grusel-Hörspielen einer Hamburger Hörspielkassettenfirma Anfang der Achtziger Jahre. Leider hatte der solide vertonte Hörspielzweiteiler im Vergleich zu den gerade bei Jugendlichen damals deutlich populäreren neonfarbig gehaltenen Produktionen wenig Biss. +

+ Noch so ein vermeintlich progressiver Hörspiel-Prophet: Der österreichisch-englische Autor Jakov Lind zeichnete vor dreißig Jahren für das Hörspiel 'Der Erfinder' mitverantwortlich, in dem der sich damals bereits ausbreitende Kindermangel in westlichen Gesellschaften skandalös unsensibel beschrieben und dargestellt wird: Die Frau eines Erfinders kann keine Kinder bekommen und so strebt sie als Ersatzlösung einen Hund an. Sie begründet diesen Wunsch nach Kompensation mit der Feststellung 'Ich kann keine richtige Frau sein, wenn ich keine Mutter sein kann.' - dies würde wohl zu recht keine Feministin heutzutage so stehen lassen können. Auch die Einwände ihres Mannes gegen den animalischen 'Menschersatz' prallen an der unglücklichen Frau ab, wenn er profan feststellt 'Er ist ein Tier und kein Kind - soll er vielleicht im Sandkasten spielen ?'. Zwischen dem um Moral, Ethik und Menschsein streitenden Ehepaar kommt es erst zur Entspannung als der Erfinder seiner Frau zusichert, ihrem künftigen 'Kind'hund Sprechen beibringen zu wollen. Die satirische Initiative Wir sind wichtig - der Wirtschaft zuliebe, die sich dem Primat der Ökonomie folgend schon lange vor der Lehrerin Verena Brunschweiger für einen gesellschaftspolitisch aktiv zu fördernden Kindermangel eingesetzt hat, merkte bereits an, dass sie den Inhalt des offenbar neuerdings im Internet kursierenden Hörstücks missbilligt, auch wenn heute wie 1990 trotz 'ganz schlechter Scherze', wie dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz und den Uploadfiltern, natürlich Kunstfreiheit herrscht. Und dies um so mehr als diese Freiheit in diesem Hörspiel, in dem sich der jüdische Autor Lind zu Formulierungen versteigt à la Vom traditionellen Antisemitismus der Rechten bis hin zum modernen Antisemitimus der Linken, für die politische Mitte in diesem Land gegenwärtig nur schwer auszuhalten scheint. +

+ "Ich habe keine Angst mehr vor Corona seit ich weiß, dass es Corona gibt." (zeitgemäß abgewandeltes Zitat aus Günter Eichs Hörspielklassiker Die Brandung von Setúbal, worin es unter anderem um die Auswirkungen der Pest geht - die Vertonung von 1957 mit Elisabeth Flickenschildt und Gustl Halenke ist nach wie vor unbedingt hörenswert) +

+ Die MDR-Produktion 'Westend' mit Ulrich Matthes und Anja Schneider nach einer Vorlage von Moritz Rinke hat - wenn auch vermutlich unfreiwillig - das Zeug zum inoffiziellen Hörspiel der 'Generation kinderlos': Einige Pärchen leben fest sowie nur zu Besuch in einer schönen kleinen Villa und führen interessante Gespräche über Sinnfragen. Dabei fallen Sätze wie "Wenn ich durch den Garten gehe, muss ich immer an die Kinder denken, die ich nie hatte..." - das ist ziemlich starker Tobak für ein Hörspiel vom zwangsgebührenfinanzierten und nicht eben Merkel-kritischen Mitteldeutschen Rundfunk. Auch stellen sich die Pärchen mehr als einmal untereinander die Frage 'Warum habt ihr keine Kinder ?', die - wen wird es wundern - natürlich unbeantwortet bleibt. Dafür wird über 'Sicherheitsgurte für Hunde' fabuliert, die ja in modernen Familien, die schon länger hier leben, mittlerweile längst Equipment für karrierebehindernde Kinder den Rang abgelaufen haben, wie auch die satirische Initiative Wir sind wichtig - der Wirtschaft zuliebe bestätigen kann. Dennoch verblüfft die mitteldeutsche Hörspielproduktion aus dem Jahr 2020: Unter der Regie von Stefan Kanis wird den Frauen tatsächlich ein gewisser Grad an Weiblichkeit und den Männern ein gewisser Grad an Reife zugestanden (hat hier vielleicht der Rundfunkrat geschlafen ?). Und gerade die weiblichen Figuren reden in dem Stück häufig ziemlich pathosgeladen und bedeutungschwanger daher in ihrer Angst 'alt und wertlos aus der Welt zu fallen'. Hörenswerte, wenn auch nicht herausragende Reminiszenz an Goethes Wahlverwandtschaften. +

+ Was tut man, wenn man das Bedürfnis nach schlechter Energie und Bestätigung restlos überkommener weiblicher sowie männlicher Rollenbilder hat ? Richtig - man hört sich das WDR3-Hörspiel Das Geschenk - Sex-Party zum Geburtstag von Philine Conrad & petschinka an, das der Zwangsgebührensender seinen Hörern impertinenterweise auch noch als Liebesdrama verkaufen will. Die Schauspieler, die diesen misanthropisch-vulgären Reigen an Vorwürfen, Eifersucht und vermeintlich moderner Notgeilheit à la Carolin Kebekus merkbar lustlos eingesprochen haben, können einem im Nachhinein noch leid tun. Hoffentlich dürfen sie irgendwann auch mal wieder bei einem Hörspiel mitwirken, das eine originelle, nachdenkenswerte Geschichte über interessante Menschen erzählt, die dann vielleicht sogar zu Recht als 'Liebesdrama' bezeichnet werden dürfte (und sei es als humorvolle Groteske, wie beispielsweise in dieser herausragenden Produktion). +

+ Christine Strobl, CDU-Mitglied sowie Tochter von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und Ehefrau von Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl, wird ab Mai neue ARD-Programmdirektorin, was wohl auch Auswirkungen auf die Hörspielredaktionen haben dürfte. Bis zum Beweis des Gegenteils muss davon ausgegangen werden, dass die 49-jährige Juristin ihren Hochschulabschluss eigenständig bestanden hat: Einen Zusammenhang zu ziehen mit anderen einflussreichen Mitgliedern regierungstragender politischer Parteien, wie etwa Franziska Giffey, Karl-Theodor zu Guttenberg, Ursula von der Leyen oder Annette Schavan, die jeweils sehr unorthodoxe Strategien zur Erlangung universitärer Würden verfolgten, verbietet sich selbstredend - genauso wie der Vergleich der BR Deutschland mit einer beliebigen von Vetternwirtschaft gelähmten Bananenrepublik. +

+ Kleine Ortskunde für das Königsmedium: Die HörspielVILLA steht in der Hamburger Rothenbaumchaussee 116, in der Heikedine Körting seit Jahrzehnten ihr legendäres Tonstudio unterhält. Das HörspielGRAB befindet sich im Kölner Appellhofplatz 1, wo der staatsnahe Rundfunk des WDR dem Königsmedium mit Regierungsunterwürfigkeit und ideologischer Verbrämtheit seit Jahr und Tag den Garaus zu machen versucht. Aber wo findet man eigentlich den HörspielBAHNHOF ? Richtig geraten: Im Brandenburgischen Joachimsthal unweit des Werbellinsees ... +

+ In Der Verräter aus dem Jahr 1978 von Wolfdietrich Schnurre aus der Zwangsgebühren-Mediathek ringen der hervorragende Schauspieler Herbert Bötticher und seine nicht weniger ausgezeichnete Kollegin Karin Eickelbaum um das Seelenwohl eines kleinen Jungen, das offenbar durch homosexuelle Rollenvorbilder ernsthaft gefährdet scheint. Heute weiß man, dass Kinder von heteronormativen Rollenvorbildern in der Erziehung viel stärker geschädigt werden können und sie vermutlich bei schwulen oder lesbischen Eltern wesentlich besser aufgehoben wären als in der nach wie vor beschissenen binär-sexuell-geprägten Realität der Bundesrepublik Anno 2020. +

+ Von wegen 'tragikkomischer Klassiker': Was der SWF 1958 mit der Verhörspielung des Vicki-Baum-Klassikers Menschen im Hotel verhunzt hat, geht auf keinen USB-Stick. Man freut sich auf die junge Brigitte Horney, die z.B. in der Martin-Walser-Vertonung 'Lindauer Pieta' (1975) brillierte, und bekommt in der Zwangsgebühren-Audiothek der ARD für 80 Minuten eine hochsinistre und vollkommen humorbefreite Hörspieltristess geboten, die einen wünschen lässt, am besten nie mehr in einem Hotel egal wo auf der Welt absteigen zu müssen. Schade um das nichtgenutze Schauspielerinnen-Potenzial... +

+ Hat eigentlich jemand das zweite der drei ??? Fragezeichen und Cineast Jens Wawrzceck schon einmal darauf aufmerksam gemacht, dass er optisch der Zwillingsbruder des jungen Lou Castel (eigentlich Ulv Quarzéll) sein könnte, der in Filmen wie 'Mit der Faust in der Tasche' (1965) rebellierend brillierte ? +

+ Man ist zurecht gespannt auf die drei hochkarätigen Schauspieler Otto Sander, Angelica Domröse und Jürgen Thormann in Das Genauigkeitsprinzip - Was, wenn man weiß, wann man stirbt? von Marcy Kahan in der Zwangsgebühren-Mediathek und bekommt leider ein nichtssagend psychologisierendes Hörspiel-Machwerk aus dem Jahr 2000 geboten, bei dem man während des Hörens beinahe geneigt ist, sich selbst ebenfalls eine kürzere Lebenszeit zu wünschen. Dass der Produzent dieses sich an den Zeitgeist anbiedernden Hörspiels der WDR war, wundert hingegen wenig, hat dieser sich mit dem Lied Oma ist ne alte Umweltsau in der Hoffnung auf Applaus von der Greta-Thunberg-Generation doch kürzlich selbst als kaum verhohlener Seniorenfeind geoutet. +