der HöRSPIELer - Informationen über das Königsmedium

Das gesellschaftspolitische Hörspiel ist tot
... aber sowas von ! Auf erhobene Zeigefinger und moralinsaure Agitation hochbezahlter wie humorloser Weltverbesserer hat kaum noch jemand Lust.

Das lange Leben der Hörspielserien
Ob Science Fiction, Krimis, Grusel oder Skurriles: Mehrteiler bleiben uns meist länger im Gedächtnis. Ob zu recht oder nicht, kann man nicht immer klar sagen.

Kampf um staatsnahe Hörspiel-Moneten
'Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf', mahnte bereits Angela Merkel. Oder war´s doch Mutter Theresa ? Über Verteilungsprobleme beim Königsmedium.

Schlagzeilen zum Chaoten Leo Greller
Von allen mittelmäßigen Hörspielseiten haben wir den heißesten Draht zum bigotten und chronisch unzufriedenen Liedermacher aus dem Norden.

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Jugendfreie Fantasie-Froschfrauen
DOKU

Schlagzeilen zum Chaoten Greller

Die Redakteurin eines Hamburger Rundfunksenders realisierte ein Radiofeature über die `Hamburger Schule´ deutsch-sprachiger Popmusik und bat Leo Greller um inhaltliche Unterstützung für das Projekt. Durch ihn sollte das Leben eines typischen Hamburger Liedermachers aus verschiedenen Perspektiven dokumentiert werden. Dies misslang gründlich.

Die Geschichte eines verkorksten Features

Die lange nicht mehr durch erwähnenswerte Produktionen aufgefallene Redakteurin eines Hamburger Rundfunksenders realisierte ein Radiofeature über die `Hamburger Schule´ deutschsprachiger Popmusik und bat Leo Greller um inhaltliche Unterstützung für das Projekt. Am seinem Beispiel sollte das Leben eines typischen Hamburger Liedermachers aus verschiedenen Perspektiven dokumentiert werden. Dies misslang gründlich.

Da wäre zunächst Leos Manager Ludo Kamberlein: Der Mann des Vertrauens für den Liedermacher. Kamberlein unterstützte die Feature-Redakteurin der Sache wegen, obwohl er neben Greller auch noch ein esoterisches Sängerinnen-Duo und eine Underground-Electrocombo aus Wedel betreut. Nach seinem Interview meinte er, er hätte `dieser Radiofrau´ viel mehr erzählt als er ursprünglich vorgehabt hätte, da sie ihm während der Gespräche ständig geschmeichelt habe.
Ebenfalls befragt wurde unnötigerweise eine Dame namens `Manuela´: Es ist kaum seriös zu nennen, in einem Feature über die Hamburger Schule im allgemeinen und Leo Greller im besonderen ausgerechnet eine Ex-Freundin des vielbeschäftigten Sängers zu Wort kommen zu lassen. Insbesondere dann, wenn man die Dame im Feature ausführen läßt, warum sie illoyalerweise eher auf Rockmusik als auf die Klänge der Hamburger Schule steht. Und dies mit einer Begründung, die auch Männer mit mehr sexuellem Selbstbewusstsein als dem Grellers peinlich berühren würde.
Dann gibt es noch diesen ehemaligen Schulkameraden von Leo: Dieser ist mittlerweile Sanitärtechniker in Heide (Holst.). Hätte das nicht gereicht ? Der Mann wirkt wie voll durch seinen Beruf ausgelastet. Dies ist natürlich zu begrüßen, aber wir fragen trotzdem: Mußte ausgerechnet dieser Herr für das Feature über kulturelle Themen befragt werden ? War es tatsächlich eine glückliche Wahl, gerade einen ehemaligen Schulkameraden über Greller sinnieren zu lassen ? Jemanden, der Leo während der Schulzeit nicht sonderlich nahestand und den nachweislich schon die Betrachtung eines harmlosen Musikvideos aus dem Hause Greller überreizt ? Wir meinen, nein !



tote Hörspieler
KONFORMISMUS

Gesellschaftspolitisch totes Hörspiel

Auf moralinsaure Agitation hochbezahlter wie humorloser Weltverbesserer hat kaum noch jemand Lust. Der Hörspieler hat mit Eigenproduktionen versucht, dies zu ändern - vergeblich. Die Hörer waren einfach nur angewidert von dem Vorhaben, über das 'Königsmedium' Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse nehmen zu wollen.

Wirkliche Provokationen fehlen

Wenn in diesen Tagen kaum noch wirklich provokative Hörspiele im Radio (oder im Livestream) laufen, ist dies ein Symptom dafür, dass sich das bundesdeutsche Hörspiel öffentlich-rechtlicher Prägung in einer schweren Krise befindet - wie überhaupt die Errungenschaften der `Moderne´ in diesem Land.

Wenn man heute als Hörspielmacher Themen behandeln will, die von denen der großen Parteien und in der Folge auch der öffentlich-rechtlichen Medien abweichen, dann kann man sein Glück nur auf dem freien Markt versuchen. Würden im öffentlich-rechtlichen Hörspiel hin und wieder auch Fragen von allgemeinem Interesse wie der demographische Wandel und die mit ihm verbundenen tief gehenden Veränderungen der Bevölkerungsstruktur hierzulande behandelt, dann könnte man sich beruhigt ein- oder zweimal die Woche abends ein Radiostück anhören, das einem über dass hier und heute dieser nervösen Zeiten in Deutschland etwas sagen will. In welcher Form auch immer - möglichst nicht moralinsauer sondern humorvoll, kritisch, ironisch oder grotesk.

Es ist nicht naiv, mit Hörspielen im kleinen Rahmen etwas bewegen zu wollen. Es gab Zeiten, da waren diese noch politisch. Und zwar teilweise sogar gegen die herrschenden Machtverhältnisse gerichtet, in die die öffentlich-rechtlichen Sender natürlich stark eingebunden sind. Bis in die 80er Jahre hinein hatte man in einigen Hörfunkhäusern noch die Größe, dieses zuzulassen und das Gebot der Staatsferne und der Unabhängigkeit für die öffentlich-rechtlichen Medien ernst zu nehmen. Zwar hat man in den Hörspielabteilungen der Öffentlich-Rechtlichen freiwerdende Stellen in den letzten Jahren mutigerweise fast ausschließlich mit modernen Mitarbeiterinnen besetzt und damit Vielfalt und Gerechtigkeit gefördert - aber dennoch befindet sich auch hier Unabhängige und nicht-ritualisierte Gesellschaftskritik seit langem auf dem Rückzug.



Science-Fiction-Hörspiel
GENRE

Das lange Leben der Hörspielserien

Ob Science Fiction, Krimis, Grusel oder Skurriles: Mehrteiler bleiben uns meist länger im Gedächtnis. Ob zu recht oder nicht, kann man nicht immer klar sagen. Vielleicht fungieren in der Single-Gesellschaft die immer wieder kehrenden Hörspielhelden auch bereits als eine Art 'Ersatzfamilie' für uns. Das wäre zwar traurig aber irgendwie auch verständlich ...

Science-Fiction-Serien

Als wichtige Science-Fiction-Serien scheinen 'Space Ryder SR447' (Abenteuer des Einsatzkommandos des solaren Sicherheitsdienstes) sowie 'Flash Gordon' (Der Superstar im Reich der Sterne) nennenswert.

Im 75minütigen Zweiteiler SPACE RYDER SR447 von Nevil Yd, das bereits 1967 öffentlich-rechtlich produziert wurde und ab Ende der 70er Jahre auch als Kassettenversion erhältlich war, sprachen neben Frank Rehfeldt noch Alexander Herzog, Marlies Kreipe, Werner Eichhorn, Werner Hanfgarn, Hans Georg Andree und Gerhard Retschy u.a.: Eine Crew des solaren Sicherheitsdienstes verschlägt es auf die Spuren einer überlegenen Zivilisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, von jeder Rasse intelligenter Lebewesen in der Milchstraße ein Exemplar zu konservieren. Der Zusammenhalt des Teams wird auf eine harte Probe gestellt. Eine für Jugendliche konzipierte Handlung mit einigen mehr für noch jüngere Hörer geschriebenen Dialogen. Ausgezeichnete, leider in keinerlei anderen Hörspielproduktionen mehr auftauchende Darsteller (vermutlich Theaterschauspieler). Minimaler Musikeinsatz, dieser dafür absolut pointiert. Beispielhafte Umsetzung. Die Geschichte befürwortet für menschliche Unternehmungen im All die Einhaltung eines hierarchischen `Führerprinzips´, was vermutlich für jugendliche Hörer etwas bedenklich ist, was allerdings gleichzeitig ebenfalls sehr vielen erfolgreichen US-amerikanischen SF-Filmproduktionen zu eigen ist (Siehe die Star Trek-Serien).
Im Zehnteiler FLASH GORDON, dessen Folgen im Schnitt vierzig Minuten laufen und der Anfang der 80er Jahre bei Europa erschien, spielten neben Lutz Mackensy noch Heidi Schaffrath, Gottfried Keller, Jürgen Thormann und zahlreiche andere Mimen mit. Die erste Folge ist handlungsmäßig identisch mit der des gleichnamigen Kinofilms. Auf den Planeten Mongo, der unter der Herrschaft des Tyrannen Ming steht, haben die dorthin verschlagenen Erdenbürger Flash Gordon, dessen Freundin Dale Arden und Professor Zarkov zahlreiche Abenteuer zu bestehen. Das Ergebnis ist ist eine Science Fiction-Serie mit einem starken Einschlag in Richtung Fantasy. Die `Kinofilm´-Folge 1 wurde adäquat in die Hörspielform transponiert. Ansonsten wird hauptsächlich auf die Vermittlung oberflächlicher und ziemlich phantasieloser Action gesetzt. Dies ist um so enttäuschender, als mit Gottfried Keller und Jürgen Thormann zwei ausgezeichnete Schauspieler zur Verfügung standen, deren Talent lediglich ansatzweise zur Geltung kommen konnte. In den Folgen 5-7 brilliert immerhin die unnachahmliche Marianne Kehlau als Königin Freya.
Die zweiteilige FLASH-GORDON-Vertonung von Telefunken aus der Mitte der Siebziger Jahre muss leider trotz zum Teil gut beleumdeter Sprecher wie Konrad Halver und Franz-Josef Steffens als total misslungen angesehen werden, da es sich bei den Werken viel eher um Krach- und Kreischorgien handelt als um Hörspiele.



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Lesung
Lesung von Leo Greller (1/2) - Mediensatire
TEIL1

Lesung
Lesung von Leo Greller (2/2)
TEIL2







TOP-10 des HÖRSPIELers | A=Autor B=Bearbeitung D=Darsteller P=Produktion R=Regie S=Spieldauer Ü=Übersetzung

Auf zur Venus | A: Michael Gaida | P: SFB 1982 | R: Manfred Marchfelder | S: 57 Min. | D: Uwe Müller, Helga Anders, Monika Hansen, Erwin Schastok, Peter Matic u.a.
Blutbad | A: Sylvia Hoffman | P: SFB 1973 | R: Christian Gebert | S: 51 Min. | D: Hans Korte, Ingeborg Engelmann, Elke Aberle, Ulrich Faulhaber u.a.
Die Brandung von Hossegor | A: Alfred Andersch | P: NDR/HR/SR/WDR 1976 | R: Otto Düben | S: 88 Min. | D: Christian Brückner, Christoph Quest u.a.
Ein Sonntag in New York | A: Truman Capote, Andy Warhol | P: NDR 1998 | B,R: Beate Andres | S: 60 Min. | D: Martin Reinke, Klaus Schreiber u.a.
Fehler im System | A: Richard Strand | P: DRS 1989 | R: Pierre Kocher | S: 39 Min. | B: Franziska Hirsbrunner | D: Wolfgang Grabow, Renate Müller u.a.
Leute wie wir | A: Donovan O'Malley | P: NDR 1981 | R: Hans Rosenhauer | S: 45 Min. | B: Monika Klostermeyer | D: Katharina Thalbach, Stephan Schwartz u.a.
Das Loch im Kopf der Welt | A: Fay Weldon | P: SR/BR/RB 1993 | R: Stefan Dutt | S: 87 Min. | Ü: Hubert von Bechtolsheim | D: Jürgen Holtz, Friederike Tiefenbacher u.a.
Nach Tübingen oder Lauf, Friedrich, lauf! | A: Frank Werner | P: NDR/SWF 1989 | R: Hans Rosenhauer | S: 42 Min. | D: Gerd Baltus u.a.
Science Fixion | A: Peter Jacobi | P: RB 1979 | R: Manfred Marchfelder | S: 65 Min. | D: Henning Venske, Ronald Nitschke, Anja Kruse, Otto Sander u.a.
Unser Vater ist doch noch ein Shooting-Star geworden | A: Ria Endres | P: SWR/WDR 1999 | R: U. Brinkmann | S: 39 Min. | D: Sophie Rois, Antje v.d. Ahe u.a.




Video: Die Tacheles-Satiren (m21-Werkschau)
Video: Die Tacheles-Satiren (m21-Werkschau)
TACH.-SATIREN

Diskussion
Diskussion zum Thema 'Political Correctness in der Kunst'
KREATIVE MITTE





moderne21




satirische Initiative 'Wir sind wichtig' (seit 2017 nicht mehr aktualisiert)



satirische Initiative 'Dudelstopp' (seit 2017 nicht mehr aktualisiert)




SATIRE

Kampf um Hörspiel-Moneten

Sonja Schmidt-Peters von der staatsnahen Stiftung `m21´ hat eine schwierige Wahl zu treffen, denn es gibt gleich vier Bewerber um ihre Fördergelder - natürlich nur in dieser Hörspiel-Satire. Dennoch geben sich die Kandidaten alle Mühe mit ihrer Selbstdarstellung, um sich von den Mitbewerbern abzugrenzen. Am Ende siegt die political correctness.
Stiftungs-Kuratorin Sonja Schmidt-Peters

Die Stiftung `moderne21´

Nachfolgend ein paar zusammenfassende Worte über die überparteiliche Stiftung `moderne21´ und ihr Selbstverständnis: Die Stiftung geht davon aus, dass wenn Bürger der Bundesrepublik die Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kritisieren, dies in den allermeisten Fällen ohne rationale Grundlage geschieht. Schließlich handelt es sich bei den gescholtenen Spitzenkräften fast ausnahmslos um seriöse Experten, die sich fest am Gemeinwohl orientieren.

Aber auch den Nörglern und Stänkerern will die Stiftung ein offenes Ohr und ein Forum bieten, denn sie dürfen von der Gesellschaft nicht abgeschrieben werden. Zum Glück ist Deutschland eine Republik mit Zukunft. Sein sich rapide verändernder Bevölkerungsaufbau und die daraus resultierenden großen Umbrüche werden von weitsichtigen Bürgern heute bereits als Chance begriffen. Als für die allgemeine Lebensqualität besonders vorteilhaft erweisen sich zudem die weitreichenden Aktivitäten des Sozialstaats. Dessen hochspezialisierte Beschäftigte haben ein großes Interesse an der Sicherheit und Zufriedenheit der Bevölkerung. Dennoch sind sie bestrebt, ihre Bemühungen lieber heute als morgen überflüssig zu machen. Aus der wachsenden Präsenz des Staates im Leben der Menschen resultiert ein Mentalitätswandel, der Optimismus und Zuversicht in die Zukunft fördert.

Die Stiftung `moderne21´ und ihre zum Teil ehrenamtlich helfenden Mitarbeiter bringen sich mit Geld, Zeit und Eigeninitiative für das Gemeinwohl ein. Sie wollen Politiker, Ökonomen und Medienschaffende bei der Verarbeitung der Folgen gesellschaftlichen Wandels mit Hilfe eigener Impulse und Aktivitäten zur Seite stehen. Genau wie alle seriösen politischen Kräfte steht die `moderne21´-Stiftung dem aktuellen Raubtierkapitalismus ebenso skeptisch gegenüber wie ihr gleichzeitig der Ausbau der Gerechtigkeit und die Bekämpfung der allgegenwärtigen Armut am Herzen liegt. Sie suchen den Dialog mit den Mächtigen und gehen auf diese zu, um sie im Geiste der Brüderlichkeit und der Solidarität umarmen.



MUSIK (off-topic)

Des Hörspiels hässliche Schwester

Der Name dieser Schwester ? 'Musik' ! Sie vermag ebenso wie das Hörspiel, Gefühle und Stimmungen zu stimulieren. Grenzwertig wird es allerdings, wenn sich Bruder 'Hörspiel' und Schwester 'Musik' inzestuös vermischen. Wer kann sich zum Beispiel schon ernsthaft ein gelungenes Hörspiel mit untermalender Electro-Industrial-Musik vorstellen ?
Electro-Industrial-Musiker, Anno 1987

Getriebene Abgetriebene

Wenn drei von musikalischer Vorbildung unbelastete junge Männer versuchen, unkonventionelle Musik zu machen, kann in den allermeisten Fällen sowohl mit umwerfenden als auch mit niederschmetternden Resultaten gerechnet werden, mit Genialität und Redundanz, Inspiration und Langeweile.

Für das Projekt ‚Abgetriebenes Keuchen‘ aus Hamburg und Umgebung von Tim Paal (Gesang und E-Gitarre), Harry Luehr (Sequencer) und einem weiteren wackeren Mitstreiter (Sampler), dessen Pseudonym 'Stefan Trainer' lautet, trifft diese Erkenntnis ganz besonders: Sie konfrontieren ihr Publikum in den knapp zwei Jahren ihrer Zusammenarbeit seit 1988 sowohl mit schwer verdaulichen – allerdings erfreulich tanzbaren – elektronischen Industrial-Experimenten als auch mit scheinbar plumpen Persiflagen auf musikalisch kurz- wie langlebige Trends, wie ‚Front242‘ oder ‚Skinny Puppy‘.

Häufig ist in ihrer Musik die Ironie deutlich spürbar, um sich im nächsten Moment allerdings selber wieder in Frage zu stellen. Von Dauer scheint bei den Abgetriebenen, die ich an zwei Wochenenden im Herbst getrennt zum Interview aufsuche, nur wenig zu sein. Die Bandmitglieder können sich offenbar weder entscheiden, ob sie nun Teil der identitätsstiftenden Dark-Wave-Bewegung sein wollen, noch ob sie untereinander die richtigen Partner für eine solide musikalische Zusammenarbeit sind. Bei Erscheinen dieses Interviews im Frühling des nationaltrunkenen Vereinigungsjahres 1990 hat sich die Formation aufgelöst – einvernehmlich, wie es heißt. Ein erneutes Zusammenkommen scheint ungewiss und nach dem Lesen dieser letzten Zeilen vielleicht auch nicht wünschenswert.



GERECHTE REZENSIONEN

Drei Fragezeichen und der Zeitgeist

'Die Drei Fragezeichen' waren und sind mit Abstand Deutschlands erfolgreichste Jugend-Hörspielserie. Nach über 3 Dekaden, in denen sie ermittelten, haben sich Moral und Werte nachhaltig verändert, was sich bisher noch viel zu wenig auf die Bewertung der einzelnen Geschichten niedergeschlagen hat. Der HÖRSPIELer will dies ändern.
Fragezeichen-Übermutter Heikedine Körting

Papageien und Phantome

Die drei Fragezeichen starten ihren ersten Fall 'Der Superpapagei' mit der für sie so typischen Spuren- um nicht zu sagen 'Schnitzel'jagd nach einem Schatz. Papageien geben in diesem Fall Hinweise auf den späteren Fundort eines wertvollen Bildes.
Der sicher sehr gute Schauspieler Gerlach Fiedler hat einen enormen Bass als Stimme, bei dem man denkt, dass bei jedem Atemzug ein paar Hundert Nasenhaare mitschwingen. Eine äußerst unästhetische Stimme, das muss hier einmal gesagt werden. Die 'Telefonlawine' zur Recherche eines Verdächtigen richtet sich ausschließlich an junge männliche Kalifornier ('Jungen') - was mit den Vorgaben des Gender-Mainstreaming überhaupt nicht in Einklang zu bringen ist: Wir alle wissen, dass junge weibliche Menschen ('Mädchen') genauso abenteuerlustig sind, wie Angehörige des ungerechterweise leider immer noch bevorzugten Gechlechts. Auch der Hinweis gegen Ende des Hörspiels auf die 'ruhenden Gebeine' einer Gruppe von amerikanischen Ureinwohnern hingemetzelter weißer Siedler ist für den Gedanken der Völkerverständigung nicht hilfreich. Nicht zuletzt, weil inzwischen auch dem letzten Zweifler bekannt sein müsste, dass alles Leid der Welt von weißen, christlichen Amerikanern verursacht wird - woran uns ja regelmäßig Massenmedien und politische Organisationen erinnern.

Die drei Fragezeichen streiten sich mit Java-Jim um den Inhalt einer alten Seefahrerkiste, der möglichweise zu einem Seeräuberschatz führt. Professor Shy hilft ihnen dabei.
Der wunderbare Gottfried Kramer hat in der zweiten Folge 'Der Phantomsee' eine Doppelrolle zu bewältigen, was für einen exzellenten Sprecher wie ihn natürlich kein Problem ist. Aber die Regieanweisungen erfüllten leider alle Klischees, die zur Entstehungszeit der Vertonung noch äußerst virulent und unheilvoll waren: Kramer spricht den Ganoven Java-Jim rauhbeinig und aggressiv, während er Professor Shy als zart besaitet und 'tuntig' darstellt. Er macht das sehr überzeugend, aber warum muss eigentlich der virile Verbrecher als allem Anschein nach heterosexuell und der gutmütige und zivilisierte Professor als allem Anschein nach homosexuell dargestellt werden ? Es ist ungut, diese tradierten Rollenbilder in einem Jugendhörspiel fortzuschreiben. Ganoven können sehr wohl gewalttätig und schwul sein, Menschenfreunde durchaus auch mal heterosexuell.