der HöRSPIELer ... vermisst das alte Dampfradio

Kampf um staatsnahe Hörspiel-Moneten
'Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf', mahnte bereits Angela Merkel. Oder war´s doch Mutter Theresa ? Über Verteilungsprobleme beim Königsmedium.

Gezerre um den Nörgler Leo Greller
Von allen mittelmäßigen Hörspielseiten haben wir den heißesten Draht zum bigotten und chronisch unzufriedenen Liedermacher aus dem Norden.

Das lange Leben der Hörspielserien
Ob Science Fiction, Krimis, Grusel oder Skurriles: Mehrteiler bleiben uns meist länger im Gedächtnis. Ob zu recht oder nicht, kann man nicht immer klar sagen.

Das gesellschaftspolitische Hörspiel ist tot
... aber sowas von ! Auf erhobene Zeigefinger und moralinsaure Agitation hochbezahlter wie humorloser Weltverbesserer hat kaum noch jemand Lust.

der HöRSPIELer - Informationen über das Königsmedium



Nichtwähler-Aktivistin (Satire)
SATIRE

Kampf um Hörspiel-Moneten

Die Kuratoren der der staatsnahen Stiftung `m21´ haben eine schwere Wahl zu treffen, denn es gibt gleich vier Bewerber um ihre Fördergelder - natürlich nur in dieser Hörspiel-Satire. Insbesondere die Vertreterin der zivilgesellschaftlichen Nichtwähler-Initiative 'Wahlzusage' legt sich mächtig ins Zeug, um einen guten Eindruck zu vermitteln.

Konsequente Courage auch im Steuerwesen

Die Initiative `Wahlabsage - Mehr Demokratie, weniger Politik´ kündigte an, in absehbarer Zeit eine sogenannte politische `Goodwill-Kampagne´ für mehr Steuergerechtigkeit sowie ein höheres Steueraufkommen auf den Weg zu bringen.

Berliner Strassenansicht des Bundes der Steuerzahler Deutschland e.V.Dem Vernehmen nach geht es der zivilgesellschaftlichen Gruppierung um Nachhaltigkeit für die Basis allen politischen und staatlichen Handelns. So wird die Aktivistin Aleyna Gökdal im Zuge einer Bewerbung um Stiftungsgelder mit den Worten zitiert "Wenn man Wert darauf legt, couragiert für die politische Durchgestaltung des Alltags einzutreten, dann sollte man sich konsequenterweise auch für mehr Steuergerechtigkeit und mehr Steueraufkommen, kurz: mehr Akzeptanz für das Steuerwesen einsetzen."
Da es sich bei der erwähnten staatsnahen Stiftung um `moderne21´ handelt, kann Frau Gökdal von `Wahlabsage´ relativ sicher sein, dass ihrem berechtigten Anliegen mit Wohlwollen begegnet werden wird. Denn schließlich stärken Steuern im Idealfall nicht nur allgemein die Solidargemeinschaft, sondern sie stellen darüber hinaus ganz fundamental bildlich gesprochen das Futter für die Politik dar. Das Herunterfahren des Steueraufkommens käme daher einem Nahrungsentzug gleich. Und der bedeutete dann konkret - wiederum bildlich gesprochen - den Hungertod für Gerechtigkeit, Gleichstellung und Wohlsein. Dies kann und darf niemand wollen und eigentlich auch niemand anders sehen.

Über den Ausgang der Bewerbung um Stiftungsgelder durch Frau Gökdal bei `moderne21´ soll aus Rücksicht gegenüber den anderen Mitbewerberinnen und Mitbewerbern nicht weiter informiert werden. Es sei an dieser Stelle nur konstatiert, dass Frau Gökdal den Interessen ihrer Initiative `Wahlabsage - Mehr Demokratie, weniger Politik´ mit großem Geschick und einer gehörigen Portion Raffinesse Geltung verschaffte.

Die Schwingungen der Nichtwähler

Es ist empfehlenswert, sich innerhalb seines engeren sozialen Umfeldes darüber zu informieren, welcher Freund, welche Tante, welcher Kollege zur Gruppe der Nichtwähler gezählt werden müssen. Man möchte ja schließlich auch wissen, ob gute Bekannte bereits eine Drogenkarriere hinter sich haben oder ob eine Kusine irgendwann einmal abgetrieben oder ein Vorgesetzter einmal Fahrerflucht begangen hat. Will man mit solchen Menschen zusammenarbeiten, ein Bier trinken gehen oder gar Sex haben ?

Licht am Ende des Tunnels - auch für Nichtwähler ?Das jeweilige politische Partizipationsverhalten sollte relevant sein für die Frage, wie nahe uns jemand steht oder stehen darf - wenn wir uns als Demokratinnen und Demokraten ernst nehmen wollen. Im engeren sozialen Umfeld besteht daher ein besonderes Interesse aus einer möglichen Nähe der entsprechenden Personen zum Milieu der Nichtwähler. Selbst wenn dies auf den ersten Blick nicht überlebenswichtig erscheint. Der Aspekt des `Überlebens´ muss beim Nichtwählerphänomen dennoch eine Rolle spielen: Es geht allem Anschein nach auch ums `Über´leben, um das Leben nach dem Leben, das Leben nach dem Tod. Möglicherweise stimmt es also, dass Wahlverweigerer einen Punktabzug für ihr nächstes Leben bekommen - auch wenn man dies bisher nicht beweisen konnte. Dennoch bleibt ein unübersehbarer Wink auf die Belastungen für das Karma bewusster Nichtwähler. Einige Leute streiten sich darüber, wirklich Konkretes ist nicht bekannt, manche wollen darüber auch lieber nichts Genaueres wissen. Es deckt sich zumindest nicht mit den Überzeugungen der zivilgesellschaftlichen Initiative `Wahlabsage - mehr Politik, weniger Demokratie´, die Nichtwähler wie Abweichler zu behandeln, sie zu diskriminieren und mit Punktabzug zu bestrafen. Diskriminierung ist nicht umsonst ein Verbrechen. Die passiven Wahlverweigerer sollen stattdessen abgeholt und mitgenommen werden zur Wahlurne !



Infantiler Radiomoderator stellt Leo Greller im Programmauftrag grenzdebile Fragen
EIGENNUTZ

Gezerre um Leo Greller

Unangenehme Zeitgenossen, wie bestimmte Radiomoderatoren oder gewisse PR-Manager, zerren mit den verschiedensten eigennützigen Motiven und von unterschiedlichen Seiten am sensiblen Liedermacher Leo Greller. Nachfolgend zwei beweisende Protokolle für diese Behauptung samt 'innerer' Stellungnahme von Leo.

Norddeutscher Dudelfunk

[Moderator:]... Ihr hörtet gerade die Hamburger Nachwuchshoffnung DJ Pumpbeat mit `Pulse Injection´. Starke Scheibe !
Schon ein bißchen länger im Geschäft, nicht ganz so bombastisch erfolgreich, ist mein nächster Studiogast hier bei Hype FM. Die eine oder der andere kennt ihn vielleicht sogar schon - Er kommt aus St. Pauli und hat uns seine neue CD `Halblang, Kleines !´ mitgebracht ...

[Leos innere Stimme:] Stop ! Halt ! So läuft das nicht. Ich will das nicht ! Alles wieder zurück auf Start !
Die Leute sollen HALBLANG,KLEINES! von sich aus kaufen, aus Neugierde. Oder sie sollen es bleiben lassen.O.K., zugegeben: Meine neue CD könnte sicher besser laufen. Den deutschen Musikmarkt wird sie wohl doch nicht völlig verwüsten, wie ich das erwartet hatte. Ich müsste Ludo eigentlich sagen, er soll als mein Manager das PR-Pedal noch mehr durchtreten. Das will ich aber nicht: Verdammt - Die Leute sollen “Halblang, Kleines !” von sich aus kaufen, aus Neugierde. Oder sie sollen es bleiben lassen. Ich bin 36 - Ich hab´ einfach keine Lust mehr, in irgendwelchen miefigen Radiosendungen vor Hörern mein Leben runterzubeten. Nur weil sie mich noch nicht kennen, noch nie was von mir gehört haben. Die können mich mal !

...Ihr wisst immer noch nicht, wer heute bei mir im Studio sitzt ? Ich gebe Euch einen Tip: Er hat was mit der legendären `Hamburger Schule´ zu tun. Wird da sogar manchmal als heimlicher Klassensprecher bezeichnet. Na, dämmert´s langsam ?

Und dann kann es noch passieren, dass mich so´n grenzdebiler Dudelfunk-Moderator als Obermacker der Hamburger Schule deutscher Popmusik anpreisen will. Oberpeinlich!
Klassensprecher war ich auf der richtigen Schule schließlich auch nie.Wär´ ich damals ein Klassensprechertyp gewesen, dann wär´ich heute nicht Popsänger, sondern Leiter in ´ner Bankfiliale oder sonstwas Gemeines. Überhaupt: Ein typisch plakatives Label von der Presse - `Hamburger Schule´.
Das könnte den Schreiberlingen so passen ... alles schön übersichtlich eingeteilt: Als Klassenstreber die Intelligenzbestien von `Blumfeld´, als Klassenflittchen die Mädels von `die Braut haut ins Auge´ und als Klassenrowdie am besten noch Rocko Schamoni. Vielen Dank - So ´ne Schule müsste man wirklich anzünden ! Naja, jedenfalls wär´s keine für den kleinen Leo.

Man sollte meinen, dass in `ner großen Stadt wie Hamburg die Radiosendungen eigentlich mehr Niveau haben müssten. Da kommt man aus Heide hierher, denkt `So, jetzt ist es wohl mit dem Kraut- und Rübenfunk erstmal vorbei, Nun ist Metropolenprogramm angesagt.´.
Aber denkste: Die Hanseaten lieben´s flach. Bloß keine stilvollen Musiksendungen, bloß keine intelligenten Lieder, sondern lieber Fischmarktgesülze auf Kopfhörer. Kein Platz für Leo Greller. Und wenn, dann höchstens als Alibi.
Jetzt mal unter Dudelfunk-Moderatoren: Wir müssen in Hamburg ja zum Glück keinen Deutschpop aus Berlin importieren, wir haben selber Musiker in unserer schönen Hafenstadt. Wir kaufen zwar ihre Platten kaum und lassen sie auch nicht so gerne in unseren Fernsehsendungen auftreten. Aber wir kennen durchaus ihre Namen, wir wissen, wo sie wohnen und wir haben ihnen sogar eine gesonderte Schublade reserviert, damit auch ganz klar ist, was wir von ihnen erwarten:
Das ist die `Hamburger-Schule´-Schublade. Genau - Die in der Kommode, die ganz hinten in unserer Besenkammer steht. Und aus dieser Schublade heraus soll es bitte nicht zu subversiv heraus schallen: Schräge Alltagsgeschichten, nicht zu abgehoben, jeder sollte es verstehen können. Ein wenig Ironie ist OK. Melancholie schadet auch nicht. Sogar ernsthaft darf es ab und zu mal sein, wir sind mal nicht so ...

Durch die Hintertür

[Leos innere Stimme:] In meine Musik fließt alles Mögliche mit ein: Fußball, mein Leomobil, Drogen, Politik, Comics, Steuerbescheide ... und ganz besonders natürlich Frauen. Manche Frauen inspirieren mich total, wenn ich einen neuen Song schreibe: Auf Titel wie `3 ½ Arten, Elke zu lieben´ oder `Emanzipiert und trotzdem pikiert´ kommt man nicht, wenn man in Liebesdingen gerade Frust schieben muss.
Wenn mich andererseits heute im `Pudels Club´ ´ne Ex von mir anhaut und im Nachhinein von mir wissen will, warum ich eigentlich während wir zusammen waren, ausgerechnet Titel wie `Nimm bitte die Hintertür´ oder `sexuelles Mobbing´ eingespielt habe, dann muss sich Leo Greller schon ziemlich zurücknehmen, um nach einer Antwort auf so´ne Frage immer noch als Gentlemen durchgehen zu können.

[Leos Manager 'Ludo' (drängend):] Darüber müßtest Du unbedingt mal ein Lied schreiben !

Worauf ich ja auch gar nicht kann ist, wenn man mich zu bestimmten Themen drängen will:
Wenn ich auf dem Turmweg-Straßenfest Passanten beim Turmweg-Strassenfestauftrete und hinterher zur Entspannung in ´nem leeren Übertragungswagen vom NDR ´ne unschuldige 'Nummer' mit ´ner Freundin schiebe ... wenn dann mitten während dieser Privatübertragung ein paar spielende Kinder in den Wagen platzen ... und wenn diese Freundin in den nächsten Tagen immer wieder damit anfängt, dass sich diese Geschichte doch eigentlich super für ´nen neuen Song anbieten würde - z.B. einen über tragische Fälle von `coitus interruptus´ wegen übertriebener Rücksicht auf spielende Kinder ...

Darüber müßtest Du unbedingt mal ein Lied schreiben !

... dann wird Leo Greller doch gleich wieder misstrauisch, ob sich da nicht nur wieder jemand in seinen Werken verewigen will.

Über sowas singst Du nie !

Auch enge Vertraute sind da ja nicht vor gefeit:
Wenn Ludo mir in regelmäßigen Abständen immer wieder mal “zu bedenken geben möchte”, ob ich nicht auch mal eine Nummer speziell für meine `rein´ männlichen Bewunderer schreiben will ...
Z.B. über ´ne eigentlich phantastische Männerfreundschaft, die noch perfekter sein könnte, wenn der eine Freund jobbedingt nicht ständig mit den verschiedensten Frauen in´s Bett gehen müsste -müsste ist gut!-, während der andere sich aus Vernachlässigung in irgendwelchen `blue-boy-bars´ die Nächte um die Ohren schlagen muss ...

Über sowas singst Du nie !

... dann kann ich mir nicht helfen:
Da sehe ich meinen Manager in meiner Phantasie jedesmal mit Stolz geschwellter Brust in so´nem plüschigen Etablissement in St. Pauli stehen und dem DJ augenzwinkernd eine CD von mir zuschieben. Mit dem Hinweis, dass auf sein Drängen der Leo Greller den Track Nr.5 mit dem Titel `Den eine, den man will - die anderen, die man muss´ extra für seine wenigen Fans in der `Wunderbar´ geschrieben hat.
Wenn Ludo mir mit solchen Wünschen kommt, dann sage ich ihm jedesmal, dass meine CD´s  nicht das richtige Medium für sein Outing durch meine Hintertür sind. Das soll er gefälligst direkt durch den Vordereingang erledigen. Und wenn er dafür ´ne eigene Platte veröffentlichen muss. Ich bin schließlich nicht Prolo von Rosenheim..



Sieht so etwa erfolgreicher Hörspielmusik-Nachwuchs aus ?
MUSIK (off-topic)

Des Hörspiels hässliche Schwester

Der Name dieser Schwester ? 'Musik' ! Sie vermag ebenso wie das Hörspiel, Gefühle und Stimmungen zu stimulieren. Grenzwertig wird es allerdings, wenn sich Bruder 'Hörspiel' und Schwester 'Musik' inzestuös vermischen. Wer würde zum Beispiel Hörspiele mit Electro-Industrial-Musik à la 'Abgetriebenes Keuchen' hören wollen ?

Senioren treibt es fast auf die Toilette

Nachdem sie sich mit alten Instrumentals von Luehr auf der Cassettenproduktion ‚To Have The Second Crack‘ warmgespielt und -gesungen haben, gehen die Jungs im Spätherbst ’88 für einen 4-Track-Player erstmals ins Tonstudio.

In einem Industrie-Gebiet nehmen sie mit der konventionellen Audiotechnik des Lamplight-Studios unter anderem das Stück ‚Bastard Outrage‘, das dramatische ‚Archaeology‘ sowie eine erste Version von ‚Psychgod‘ – ihrer frivolen Synthiepop-Referenz – auf. In dem Studio-Familienbetrieb scheiden sich angesichts des neuartigen und wenig harmonischen Sounds der Aborties die verschiedenen anwesenden Generationen – der Senior möchte am liebsten kotzen gehen, der Junior freut sich, endlich mal etwas anderes als Folklore und Deutschrock betreuen zu dürfen. Harry Luehr: „Ich konnte mir nicht helfen: Tims Stimme klang in diesem Hippiestudio alles andere als überzeugend, obwohl er wirklich alles gegeben hat. Ich habe permanent an seinem Aufnahmepegel herumschrauben müssen, was das Ergebnis nicht unbedingt verbesserte. Was dabei herauskam, klang wie im ganz falschen Film. Ich bin nur froh, dass Tim sich damals als Sänger nicht entmutigen ließ.“
Die Drei merken, dass die geregelte lineare Produktionsweise bewährter Tonstudios ihrem Stil nicht gerecht werden kann, so dass sie künftig auf Kosten der Tonqualität auf Live-Improvisation und anarchischen Dub à la Adrian Sherwood setzen. 'Abgetriebenes Keuchen'-ZeitzeugeDies bewährt sich bereits bei der ersten Version von Media Overload, die zusammen mit den Lamplight Tracks später für den Anfang `89 erscheinenden Longplayer ‚Raw Scent‘ übernommen wurde. Während der Aufnahmen kommt es immer wieder zu Reibereien zwischen Trainer, der sich konzeptionell mehr einbringen will, und Luehr, der die beiden Kollegen mit seinen meist sehr umfangreich vorprogrammierten und auf zig´ Disketten fest abgespeicherten Sequences oft – vielleicht zu oft – vor vollendete Tatsachen stellt. Aber die überraschend guten Ergebnisse der ersten Sessions außerhalb des Studios helfen den Jungs zunächst, ihre Differenzen auszublenden.

Aufnahmestudio über dem Partikel-Synchrotron

Einen Glücksfall stellt das neue Aufnahme- und Probe-Refugium für Abortive Gasp dar. Den Dreien steht Dank Trainer ein geräumiges Auditorium im `Deutschen Elektronen Synchroton (DESY)´ zur Verfügung. Während unter ihnen Elementarteilchen in endlosen Bahnen kreisen, mixen die Aborties im XXL-Hörsaal darüber den speziellen Dark Dub für ihre Longplayer.

So zuletzt auch für das im Frühling zunächst auf ihrem eigenen Behelfslabel ‚Nothing New But Normal‘ erscheinende `Bullfrog´, dem bislang bekanntesten Album, das als Kassette schnell die Runde durch Europa und Nordamerika macht (Aus heuter Sicht scheint es tatsächlich sehr erstaunlich, wie sich Underground-Music lange vor dem Internet-Zeitalter in die Electro-affinen Metropolen diesseits des 'Eisernen Vorhangs' verbreiten konnten. Oft bestanden sie aus nicht mehr als einer slebstvervielfältigten Musikkassette, die mit einem fotokopierten schwarzweiss-Cover ausgestattet war).
Neben neuere Versionen ihrer Kracher Psychgod und Media Overload gesellen sich auch ihr dritter großer Erfolg Humanity und die Techno-Persiflage Hounted House. ‚Bullfrog‘ markiert den musikalischen Höhepunkt von Abortive Gasp. Danach kann man sich nicht erneut für gemeinsame Aufnahmesessions zusammenraufen.

Nun sieht es, wie bereits angedeutet, nicht mehr nach einer Zusammenarbeit in der alten Besetzung aus, nachdem Tim Paal und Stefan Trainer sich von Luehr getrennt haben. Ein abschließendes Album mit Live-Aufnahmen wird demnächst noch veröffentlicht (Stand: Winter 1989/90). Ob die drei der Musik und der schwarzen Szene weiterhin erhalten bleiben, scheint unklar. In vereinzelten Hörbüchern tauchen nach der Jahrtausendwende immerhin einzelne Melodiefragmente der Band auf.
Man darf gespannt sein, wie die Musikjournalisten eines Tages die Relevanz von Abortive Gasps kurzem Gastspiel im elektronischen Post-Punk-Zirkus einschätzen werden.



der HÖRSPIELer
Impressum, rss-feed





moderne21





Audio plus Video
Telefonat aus 'Stadt-Land-SChluss'
VERRAT

Audio plus Video
Nordfeuchtes Skandalvideo (aus 'Gut gebrüllt, Leo!')
SKANDALVIDEO





Hörspiel-Interviews
Märchentante: Heikedine Körting
Ufos: M. Gaida (fiktiv)
Jugendkult: Jens Wawrczeck
Starke Kinder: Alfred Krink





provokative Hörspiele
provokative Hörspiele
LEO GRELLER & CO

Science-Fiction-Hörspiele
Science-Fiction-Hörspiele
P. RHODAN & CO





Hochtrabend und Anmaßend
Essay: Niveau-Drücker
Essay: Viel Lärm um nichts
Rede: Zustand des Hörspiels
Beitrag: Erlebnisgesellschaft
Infantil: Kinder hören anders
'Ideology kills the radio drama star'





Die Hörspieler-Homepage von 1999 bis 2009
Die Hörspieler-Homepage von 1999 bis 2009
HÖRSPIELer ANTIK

Die Greller-Homepage von 2004 bis 2009
Die Greller-Homepage von 2004 bis 2009
junger LEO GRELLER





Die 10 besten öffentlich-rechtlichen Hörspiele nach Meinung des HÖRSPIELers

TOP-10 des HÖRSPIELers
(alphabetisch sortiert)

Auf zur Venus
A: Michael Gaida | P: SFB 1982
R: Manfred Marchfelder | L: 57 Min.
D: Uwe Müller, Helga Anders, Monika
Hansen, Erwin Schastok, Peter Matic

Blutbad
A: Sylvia Hoffman | P: SFB 1973
R: Christian Gebert | L: 51 Min.
D: Hans Korte, Ingeborg Engelmann,
Elke Aberle, Ulrich Faulhaber

Die Brandung von Hossegor
A: Alfred Andersch | L: 88 Min.
R: Otto Düben | P: NDR/HR/SR/WDR 1976
D: Christian Brückner, Christoph Quest,
Ursela Monn, Barbara Freier

Ein Sonntag in New York
A: Truman Capote, Andy Warhol
B: Beate Andres | L: 60 Min.
R: Beate Andres | P: NDR 1998
D: Martin Reinke, Klaus Schreiber

Fehler im System
A: Richard Strand | L: 39 Min.
B: Franziska Hirsbrunner
R: Pierre Kocher | P: DRS 1989
D: Wolfgang Grabow, Renate Müller

Leute wie wir
A: Donovan O'Malley | P: NDR 1981
B: Monika Klostermeyer
R: Hans Rosehauer | L: 45 Min.
D: Katharina Thalbach, Stephan Schwartz,
Jutta Wirschaz, Marlen Diekhoff

Das Loch im Kopf der Welt
A: Fay Weldon | L: 87 Min.
Ü: Hubert von Bechtolsheim
R: Stefan Dutt | P: P: SR/BR/RB 1993
D: Jürgen Holtz, Friederike Tiefenbacher

Nach Tübingen oder
Lauf, Friedrich, lauf!
A: Frank Werner | P: NDR/SWF 1989
R: Hans Rosenhauer | S: 42 Min.
D: Gert Baltus

Science Fixion
A: Peter Jacobi | P: RB 1979
R: Manfred Marchfelder | S: 65 Min.
D: Henning Venske, Ronald Nitschke
Anja Kruse, Otto Sander

Unser Vater ist doch noch
ein Shooting-Star geworden
A: Ria Endres | P: SWR/WDR 1999
R: U. Brinkmann | S: 39 Min.
D: Sophie Rois, Antje v.d. Ahe u.a.

A=Autor | B=Bearbeitung | D=Darsteller (Auswahl)
P=Produkt. | R=Regie | L=Länge | Ü=Übersetz.






Hörspiel-Interviews
Sammelfreuden: Herbert Piechot
Unabhängig: Caspar Abocab
SpaceDay: Michael Esser





Drei-Fragezeichen-Kurzrezensionen
Drei-Fragezeichen-Kurzrezensionen
PETER SHAW & CO

Dan-Shocker-Kurzrezensionen
Dan-Shocker-Kurzrezensionen
LARRY BRENT & CO





Die 10 besten öffentlich-rechtlichen Kriminal-Hörspiele der letzten 3 Jahrzehnte nach Meinung des HÖRSPIELers | Ranking

TOP-10 des HÖRSPIELers
Kriminal-Hörspiele (Krimi-Ranking)
(chronologisch)

Lindauer Pietà
A: Martin Walser | P: WDR/SWF 1975
R: Günther Sauer | S: 78 Min.
D: Heinz Meier, Brigitte Horney, L. Carstens

Verteidigung von Friedrichshafen
A: Martin Walser | P: DDR 1976
R: Heinz-Wilhelm Schwarz | S: 54 Min.
D: Dietrich Körner, Hans-Joachim Hanisch

... trägt Anstaltskleidung
und ist bewaffnet
A: Irene Rodrian | P: BR 1982 | S: 54 Min.
R: Gert Westphal | B: Lilian Westphal
D: Robert Atzorn, Lisi Mangold, Rita Russek

Detective Andy
und der Transvestitenmord
A: Anthony J. Ingrassia | P: SFB/HR 1983
R: Bernd Lau | S: 52 Min. | B: Götz Naleppa
D: Manfred Krug, Tara O'Hara, Otto Sander

Brunx
A: Jens Hagen | P: WDR 1983
R: Werner Klein | S: 52 Min.
D: Achim Hammer, Karin Dieck, M. Ponnier

Detective Andy
und der Disco-Passion-Mord
A: Anthony J. Ingrassia | P: SFB 1987
R: Werner Klein | S: 57 Min.
D: Manfred Krug, Ursula Heyer, B. Primus

Potsdamer Ableben
A: Pieke Biermann | P: SFB 1989
R: Günther Sauer | S: 109 Min.
D: Renan Demirkan, Beate Hasenau

Panama oder
Die Details der Engel
A: Michael Batz | P: NDR 1990
R: Hans Rosenhauer | S: 60 Min.
D: Barbara Nüsse, Rainer Schmitt

Traumfabrik
A: Roger Hall | Ü: Hubert von Bechtolsheim
R: Renate Heitzmann | S: 45 Min.
P: DLR 1995
D: Rolf Ludwig, Michael Schenk, Th. Thieme

Anna Marx und die Mörderin
A: Christine Grän | P: SWR 1999
R: Walter Adler | S: 55 Min.
D: Hansi Jochmann, Hermann Lause

A=Autor | B=Bearbeitung | D=Darsteller (u.a.)
P=Produkt. | R=Regie | S=Dauer | Ü=Übersetz.





Lesung
Lesung von Leo Greller (1/2) - Mediensatire
TEIL1

Lesung
Lesung von Leo Greller (2/2)
TEIL2





Die besten öffentlich-rechtlichen Kriminal-Hörspiele außer Konkurrenz (etc.) der letzten Jahrzehnte nach Meinung des HÖRSPIELers | Ranking

TOP-2 des HÖRSPIELers
Kriminal-Hörspiel / außer Konkurrenz
(chronologisch)

Gestatten, mein Name ist Cox
A: Alexandra & Rolf Becker | P: NWDR 1959
R: Walter Netzsch | S: 180 Min.
D: Carl-Heinz Schroth, Siegfried Lowitz

Das Bouillabaisse-Komplott
A: Andreas Pflüger | P: DSK 1993
R: Albrecht Surkau | S: 45 Min.
D: Otto Sander, Angelika Waller

A=Autor | B=Bearbeitung | D=Darsteller (u.a.)
P=Produkt. | R=Regie | S=Dauer | Ü=Übersetz.





Video: Die Tacheles-Satiren (m21-Werkschau)
Video: Die Tacheles-Satiren (m21-Werkschau)
TACH.-SATIREN

Diskussion
Diskussion zum Thema 'Political Correctness in der Kunst'
KREATIVE MITTE





zuletzt und bald im HÖRSPIELer
zuletzt: ... huldigt dem Königsmedium






GENRE

Das lange Leben der Hörspielserien

Ob Science Fiction, Krimis, Grusel oder Skurriles: Mehrteiler bleiben uns meist länger im Gedächtnis. Ob zu recht oder nicht, kann man nicht immer klar sagen. Vielleicht fungieren in der Single-Gesellschaft die immer wieder kehrenden Hörspielhelden auch bereits als eine Art 'Ersatzfamilie' für uns. Das wäre zwar traurig aber irgendwie auch verständlich ...
Sprecherin im Hoerspielstudio

Science-Fiction-Serien

Als wichtige Science-Fiction-Serien scheinen 'Space Ryder SR447' (Abenteuer des Einsatzkommandos des solaren Sicherheitsdienstes) sowie 'Flash Gordon' (Der Superstar im Reich der Sterne) nennenswert.

Im 75minütigen Zweiteiler SPACE RYDER SR447 ("DAS UNHEIMLICHE RAUMSCHIFF"; "DIE PYRAMIDE DES EISPLANETEN") von Nevil Yd, das bereits 1967 öffentlich-rechtlich produziert wurde und ab Ende der 70er Jahre auch als Kassettenversion erhältlich war, sprachen neben Frank Rehfeldt noch Alexander Herzog, Marlies Kreipe, Werner Eichhorn, Werner Hanfgarn, Hans Georg Andree und Gerhard Retschy u.a.: Eine Crew des solaren Sicherheitsdienstes verschlägt es auf die Spuren einer überlegenen Zivilisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, von jeder Rasse intelligenter Lebewesen in der Milchstraße ein Exemplar zu konservieren. Der Zusammenhalt des Teams wird auf eine harte Probe gestellt. Eine für Jugendliche konzipierte Handlung mit einigen mehr für noch jüngere Hörer geschriebenen Dialogen. Ausgezeichnete, leider in keinerlei anderen Hörspielproduktionen mehr auftauchende Darsteller (vermutlich Theaterschauspieler). Minimaler Musikeinsatz, dieser dafür absolut pointiert. Beispielhafte Umsetzung. Die Geschichte befürwortet für menschliche Unternehmungen im All die Einhaltung eines hierarchischen `Führerprinzips´, was vermutlich für jugendliche Hörer etwas bedenklich ist, was allerdings gleichzeitig ebenfalls sehr vielen erfolgreichen US-amerikanischen SF-Filmproduktionen zu eigen ist (Siehe die Star Trek-Serien).
Im Zehnteiler FLASH GORDON ("DER SUPERSTAR IM REICH DER STERNE"; "MING´S RÜCKKEHR"; "DIE SKLAVENJÄGER DES MING"; "SIEG ÜBER TÖDLICHE GEFAHREN"; "DIE VERRÄTERIN AUS DEM EWIGEN EIS"; "BRUKKA, DER FEUERGOTT"; "DAS GRÜNE UNGEHEUER"; "RÜCKKEHR ZUR ERDE"; "DIE BESTIE AUS DEM WELTALL"; "DAS TOR DES UNHEILS"), dessen Folgen im Schnitt vierzig Minuten laufen und der Anfang der 80er Jahre bei Europa erschien, spielten neben Lutz Mackensy noch Heidi Schaffrath, Gottfried Keller, Jürgen Thormann und zahlreiche andere Mimen mit. Die erste Folge ist handlungsmäßig identisch mit der des gleichnamigen Kinofilms. Auf den Planeten Mongo, der unter der Herrschaft des Tyrannen Ming steht, haben die dorthin verschlagenen Erdenbürger Flash Gordon, dessen Freundin Dale Arden Gordon-Sprecher Mackensyund Professor Zarkov zahlreiche Abenteuer zu bestehen. Das Ergebnis ist ist eine Science Fiction-Serie mit einem starken Einschlag in Richtung Fantasy. Die `Kinofilm´-Folge 1 wurde adäquat in die Hörspielform transponiert. Ansonsten wird hauptsächlich auf die Vermittlung oberflächlicher und ziemlich phantasieloser Action gesetzt. Dies ist um so enttäuschender, als mit Gottfried Keller und Jürgen Thormann zwei ausgezeichnete Schauspieler zur Verfügung standen, deren Talent lediglich ansatzweise zur Geltung kommen konnte. In den Folgen 5-7 brilliert immerhin die unnachahmliche Marianne Kehlau als Königin Freya.
Die zweiteilige FLASH-GORDON-Vertonung ("DAS GEHEIMNIS DES SKLAVEN-PLANETEN"; "DIE RAUMFALLE") von Telefunken aus der Mitte der Siebziger Jahre muss leider trotz zum Teil gut beleumdeter Sprecher wie Konrad Halver und Franz-Josef Steffens als total misslungen angesehen werden, da es sich bei den Werken viel eher um Krach- und Kreischorgien handelt als um Hörspiele.
In der Mini-Serie RAUMSCHIFF GALAXIS aus den späten Achtzigern verschlägt es eine Crew von Menschheits-Überlebenden auf ihrer Suche nach einer neuen Heimatwelt in unsere Nachbargalaxis Andromeda, wo es einige Herausforderungen zu bestehen gilt. Die Serie verzichtet immerhin auf plumpe Action, wie man sie aus allzu vielen Vertonungen für Jugendliche kennt. Sie wartet dafür mit reichlich wissenschaftlichen Erläuterungen auf, die hin und wieder ganz interessant aber wenig unterhaltsam sind. Obwohl zahlreiche (eher mäßig gute) Sprecher an der Produktion beteiligt sind, werden sämtliche Rollen so gut wie kaum charakterisiert, so dass sich die Hörer nicht mit den Protagonisten identifizieren können. Der Mehrwert dieser sicher gut gemeinten Vertonung erschließt sich auch beim aufgeschlossenen Hören nicht.

Weitere Science-Fiction-Hörspiel-Serien

Ende der Siebziger Jahre kamen zwei wenig überzeugende Hörspiel-Zweiteiler auf den Markt: Zum einen die DIE ABENTEUER DER ALPHA CENTAURI, zum anderen EIN UFO KOMMT SELTEN ALLEINE. In den Centauri-Folgen `Die Roboter kommen´ und `Im All verschollen´ sind zwei der bekanntesten Stimmen des deutschsprachigen Raums der siebziger und frühen achtziger Jahre in den tragenden Rollen zu hören: Mister `Internationale Hitparade´ Wolf Dieter Stubel sowie Miss `Tagesschau´ Dagmar Berghoff. Beide waren als Sprecher mit ausgesprochen ästhetischem Timbre in Radio und Fernsehen sehr prägnant und eigentlich ohne Konkurrenz. Als Darsteller im Hörspiel scheinen sie jedoch vollkommen deplaziert und überfordert, da sie nun einmal keine routinierten Schauspieler waren. Man hört dies leider in jeder Sekunde des drögen Zweiteilers, der seine konfusen Handlungen und seine schon beinahe `preußisch´ anmutende Detailverliebtheit in Pseudo-Weltraumgesetze und Vorschriften nicht mit Leben zu füllen vermag. Nicht viel besser sieht es leider bei den `Ufo´-Folgen `Vol. 1´ und `Vol. 2´ aus, wenn auch umgekehrt: Nachrichten-Hoerspielsprecherin BerghoffDie routinierten Darsteller können eine naive und enervierend moralisierende Geschichte um lernbegierige Außerirdische leider nicht in ein akzeptables Hörvergnügen verwandeln. Eine Art Waldorfschule im Weltall, der auch ihre pophistorischen Anspielungen à la `Amanda Lear´ keine Punkte bei den Hörern bescheren.
Nicht wirklich eine Bereicherung zu erkennen vermag man auch in der Mitte/Ende der Achtziger Jahre erschienenen Serie LORDS OF SPACE von Rudolf Leubner - obwohl es begrüßenswert scheint, dass auch abseits der nahezu vollständig marktbeherrschenden Europa- und Maritimstudios professionelle Hörspiele zu produzieren versucht wurden. Zwar zeichnen sich in den sechs erschienenen Folgen interessanterweise bereits Themen wie `Virtual Reality´ ab, die filmisch dann erst einige Jahre später z.B. in der Matrix-Reihe verarbeitet wurden. Die Umsetzung der detailverliebten Handlung mit der über längere Passagen unbeteiligt und auch leicht gelangweilt wirkenden Sprechercrew geriet jedoch leider wenig überzeugend.
In der Mini-Serie RAUMSCHIFF GALAXIS ("NEUE HEIMAT ANDROMEDA"; "FLUG INS UNGEWISSE"; "TÖDLICHE GEFAHREN") aus den späten Achtzigern verschlägt es eine Crew von Menschheits-Überlebenden auf Ihrer Suche nach einer neuen Heimatwelt in unsere Nachbargalaxis Andromeda, wo es einige Herausforderungen zu bestehen gilt. Die Serie verzichtet immerhin auf plumpe Action, wie man sie aus allzu vielen Vertonungen für Jugendliche kennt. Sie wartet dafür mit reichlich wissenschaftlichen Erläuterungen auf, die hin und wieder ganz interessant aber wenig unterhaltsam sind. Obwohl zahlreiche (eher mäßig gute) Sprecher an der Produktion beteiligt sind, werden sämtliche Rollen so gut wie kaum charakterisiert, so dass sich die Hörer nicht mit den Protagonisten identifizieren können. Der Mehrwert dieser sicher gut gemeinten Vertonung erschließt sich auch beim aufgeschlossenen Hören nicht.



KONFORMISMUS

Gesellschaftspolitisch totes Hörspiel

Auf moralinsaure Agitation hochbezahlter wie humorloser Weltverbesserer hat kaum noch jemand Lust. Aber in den öffentlich-rechtlichen Hörfunkhäusern ist man Dank GEZ-Demokratieabgabe zum Glück nicht auf zahlendes Publikum angewiesen. (Hör-)Gespielt wird in jedem Fall - und sei es vor einem sich immer mehr abwendenden Publikum.
Redakteur vorm ARD-Hauptstadt-Büro

Keine Impulse von den Öffentlich-Rechtlichen

Muss das Hörspiel heute wirklich so defensiv sein ? Könnte es in Zeiten akustischer Reizüberflutung nicht gerade eine Chance als echte Alternative zum allgegenwärtigen Geballere und Geschreie anbieten ? Sind die amerikanischen Blockbuster im Kino, die Ego-Shooter am PC und die Seifenopern im Fernsehen tatsächlich so viel überzeugender als ein gutes Hörspiel im Radio ? Fragen wie diese werden von den Vertretern der Öffentlich-Rechtlichen meiner Erfahrung nach regelmäßig gebetsmühlenartig in den Bereich der Träumerei und der Nostalgie verwiesen.

Die Motive dieser Anmerkungen zum Zustand des Hörspielwesens sind eigentlich ein Selbstverstand: die Kritik an der Arbeit der öffentlich-rechtlichen Verantwortlichen, die aber innerhalb der Massenmedien - ungeachtet der Krise des Hörspiels - de facto keine Selbstverständlichkeit ist. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus und so werden bei fast allen raren Veröffentlichungen zum Thema die Hörspielredaktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die sich als Garanten des Fortbestandes des Wortspiels gerieren, über den grünen Klee gelobt. Man zollt sich aus Furcht vor unangenehmen Fragen gegenseitig lieber einmal zu viel Beifall. Womöglich beginnen sich sonst noch Hörerinnen oder Hörer dafür zu interessieren, was einen außer einer Karriere in einer öffentlich-rechtlichen Anstalt eigentlich dazu legitimiert, Hoerfunk-Angestellteauf dem Hörspielchef-Sessel zu sitzen.
Mit dieser Tradition sollte nun endlich gebrochen werden: Die Angestellten der Hörfunkabteilungen werden in der Regel gut bezahlt und haben einen relativ sicheren Job. Es ist menschlich verständlich, dass manch eine oder einer lieber nichts mit gewagten und mutigen Produktionen riskieren möchte, aber das hat dann eben nicht mehr viel mit Kunst zu tun. Sie sollten daher ein wenig innovative Kritik aushalten können, mit der man sie ja letztlich bei ihrer Arbeit unterstützen will.

Orson Welles hätte heute beim RBB keine Chance

Es folgt eine Vision, die von den Verantwortlichen des öffentlich-rechtlichen Hörfunks aller Erfahrung nach mit einem Verweis auf die `übermächtigen Konkurrenzmedien´ umgehend in den Bereich der Phantasie verwiesen würde. Sie ist recht simpel ...

Ein Schulhof in Berlin-Schöneberg, in Hamburg-Altona oder anderswo: Ben aus der neunten Klasse fragt in der Pause Sarah aus seiner Parallelklasse `Hast Du gestern um sieben das Hörspiel über diese endgeilen jungen Typen gehört ?´ oder so ähnlich. Sarah antwortet `Ja, aber nur die ersten 10 Minuten, danach wurde es mir zu krass. Mir gefiel das neulich mit dieser lässigen Frau besser.´ ...
So, genug gesponnen. Das genügt bereits. Selbstverständlich ist diese Szene ausgesprochen unrealistisch, nahezu 'Science Fiction'. Aber liegt das wirklich an Sarah und Ben ? Oder hat es nicht viel eher damit zu tun, dass sich den beiden trotz der GEZ-Gebühren ('Demokratie-Abgabe'), die ihre Eltern jeden Monat für sie mitzahlen, gar keine Grundlage zu solch einem kurzen Gespräch bietet ? Weil die Lebenswelten der Hörfunkredakteure nur noch rudimentär Schnittmengen mit denen junger Leute aufweisen und für diese interessante Sendungen daher kaum angeboten werden ? Ähnliches gilt aus vergleichbaren Gründen für das Verhältnis zwischen Redakteuren und Autoren.

Übersinnliches (im) Hörspiel Würde jemand wie der junge Orson Welles heutzutage beispielsweise beim RBB eine Chance bekommen ? Sollte es die Hörspielabteilung in der Masurenallee tatsächlich riskieren, einen fiktiven Stoff über den Äther zu schicken, der wie der legendäre `Krieg der Welten´, der 1938 scheindokumentarisch die Invasion von Marsmenschen suggerierte, die Zuhörenden irritieren könnte ? Zugegeben: Die Rundfunkgesetze der Vereinigten Staaten in den 30ern waren andere als unsere - aber warum riskiert es nicht doch mal eine Hörspielchefin ? Mit ein bisschen guten Willen wäre dies kein Ding der Unmöglichkeit.




GERECHTE REZENSIONEN

Drei Fragezeichen und der Zeitgeist

'Die Drei Fragezeichen' waren und sind mit Abstand Deutschlands erfolgreichste Jugend-Hörspielserie. Nach über 3 Dekaden, in denen sie ermittelten, haben sich Moral und Werte nachhaltig verändert, was sich bisher noch viel zu wenig auf die Bewertung der einzelnen Geschichten niedergeschlagen hat. Der HÖRSPIELer will dies ändern.
Das unheimliche Irgendwas aus einem frei wählbaren Fragezeichen-Hörspiel

Bilder und Mumien

Eine europäische Gräfin (Gisela Trowe) beauftragt die drei Fragezeichen, den Nachlass ihres verstorbenen Bruders zu recherchieren. Die rätselhaften Bilder des Malers, die allesamt verschiedene Ansichten ein und desselben Hauses zeigen, wollen jedoch auch noch andere aufspüren: Neben Skinny Norris ein rätselhafter Holländer.
Während einer Verfolgungsjagd per Fahrrad gibt Bob Andrews, der dritte Detektiv, im Straßenverkehr Bemerkungen von sich, wie 'Wir kümmern uns nicht um rotes Licht !' und 'Nicht um die Ampeln kümmern !'. Das ist aus medienpädagogischer Sicht nicht gut. Außerdem versuchten die Autoren dieses Jugendkrimis vor über 30 Jahren, die Hörer mit der Schilderung eines vermeintlich unsympathischen und gefährlichen Holländers auf eine falsche Fährte zu locken. Aus heutiger Sicht ist das ebenfalls unschön, werden Holländer doch gegenwärtig ohnehin international vom medialen sowie politischen Establishment stark angefeindet. Dies sogar zu Recht, da sie einige bedenkliche Persönlichkeiten, wie Geert Wilders und Ayaan Hirsi Ali hervorgebracht haben, die sich entgegen den Vorgaben einer sich weltweit steigender Beliebtheit erfreuenden friedlichen Ideologie für Frauen- und Homosexuellenrechte einsetzen. Bösewichter in Krimis sollten grundsätzlich nicht mit Akzent sprechen.

Ein Altertumsforscher bittet die drei Fragezeichen, ihm bei der Lösung des Geheimnisses um die flüsternde Mumie, die er aus Ägypten nach Kalifornien brachte, zu helfen.
Dass der Professor seine sieben philippinischen Gärtner nicht auseinanderhalten kann, liegt vielleicht nur daran, dass es sich bei ihnen um Brüder handelt und nicht weil er á la Thilo Sarrazin eigene Theorien über die weniger ausgeprägte genetische Vielfalt bei Asiaten pflegt. Gerade noch gerettet ... . Weniger nett ist die Behauptung des Professors (Karl Walter Diess), 'Aberglaube spreche aller Wissenschaft Hohn'. Dieser Aufklärungsfundamentalismus ist ein Schlag ins Gesicht vieler neuer Bürger dieses Landes, denen wir in den letzten Jahren einen starken Schub auf dem Weg zu einer Rekonfessionalisierung der Gesellschaft verdanken. Vor diesem Hintergrund wäre zudem ein Hinweis im Hörspiel oder wenigstens auf dem Cover begrüßenswert, dass in Ägypten die alten Pyramiden großzügigerweise nach wie vor als Zeugnisse der Vergangenheit und früherer Religionen geduldet werden und ihnen ein ähnlich drastisches Schicksal wie das der Buddha-Statuen von Bamiyan bisher erspart geblieben ist.

Schlösser und Wecker

Der ehemalige Vampir- und Monsterdarsteller Stephen Terrill veranstaltet in einem schlossähnlichen Haus Gruseleinlagen, um mögliche Käufer für das Gemäuer abzuschrecken. Er kann das Gespensterschloß selbst nicht erwerben, denn er ist verarmt, weil er nach der Einführung des Tonfilms und dem damit verbundenen Bekanntwerden seiner Fistelstimme keine Engagements mehr erhielt. Die drei ??? kommen ihm natürlich auf die Schliche.
Die jugendlichen Detektive lassen in dieser Folge kurzweilig immerhin etwas Mitleid mit dem durch seine abnorme Stimme gestraften ehemaligen Schauspieler und Prominenten erkennen. Sie sind damit ihrer intoleranten Zeit ein gutes Stück voraus - das Hörspiel entstand im Jahr 1980 als man in den elektronischen Massenmedien noch übersteigerten Wert auf wohlklingende und ansprechende Timbres bei Schauspielern und Sprechern legte (Dagmar Berghoff, Wolf-Dieter Stubel, Marlen Diekhoff). Heute, im Jahr 2017, haben Medienanbieter und Publikum glücklicherweise derart oberflächliche Betrachtungsweisen im Bezug darauf, was man anderen Menschen zumuten kann und was nicht, überwunden und weisen kaum noch Berührungsängste mit penetranten Stimmen auf. Erfolgreiche zeitgenössische Prominente wie Gülcan Kamps, Stefan Raab oder Charlotte Roche profitieren verdientermaßen von diesem erfreulichen Einstellungswandel bezüglich der Überbetonung von Talent. Dagegen vermögen selbst Experten für Phoniatrie und Pädaudiologie, wie Niels Graf von Waldersee, der unter anderem den häufig ausbleibenden weiblichen Stimmbruch thematisiert, nichts auszurichten.

Die drei Detektive aus Rocky Beach helfen einem Jungen beim Beweis der Unschuld seines Vaters, der Opfer eines Justizirrtums wurde. Eine wichtige Rolle bei der sich anschließenden und für die drei Fragezeichen typischen Beweis-Schnitzeljagd spielen seltsame Wecker, die statt mit Alarmsignalen durch menschliche Schreie die Nachtruhe ihrer Besitzer beenden sollen.
Es gibt unangenehme Zeitgenossen, die behaupten, dass Regisseurin Heikedine Körting als Sprecherin in ihren eigenen Hörspielen nicht übertrieben geeignet sei. An dieser Stelle kann jedoch festgehalten werden, dass sie als schreiender Wecker einen ganz besonders nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen verstand.