der HöRSPIELer ... huldigt erneut dem Königsmedium

Kampf um staatsnahe Hörspiel-Moneten
'Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf', mahnte bereits Angela Merkel. Oder war´s doch Mutter Theresa ? Über Verteilungsprobleme beim Königsmedium.

Interviews mit dem Chaoten Leo Greller
Von allen mittelmäßigen Hörspielseiten haben wir den heißesten Draht zum bigotten und chronisch unzufriedenen Liedermacher aus dem Norden.

Das lange Leben der Hörspielserien
Ob Science Fiction, Krimis, Grusel oder Skurriles: Mehrteiler bleiben uns meist länger im Gedächtnis. Ob zu recht oder nicht, kann man nicht immer klar sagen.

Das gesellschaftspolitische Hörspiel ist tot
... aber sowas von ! Auf erhobene Zeigefinger und moralinsaure Agitation hochbezahlter wie humorloser Weltverbesserer hat kaum noch jemand Lust.

der HöRSPIELer - Informationen über das Königsmedium



Nichtwähler-Aktivistin Gökdal
SATIRE

Kampf um Hörspiel-Moneten

Die Kuratoren der der staatsnahen Stiftung `m21´ haben eine schwere Wahl zu treffen, denn es gibt gleich vier Bewerber um ihre Fördergelder - natürlich nur in dieser Hörspiel-Satire. Dennoch geben sich die Kandidaten Gökdal und Opaschowsky alle Mühe mit ihrer Selbstdarstellung, um sich von den Mitbewerbern abzugrenzen. Am Ende siegen die Guten.

Mehr als `Sonne, Mond und Sterne´

Bewerberin für die Initiative `Wahlabsage - Mehr Demokratie, weniger Politik´ ist Aleyna Gökdal. Im Personality-Abschnitt des Bewerbungsgesprächs mit den Stiftungsmitgliedern verrät sie, dass sie in Ankara in den 60er Jahren geboren wurde, was eine türkische Abstammung nahelegt.

Die Türkei ist, das wissen nicht nur Anhänger der GRÜNEN, mit `Sonne, Mond und Sterne´ noch nicht umfassend beschrieben - hierauf geht Gögdal jedoch nicht weiter ein, was sich möglicherweise noch als recht geschickt herausstellen könnte. Als sie sechs war, holte ihr Vater ihre Mutter, die kleine Aleyna und ihre Schwester nach Köln-Nippes nach. Gökdal legt wert auf die Feststellung, lediglich eine Schwester und keinen Bruder zu haben. Während ihrer Kindheit ist sie mit ihrer Familie oft in die Türkei gefahren, das `schönste Land überhaupt´. Ihren späteren Ehemann hat sie dort allerdings nicht kennengelernt und auch politisch haben sie ihre Türkeibesuche nicht über die Maßen geprägt. Ihre politische Initialzündung hatte sie erst Jahre später auf ihrem Gymnasium in Nippes. Ungefähr ab der 10. Klasse wurde unübersehbar, dass es eine kleine Gruppe von Mädchen gab, die hübscher waren als andere. Sie waren nicht etwa lediglich `besser gekleidet´, sondern tatsächlich `von Natur aus´ schöner. Das fand die junge Aleyna nicht in Ordnung, unfair und einer modernen Gesellschaft unwürdig.

Sie schloss sich daher aus diesem und aus anderen Gründen politischen Parteien an, die sich Gerechtigkeit, also die Aufhebung von Unterschieden, auf die Fahnen geschrieben haben. Dies tat sie in der klassischen Farbfolge `rot - grün - lila´, also mit zunehmender moralischer und politischer Glaubwürdigkeit und unterstützte so auf ihre Weise und aus ihrer ganz eigenen Motivation heraus den gesellschaftlichen Fortschritt in der Bundesrepublik.

Zynismus und Sarkasmus

Es gibt Gewaltverbrechen, bei denen Menschen schweren Schaden nehmen – dies wird von der Initiative `Gewalt geht immer´ nicht bestritten. Die Öffentlichkeit reagiert jedoch mit wachsendem Unmut auf den in ihren Augen paradoxen Umgang mit gefährlichen Straftätern. Dies ist ein relativ neues Phänomen.

Polizei-Einsatzleiter in BerlinNun muss `neu´ tatsächlich nicht automatisch falsch sein. Aber dennoch ist eine Gesellschaft ohne Kriminalität kaum Freund und Helfer in Berlindenkbar und genau genommen auch nicht wünschenswert, wenn man keinen Orwellschen Überwachungsstaat haben will. Zwar muss `beschützen´ muss nicht immer auch automatisch `überwachen´ heißen. Aus Sicht der Initiative `Gewalt geht immer´ ist der Umgang mit Gewaltkriminalität durch Polizei, Justiz und Politik vorbildlich und deshalb sollte er von den Bürgern mit Vertrauen belohnt werden. Trotzdem bleibt Gewalt ein natürlicher Teil der sozialen Ordnung, mit dem wir leben müssen. Eine mögliche Teillösung für das Gewaltproblem wäre zum Beispiel, wenn verantwortungsbewusste Frauen und Männer sich bemühten, aggressive Menschen nicht unnötig zu provozieren – weder durch vermeintlich mutiges, noch durch übertrieben couragiertes Verhalten.

Wem das zu zynisch klingen mag, der sei darauf hingewiesen, dass der Kriminalpolitik an anderer Stelle hin und wieder durchaus gerne unterstellt wird, durch Bagatellisierung von Gewaltverbrechen oder durch überzogenen Täterschutz die Bevölkerung absichtlich zu verängstigen. Und dies deshalb, damit diese eine Vergrößerung des Staatsapparates akzeptiert in der Hoffnung auf mehr Sicherheit für Leib und Leben - Das ist Zynismus. Die Feststellung, eine solche Strategie würde den Interessen der Bürger entgegenlaufen, daher sei diese Unterstellung abwegig ist hingegen Sarkasmus.
Als Fazit sollten moderne Menschen sich mit den leider alltäglich gewordenen Gewaltdelikten abfinden und arrangieren - mögen die im einzelnen auch noch so unangenehm erscheinen. Die Initiative `Gewalt-geht-immer´ leistet hierzu einen Beitrag. Und zwar indem sie übertriebene Erwartungen zum Thema `Kriminalitätsbekämpfung´ mit dem notwendigen politischen Realismus konfrontiert und so unvermeidlichen Enttäuschungen vorbeugt.



Manuela Peinrich interviewte Leo Greller
TALK

Interviews mit Leo Greller

Journalisten haben oft keinen sehr einfachen Beruf. Insbesondere dann nicht, wenn sie Interviews mit unberechenbaren Narzisten wie dem Liedermacher Leo Greller zu führen - um nicht zu sagen 'zu überstehen' - haben. Dies musste unter anderem auch die tapfere Mitarbeiterin des Magazins 'Mago' Manuela Peinrich erfahren.

Am Beckenrand

Interviews mit dem als schwierig geltenden Liedermacher Leo Greller misslingen in schöner Regelmäßigkeit.

Das nachfolgende Gespräch führte Michaela Peinrich im September 1999 auf dem Beckenrand einer Badewanne sitzend, in der Leo sich gerade `entspannte´. Michaela musste während des Interviews ständig darauf achten, dass ihr ihr Mikrofon nicht in´s Badewasser fiel.

Es geht unter anderem darum, dass Leo total auf Wasser steht: Er lebe in ´ner Hafenstadt; gehe 2 mal pro Woche schwimmen -meistens-; und er bade auch total gerne ... . Schließlich komme ja auch alles Leben aus dem Wasser. Der Liedermacher beschwert sich außerdem darüber, dass er in fast jedem Gespräch mit Journalisten auf das Label der `Hamburger Schule´ angesprochen werde. Leo Greller (das Interview führte Stefanie Zobl)Für die einzelnen Leute, die es beschreiben soll, wäre es seiner Meinung nach genauso wenig aussagekräftig, wie z.B. der `Club of Rome´ oder die `Schwestern der perpetuellen Indulgenz´. Oder die `Weight Watchers´. Nach dem vermeintlichen 'Oberlehrer' der Hamburger Schule, Herrn `Studienrat´ Begemann, umfasse diese Beschreibung Musiker, die `...in verständlicher Sprache über Dinge sängen, die nachvollziehbar seien.´, also weniger artifizielle oder ironische Lieder.

Dann lamentiert der allmählich ausgelaugte Provokateur noch über seine schlechten Gefühle bezüglich der negativen Reaktionen, die es auf das B-Movie `hanseatic necrophile´, in dem er die männliche Hauptrolle spielte, von der Presse gegeben habe. Vor allem von den Studentenblättern, denen scheinbar der Sinn für subtile Ironie total abhanden gekommen sei. Die Leute seien an `hanseatic necrophile´ nicht richtig rangegangen. Nicht locker genug. Wenn man da wegen des Themas `Atom-Supergau´ schon von vornherein mit so´ner `Bäh´-Haltung in´s Kino gehe, dann könne man natürlich gar nicht richtig entspannen und das Werk angemessen auf sich einwirken lassen.
Abschließend gibt Leo Greller vor, dass er diese Dinge nicht zu hoch hängen wolle, denn er wolle auch nicht, dass die Leute seine Musik zu ernst nähmen; dass sie sich bei jedem Lied diese gewisse `Was will uns der Sänger damit sagen ?´-Frage stellen würden. Das wäre in seinen Augen tatsächlich eine falsche Ehrfurcht.
Noch Fragen ?

Unterbewertete B-Movies

Als weiterer Beleg für die amateurhaftigkeit Leo Grellers können einige Zitate aus einem Interview angeführt werden, das der Hamburger dem Düsseldorfer Lifestyle-Magazin 'Mago' gab:

Als mein Manager Ludo Kamberlein mir eine Zeitungsseite zeigte, auf der als charmanter Junggeselle dargestellt wurde, lag ich gerade darnieder, weil ich mir aus ´nem Italien-Urlaub ´ne hartnäckige Gelbsucht mitgebracht hatte. In so´nem Zustand macht man sich weniger Gedanken darüber, ob man nun Sex-Appeal ausstrahlt oder nicht. Ich musste wegen dieses Mitbringsels die Aufnahmen zu `Nach dem Regen´ verschieben und auch die geplante Sommertournee fiel erst mal flach. Die kommt jetzt im Winter, als Wintertournee. In Anbetracht dieses ganzen Ärgers verlor die Junggesellen-Geschichte schnell an Bedeutung für mich. ... Claudia Dittersdorf, die meine Freundin in dem berüchtigten Trashmovie `hanseatic necrophile´gespielt hat, ist seit diesem Film übrigens eine kleine Berühmtheit in der Hamburger Lesbenszene. Sie hat in `hanseatic necrophile´ wirklich voll aufgedreht und die harten Actionparts übernommen, für die ja gewöhnlich der männliche Hauptdarsteller zuständig ist.
Aber mir war es wichtig, meine Rolle eher musikalisch anzulegen. Ich habe zum Beispiel jede Menge gesungen als Teekoster Theo. Die Lieder `Der Jungfernstieg schwieg´ und `Lauf, wenn Du kannst´ aus dem Film sind auf meiner neuen CD `Nach dem Regen´ drauf. Nebenbei: Ich wäre auch gerne bekannter bei den Hamburger Lesben. Und das kommt nur für diejenigen unvermutet, die nicht mein Lied `Sie lieben mich nicht´ auf `Halblang, Kleines !´ gehört haben. Darin singe ich ja zum Beispiel `Sie lassen mich hier nicht rein / Die Damenbars sind zu für mich / Dabei würd´ ich doch so gern´ / Hier als männliche Gabi verkehren´. Und der Refrain: `Sie sagen, Sie lieben mich nicht / Sie sagen, Sie brauchen mich nicht / Dabei wär´s doch wirklich so einfach / Dabei wär´s doch einfach Pflicht´. Also, hoffentlich wird´s nochmal was mit den Lesben. Ich arbeite da nämlich hart dran. In meine Klasse auf der Realschule gingen zum Beispiel mehrere Mädchen, die ich im Verdacht hatte, heimlich gegenseitig aufeinander zu stehen. Ich mache mir da heute ab und zu noch Vorwürfe, dass ich damals nicht stärker zwischen ihnen vermittelt habe. Deshalb suche ich heute wohl unbewußt die Nähe zu dieser Szene, weil ich glaube, da was wieder gutmachen zu müssen ... Jetzt stell´ mich in dem Interview aber bitte nicht als verhinderten Missionar dar, das wäre wirklich mehr als unpassend !



Electro-Industrial-Musiker, Anno 1987
MUSIK (off-topic)

Des Hörspiels hässliche Schwester

Der Name dieser Schwester ? 'Musik' ! Sie vermag ebenso wie das Hörspiel, Gefühle und Stimmungen zu stimulieren. Grenzwertig wird es allerdings, wenn sich Bruder 'Hörspiel' und Schwester 'Musik' inzestuös vermischen. Wer würde zum Beispiel Hörspiele mit Electro-Industrial-Musik à la 'Abgetriebenes Keuchen' hören wollen ?

Unterdurchschnittliche PR-Arbeit

Die Einbindung in die Hamburger beziehungsweise Norddeutsche Independent-Szene ist bei 'Abgetriebenes Keuchen' nicht wirklich gegeben.

Das mag zum einen an der demonstrativ unpolitischen Haltung von Paal und Luehr liegen, die in linken Medien- und Künstlerkreisen à la Alfred Hilsberg natürlich nicht gut ankommt. Zum anderen stellen sich die Abgetriebenen mit dem von ihnen kultivierten trotzigen Dilettantismus immer wieder selber ein Bein – so auch bei der Öffentlichkeitsarbeit, für die – wenn überhaupt – am ehesten noch Harry Luehr verantwortlich zeichnet. Das sieht in der Praxis hauptsächlich so aus, dass er sich in seiner Freizeit, über die er als 19jähriger nicht sonderlich ehrgeiziger Gymnasiast reichlich verfügt, bevorzugt in und um den Plattenladen ‚Unterm Durchschnitt‘ herumtreibt, der mitsamt mehrerer kleinster Musiklabels von Uli Rehberg betrieben wird, dem inoffiziellen Paten der norddeutschen Indies und Punks. Luehr: „Für mich kam immer nur diese absolut authentische Vinyl-Klittsche von Rehberg als Vertrieb für unsere Aufnahmen in Frage“.
Eine Haltung, die von Rehberg standhaft ignoriert wird. Und gegen die Luehr auch mit verstärkten Sympathie- und Stützungskäufen in dem fraglichen Kellergeschäft nichts auszurichten vermag: „Das geht ganz schön ins Geld. Und befriedigend ist es auch nicht besonders, Harry L. im Kellerdenn die meisten Platten hier gehen nicht besonders gut ab und sind wenig tanzbar.“ Niemand kann wissen, lange Luehr sein spärliches Taschengeld noch in ‚Swans‘- oder ‚Foetus‘-Alben investieren muss, bevor Uli ‚Willst-Du-hier-nur-gucken-oder-auch-was-kaufen?‘ Rehberg seine Rufe und die seiner beiden Kollegen nach einem Plattenvertrag bei einem seiner Independent-Labels erhören mag. Bis es soweit sein wird, scheint der Vertrieb der 'Abgetriebenes Keuchen'-Werke über ‚Harsh Reality Music‘ (Tennessee;USA) und ‚Alternate Media Tapes‘ (Birmingham;GB) immerhin gesichert.

Dezibelstarkes Alleinstellungsmerkmal

Der Unberechenbarste der drei Abgetriebenen ist zweifelsohne Tim Paal, der zunächst eher widerstrebend das Mikrofon für die Combo übernahm. Da der Gesang – anders als die Artwork – keinesfalls mit seiner kreativen Selbstverwirklichung verknüpft ist, lässt er live und bei den Aufnahmen sämtliche Hemmungen fallen und liefert regelmäßig einen beunruhigen Mix aus missglückter Arie, Urschreiversuchen und Heavy-Metall-Gegröle.

Hier besitzen 'Abgetriebenes Keuchen' auf weiter Flur ein nicht zu leugnendes Alleinstellungsmerkmal und der stets sehr gelassen wirkende Paal scheint sich mit der ihm aufgedrängten Position des Frontmannes mehr und mehr anzufreunden – auch wenn er regelmäßig keinen Zweifel daran lässt, dass sein Interesse viel mehr der bildenden Kunst gilt als der auditiven: „Heiße Rhythmen Marke ‚Eigenbau‘ sind natürlich eine prima Sache, aber erst eine gelungene ‚Nitzer Ebb‘-Plastik lässt Dich abends nach vollendetem Werk zufrieden einschlafen.“ Es scheint fraglich, ob ein Waver mit solch einer Einstellung der Independent-Szene noch lange erhalten bleiben wird – eine Abwerbung durch die Hamburger Kulturfabrik ‚Kampnagel‘ muss befürchtet werden.
Dark-Wave-SchönheitenImmerhin scheint sich der attraktive Dauergrimassenschneider gegenwärtig (1989) als Rampensau für 'Abgetriebenes Keuchen' im Kir oder im Stairways noch ganz wohl zu fühlen. Und das, obwohl die Inanspruchnahme von Groupies zur Versüßung des Musikeralltags oder zur Inspiration für den 20Jährigen, anders als für den Kollegen Trainer, offenbar keine Option ist. Was möglicherweise auch daran liegen mag, dass bis zur Unkenntlichkeit geschminkte Dark-Wave-Mädchen nicht jedermanns Sache sind oder man es bei Paal in dieser Beziehung schlicht mit einem klassischen Spätzünder zu tun haben mag, was sein oftmals schmerzerfülltes Gebrüll auf der Bühne erklären helfen könnte. Nicht jeder Bandleader muss schließlich automatisch auch ein Womanizer sein. Das gilt für Electro-Punks noch weitaus mehr als für Popsänger.



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Ufos: M. Gaida (fiktiv)
Jugendkult: Jens Wawrczeck
Starke Kinder: Alfred Krink





provokative Hörspiele
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Science-Fiction-Hörspiele
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P. RHODAN & CO





Hochtrabend und Anmaßend
Essay: Niveau-Drücker
Essay: Viel Lärm um nichts
Rede: Zustand des Hörspiels
Beitrag: Erlebnisgesellschaft
Infantil: Kinder hören anders
'Ideology kills the radio drama star'





Die Hörspieler-Homepage von 1999 bis 2009
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Die Greller-Homepage von 2004 bis 2009
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junger LEO GRELLER





Die 10 besten öffentlich-rechtlichen Hörspiele nach Meinung des HÖRSPIELers

TOP-10 des HÖRSPIELers
(alphabetisch sortiert)

Auf zur Venus
A: Michael Gaida | P: SFB 1982
R: Manfred Marchfelder | L: 57 Min.
D: Uwe Müller, Helga Anders, Monika
Hansen, Erwin Schastok, Peter Matic

Blutbad
A: Sylvia Hoffman | P: SFB 1973
R: Christian Gebert | L: 51 Min.
D: Hans Korte, Ingeborg Engelmann,
Elke Aberle, Ulrich Faulhaber

Die Brandung von Hossegor
A: Alfred Andersch | L: 88 Min.
R: Otto Düben | P: NDR/HR/SR/WDR 1976
D: Christian Brückner, Christoph Quest,
Ursela Monn, Barbara Freier

Ein Sonntag in New York
A: Truman Capote, Andy Warhol
B: Beate Andres | L: 60 Min.
R: Beate Andres | P: NDR 1998
D: Martin Reinke, Klaus Schreiber

Fehler im System
A: Richard Strand | L: 39 Min.
B: Franziska Hirsbrunner
R: Pierre Kocher | P: DRS 1989
D: Wolfgang Grabow, Renate Müller

Leute wie wir
A: Donovan O'Malley | P: NDR 1981
B: Monika Klostermeyer
R: Hans Rosehauer | L: 45 Min.
D: Katharina Thalbach, Stephan Schwartz,
Jutta Wirschaz, Marlen Diekhoff

Das Loch im Kopf der Welt
A: Fay Weldon | L: 87 Min.
Ü: Hubert von Bechtolsheim
R: Stefan Dutt | P: P: SR/BR/RB 1993
D: Jürgen Holtz, Friederike Tiefenbacher

Nach Tübingen oder
Lauf, Friedrich, lauf!
A: Frank Werner | P: NDR/SWF 1989
R: Hans Rosenhauer | S: 42 Min.
D: Gert Baltus

Science Fixion
A: Peter Jacobi | P: RB 1979
R: Manfred Marchfelder | S: 65 Min.
D: Henning Venske, Ronald Nitschke
Anja Kruse, Otto Sander

Unser Vater ist doch noch
ein Shooting-Star geworden
A: Ria Endres | P: SWR/WDR 1999
R: U. Brinkmann | S: 39 Min.
D: Sophie Rois, Antje v.d. Ahe u.a.

A=Autor | B=Bearbeitung | D=Darsteller (Auswahl)
P=Produkt. | R=Regie | L=Länge | Ü=Übersetz.






Hörspiel-Interviews
Sammelfreuden: Herbert Piechot
Unabhängig: Caspar Abocab
SpaceDay: Michael Esser





Drei-Fragezeichen-Kurzrezensionen
Drei-Fragezeichen-Kurzrezensionen
PETER SHAW & CO

Dan-Shocker-Kurzrezensionen
Dan-Shocker-Kurzrezensionen
LARRY BRENT & CO





Die 10 besten öffentlich-rechtlichen Kriminal-Hörspiele der letzten 3 Jahrzehnte nach Meinung des HÖRSPIELers | Ranking

TOP-10 des HÖRSPIELers
Kriminal-Hörspiele (Krimi-Ranking)
(chronologisch)

Lindauer Pietà
A: Martin Walser | P: WDR/SWF 1975
R: Günther Sauer | S: 78 Min.
D: Heinz Meier, Brigitte Horney, L. Carstens

Verteidigung von Friedrichshafen
A: Martin Walser | P: DDR 1976
R: Heinz-Wilhelm Schwarz | S: 54 Min.
D: Dietrich Körner, Hans-Joachim Hanisch

... trägt Anstaltskleidung
und ist bewaffnet
A: Irene Rodrian | P: BR 1982 | S: 54 Min.
R: Gert Westphal | B: Lilian Westphal
D: Robert Atzorn, Lisi Mangold, Rita Russek

Detective Andy
und der Transvestitenmord
A: Anthony J. Ingrassia | P: SFB/HR 1983
R: Bernd Lau | S: 52 Min. | B: Götz Naleppa
D: Manfred Krug, Tara O'Hara, Otto Sander

Brunx
A: Jens Hagen | P: WDR 1983
R: Werner Klein | S: 52 Min.
D: Achim Hammer, Karin Dieck, M. Ponnier

Detective Andy
und der Disco-Passion-Mord
A: Anthony J. Ingrassia | P: SFB 1987
R: Werner Klein | S: 57 Min.
D: Manfred Krug, Ursula Heyer, B. Primus

Potsdamer Ableben
A: Pieke Biermann | P: SFB 1989
R: Günther Sauer | S: 109 Min.
D: Renan Demirkan, Beate Hasenau

Panama oder
Die Details der Engel
A: Michael Batz | P: NDR 1990
R: Hans Rosenhauer | S: 60 Min.
D: Barbara Nüsse, Rainer Schmitt

Traumfabrik
A: Roger Hall | Ü: Hubert von Bechtolsheim
R: Renate Heitzmann | S: 45 Min.
P: DLR 1995
D: Rolf Ludwig, Michael Schenk, Th. Thieme

Anna Marx und die Mörderin
A: Christine Grän | P: SWR 1999
R: Walter Adler | S: 55 Min.
D: Hansi Jochmann, Hermann Lause

A=Autor | B=Bearbeitung | D=Darsteller (u.a.)
P=Produkt. | R=Regie | S=Dauer | Ü=Übersetz.





Lesung
Lesung von Leo Greller (1/2) - Mediensatire
TEIL1

Lesung
Lesung von Leo Greller (2/2)
TEIL2





Die besten öffentlich-rechtlichen Kriminal-Hörspiele außer Konkurrenz (etc.) der letzten Jahrzehnte nach Meinung des HÖRSPIELers | Ranking

TOP-2 des HÖRSPIELers
Kriminal-Hörspiel / außer Konkurrenz
(chronologisch)

Gestatten, mein Name ist Cox
A: Alexandra & Rolf Becker | P: NWDR 1959
R: Walter Netzsch | S: 180 Min.
D: Carl-Heinz Schroth, Siegfried Lowitz

Das Bouillabaisse-Komplott
A: Andreas Pflüger | P: DSK 1993
R: Albrecht Surkau | S: 45 Min.
D: Otto Sander, Angelika Waller

A=Autor | B=Bearbeitung | D=Darsteller (u.a.)
P=Produkt. | R=Regie | S=Dauer | Ü=Übersetz.





Video: Die Tacheles-Satiren (m21-Werkschau)
Video: Die Tacheles-Satiren (m21-Werkschau)
TACH.-SATIREN

Diskussion
Diskussion zum Thema 'Political Correctness in der Kunst'
KREATIVE MITTE





zuletzt und bald im HÖRSPIELer
zuletzt: ... erfindet sich wieder neu
bald: ... vermisst das Dampfradio






GENRE

Das lange Leben der Hörspielserien

Ob Science Fiction, Krimis, Grusel oder Skurriles: Mehrteiler bleiben uns meist länger im Gedächtnis. Ob zu recht oder nicht, kann man nicht immer klar sagen. Vielleicht fungieren in der Single-Gesellschaft die immer wieder kehrenden Hörspielhelden auch bereits als eine Art 'Ersatzfamilie' für uns. Das wäre zwar traurig aber irgendwie auch verständlich ...
Hörspielserien-Sprecherin

Douglas Adams

In den Jahren 1981, 1991 und 1999 wurden die Serien "PER ANHALTER INS ALL" (Teil 1-6), "PER ANHALTER INS ALL" (Teil 7-15) sowie das Einzelhörspiel "RAUMSCHIFF TITANIC" zu jewels 300, 360 und 130 Minuten Länge mit Siemen Rühaak, Rolf & Markus Boysen, Felix von Manteuffel, Matthias Fuchs, Martin Seifert, Frank Stöckle, Nina Weniger, Frauke Poolman, Jens Wawrczeck und vielen anderen veröffentlicht.

Wohltuend ist dem `Anhalter´ anzumerken, dass seine Realisatoren keinem großen Druck ausgesetzt waren, die facettenreichen Handlungsstränge aus Adams Romanen in ein begrenztes Zeitformat zu pressen. Was die schauspielerischen Qualitäten der Sprecher anbelangt, sind die Darsteller aller Adams-Adaptionen gut ausgewählt. Lediglich die Stimmen von Dent und Prefect, den Hauptfiguren des Anhalters, klingen einander leider sehr ähnlich, was dazu führt, dass sie über weite Strecken der Serie kaum auseinanderzuhalten sind. Markus Boysen fällt mit seiner immer wieder recht selbstgefällig und klamaukhaft überzogen wirkenden Darstellung des `Ford Prefect´ leider negativ auf. Die Soundkulissen sämtlicher Adams-Vertonungen sind ab der ersten Produktion mit steigender Tendenz bedauerlicherweise recht bombastisch ausgefallen, was beim Hörer nach einiger Zeit durchaus zu einen Brummschädel führen kann:
In den ersten sechs Folgen von PER ANHALTER INS ALL reist Ford Prefect, menschenähnlicher Urbewohner von Ursa Minor, durch die Galaxie, um ein Handbuch für Billigreisen durch den Weltraum auf den neuesten Stand zu bringen. Hierbei landet er schließlich auch auf der Erde in England, wo er einige Zeit verweilt und sich sogar mit dem terrestrischen Eingeborenen Arthur Dent anfreundet. Doch die gemütliche Zeit ist schnell vorüber: Arthur und Ford gelingt es gerade noch rechtzeitig, per Anhalter in einem Raumschiff der Vogonen von der Erde zu fliehen, als diese sich daran machen, die Erde für den Bau einer galaktischen Umgehungsstraße zu sprengen. Originelle Einfälle in Folge sowie motivierte Sprecher und eine angemessene Umsetzung bescheren den Hörern eine gelungene Weltraumexpedition.
In den letzten acht Folgen von PER ANHALTER INS ALL werden Arthur Dent und Ford Prefect nach einem kurzen unfreiwilligen Zwischenstop in der Frühgeschichte der Menschheit wieder in die Gegenwart zurückgeholt. Hier gilt es nun, die Galaxis vor den Cricket-Kriegern zu schützen, die alle Lebewesen, die nicht vom Planeten Cricket stammen, auslöschen wollen. In diesem Abschnitt des `Anhalters´ werden neben dem bewährten Tohuwabohu einer ungebremst galoppierenden Handlung durchaus auch nachdenkliche Töne über Krieg, Frieden und Gerechtigkeit angeschlagen, was dem Hörerlebnis keinen Abbruch tut.
Jens Wawrczeck (Foto mit freundlicher Genehmigung durch ebendiesen)In RAUMSCHIFF TITANIC wird eine Gruppe von Erdenbürgern auf eben dieses pompöse Gefährt entführt, einer Art intergalaktischem Luxusliner. Fehlprogrammierte Roboter, die fremdartigen Sitten und Gebräuche der anderen Passagiere und vor allem eine aus Versehen aktivierte Selbstzerstörungsvorrichtung machen den Mitreisenden auf ihrem Flug schwer zu schaffen. Diese dem `Anhalter´ angelehnte Erzählung lässt nur noch wenig von dessen Originalität spüren. Eine handvoll mehr oder weniger (eher weniger) amüsanter Einfälle reicht nicht aus, 130 Minuten Hörspiel-Unterhaltung zu gewährleisten. Die Bemühungen der Darsteller sowie streckenweise infantil anmutende Sprachschöpfungen ("Smurf-Wumme" etc.) und eine gegenüber dem `Anhalter´ gesteigerte Portion Sex vermögen es nicht, den Hörer über die sich hinziehenden und mitunter nervtötenden Handlungsstränge hinüberzuretten.

Maritim-Klassiker

Hauptsächlich um 1978 produzierte das Hamburger `Maritim´-Label mit Friedrich Schütter, Christine Teelen, Michael v. Rospatt, Stephan Chrzescinski, Rolf Mamero, Rüdiger Schulsky, Werner Hoffmann, Joachim Richert und vielen anderen zwei Serien mit jeweils drei Folgen und 50 Minuten Dauer ("PROJEKT S.E.T.I. - SIGNALE AUS DEM ALL"; "ORBIT CHALLENGER - KILLERSATELLITEN GREIFEN AN"; "ORBIT CHALLENGER - SPACE SHUTTLE ENTERPRISE"; "DAS GEHEIMNIS DER MAYAS"; "DAS GEHEIMNIS DER VERSUNKENEN STADT TIAHUANACO"; "DAS GEHEIMNIS DER PYRAMIDEN") sowie einen Zweiteiler zu jeweils ungefähr 40 Minuten ("ANTARES 8: WELT-ALARM"; "ANTARES 9: VERRÄTER AN BORD") und ein `nachgeschobenes´ Hörspiel ("DAS GEHEIMNIS DES BERMUDA-DREIECKS") zu ungefähr 60 Minuten Dauer.

Zu einem Zeitpunkt als die kommerzielle Hörspielwelt noch weitgehend in Ordnung war, produzierte das Hamburger Maritim-Label eine professionelle Science-Fiction-Reihe mit insgesamt 8 Hörspielen Umfang. Bevor es dann später nach dem Verkauf um das Label ruhiger werden sollte, erschienen die Tonträger noch eine Weile lang unter dem Label Auditon. Die Besetzung besonders der beiden Dreiteiler `Science Fiction Documente´ und `Die Zeitmaschine´ nach P. Bars konnte u.a. mit Namen wie Friedrich Schütter, sowie den aus anderen Hörspielserien bekannten Renate Pichler und Stephan Chzescinski aufwarten. Die Produktionen `Science Fiction Documente´ wie auch die `Zeitmaschine´ bestechen durch ihre ausgesprochen solide und unaufgeregte Umsetzung, bei der auf billige Effekthascherei und übermäßigen Musikeinsatz vollständig verzichtet wurde. Der Zweiteiler `Antares 8´ und `Antares 9´ nach Heinz Kühsel fällt hingegen gegenüber den anderen beiden Serien etwas ab, was mit einem anderen Produktionsteam und der Zielgruppenausrichtung auf jüngere Hörer zu erklären sein könnte. Die beiden Hörspiele sind fast vollständig von einem eigenen Soundtrack untermalt, der allerdings die jeweilige Atmosphäre gut trifft und verhältnismäßig unaufdringlich sowie originell daherkommt (Edgar Schlepper auf einem Synthesizer-Oldtimer):
Das ForschungsPROJEKT S.E.T.I., das Signale aus dem All aufspüren soll, empfängt ausgerechnet in dem Moment, in dem ihm vom amerikanischen Senat die Gelder gestrichen werden sollen, Signale von Barnards Stern. Doch nicht nur das: Wenig später funken die Barnards von der Rückseite des Erdmondes, dass sie dort gestrandet sind und Hilfe benötigen. Die Wissenschaftler wollen helfen, die irdischen Militärs verfolgen jedoch andere Ziele. Hierbei handelt es sich um ein Action- aber nicht handlungsarmes Hörspiel mit glaubhaft dargestellten Charakteren, in dem der Ost-West-Konflikt noch voll zum Tragen kommt.
Die internationale zivile Raumstation ORBIT CHALLENGER wird von Killer-Satelliten, die von der Erde aus gesteuert werden, attackiert. Der Kampf scheint aussichtslos, da es auf der Erde viele Kräfte gibt, die gegen die Station sind und man daher nicht weiß, wer hinter den Anschlägen steckt. Ein gut durchdachtes, aufschlußreiches und aufregendes Weltraumdrama.
Ein Wissenschaftler auf ORBIT CHALLENGER erhält Besuch von seinen beiden Söhnen. Seine Experimente scheinen kurz darauf sabotiert zu werden. Die beiden Söhne haben schnell einen Handlungsreisenden aus dem Space Shuttle Enterprise in Verdacht, für die Anschläge verantwortlich zu sein: Leidet der Mann etwa unter dem mysteriösen Orbit-Koller ? Eine Geschichte durchaus nicht nur für jüngere Hörer, obwohl die beiden Hauptdarsteller Kinder sind. Das Ende wartet überdies mit einer Überaschung auf.
Professor Bailey hat eine ZEITMASCHINE entwickelt, die er, bevor er sie der Weltöffentlichkeit vorstellt, noch ausführlich testen will. Daher begibt er sich mit seiner Crew auf die Reise durch die Zeit, die sie an aufregende Orte zu ereignisreichen Epochen führen soll. Da die Zeitmaschine auf der Reise beschädigt wird, ist man immer wieder einigen Turbulenzen ausgeliefert. Zudem stoßen der Professor und sein Team häufig auf die Spuren Außerirdischer, die sich offenbar öfter als einmal in die Menschheitsgeschichte eingeschaltet haben. Dies sind gut recherchierte Geschichten, die um eine interessant beschriebene und buntgemischte Gruppe von Menschen herum inszeniert wurden.
Hinter dem GEHEIMNIS DES BERMUDA-DREIECKS und dem Verschwinden mehrerer Schiffe stecken zeitreisende Menschen aus der Zukunft. Mit dieser in Stil und Inhalt an die `Zeitmaschinen´-Serie angelehnten Produktion wollte man bei Maritim scheinbar noch einmal an den Erfolg der anderen Kurzserien anknüpfen. Dies gelang nicht wirklich.



KONFORMISMUS

Gesellschaftspolitisch totes Hörspiel

Auf moralinsaure Agitation hochbezahlter wie humorloser Weltverbesserer hat kaum noch jemand Lust. Aber in den öffentlich-rechtlichen Hörfunkhäusern ist man Dank GEZ-Demokratieabgabe zum Glück nicht auf zahlendes Publikum angewiesen. (Hör-)Gespielt wird in jedem Fall - und sei es vor einem sich immer weiter marginalisierendem Publikum.
Geht dem Medium 'Hörspiel' dank demographischen Wandels bald das Publikum aus ?

Schweigespirale bezüglich heikler Themen

Als positive technische Neuerung sorgt seit ungefähr 8 Jahren wenigstens das Internet dafür, dass sich Hörspielfreunde hervorragend informieren, untereinander leichter austauschen und gegenseitig wegen ausbleibender ungewöhnlicher Stücke trösten können.

Dass gemeinsame Trauerarbeit Not tut, verdeutlicht ein Beispiel vor Ort: Der RBB produziert in seinen Studios jährlich ungefähr 20 eigene Hörspiele. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: eine Stadt wie Berlin mit einer Sendeanstalt von großzügigen Ausmaßen und ZWANZIG Hörspiele ! Dies erinnert an das Bild der fehlgeplanten und hochsubventionierten Straßen und Brücken, die in Ostdeutschland ins Nichts führen. Um das öffentlich-rechtliche vom kommerziellen Hörspielwesen abzugrenzen, wurde im HÖRSPIELer jüngst überspitzt, das eine sei eher männlich dominiert und die Öffentlich-Rechtlichen eher weiblich, was gerade im Raum Berlin-Brandenburg zuzutreffen und eine alte Lebensweisheit zu bestätigen scheint, nach der Frauen das Elend immer schon besser auszuhalten und zu verwalten imstande waren als Männer. Man werfe aktuell einen Blick ins Kanzleramt.

Funkturm-Charlottenburg-Berlin Frank Schirrmacher beschrieb in seinem Buch `Minimum´ die Massenmedien der kinderarmen Gesellschaft so, dass in ihren fiktiven Inhalten der spärlich gesäte Nachwuchs immer seltener vorkommt. Dies laufe auf eine Art sich selbst verstärkende Schweigespirale hinaus. Was bei Schirrmacher aufs Fernsehen gemünzt war, gilt auch für das Radio: Bei den kommerziellen Hörspielen haben wir bereits seit einem Jahrzehnt das Phänomen, dass Produktionen für die jugendliche Zielgruppe mehrheitlich von erwachsenen Männern konsumiert werden und bei öffentlich-rechtlichen Hörspielen fällt auf, dass Frauen in den Entscheidungspositionen - vorsichtig ausgedrückt - familienrelevante Themen oder auch Probleme des Kindermangels nicht gerade zu fördern scheinen.

Konformistische Themenwahl

Dahinter steckt vermutlich keine bewusste Absicht sondern oftmals ein mit Verdrängung einhergehendes biographisch bedingtes Gatekeeping: eine Abwehrhaltung gegenüber bestimmten Themen, die sie nicht kommuniziert hören wollen.

Es ist nur natürlich, wenn Redakteurinnen und Redakteure persönliche Vorlieben und Abneigungen, Interessen und Einstellungen haben - die Mitarbeiter der Hörfunksender agieren schließlich nicht im luftleeren Raum. Es ist jedoch sehr kritisch, wenn hieraus ein Klima entsteht, das dazu beiträgt, die Chancen für konstruktive Gesellschaftskritik im Hörspiel deutlich zu verschlechtern, wie es seit ungefähr 20 Jahren der Fall ist. Die Nähe zur Politik ist nur schwer zu überhören. So kommt es, dass viele Hörspielautoren schon lange wissen, in welche `Richtung´ sie schreiben müssen, um Aufträge vom öffentlich-rechtlichen Hörfunk zu bekommen: Als sichere Nummern gelten Fragen der Geschlechtergerechtigkeit, der kulturellen Vielfalt und des dritten Reichs. Das sind sehr wichtige Themen mit deren einzig möglicher Bearbeitungsweise pro Gerechtigkeit, pro Vielfalt, contra drittes Reich man aber nichts riskieren kann und nichts riskieren sollte. Die mannigfaltigen Folgeprobleme des `demographischen Wandels´ erscheinen hingegen nahezu tabuisiert. Es existiert also de facto eine informelle Vorzensur.

Wenn man heute gegenüber öffentlich-rechtlichen Verantwortlichen das nahezu vollständige Fehlen von Hörspielberichten in den Feuilletons der Zeitungen, die über bloße Rezensionen hinausgehen, ein wenig bedauert und sich Sorgen um den Fortbestand dieser Kunstform macht, bekommt man in der Regel reflexartig erwidert, dass die Rundfunkhäuser nun einmal nicht gegen die neuen Realitäten von `Multimedia´ und `Internet´ angehen könnten. Die Konkurrenz anderer Anbieter sei heute im Gegensatz zu früheren Zeiten einfach übermächtig. Eine schwache Entschuldigung für eigene Unzulänglichkeiten.




GERECHTE REZENSIONEN

Drei Fragezeichen und der Zeitgeist

'Die Drei Fragezeichen' waren und sind mit Abstand Deutschlands erfolgreichste Jugend-Hörspielserie. Nach über 3 Dekaden, in denen sie ermittelten, haben sich Moral und Werte nachhaltig verändert, was sich bisher noch viel zu wenig auf die Bewertung der einzelnen Geschichten niedergeschlagen hat. Der HÖRSPIELer will dies ändern.
Das unheimliche Irgendwas aus einem frei wählbaren Fragezeichen-Hörspiel

Rubine und Totenköpfe

Der junge Gus (Stephan Chrzescinski) hat eine Erbschaft angenommen, mit der er nicht viel anfangen kann. Die drei Fragezeichen sollen bei der Entschlüsselung des Testament-Wortlauts helfen. Es steht ein Edelstein in Aussicht. Der Fluch des Rubins hat manchem seiner Vorbesitzer Unglück gebracht. Trotzdem sind noch andere hinter dem Stein her.
Die im Hörspiel ausgesprochene Warnung "Nimm dich in Acht vor einem dunkelhäutigen Mann !" lässt definitiv eine kultursensible Sprache im Sinne von Niedersachsens Sozialministerin mit Migrationshintergrund Aygül Özkan vermissen. Lediglich das frühe Erscheinen der Vertonung bereits 1979 kann entschuldigen, dass Frau Özkan, die mit ihrer „Mediencharta für Niedersachsen“ sicher keine Zensur in Deutschland einführen wollte, das Werk vermutlich nicht gutheißen würde.
Noch ein Wort zu den Büsten großer Berühmtheiten, in denen die Fragezeichen einen Hinweis auf oder gar den Edelstein selbst vermuten: Es sind die Abbilder von George Washington, Benjamin Franklin, Ottavian, Homer, Otto von Bismarck sowie Francis Bacon. Darunter befindet sich nicht EINE Frau. Dabei waren Frauen für die Geschichte der westlichen Welt genauso wichtig, wie Männer. Warum ist keine Büste von Hildegard von Bingen oder Rosa Luxemburg dabei ? Hier wurde leider eine Chance vertan.
Aus Angst vor dem Fluch des Rubins äußert sich Gus in einer Art, die sämtliche wohlmeinende Vertreter des Sozialstaats - Pädagogen, Anwälte, Politiker - zur Verzweifelung treiben würde: "Dann bleibe ich lieber arm. Ich werde schon irgendwie durchkommen ..." Als wenn arme Menschen in dieser Gesellschaft auch nur irgendeine Chance auf wirtschaftlichen Aufstieg hätten ! Genau aus diesem Grunde haben wir schließlich den Umverteilungsstaat, der die Menschen motiviert und Initiative entwickeln lässt.

Der sprechende Totenkopf führt Justus Peter und Bob zu einem versteckten Schatz, hinter dem auch ein vorbestrafter Zigeuner sowie ein Berufsverbrecher her sind.
Die Fährte zum Schatz führt über die Korrespondenz eines einsitzenden Verbrechers. Wegen der Gefängniszensur müssen die drei Detektive die Andeutungen in seinen Briefen enträtseln. Würde man die Geschichte heute neu und politisch korrekt vertonen, müsste man noch etwas deutlicher machen, dass die im Gefägnis Inhaftierten vor der Gesellschaft geschützt werden und nicht etwa umgekehrt.

Drachen und Geister

Bei ihren von Alfred Hitchcock in Auftrag gegebenen Recherchen um einen geplanten Bankeinbruch geraten die drei Detektive an ein vermeintliches Meeresungeheuer, von dem sie sich allerdings nicht ins Bockshorn jagen lassen. Der unheimliche Drache entpuppt sich als harmlose Attrappe und auch einer der Bankräuber in spe kann von Justus noch rechtzeitig zur Vernunft gebracht werden.
Besonders die Wendung, dass Justus einen der mutmaßlichen Verbrecher noch rechtzeitig von seinen Raubplänen abbringen kann, ist aus heutiger kriminalpolitischer Perspektive sehr erfreulich. Während der junge Jonas ihm Fluchthilfe leistet, sagt er noch: 'Ich glaube, dass Sie im Grunde genommen ein Spaßvogel sind, der wieder einmal über´s Ziel hinaus geschossen ist'. Manch eine Hörerin oder ein Hörer mögen bei der überaus pädagogisch wertvollen Auflösung des Falls - ohne vielleicht genau zu wissen, warum - an moderne Kriminalpolitiker wie Ehrhart Körting, Sebastian Edathy oder Christian Pfeiffer denken. Das wäre jedenfalls naheliegender, als Namen wie Kirsten Heisig, Thilo Sarrazin oder Ronald Barnabas Schill mit einem Jugendhörspiel, wie dem 'Unheimliche Drachen', in Verbindung zu bringen.

Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews helfen in Der grüne Geist einer chinesischstämmigen Farmbesitzerin, ihre Ranch gegen Intrigen zu verteidigen. Ein chinesischer Millionär hat es auf besondere Perlen abgesehen, die angeblich unsterblich machen sollen. Um in ihren Besitz zu gelangen, entführt er sogar den Neffen der alten Dame.
Sehr heikel mutet aus heutiger Sicht die eher negative und klischeebeladene Darstellung des chinesischen Finsterlings durch Ernst von Klipstein mit rollendem 'l' sowie gekünstelt hoher Stimme an. Die europäische Politikelite übt sich seit Jahren in Lobpreisungen über das kommunistisch-kapitalistische Regime im Reich der Mitte - sowohl was wirtschaftliche als auch demokratrische Fortschritte anbelangt. Man sollte es sich mit diesem immer wichtiger werdenden Global Player also auf keinen Fall verscherzen - das wissen wir heute, damals konnte man noch altbundesrepublikanisch naiv agieren.